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Der Konvent der Franziskaner

"Noch einmal die Ärmel hochkrempeln."

(Dieser etwas bearbeitete Beitrag von Birgid Röder erschien am 28.10.10 im Obermain Tagblatt auf S. 3)

P.-Benedikt_Abschied1Jetzt ist es amtlich: Guardian P. Benedikt Grimm verlässt am 24. November Vierzehnheiligen. Mit 71 Jahren, wenn andere schon lange ihren Ruhestand genießen, krempelt er noch einmal die Ärmel hoch und packt eine neue Aufgabe an. Im Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg bei Augsburg übernimmt er die Seelsorge für die behinderten Bewohner der Einrichtung, ihre Betreuer und das Schwesternhaus.
Er wird nicht alleine sein, vier weitere Geistliche sind dort im Einsatz. „Dennoch werde ich die Gemeinschaft meiner Mitbrüder hier im Franziskanerkloster vermissen“, sagt er im Gespräch mit dem Obermain-Tagblatt. Seine neue Aufgabe allerdings reizt ihn. Endlich, nach 18 Jahren in leitender Position nicht mehr Zeit hinter dem Schreibtisch mit Verwaltung und Organisation, mit Verhandlungen mit Ämtern und Politikern verbringen, sondern sich mit der Seelsorge beschäftigen, darauf freut er sich.

In der Not eingesprungen

Dabei blickt er zufrieden auf seine Zeit in Vierzehnheiligen zurück. Fast fünf Jahre sind vergangen, seit er P. Claus Scheifele als Guardian abgelöst hat, der wegen eines Notfalls kurzfristig nach München versetzt worden war. P. Benedikt wurde im Januar 2006 Guardian in Vierzehnheiligen. Er war jedoch schon 1967 für 14 Jahre hier, um die Leitung des neuen Diözesanhauses zu übernehmen in der spannenden „Nachkonzilszeit“. Mit Schwester Sigrid als „Co-Pilotin“ hat er damals erste Erfahrungen in der Behindertenarbeit gesammelt.

Sein zweiter Aufenthalt am Obermain fiel in die Jahre 1992 bis 1995, als er erstmals Guardian in Vierzehnheiligen und Rektor der Basilika wurde und die intensiven Verhandlungen zum Erwerb der neuen Rieger-Orgel führte.

Lebendige Ökumene
Als er das dritte Mal nach Vierzehnheiligen zurückkehrte, wieder als Guardian und Rektor der Wallfahrtskirche, hat er auf dem, was P. Claus begonnen hat, aufgebaut. Er hat sich damals zwar nicht freiwillig gemeldet, doch es war Not am Mann und so hat hat er die Ärmel hochgekrempelt. „Ich wollte nicht eine Zeit auf Abruf verbringen, sondern mit den Möglichkeiten an einem Ort mit einer der schönsten Kirchen weit und und breit wuchern und die Chancen ergreifen.“ Dieses Ziel hat er umgesetzt. Vierzehnheiligen ist nicht im Dornröschenschlaf versunken und nicht im Konservativen erstarrt. Die Ökumene hat sich weiterentwickelt, mit den evangelischen Geistlichen in Bad Staffelstein und dem evangelischen Dekan verbindet P. Benedikt inzwischen eine richtige Freundschaft.

Die Hand wurde denen gereicht, die bereits auf Abstand zum allem Kirchlichen waren und die sonst das ganze Jahr nicht in Vierzehnheiligen zu sehen sind. Dazu trugen die besonderen Gottesdienstangebote bei, unter anderem „Oase des Trostes“, „Gottesdienst für Gottsuchende“ und „Durchkreuzte Lebenspläne“.
P. Benedikt hat die Alten-, die Behinderten- und die Arbeitnehmerwallfahrt eingeführt, um den Blick auf die Menschen, die im Schatten stehen, zu lenken, um speziell für die Schwächeren der Gesellschaft zu arbeiten „Das ist eine kirchliche Aufgabe, die uns gut ansteht.“

Er geht mit offenen Augen durch die Welt, hört,was in der Luft liegt, was die Menschen suchen, findet hier die Ideen für neue Angebote. Die Predigten gut vorzubereiten und den Leuten etwas Wichtiges mitgeben, das lag ihm am Herzen.
Der Guardian hat viel bewegt, unterstreicht dabei immer wieder, dass dies alles nur durch die Zusammenarbeit mit guten Leuten, die nicht zweifelten, sondern ihn überzeugt unterstützt haben, möglich war.

Erneut standen in den vergangenen Jahren Bauarbeiten auf dem Plan, die Neuinstallierung der Elektrik in der ganzen Basilika mit dem außergewöhnlichen Lichtkonzept beispielsweise. „Bevor ich gehe, wird noch die Votivkammer, die seit Beginn der Bauarbeiten geschlossen ist, neu eingerichtet“, verrät Pater Benedikt. Er nennt weiter die Gründung des "Vereins der Freunde und Förderer der Basilika" mit Landrat Reinhard Leutner als Vorsitzenden und mittlerweile 200 Mitgliedern als ganz wichtiges Ereignis.

Der Lebensrhythmus auf dem heiligen Berg ist bestimmt von der Basilika: Konzerte, Wallfahrten im Sommer, Kirchenführungen, die sich mittlerweile zu einem richtigen Hobby von P. Benedikt entwickelt haben und in denen ihm neben der künstlerischen die theologische Deutung der Kirche wichtig war. Und der Fernsehgottesdienst dieses Jahr ist so gut angekommen, dass die Filmleute im kommenden Jahr wiederkommen wollen.

Er hat Bücher herausgebracht, etwa „Vierzehnheiligen lebt - Begegnung in Bildern und Gedanken“ oder, gemeinsam mit Kathrin Filbinger, Elfi Lurz, und P. Christoph den Kirchenführer nicht nur für Kinder "Komm, ich zeig dir etwas Wunderbares". Außerdem wurde das Wallfahrerbüchlein "Kirche unterwegs - Vierzehnheiligen" von ihm total überarbeitet und neu herausgegeben. Der gute Draht zum Erzbistum und zur Pfarrei, zu den Bürgermeistern von Lichtenfels und Bad Staffelstein, zum Landrat, zur Regierung, zum Staatlichen Bauamt Bamberg, das ihn sogar zum Ehrenbaurat ernannt hat, war oft hilfreich. Glücklich gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Diözesanhaus und den St. Franziskusschwester von Vierzehnheiligen. Dazu kommen noch Kirchenpfleger, Kirchenverwaltung und ein Toporganist. „Alle haben hoch motiviert mit gezogen.“

Doch es gibt auch Themen, die ihm Sorgen bereiten.

Der massive Einbruch bei der Beichte etwa. Als er 1967 angefangen hat in Vierzehnheiligen, haben am Sonntag durchgehend von 06.00 - 13.00 Uhr sechs Brüder die Beichte abgenommen, heute reicht das Angebot kurz vor dem Gottesdienst.
Er spürt schmerzhaft den massiven Vertrauenseinbruch, den die Kirche durch die vielen Missbrauchsfälle erlitten hat. „Man wusste auch früher, dass im Beichtstuhl kein Heiliger sitzt, doch man war überzeugt, dass der Geistliche sich wenigstens bemüht, sich selbst an das zu halten, was er verkündet“, sagt der Guardian. Heute sei bei vielen das Vertrauen erschüttert und schwer wiederzugewinnen.
Dazu fehlt es an Nachwuchs in den Orden und der Gesamtkirche, es gibt wenig Kapläne, es fehlt die Generation zwischen 20 und 40 Jahren bei den Besuchern der normalen Gottesdienste. Die Gottesdienste in den Dörfern werden weniger, die Auswirkungen sind nicht absehbar.

Er beneidet die Pfarrer „draußen“ nicht. „Die Leute kommen zu uns ins Kloster, wir verspüren insgesamt keinen Rückgang bei den Gottesdienstbesuchen“. Doch die Pfarrer müssen zu den Leuten gehen, eine flächendeckende Versorgung sicher zu stellen werde immer schwieriger. Die Probleme der Kirche in Deutschland werden in Rom nicht gehört, dort richte sich der Blick auf die Weltkirche, die Aufwind verspüre. „Manchmal wünsche ich mir von unseren Bischöfen, dass sie sich den Konflikten stärker stellen. In Deutschland muss die Kirche auch eigene Wege gehen.“

Seinen Nachfolger kennt er gut. „P. Heribert Arens ist einer der besten Leute. Er war bereits zweimal Provinzial und wird schnell die Fäden in die Hand nehmen. Er übernimmt zwar kein leichtes Erbe, doch die Voraussetzungen sind gut“, sagt P. Benedikt überzeugt.

Er hat bereits begonnen zu packen, nicht viel, vor allem Bücher. Er werde manches vermissen, die Osternachtfeier mit der besonderen Kerze, die Gemeinschaft der Brüder. Dabei lässt er den Kopf nicht hängen, denn er weiß: „Neues gewinnt man nur durch den Preis des Abschieds.“ Und auf das Neue in der wohl letzten Station seines Arbeitslebens, darauf ist er sehr gespannt. Denn er wird dort schon erwartet. „Und erwartet zu werden, das ist ein gutes Gefühl.“
 

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© Franziskanerkloster Vierzehnheiligen, D-96231 Bad Staffelstein - 17.05.2012    RSS News RSS News abonnieren