Ein Ohr für die Anliegen der Menschen
Ein vielen noch unbekanntes Gesicht lächelt die Besucher an der Klosterpforte freundlich an: Bruder Klaus Steinbüchl ist der Neue bei den Franziskanern in Vierzehnheiligen. Er hat vor fünf Wochen die Aufgabe des im November erkrankten Bruders Paul übernommen.
Bruder Klaus ist noch frisch dabei, erst vor drei Jahren hat sich der 43-Jährige für das Klosterleben entschieden. „Der Schritt ist lange gereift, es ist ja nicht einfach: Will ich Familie oder leben in der Ordensgemeinschaft, will ich meinen Job behalten oder leben in Armut und Gehorsam?“, erklärt er sein langes Ringen um den für ihn richtigen Weg. Denn eigentlich hat er ja ein tolles Leben geführt, guter Verdienst als Außenhandelskaufmann, verantwortungsvolle Aufgabe im Export, angenehme Kollegen. Daneben viel gereist, die Welt kennen gelernt, ein halbes Jahr in Florida in Disneyland gearbeitet, ein halbes Jahr in Australien, Urlaub in Japan. Doch irgendetwas hat immer gefehlt. Vor seinem Eintritt in den Orden hat der gebürtige Freisinger zehn Jahre am Schliersee gelebt und war dabei immer auf der Suche. „Ich habe lange nicht verstanden, was Gott von mir will.“
Dabei hat er anfangs ein völlig überholtes Bild vom Ordensleben mit sich herumgetragen. „Beten, arbeiten, sich selbst kasteien, wie im Mittelalter.“ Er hat sich informiert, in Büchern, und vor allem im Internet, über Benediktiner und Franziskaner, über die Ordensgründer und die Spiritualität.
Schließlich wagt er eine Woche Kloster zum Mitleben bei den Franziskanern in Eggenfelden. Hier die erste Überraschung: Die Brüder sitzen abends gemeinsam mit einem Weißbier vorm Fernseher und schauen Fußball, es sind ganz normale Menschen! Er fühlt sich wohl, die begleitenden Gespräche sind hilfreich, er verbringt wieder ein Wochenende dort, dann seinen Urlaub. Irgendwann ist die Entscheidung nicht mehr aufzuschieben: „Entweder Du wagst es jetzt oder nie mehr.“ Der Anschub ist ganz konkret: Wer Franziskaner werden will, muss sich offiziell bewerben, mit allem drum und dran, vom Lebenslauf bis zum polizeilichen Führungszeugnis. Und: Er sollte nicht älter als 40 Jahre sein.
Erstaunen im Freundeskreis
Seine Mutter erfährt es ganz nebenbei, als er nicht mehr jeden zweiten Sonntag zum Essen vorbei schaut. Ihre Unterstützung hat er von Anfang an. Die Freunde reagieren überrascht. Sie wissen zwar, dass er Gottesdienste besucht, dass er betet, dass er religiös ist. Aber ins Kloster? Für keinen ihnen wäre dieser Lebensweg eine Option gewesen. ter will er Basilikaführungen über- Beruhigt sind sie, als er von der Freiwilligkeit erzählt, die er weiterhin habe, dass er bis zur ewigen Professnoch auf sein Vermögen zurückgrei- fen könne, würde er plötzlich doch feststellen, dass dieser Weg nicht der richtige für ihn ist. Der Orden sorge für Sicherheit, er stünde nicht ohne alles auf der Straße. Und so geht er zur Ordensausbildung nach Berlin und Rheda-Wieden- brück bei Gütersloh, nach der ersten Profess beginnt er in einem Bildungshaus in Osnabrück zu arbeiten. So ganz wohl fühlt sich der Oberbayer dort im Norden nicht, umso größer ist seine Freude, jetzt, weil in Vierzehnheiligen Not am Mann ist, in südlicheren Gefilden eingesetzt zu werden.
Mit dem Mountainbike
Neben dem Dienst an der Pforte wird er mit seinen kaufmännischen Kenntnissen Pater Christoph bei Verwaltungsaufgaben unterstützen, später will er Basilikaführungen übernehmen und wenn noch Zeit ist, dort anpacken, wo er gebraucht wird.
Mitgebracht an den Obermain hat der Ordensmann sein Mountainbike, mit dem er schon die Berge am Schliersee erkundet hat. Jetzt will er die Region rund um Vierzehnheiligen bis in die Fränkische hinein ken- nen lernen. Was er bisher davon gesehen hat, davon ist Bruder Klaus begeistert. Nicht nur Sport ist sein Hobby, auch Malen macht ihm richtig Freude, auch wenn er hier erst am Anfang steht. Mit einem Lachen erinnert er sich an die Zeiten, als Bob Ross im Fernsehen wünschte: „Happy painting and god bless!“ Selbst pflegt er einen völlig anderen Stil, malt in Acryl, mehr abstrakt. „Mir gefällt an den Franziskanern, dass sie bei den Menschen sind“, sagt Bruder Klaus Steinbüchl. Der heilige Franziskus fasziniert ihn. Seine Radikalität im Glauben, sein Verzicht auf Wohlstand und Besitz. Sein absolutes Gottvertrauen und sein lebhafter Glaube. Dabei mit verständlicher Theologie für den einfachen Mann. In seinem Leben als Wanderprediger sei der Ursprung zu finden, dass die Brüder immer wieder versetzt werden können, damit würden sie zudem geistig und körperlich rege bleiben. „Franziskus hat im Rückzug Kraft getankt und ist gestärkt wieder zu den Menschen gegangen.“
„Mir gefällt an den Franziskanern, dass sie bei den Menschen sind.“ - Bruder Klaus Steinbüchl
Auch heute gehen die Franziskaner zu den Menschen, kriegen mit, was in der Welt los ist, wissen um den Zeitgeist und erkennen so, wie sie die Menschen erreichen können. Dabei hinterfragen sie sich stets auch selbst. Der Platz von Bruder Klaus ist jetzt an der Pforte des Franziskanerklosters in Vierzehnheiligen. Mess-Stipen- dien annehmen, Telefonate vermitteln, Fragen nach Gottesdienstzeiten beantworten, mit Beginn der Sommerzeit herrscht auf dem heiligen Berg reger Betrieb. Die Pforte ist eine der ersten Anlaufstellen für Besucher, die ein kleines oder großes Anliegen haben, der Franziskaner kann zuhören, und so ist auch er immer ein wenig Seelsorger für Menschen in Not.
Artikel aus Obermain Tagblatt von Birgid Röder














