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Der Konvent der Franziskaner

Eindrücke von der Liveübertragung der Festmesse an Mariä Himmelfahrt

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Hier finden Sie die Predigt von P. Benedikt Grimm und die Fürbitten aus der Fernsehmesse am 15.08.2010 um 10.00 Uhr live aus der Basilika Vierzehnheiligen.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, hier, in der Basilika von Vierzehnheiligen und zuhause.


HOFFNUNG schöpfen, das wollen seit Jahrhunderten Millionen von Menschen, die nach Vierzehnheiligen kommen. Hierher tragen sie bis heute ihre Enttäuschungen und ihre durchkreuzten Lebenspläne, und von hier geht immer neu Hoffnung aus. Die Schönheit ist die Sprache der Hoffnung: Der gewaltige Innenraum mit seinem Licht, mit seiner Weite und seinem Reichtum an Farben und Formen, an Gestalten von Engeln und Heiligen. Hier haben seit Jahrhunderten Menschen gelebt und gearbeitet, die glauben konnten, dass der Himmel wirklich die Erde berührt.

Unser Blick geht nach oben zum Kind. Das Kind an sich ist ja schon eine Hoffnungsgestalt, erst recht das Kind der Gottesmutter Maria, wie es oben auf dem Gnadenaltar thront. Und weiter: Das Hochaltarbild mit der leiblichen Aufnahme Mariens, das man durch den Gnadenaltar beim Eintreten in die Kirche erblickt, setzt den entscheidenden Akzent. Es ruft den Pilgern zu:

Ihr habt ein Ziel, verlasst euch darauf, eine von euch, die Mutter der Herrn, das Zeichen der sicheren Hoffnung, ist schon dort im Himmel angelangt mit Leib und Seele. Vorwärts! Es lohnt sich. Gott steht zu seinem Wort.

Das Evangelium dieses Festtages erzählt von der Begegnung zweier schwangerer Frauen, Maria und Elisabeth. Wie schön hat man es früher ausgedrückt, wenn eine Frau ein Kind erwartete: Sie ist guter Hoffnung. Klingt da nicht Wesentliches über die Hoffnung an: Ein Kind ist auf dem Weg, es bewegt sich schon, aber es hat das Licht der Welt noch nicht erblickt, es ist noch nicht geboren, es ist noch nicht erschienen. Die Hoffnung ist jene Kraft, welche die ganze Wirklichkeit sieht, nicht oberflächlich, sondern in ihrem tiefen Zusammenhang.

Die beiden Frauen begrüßen sich, das Kind im Schoß der Elisabeth bewegt sich, es „hüpft in ihrem Leib“. Elisabeth findet prophetische Worte für Maria: "Gesegnet bist du mehr als alle Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. ... Selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ" (Lk 1,42-45). Das ist das Geheimnis der Hoffnung:

Der Glaube, dass sich Gottes Verheißungen erfüllen. Und noch etwas wird in dieser kurzen Episode deutlich: Die Hoffnung der Muttergottes und unsere Hoffnung hat einen Namen und ein Gesicht, Jesus Christus. Die Hoffnung weist weit über das hinaus, was Menschen sich Tag für Tag wünschen, schönes Wetter, einen erholsamen Urlaub, Gesundheit, friedliche Beziehungen. Christliche Hoffnung, wie sie im Leben der Gottesmutter sichtbar wird, erschöpft sich nicht im Vorläufigen. Sie erweist ihre Kraft gerade an der Grenze des Lebens, wenn es ans Sterben geht. Maria ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Ihre Hoffnung zerplatzt nicht in der Stunde des Todes, ja, gerade da vollendet sich ihr Leben, in dem ihr Sohn seine Verheißung an ihr erfüllt.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
das Lied, das Maria singt, das Magnifikat, ist das Hohelied der Hoffnung. So kann nur singen, wer selbst ein Hoffnungsträger, eine Hoffnungsträgerin ist. Die einzelnen Verse verbindet eine ganz elementare Wahrheit: Gott ist es, der an Maria handelt. Gott steht zu seinem Wort.

Manche meinen, dass Maria auch deswegen über das Gebirge zu ihrer Verwandten geeilt ist, weil es daheim in Nazareth schwierig und gefährlich für sie war: eine plötzliche Schwangerschaft, in den Augen der Menschen unehelich. Sogar ihr Verlobter Josef versteht das alles nicht. Bei Elisabeth suchte sie Verständnis und Trost. Gott handelt, indem er auf die Niedrigkeit seiner Magd herabschaut. Das war ihre Erfahrung, das war die Quelle ihres Ansehens, obwohl sie doch nur ein unbekanntes, einfaches Mädchen aus Nazareth war, wo doch damals Frauen ohnehin wenig gegolten haben. Sie war gewohnt, sich unterzuordnen, wie es der Brauch war. Nicht die eigene Leistung macht sie groß, sondern Gottes Handeln, und so denkt sie vielleicht auch an diese Stunde hier in der Basilika Vierzehnheiligen, wenn sie fortfährt: Von nun an preisen mich selig alle Geschlechter, denn der Mächtige hat Großes an mir getan. Ist nicht diese wunderbare Kirche, ist nicht auch dieser Gottesdienst Lobpreis der Gottesmutter!? Maria offenbart hier ein schier unglaubliches Selbstbewusstsein.

Wer Hoffnung hat, der hat auch Selbstbewusstsein, eine prophetische Art aufzutreten, kritisch den herrschenden Verhältnissen gegenüber und mutig den eigenen Weg gehend. Es macht ihr Mut, diesen Weg zu gehen, weil sie als Tochter des auserwählten Volkes weiß, dass sich Gott von Geschlecht zu Geschlecht all derer erbarmt, die ihn fürchten, die ihn anerkennen und in seiner Macht ernst nehmen.

Macht! – Maria kennt aus eigener Erfahrung, wie Menschen der Versuchung der Macht erliegen, wie sie sich emporarbeiten, wie sie mit allen Tricks um Macht und Einfluss kämpfen. Ihr Gott hat eine Schwäche für die Schwachen, die Niedrigen. Er ergreift Partei für die Menschen, denen Unrecht geschieht. Dabei sind es erschreckend oft Macht und Reichtum, die den Charakter der Menschen verändern, die sie hart, unbarmherzig und ungerecht werden lassen, die ihnen den Blick auf die ganze Wirklichkeit trüben. Sie hoffen, dass alles so bleibt wie es ist. Gott will nicht, dass alles so bleibt. Im Gegenteil. Er will, dass sich seine Verheißung erfüllt! Jesu zentrale Botschaft lautet:

„Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben!“ In dieser Hoffnung lässt es sich leben. Und in dieser Hoffnung lässt es sich auch einmal sterben. Amen.


Fürbitten:

Unsere himmlische Mutter Maria kennt das menschliche Leben mit seinen Nöten und Sorgen. Wir vertrauen auf ihre Fürsprache, wenn wir zu unserem Vater im Himmel beten:

1. Erbarme dich der Kirchen und zeige ihnen Wege, wie sie die Botschaft von der christlichen Hoffnung den Menschen von heute nahe bringen können.
Gott, unser Vater. Wir bitten dich, erhöre uns.

2. Berufe auch heute Menschen in deinen besonderen Dienst und gib ihnen Kraft, die sie als Zeugen der Hoffnung zur Erfüllung ihrer Aufgaben brauchen.
Gott, unser Vater. Wir bitten dich, erhöre uns.

3. Erschüttere die Mächtigen dieser Welt und verhilf denen zum Durchbruch, die sich für Frieden und Gerechtigkeit für alle einsetzen.
Gott, unser Vater. Wir bitten dich, erhöre uns.

4. Nimm dich derer an, die leiden und sich nicht selbst helfen können und sende ihnen Helfer in der Not.
Gott, unser Vater. Wir bitten dich, erhöre uns.

5. Erfülle die jungen Menschen mit Hoffnung für die Zukunft und mit dem Mut, Neues zu wagen.
Gott, unser Vater. Wir bitten dich, erhöre uns.

6. Segne alle Frauen, die "in der guten Hoffnung" sind.
Gott, unser Vater. Wir bitten dich, erhöre uns.

7. Nimm unsere Verstorbenen auf in dein Reich und erfülle an Ihnen die Hoffnung, die wir heute feiern.
Gott, unser Vater. Wir bitten dich, erhöre uns.

Gott, unser Vater. Mit Maria preisen wir dich in deiner Größe, jetzt und in Ewigkeit.
Amen.


 
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© Franziskanerkloster Vierzehnheiligen, D-96231 Bad Staffelstein - 17.05.2012    RSS News RSS News abonnieren