2. Fastenpredigt von Frau Prof. Dr. Johanna Rahner am 28.02.10 in der Basilika Vierzehnheiligen

Bei den traditionellen Fastenpredigten in der Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen versuchen auch in diesem Jahr Theologen und Christen in weltlichen Berufen ganz persönlich Antwort zu geben auf die Frage: Warum ich Christ bin und es auch bleibe?
Was bedeutet mir Jesus Christus? Und wenn seine Botschaft mein Leben trägt und bestimmt, was hat das mit der konkreten Kirche zu tun? Wie gehe ich um mit Enttäuschungen und dem menschlichen Versagen der Kirche? Diese Themen rücken in unserer heutigen schnelllebigen Gesellschaft ganz besonders in den Vordergrund.
Am Sonntag "predigte" Frau Prof. Dr. Johanna Rahner aus Bamberg in der Basilika. Die katholische Theologin wurde in Baden-Baden geboren und studierte von 1982 – 1989 an der Albert – Ludwig – Universität in Freiburg im Breisgau Katholische Theologie und Biologie. 1988 folgte das Diplom in Katholischer Theologie. 1989 legte sie das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien (Kath. Theologie/Biologie) ab. Es folgte die Arbeit als Dozentin an der Fachakademie zur Ausbildung von Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten, Freiburg i. Br. für die Fächer Dogmatik, Fundamentaltheologie und Kirchenrecht 1990-1999. 1997 promovierte sie in Kath. Theologie an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg . Seit 2000/01 ist sie Lehrbeauftragte für Biblische und Systematische Theologie an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Seit 01.04.2006 lehrt sie als Professorin für Dogmatik an der Katholisch Theologischen Fakultät der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.
Die Professorin nahm das Buch Kohelet zum Mittelpunkt ihrer Predigt. Kohelet ist hebräisch und heißt Versammler oder Prediger. "Bei dem Buch Kohelet handelt es sich um eine Sammlung von Weisheitssprüchen, praktischen Lebensratschlägen und Warnungen vor falscher Lebensweise. Das Buch wird dem König Salomo zugeschrieben und ist über weite Passagen von tiefem Pessimismus geprägt. Salomo sagt: Dem Guten ergeht es wie dem Sünder, dem Schwörenden ebenso wie dem, der den Schwur scheut. Die Gesetzestreuen und Gebildeten mit ihrem Tun stehen unter Gottes Verfügung, denn der Mensch erkennt nicht, ob er geliebt oder verschmäht ist. Für jeden Lebenden gibt es jedoch Zuversicht, denn: ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe", so die Predigerin.
"Die Lebenden erkennen, dass sie sterben werden, die Toten aber erkennen überhaupt nichts mehr. Was aber?", fragte die Professorin, "hat ein solches Stück pessimistischer Allerweltsweisheit mit unserem Glauben und mit der Theologie zu tun. Es ist ein Gespräch zwischen Theologie und Glaube auf der einen Seite und menschlicher Welt- und Lebenserfahrung auf der anderen. Gerade Kohelet und seine pragmatische Haltung zur menschlichen Suche nach Glück und dem ständigen Streben danach ist ein treffendes Beispiel dafür."
"Doch was ist Glück und wie kann es erfahren werden? „Carpe diem“ - „Nütze den Tag“ – „Genieße dein Leben“, dass ist die Antwort Kohelets. Wie kaum ein anderer zeigt gerade Kohelet einen offenen und realistischen Blick darauf, wer der Mensch und vor allem wie die Welt ist, in der wir leben. In unserer Welt dominieren die „Prinzipien von Leistung und Selbstsorge“. Das Gesetz des Marktes bestimmt auch noch das geistige Leben. Jeder ist seines Glückes, seiner Erlösung Schmied. So sollte sich niemand darüber wundern, dass die Regale der Buchhandlungen überquellen an Ratgeberliteratur zur Selbstoptimierung so Rahner. Der entscheidende Grundsatz im Sinne Kohelets lautet nicht: „Du sollst oder du musst“. Denn die subtilste Selbstveredelungs- und Selbstrechtfertigungstaktik schafft es nämlich nicht, das Ärgernis des Todes aus der Welt zu schaffen. Und vor diesem letzten Richter sind alle gleich. Der Glaube an Gott gründet und begründet sich in einem Funken von außen und vielleicht müssen wir erst wieder lernen, dass Sinn etwas ist, das wir nicht machen können, sondern das Sinn etwas ist, dass uns gegeben wird", so Prof. Dr. Johanna Rahner.












