60-jähriges Priesterjubiläum von P. Dominik Lutz am 10. Juli 2011 in der Basilika gefeiert
(Dieser Beitrag von Birgid Röder mit dem Titel "Ein Stückchen Himmel in die Kirchen geholt - Franziskanerpater Dominik Lutz hat in 60 Jahren als Priester die Freude der Menschen an Gott geweckt" erschien am 13.07. im Obermain Tagblatt, S. 27.)
Die Basilika Vierzehnheiligen ist seine Kirche, sie ist ihm ans Herz gewachsen. Und hier feierte P. Dominik Lutz am 10.07. sein 60-jähriges Priesterjubiläum. Seit sechs Jahrzehnten bringt der Franziskaner den Menschen die Liebenswürdigkeit und Güte Gottes nahe.
Die Basilika, dass sie heute so strahlt, ist in weiten Teilen ihm zu verdanken. Er hat die Seelsorge mit Kunst verknüpft, hat mit den Fachbehörden gerungen, hat hier einen Ort geschaffen, an dem alle willkommen sind, die Glaubensfrohen und die Suchenden, die Gleichgültigen und die Zweifelnden, ohne Schwellenangst dürfen sie eintreten und das Gefühl haben: „Der Blick in den Himmel öffnet sich einen Spalt breit”.

an seinem Festtag.
P. Dominik erinnert sich noch genau, vor zehn Jahren hat er ebenfalls hier gefeiert, das 50-Jährige, aber mit ehrlicher Wehmut, denn es hieß Abschied nehmen, die Ordensleitung sandte ihn als Wallfahrtsseelsorger zum Kreuzberg mit seinen kalten, langen Wintermonaten. Jetzt ist er wieder hier beim Nothelferheiligtum, und er freut sich sichtlich über diese Fügung.
Dominik Lutz stammt aus Morlesau bei Hammelburg, wo er 1926 geboren wurde. Fast noch ein Kind, mit 17 Jahren, wird er als Luftwaffenhelfer eingezogen. Bei der Verladung als Kriegsgefangener nach Sibirien gelingt ihm die Flucht. Dass er die fränkische Heimat lebend erreicht, ist für ihn eines der Wunder seines Lebens. Er wird Franziskaner, weil ihm deren freudige Lebenseinstellung gefällt, und steht von da an immerzu vor neuen Herausforderungen. Von heute auf morgen wird er Taubstummenseelsorger, lernt, sich mit den Händen zu verständigen.
1967 wird er Guardian in München-Sankt Anna und leitet mit einzigartigen Ideen den Wiederaufbau der völlig zerstörten Klosterkirche, verkauft Quadrate der Gewölbedecke an Stifter, um die Finanzierung zu stemmen. Das Ergebnis: Ganz München schwärmt.
Doch 1981 heißt es: Nach Vierzehnheiligen. P. Dominik kennt die Basilika und ihm ist nicht wohl dabei. „Balthasar Neumann, dass empfand ich als eine Schuhnummer zu groß.” Doch er fügt sich, und er meistert die Aufgabe mehr als gut. Als Guardian packt er das enorme Vorhaben an. Von 1982 bis 1990 leitet er, ausgestattet mit der Gabe, Kunst zu verstehen, zu deuten und zu renovieren, die umfangreiche Erneuerung der Basilika zu einer „Symphonie in Licht und Farbe”, wie sein eindrucksvolles Buch über dieses Gesamtkunstwerk heißt. Denn parallel zu den Bauarbeiten schafft es der Wallfahrtsseelsorger, zahlreiche Bücher zur Wallfahrt und zur Nothelferverehrung zu veröffentlichen. Seine jahrzehntelange Forschungsarbeit zur Verehrung der 14 Heiligen ist in dem Buch „Nothelfer. Patrone in allen Lebenslagen” zusammengefasst.
20 Jahre verbringt er im Gottesgarten, heute noch sprechen ihn Wallfahrer an, die sich an seine Predigten erinnern, an seine Aufmunterung, wenn sie völlig erschöpft den Berg herauf gekommen sind: „Ihr habt's geschafft, hier heroben seid ihr dem Himmel ein ganzes Stück näher!”
Wenn drei, vier Wallfahrten hintereinander ankommen, das gefällt ihm. Dazwischen sitzt er in seiner von Weinreben umrankten Laube im Kloster, hier schreibt er, arbeitet er, empfängt seine Besucher. Hier ist er selig.
Die ganze Welt kommt nach Vierzehnheiligen, das belgische Königspaar ist 1991 zu Besuch, P. Dominik besorgt extra einen roten Teppich. Die schwedische Königsfamilie ist zu Gast. Die CDU/CSU Regierungsmannschaft mit dem damaligen Kanzler Helmut Kohl betet mit P. Dominik hier ein Vater unser.
Doch dann steht der nächste Ortswechsel an, es geht in die Rhön. Bis 2009. Er wird eingeladen, zurückzukehren nach Vierzehnheiligen. In der Seniorenstation des Mutterhauses der Vierzehnheiligen-Schwestern lebt er jetzt, hält, mit 85 Jahren, dienstags und samstags Gottesdienst in der Kapelle des Schwesternhauses für alle, die nicht mehr so mobil sind. P. Dominik ist daheim angekommen: „Es ist ein erfülltes Leben, es hat keine Lücken gegeben, mehr war nicht machbar!”
Zur Person:
Die Verdienste P. Dominiks wurden von verschiedensten Seiten gewürdigt: 1979 Bundesverdienstkreuz, Ehrenmedaille „München leuchtet”, 1988 Kulturehrenbrief und 2001 Bürgermedaille der Stadt Hammelburg, 1990 Ehrenmedaille der Stadt Staffelstein, 1991 Kulturehrenbrief des Landkreises Bad Kissingen und die Denkmalschutzmedaille des bayerischen Kultusministeriums, 1995 Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken. Das Erzbistum Bamberg verlieh ihm 1991 den Titel Erzbischöflicher Geistlicher Rat. 2005 erhält er die Liborius-Wagner-Plakette der Erzdiözese Würzburg.

Als Spielleute Gottes sollen sie die Menschen ermuntern und ihnen Gottes Güte und Liebenswürdigkeit nahe bringen, hat der heilige Franziskus einst zu seinen Brüdern gesagt. Diesem Dienst haben P. Dominik und P. Heribert ihr Leben verschrieben.
Als P. Heribert Arens noch neu dabei war, vor etwa 50 Jahren, ist er als Student dem damaligen Guardian des Klosters St. Anna in München, Dominik Lutz, begegnet, der ihn mit seiner Begeisterung für das zweite vatikanische Konzil, mit dem Ziel, eine lebendige Liturgie mit den Menschen zu feiern, angesteckt hat.
„Du hast ein Feuer entfacht, das heute noch brennt”, sagte P. Heribert zu seinem einstigen Lehrer, als sie gemeinsam mit vielen Freunden, Verwandten, Mitbrüdern aus Nachbarklöstern; Schwestern des Mutterhauses, Schwestern des 3. Ordens, Mitarbeiter vom Hülfensberg, vom Kloster Vierzehnheiligen und der Basilika, ihre Jubiläen feierten, P. Dominik 60 Jahre Priestersein, P. Heribert 50 Jahre im Franziskanerorden.
Dabei könne immer noch viel verlebendigt werden in der Kirche, das liege in der Hand jedes Priesters, jeder Gemeinde, so der Guardian weiter: „Wir müssen die Menschen gern haben und nicht als Last empfinden. Wir dürfen keinen ausschließen, egal wie seine Biografie ist, egal, welche Brüche er im Leben hat. Und wir dürfen nicht hinter jedem Winkel den Schlupfwinkel des Bösen vermuten.” Er wandte sich an P. Dominik: „Du hast stets in den Menschen die Freude an und durch Gott geweckt, Orte, an denen Du gewirkt hast, sind Oasen geworden, in denen die Menschen aufatmen.”
Er bezeichnete es als Markenzeichen Dominiks, den befreienden, liebenden Gott zu entdecken, der sich den Menschen zuwendet.
P. Dominik ließ es sich nicht nehmen, dem Guardian zu danken für die Führung und menschliche Begleitung, die er in seinen Jahren als Provinzial vielen jungen Mitbrüdern geschenkt hat. „Für mich ist es eine wunderbare Fügung, dass ich Dir nach 50 Jahren wieder begegnen kann hier im Gottesgarten”, sagte er zu P. Heribert. Und wünschte ihm, dass auch er hier eine Heimat finden werde.














