Über-Brücken - 4. Ökumenisch-spirituelle Kirchenerkundung - Brücke überwindet Trennendes
Basilika und strahlte zahlreiche Brückenmotive in der Basilika an.
Die Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen war am Freitagnacht (23.07.) von 22.00 bis 24.00 Uhr Schauplatz einer ökumenisch – spirituellen Kirchenerkundung, die von den Franziskanerpatern, den St. Franziskusschwestern und von Pfarrer Helmuth Bautz von der evangelischen Kurseelsorge vorbereitet worden war.
Die 4. ökumenisch-spirituelle Kirchenerkundung in der Wallfahrtsbasilika stand ganz unter dem Thema „Über-Brücken“. In der Wallfahrtsbasilika herrschte völlige Finsternis als P. Benedikt die zahlreichen Gläubigen zur ökumenischen Kirchennacht begrüßte. "Das Wort „Brücke“ kommt in der Bibel nirgends vor", sagte P. Benedikt und fuhr fort: "Dafür ist oft von Aufgaben die Rede, die eine Brücke im Leben erfüllt: Das Getrennte verbinden, Hindernisse überwinden, ohne sie zu verändern."
"Wir schauen die Treppe an, die große Freitreppe der Wallfahrtsbasilika, sie überwindet den Höhenunterschied. 14 Stufen führen hinauf zum Portal. Sie hat die Aufgabe und den Zweck einer Brücke: überwinden, was trennt. Die Jakobsleiter über dem Paulusaltar überwindet und verbindet gleichzeitig Erde und Himmel. Das ist das Thema dieser Kirchenerkundung: Über Brücken.
Der Raum der Basilika ist reich gegliedert durch viele Bögen und Pfeiler, die Bögen unter den Seitenemporen, die Orgelempore – eine große Brücke, der Baldachin am Gnadenaltar. Die Brückenbögen sind gut zu erkennen und die Pfeiler, die die Bögen tragen, die wunderbaren Säulen aus Stuckmarmor mit ihren pastellartigen Färbungen.
Das Motiv „Brücke“ lässt sich in der Basilika Vierzehnheiligen erstaunlich oft entdecken. Schließlich steht sie an einem Platz, an dem nach der Überlieferung der Abstand zwischen Himmel und Erde in der Erscheinung des Gotteskindes über-brückt wurde. Zu nächtlicher Stunde lässt sich diesem Thema auf bemerkenswerte Weise im Lichtkegel eines Scheinwerfers nachspüren.
Das Bild von der Brücke gehört zu den großen Zeichen des Lebens. Brücken verbinden zwei Ufer, sie überwinden, was trennt, sie überwinden Hindernisse: Grenzen, Flüsse, Wege, Schluchten, Gefahrenstellen, sie bewirken, dass ein Weg ununterbrochen und angenehm weitergeht, tragen Lasten über Hindernisse, sind be-last-bar. Jeder Mensch sollte Brücke sein, andauernd bereit, zwischen den vielfältigen Ufern zu vermitteln und zu versöhnen."
"Brücken führen Getrenntes zueinander", so Pfarrer Helmuth Bautz. "Brücken erfüllen ihren Sinn im Dienen, die Brücken tragen, halten, verbinden, überwinden. Die Menschen eilen über sie hinweg, belasten sie, benützen sie für ihr eigenes Weiterkommen, ohne einen Blick für ihre Schönheit zu haben. Brücken bieten oft eine wunderbare Aussicht auf Ströme und Schluchten. Aber Brücken entstehen nicht von selbst, wir müssen sie planen und bauen, sonst bleiben Menschen getrennt, Völker bleiben einander fremd und ganze Welten bleiben einander unbekannt.
Jesus war ein großer Brückenbauer, er erzählte viele Geschichten, in denen Trennendes überwunden wird. Eine der schönsten biblischen Brückengeschichte ist die Geschichte von der Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen. Der Brunnen überwindet den Abstand zwischen unten und oben, zwischen Tiefe und Höhe: auf dem Weg aus der Verletzung in die Heilung.
Die Brücke von Mensch zu Mensch müssen wir wollen, jeder Brückenpfeiler muss von uns gesetzt werden. Einer beginnt damit, dass er den Anderen wahrnimmt, ihn als anderen gelten lässt, seine Sprache verstehen lernt, entdeckt, was ihn froh oder traurig macht, und sucht was verbindet. Ganz langsam wächst sie, die Brücke der Verständigung, die Brücke der Achtung voreinander, die Brücke des Friedens und der Versöhnung, wenn beide Seiten die Sprache der Liebe erlernen."
"Auch Musik wirkt auf die Menschen wie eine Brücke", so P. Benedikt und richtete den Scheinwerferkegel auf die Orgel. "Musik ist wie eine Brücke, sie verbindet Menschen und Völker, in einer Sprache, die alle verstehen wie an Pfingsten. Wer Musik spielt in einem Orchester, muss die eigenen Grenzen überwinden und auf andere hören, ihren Takt aufnehmen. In einer Diskothek bewegen sich alle nach dem gleichen Rhythmus, die gleiche Musik löst die gleichen Gefühle aus. Die Musik einer Orgel überwindet die Sprachlosigkeit einer Gemeinde, die lähmende Stille, die vielen Stimmen verbinden sich in einem Lied, die vielen Instrumente orientieren sich alle an der einen Partitur. Im Tanz bewegen sich alle nach dem gleichen Takt. Wie auf einer großen Brücke thront unsere Orgel. Die Musik verbindet wie eine Brücke das, was nicht gesagt werden kann mit dem, worüber es unmöglich ist, zu schweigen."
"Auch Gottes Segen ist wie eine Brücke, die den Weg freigibt über alles Trennende und die Mut macht, diesen Weg weiter zu gehen", so P. Benedikt. "So ist Gottes Segen ein Schwingen und Klingen, ein Fließen und Stärken, ein Leben und Lieben. So segne uns Gott, der allmächtige Brückenbauer und der Vater der Sohn und der Heilige Geist."
Das meisterliche Orgelspiel von Regionalkantor Georg Hagel und der Klang des Harfenspiels von Susanne Globisch aus Bamberg, die Lichtpräsentationen in der Basilika und die Texte der Hl. Schrift, der Literatur sowie meditativer Gedanken ergaben ein bewegendes Ganzes, das die vielen BesucherInnen staunen ließ.













