Loslassen in liebevoller Erinnerung - Ökumenische Feier für Trauernde in Vierzehnheiligen / Steine niedergelegt: am Lebenswerk der Toten weiterbauen
(Hier handelt es sich um den gleichnamigen Artikel von Mario Deller im Obermain Tagblatt vom 28.11.11, S. 22 - die Fotos stammen von P. Christoph)

Der Tod gehört zum Leben, sagt der Verstand. „Warum?“, fragt das Herz der Hinterbliebenen. Wenngleich die zuhause vergossenen Tränen zur Trauerbewältigung gehören und man in solch schweren Stunden oft allein sein möchte, gilt auch hier „Geteiltes Leid ist halbes Leid“. Zahlreiche Gläubige nahmen am vergangenen Freitag an einer ökumenischen Feier für Trauernde teil, die unter dem Titel „Oase des Trostes“ auch heuer wieder in der Basilika Vierzehnheiligen stattfand.

Mit diesem von den Franziskanern aus Vierzehnheiligen, den Franziskusschwestern und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bad Staffelstein veranstalteten Gottesdienst gingen die Trauernden gemeinsam ein Stück Weg der Erinnerung an die Herzen unvergessenen Verstorbenen, aber auch der Dankbarkeit.
Geistliche Texte, die Begegnung mit tröstlichen Worten aus der Heiligen Schrift und einfühlsamen Orgelklängen musikalisch umrahmte Phasen des Schweigens wechselten sich im Gottesdienst ab.

Traurige Gesichter der zahlreichen versammelten Gläubigen in der Basilika blickten dem Evangelischen Pfarrer Matthias Hagen entgegen, als dieser in seiner Predigt zu den Trauernden sprach. Kein Wunder – es gibt ja auch nichts Schmerzvolleres, als für immer Abschied nehmen zu müssen von einem lieben Angehörigen oder Freund, sei es durch Krankheit, Alter oder auch durch einen plötzlichen Unfall. Bei manchen Gottesdienstbesuchern waren die seelischen Wunden sogar noch ganz frisch – doch auch diese fanden die Kraft, der kirchlichen Veranstaltung beizuwohnen in der Gewissheit, dass sie an diesem Abend nicht alleine sind mit ihrer Trauer.
„Natürlich möchte jeder – auch ich – am liebsten immer jung und vital sein, nicht leiden und nie über Krankheit und den Tod nachdenken müssen. Aber nicht nur durch Wegschauen können wir das Leid bewältigen, sondern durch Annehmen“, so Hagen in seinen Predigtworten.
Gott sei kein „holder Knabe auf dem goldenen Thron“, sondern leide mit den Gepeinigten. „Gerade auch wenn wir uns verlassen fühlen, ist Gott bei uns“, laute die tröstliche Botschaft. Es gebe auch ein Stück Sinn im Leiden, so der Geistliche weiter und erklärte dies bildhaft anhand der Geschichte: Hagen erzählte von einem wunderschönen Bambusbaum in China, dessen ausgehöhlter Stamm als Wasserleitung schließlich Quelle und Feldern der Bauern verbindet. So wurde der Bambusbaum, der einst im Garten die Vorbeigehenden entzückte, nun für die Bauern zum Segen.
Die Gläubigen dankten Gott für die mit den Verstorbenen gemeinsam verbrachten Zeiten, für die schönen Erlebnisse mit ihnen, für die Stunden der Freude und des Lachens. In Vertrauen auf Gott dürften die Hinterbliebenen, so betonten die den Gottesdienst zelebrierenden Geistlichen, mutig „loslassen“, um wieder zu eigener Lebensfreude zu finden. Natürlich dürfe und solle sich jeder damit aber so viel Zeit lassen, wie er brauche.
Vor den Gläubigen stand in der Basilika eine Schale mit schönen hellen Steinen. „Die Juden legen – wie bei uns Blumen – schöne Steine auf die Gräber der Verstorbenen“, erklärte Franziskanerpater Heribert Ahrens hierzu. In Anlehnung an diese jüdische Tradition gingen die Gläubigen nach vorne, nahmen sich einen Stein und legten ihn – begleitet von andächtiger Orgelmusik auf ein im Vorfeld des Gottesdienstes auf dem Boden hübsch mit Lichtern und Begrünung gestaltetes, symbolisches Grab.

So wie ein Haus aus Steinen erbaut wird, brachten die Gläubigen auf diese Weise symbolisch zum Ausdruck, dass sie an dem Lebenswerk der Verstorbenen weiterbauen möchten. Jeder der Trauernden verband das Ablegen dieses Steines auf dem „Grab“ mit seinen eigenen Wünschen, Hoffnungen, Gedanken.
Der wirklich schön gestaltete und zelebrierte Gottesdienst gab den Trauernden Kraft, um mit dem schmerzlichen Verlust besser klar zu kommen und neuen Lebensmut zu schöpfen – gleichsam als Oase des Trostes in der besonders in den ersten Monaten nach dem schmerzvollen Verlust endlos scheinenden Wüste der Trauer. Im Anschluss an den Gottesdienst nutzten viele Gläubige die Möglichkeit zur Begegnung und zum gemeinsamen Gespräch im Informationszentrum des Franziskanerklosters nahe der Basilika.














