SPIRITUALITÄT - Sind die Menschen heute wieder mehr auf der Suche nach dem Sinn des Lebens? Und wenn das zutrifft, wie kann die Kirche, wie können die Franziskaner in Vierzehnheiligen helfen?
Über Sinnsuche im Leben, modernen Aberglauben sowie über christliches Brauchtum im Wandel sprach der FT mit sechs Patres des Franziskanerklosters Vierzehnheiligen. Beim abendlichen Konvent stellten sich P. Benedikt, P. Christoph, P. Bernhard, P. Johannes, P. Heinrich und P. Ernst den Fragen des FT.
Auf die Frage, ob die Menschen in den vergangenen Jahren stärker auf der Sinnsuche sind, antwortet P. Christoph, dass dies dem Menschen angeboren sei. Seit den 1970er Jahren sei feststellbar, dass diesbezüglich in den westlichen Gesellschaften ein zunehmendes Vakuum bestehe. "Mein Leben erleben" sei für viele Menschen das Motto.

Gute liturgische Möglichkeiten
P. Benedikt ist der Ansicht, dass viele der Leute, die nach Vierzehnheiligen kommen, ihre Sinnerfahrung bereits machten. Wer in eine Lebenskrise gerate, frage sich meistens: Wo halte ich mich denn fest? Was ein Pilger dann am Wallfahrtsort erfahre, sei das Gefühl, getragen und angenommen zu werden von einer Gemeinschaft und von Gott. Wenn er die Basilika verlasse, sage er sich: Ja, ich habe wieder Hoffnung, das hat mir Mut gemacht. Die Liturgie in der großen Basilika mit der imposanten Orgelmusik biete viele Möglichkeiten, einem Menschen bei der Sinnsuche zu helfen und Freude zu bringen. Es gehe weniger um die Belehrung, sondern vielmehr darum, Wegbegleiter zu sein.
Für die Geistlichen gehe es darum, den Menschen das Bewusstsein zu vermitteln, dass es sinnvoll ist, was sie tun, meint P. Johannes. Vielfach seien es Menschen in Krisen, ergänzt P. Ernst, die sich in Vierzehnheiligen Linderung erhoffen und die den Sinn im Leben neu suchten. Und P. Bernhard ergänzt, dass die Sinnfrage oftmals episodenhaft gestellt wird: Die Sehnsucht steckt im Menschen, aber er könne sie nie restlos erfüllen.
Ob es sein könnte, dass die Menschen nicht nur bei den Kirchen, sondern auch bei bunt schillernden Esoterikern nach einem Lebenssinn suchen, lautet die nächste Frage des FT. "Viel mehr bei den Esoterikern", antwortet P. Christoph spontan; man müsse sich nur einmal auf dem Buchmarkt umsehen, welche Titel angeboten werden. "Da steht Religion schon gar nicht mehr drauf, nur noch Esoterik", fügt P. Heinrich an. "Das Gros der Menschen", erklärt P. Christoph, "ist nicht mehr konfessionell gebunden - was aber nicht heißt, dass das alles Esoteriker sind." Ihm imponiere hierbei sehr die kluge Art des Münsterschwarzacher Paters und Bestsellerautors Anselm Grün, der sehr klug argumentiere, der aber auf klassisch christlicher Basis Lebenshilfe anbiete und das Eigentliche in die Debatte einbringe.
"Esoterik hat mit Neugier zu tun"
"Das Esoterische bleibt ein unverbindliches Angebot", sagt Pater Benedikt. In der Vergangenheit habe das gesellschaftliche Gewicht der Kirche vieles auszugleichen vermocht. Das sei heute nicht mehr so. Esoterik habe mit Neugier zu tun. Vielleicht erkläre das, warum so viele Menschen auf der Suche nach Kraftorten sind. Für Christen gebe es aber mehr als dieses Stochern im Nebel des Unverbindlichen: "Wir glauben nicht an ein gesichtsloses Wesen, denn mit Jesus Christus hat dieses göttliche Wesen ein Gesicht bekommen." "Die Menschen", so P. Ernst, "kämen möglicherweise deshalb auf die Esoterik, weil sie damit die Hoffnung verbinden, hier auf einfache Weise Heilung zu erhalten." P. Johannes fügt hinzu: "Aber der Kern der Religion ist ein anderer als die Ausstrahlung eines Steines."
Ob aus gewachsenem Brauchtum allmählich ein moderner Aberglaube werden kann, will der FT wissen. "Über die Entleerung der Bräuche zu jammern, hat keinen Sinn", antwortet P. Johannes, "den Suchenden müsse etwas angeboten werden, das ihnen hilft." P. Bernhard fügt hinzu, "dass Brauchtum als Zierrat heute nicht mehr verstanden wird." P. Benedikt gibt zu bedenken, dass einiges, was einst ernst genommen wurde, heute zur Gaudi verkommen sei: "Viele religiöse Motive werden heute in der Werbung verwendet. Das mache nachdenklich."
Halloween ist Mischmasch
Traditionen verschwimmen zusehends, und das christliche Allerheiligen/Allerseelen wird zu einem Konglomerat aus heidnischen Versatzstücken und amerikanischer Kommerzialisierung. P. Christoph: "Halloween hat mit uns hier in Deutschland gar nichts zu tun."
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