"Die Vierzehn Nothelfer - unsere Freunde" - neues Buch über die 14 Heiligen von P. Dr. Heinrich Fürst

Die Historie der 14 Nothelfer erhellt
Pater Heinrich Fürst verfasst umfassendes Werk über die Verehrung der Heiligen
(Artikel von Stefan Lommatzsch aus dem Obermain Tagblatt vom 20.11.08)
Mit der Basilika am Obermain hat Balthasar Neumann den 14 Nothelfern ein eindrucksvolles architektonisches Denkmal gesetzt. In wissenschaftlicher Form hat sich nun P. Dr. Heinrich Fürst vom Franziskanerorden unter dem Titel „Die 14 Nothelfer, unsere Freunde“, der Verehrung der Schutzheiligen von den Anfängen bis zum 30-jährigen Krieg gewidmet. Anlässlich einer kleinen Feierstunde wurde das reich bebilderte Buch am Dienstag (18.11.) vorgestellt.
„Das ist ein großartige Leistung, die auch in wissenschaftlicher Hinsicht neue Ergebnisse liefert“, lobte Verleger Dr. Michael Imhof die professionelle Arbeitsweise und das unermüdliche Engagement von P. Heinrich. In aufwändiger Archiv- und Recherchearbeit im gesamten deutschsprachigen Raum „an den entlegensten Stellen“ sei es ihm gelungen, die Verehrungsgeschichte der 14 Nothelfer um zahlreiche Facetten zu bereichern. „Und das in einer Form, die schlüssig ist, wissenschaftlichen Anspruch erhebt und Spaß beim Lesen macht.“
Einzigartige Fotografien
Doch nicht nur inhaltlich fundiert, auch optisch wartet das 287 Seiten umfassende Werk mit insgesamt 214 einzigartigen Fotografien auf. Diese wurden vom Autor unter teilweise schwierigsten Licht- und Platzverhältnissen aufgenommen und im Verlag aufwändig zur Veröffentlichung bearbeitet.
Drei Ziele leiteten den Autor, der bereits von 1981 bis 1985 und wieder seit 2004 in Vierzehnheiligen tätig ist: Zum einen wollte er die Ursprünge dieser besonderen Frömmigkeitsform ergründen, ihrer weiträumigen Verbreitung nachspüren und den Sinn dieser zentrierten Heiligenverehrung herausarbeiten. „Wenn möglich möchte ich auch zu einer Ehrenrettung dieser Heiligen gegenüber manchen Verkennungen beitragen und vielleicht sogar Anregungen für die Erneuerung dieser besonderen Heiligenverehrung geben“, brachte P. Heinrich seine Beweggründe auf den Punkt.
Denn schon die landläufige Meinung „jeder der 14 Nothelfer sei für ein anderes Leiden des Körpers und der Seele zuständig“, beruhe auf einem falschen Verständnis, „und hält vor allem den ältesten Nothelfergebeten nicht stand. Denn die 14 Nothelfer sind als Gruppe kompetent, sie sind Fürbitter bei Gott.“
Als Gruppe kompetent
Der originäre inhaltliche Kern der Nothelferverehrung sei folglich treffend in dem bekannten Refrain „Ihr 14 Heiligen groß bei Gott, o helfet uns in Not und Tod“ angelegt. Denn die Begleitung der Menschen durch die Nothelfer höre keinesfalls „in der Friedhofshalle auf“, sondern daran schließt sich ein neues Betätigungsfeld, nämlich, „die Begleitung des Menschen durch ihre Fürbitte bis zur Herrlichkeit des Himmels. Alle Nöte auf Erden werden zusammengefasst in der letzten Not des Hinübergangs in die Ewigkeit Gottes.“
Ursprünge in Österreich
Ebenso sei die Annahme irrtümlich, die Entstehung der Nothelferverehrung sei vor allem eine im fränkischen und süddeutschen Raum wurzelnde Erscheinung. Die ersten Nothelferorte in Franken sind nach 1382 in Städten wie Lauf, Auerbach und Nürnberg dokumentiert.
Bisher galt Regensburg, das die vier ältesten bildlichen Darstellungen der 14 Nothelfer in den Jahren 1310 bis 1340 aufweisen kann, als Ursprungsort. „Man kann aber sicher sein, dass der Ursprung nicht in Deutschland, sondern in Österreich liegt“, erläutert der Autor eines der Ergebnisse seiner Forschungsarbeit. „Überhaupt verdienen die österreichischen und Tiroler Nothelferorte mehr Beachtung, als sie bisher genossen.“ Er sei sich sicher, dass das älteste diesbezügliche Dokument aus dem Jahr 1284 in Krems an der Donau zu finden ist, „das Archiv muss aber erst neu geordnet werden.“
Landrat Reinhard Leutner zeigte sich - ebenso wie die anderen Gäste, unter ihnen Monsignore Wolfgang Witzgall, Generaloberin Christine Köberlein und Sparkassenchef Roland Vogel - beeindruckt von der Leistung des Autors. Landrat Leutner lobte zudem die finanzielle Unterstützung der Oberfrankenstiftung, Friedrich-Baur-Stiftung und der Sparkassenstiftung, ohne die dieses Projekt nicht in diesem Umfang hätte verwirklicht werden können.

Sie waren sich einig, dass Pater Heinrich (2. von rechts) mit dem Buch „Die Vierzehn Nothelfer, unsere Freunde“ ein Liebhaberwerk gelungen ist (von links) Verleger Michael Imhof, Prälat Luitgar Göller und Guardian Pater Benedikt. Foto: lom
Hier finden Sie nun auch noch das Kurzreferat, das P. Heinrich Fürst bei der Buchpräsentation gehalten hatte:
Die 14 Nothelfer, unsere Freunde
Ihre Verehrung von den Anfängen bis zum 30-jährigen Krieg
Das Buch geht zurück auf meine frühere Dienstzeit hier 1981 – 85.
Damals war das nur ein Hobby, ein Sammler-Interesse
freilich schon mit Schwerpunkt auf die Frühzeit,
um hinter die Beweggründe dieser besonderen Frömmigkeitsform zu kommen.
Erst nach Fertigstellung meines Heiligland-Führers im Jahr 1999 (600 SS. Dünndruckpapier, jetzt in einem Nachdruck bereits wieder fast vergriffen) konnte ich daran denken, auch aus meinem Fundus an Nothelferfotos etwas Seriöses zu machen.
Mich haben dabei drei Ziele geleitet:
1. Den Ursprungsort dieser besonderen Frömmigkeitsform herauszubringen
2. Der weiten Verbreitung nachzuspüren
3. Den Sinn dieser hier zentrierten Frömmigkeitsform herauszuarbeiten und dabei wenn möglich zu einer Ehrenrettung dieser Heiligen gegenüber manchen Verkennungen beizutragen. Dabei wenn möglich auch Winke für die Erneuerung dieser besonderen Heiligenverehrung zu geben.
Wenn ich heute feststelle, dass es Nothelferverehrung nur in deutschen Landen, d. h. in Ländern deutscher Sprache gibt, klingt das nach einer Beschränkung.
Es ist aber eine gewaltige Ausweitung, niemand wusste vorher, dass die Verehrung unserer heiligen 14 Nothelfer das gesamte deutsche Sprachgebiet umfasst hat. Man hielt die Nothelferverehrung vor allem für eine fränkische oder süddeutsche Erscheinung mit dem wahrscheinlichen Ursprungsort Regensburg, das die 4 ältesten bildlichen Darstellungen der 14 Nothelfer in den Jahren 1310 bis 1340 aufweisen kann. Die Nothelferforscher waren auch durchwegs Professoren der Universitäten Würzburg und Bamberg.
Man kann aber sicher sein, dass der Ursprung nicht in Deutschland liegt, sondern in Österreich. Es kommt uns also darauf an, die Grenzen nach Österreich, Südtirol und in die Schweiz (und sogar bis nach Dänemark) zu überschreiten, um einen umfassenden Überblick zu gewinnen.
Das älteste Dokument stammt von Krems/Donau aus dem Jahr 1284. Zeitweise wurde es als Phantasieprodukt betrachtet, auch heute ist es noch nicht wieder aufgefunden. Es muss aber in Krems liegen, dessen Archiv z. Zt. neu gestaltet und neu geordnet wird.
Es gibt noch ein zweites Dokument für die früheste Nothelferverehrung, nämlich auf Burg Aufenstein nicht weit von Innsbruck aus dem Jahr 1330; und dieses Zeugnis konnte ich im Original auffinden und abdrucken. Es nennt die 14 Nothelfer, aber nur mit den Namen der Bischöfe Blasius und Erasmus. Damit eröffnet sich schon um 1340 ein beträchtliches Verbreitungsgebiet; einerseits von Krems nach Regensburg, gleichzeitig aber auch von Krems nach Innsbruck. Südtirol kann zwischen 1370 und 1400 schon mit drei bildlichen Darstellungen aufwarten, bevor um 1400 das fränkische Land um Nürnberg mit seinen Bildern nachkommt.
Dass insbesondere das nahe Nürnberg vor der Reformation so viele Nothelferaltäre gehabt hat, war nicht bekannt. Der beste Kenner, der Würzburger Prof. Dünninger könnte etwas davon gewusst haben, hat es aber nicht in die Öffentlichkeit gebracht aus Gründen, über die man nur spekulieren kann. Vielleicht störte es, dass so viele Verehrungsstätten ausgerechnet in dem protestantischen Nürnberg anzutreffen sind:
nämlich 10 in Nürnberg selber, und weitere 17 - 18 im protestantischen Nürnberger Land!
Wie ging es bei der Zusammenstellung der Gruppe zu? Meiner Meinung nach tat der Nothelferforschung insbesondere der Begriff der „Normalreihe“ gar nicht gut. Woraus speist sich der Anspruch einer bestimmten Zusammenstellung, die „normale“ und gültige zu sein? Der Begriff "Normalreihe" weckt die Vorstellung, wie wenn es daneben andere gegeben hätte, die anormal waren. Entsprechend geringgeschätzt wurden daher Zeugnisse, die andere Heilige aufwiesen. Man hielt das für gelegentliche Ausrutscher, aber wenn Österreich mit anderen Heiligen am Anfang steht, sieht das ganz anders aus.
Die landläufige Ansicht lief darauf hinaus, man habe 14 Heilige so zusammengestellt, „dass möglichst gegen alle Nöte ein Helfer bereitstand“ (zuletzt Heike Ebli). Diese Sicht trifft auf die ältesten Nothelfergebeten überhaupt nicht zu. Die Gruppe der 14 Nothelfer ist eine feste religiöse Größe, ähnlich der Gruppe der 12 Apostel; Spezialpatronate einzelner Heiliger müssen in einer Gruppe ganz von selber zurückstehen.
Natürlich wurden immer schon Heilige von diesem oder jenen Berufstand oder einer Handwerkerzunft als Patrone verehrt, z. B. Florian von der Feuerwehr, oder als Helfer in besonderen Nöten, wie Antonius von Padua als Wiederbringer verlorener Sachen. Aber das sind sie als einzelne Heilige, die Gruppe der 14 Nothelfer ist anders, auch wenn man in manchen Gegenden eigene Lieblingsheilige einfügte (Leonhard im ganzen Süden, Nikolaus in Tirol) und dafür weniger bekannte wegließ. Wäre es um bestimmte Spezialitäten der Heiligen gegangen, hätte man keinen auslassen und ersetzen können. Gutes Beispiel aus jüngerer Zeit: das Deckengemälde in Vierzehnheiligen: die 14 Nothelfer + Bistumspatrone!
Dass die Verehrung der sog. Nothelfer auf eine Grundfrage der religiösen Existenz antwortete, mit der auch der junge Martin Luther seine liebe Not hatte: Nämlich wie bekomme ich einen gnädigen Gott (wenn ich am Ende meines Lebens vor sein Antlitz trete?) kommt dabei gar nicht ins Blickfeld.
Als drittes Anliegen ging es mir, wie gesagt, darum, auf den inhaltlichen Kern der Nothelferverehrung zu kommen (III. Teil, ab S. 237). Dieses Anliegen ist eigentlich in dem bekannten Refrain "Ihr vierzehn Heiligen groß bei Gott, o helfet uns in Not und Tod" zusammengefasst.
Bei letzterem horchen wir auf: Die vierzehn Heiligen im Tod? Genau das ist sogar das Uranliegen, wie die ältesten Gebete bezeugen, wie auch die Tatsache, dass berühmte und wertvolle Gemälde für Verstorbene gestiftet wurden. Z. B. war Lukas Cranachs Torgauer Nothelferbild Teil des Gedächtnisaltars für die verstorbene Schwägerin des Kurfürsten Friedrich des Weisen, und das schöne Epitaph in der Neithardskapelle des Ulmer Münsters dient dem Gedächtnis der verstorbenen Frauen des Bürgermeisters, wie überhaupt unter den etwa 15 alten Nothelferdarstellungen der Schweiz 5 in Friedhofskapellen und "Beinhäusern" anzutreffen sind. Die "Kompetenz" der Nothelfer hört in der Friedhofshalle keineswegs auf, sondern erlangt ein neues Betätigungsfeld: Die Begleitung der Menschen mit ihrer Fürbitte bis zur Herrlichkeit des Himmels. Alle Nöte hier auf Erden laufen zusammen in der letzten Not des Hinübergangs in die Ewigkeit Gottes.
Hier sehe ich auch einen Ansatzpunkt zu neuer Aktualität: Ich denke an die vielen, meist jungen Menschen, die durch einen Verkehrsunfall ganz plötzlich vor das Angesicht Gottes gerufen werden. Die vielen Kreuze mit einem Blumenstrauß am Straßenrand sind bewegende Klagelieder dafür. Kann man hier gar nichts machen als dumpf fragen und klagen? "in Not und Tod" bekommt hier eine eigene Bedeutung, für den Tod des Dahingerafften, und die Not und die Ängste der Zurückgelassenen: Wie wird es dem Verkehrsopfer vor dem Gericht Gottes gehen. Dafür 14 Heilige als Fürbitter zu mobilisieren, könnte ein großer Trost sein und ein wertvoller Beistand für die schockierte Familie.
Es versteht sich von selbst, dass eine Arbeit, die so viel Neuland betritt und sich so verschiedene Ziele setzt, nur ein erster Versuch sein kann, diese Ziele gleichzeitig anzugehen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit ist so von selbst ausgeschlossen; schon heute hätte ich wieder ein paar weitere Objekte.
Und trotz der 288 Seiten und 214 Fotos sind jedoch auch größere Lücken vorhanden, die nicht so schnell geschlossen werden konnten.
1. Böhmen. Es ist praktisch sicher, dass es im heutigen Tschechien schon früh Nothelferverehrung gab. Aus der Barockzeit gibt es genügend Zeugnisse. Aber schon als in Krems/Donau 1284 erstmals ein Altar zu Ehren der 14 Nothelfer geweiht wurde, herrschte dort der böhmische König Otokar, der sich Hoffnung auch auf die deutsche Krone machte, jedoch von Rudolf von Habsburg besiegt wurde (Grillparzer, "König Otokars Glück und Ende").
Die königliche Zisterzienserabtei Goldenkron (Zlata koruna), der der hl. König Ludwig von Frankreich nach seinem Kreuzzug ins Hl. Land ein Stück der Dornenkrone Christi schenkte, muss eigentlich schon damals die Nothelferverehrung gekannt haben.
Die ersten Nothelferorte in Franken treten nach 1382 in Städten auf wie Lauf, Auerbach und Nürnberg, die Kaiser Karl IV von Prag für seine Reichspolitik mit Privilegien umworben hat. In höchstem Maße gilt das für Nürnberg, das unter seinem Nachfolger die Reichskleinodien auf immer erhielt! Zwischen Prag und Nürnberg bestanden beste Beziehungen.
Aber der Zugriff auf deutsche Literatur in Tschechien war mir nicht möglich, und noch bildet bezüglich evtl. neueren tschechischen Forschungen die Sprache eine Barriere.
2. Eine zweite Lücke wäre leichter zu schließen. Ich bekam Kenntnis von hervorragend geschnitzten Flügelaltären in der Slowakei, in der Art von Veit Stoß ("Meister Paul"), von denen es in den Büchern noch keine detaillierten Fotos gibt, sondern nur Gesamtaufnahmen. Ein Woche in der Slowakei könnte dem Bedürfnis abhelfen.
3. Aber auch generell bedürfen manche Punkte der Präzisierung, die in meinem Buch noch Vermutungen sind und entweder bestätigt oder widerlegt werden müssen. Ich meine damit vor allem meine nicht unbegründete Ansicht, die Nothelferverehrung sei in Österreich dank eines großen Reliquien-Zuflusses in der Zeit der Kreuzfahrer entstanden. Es sind nicht nur geraubte Reliquien gewesen; denn zwei der Babenberger Herzöge haben byzantinische Kaisertöchter geheiratet, die sicher nicht ohne hochverehrte Reliquien nach Österreich gekommen und in einem Stift gelandet sind.
Die Bilder des Buches sind zum größten Teil von mir selbst mit einer normalen Kompaktkamera aufgenommen. Viel zu spät bin ich auf die Digitalfotografie gekommen, die das Studium von Vergrößerungen so leicht macht. Gerade deshalb muss ich darüber staunen, was aus den Fotos geworden ist, es grenzt an Zauberei und ist das Verdienst des Verlages Imhof.
Das Verhältnis mit dem Verlag war zeitweise eingetrübt, weil nichts vorwärts ging, aber heute ist alles vergessen und verziehen. Auch Experten rühmen: Alle schiefen Linien und sogar störende Blumen auf den Altären sind beseitigt. Daher meine höchste Anerkennung; der schwierigsten Aufgabe, auch "grenzwertige" Bilder ansehnlich zu präsentieren, hat sich Herr Dr. Imhof persönlich angenommen. Vorzüglichen Dank.
Hohe Anerkennung zolle ich noch einmal den hilfreichen Sponsoren, die die Drucklegung erst ermöglicht haben: Oberfrankenstiftung, Sparkasse Coburg/Lichtenfels (Herr Direktor Vogel), Friedrich-Baur-Stiftung, sowie Herrn Landrat Leutner persönlich, der die Wege dafür geebnet hat. Ferner dem Erzbistum Bamberg (Herr Prälat Göller) und der LIGA-Bank Bamberg (Direktor Köhler). Ich glaube, die Zuschüsse haben sich gelohnt. Das das Buch, spricht für sich.













