Der Dalai Lama ist in Deutschland populärer als der Papst. Das hat eine Umfrage im Auftrag des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ergeben. 44 Prozent der Befragten nannten das tibetische Exil-Oberhaupt als Vorbild, aber nur 42 Prozent Papst Benedikt XVI.
Was bedeutet das für den Glauben in unserer Zeit? Oder besser: Was macht der Dalai Lama richtig? Das fragte der FT die Franziskanerpatres in Vierzehnheiligen.
"Er setzt sich sehr für Frieden und Gewaltlosigkeit ein", sagt P. Bernhard, "und er hat immer ein Lächeln im Gesicht, das zieht die Menschen an." P. Christoph beabsichtigt, den Dalai Lama zu sehen, der am 18. Mai in die Bamberger Jako-Arena kommen wird. Dort möchte er miterleben, was die Leute am Dalai Lama so elektrisiert, um für sich selbst etwas zu lernen.
Stärke aus der Situation ziehend
"Er ist jemand, der im Exil nicht resigniert, der nicht verbittert ist, sondern der eine innere Stärke daraus gewinnt", fährt er fort. "Inhaltlich gibt er viele Gemeinplätze von sich", urteilt P. Christoph, aber es sei doch ein Phänomen, dass er in der Beliebtheitsskala noch vor dem Papst liegt. "Hierzulande neige man dazu, die Situation in Tibet auf den Dalai Lama zu übertragen", meint P. Benedikt. Es sei aber auch "ein Stück Mode, für ihn zu sein". Östliche Religionen liegen eben derzeit im Trend.
Warum die Christen es nicht schaffen, ihren Glauben so zu verwurzeln wie die Moslems, fragt der FT. Die Antworten der Patres decken sich und lassen sich etwa so zusammenfassen: Weil es für Christen die Religionsfreiheit gibt und weil sich das Christentum nicht als Gesellschaftsordnung verstehe, wie der Islam das tue. Zudem sei über das Christentum ebenso wie über den abendländischen Feudalismus einst die Aufklärung hinweg gegangen - das habe dazu beigetragen, dass heute hier alles ist, wie es ist.
Ob es schwer sei, die christlichen Ideale und Werte in der heutigen Wirtschaft zu vermitteln, möchte der FT von den Patres wissen. Die Antwort fiel erstaunlich positiv aus: Wenn man die menschenverachtende Politik des Handyherstellers Nokia betrachte, könne man zum Schluss kommen, dass ausschließlich mit harten Bandagen gekämpft wird. Oder wenn man betrachte, wie unverständlich hoch die Abfindungen ausscheidender Manager ausfallen, empfinde man schon die Ungerechtigkeit der Situation einem Hartz-IV-Empfänger gegenüber. "Aber es gibt auch positive Beispiele dafür, wie man seinen christlichen Glauben im Wirtschaftsalltag anwenden kann", meint P. Christoph - und nennt den bekannten Hersteller von Babynahrung, Claus Hipp. Dessen Produkte seien nicht nur biologisch angebaut, er orientiere sich in der Unternehmensführung auch an christlichen Werten. Doch außer Hipp gebe es noch viele andere, die auf wirtschaftlichem Sektor die christlichen Ideale der Humanität anwenden: Wenn man die Frage nach den christlichen Idealen in der Arbeitswelt stelle, dürfe man nicht übersehen, dass viele Kleinunternehmer danach handelten - auch hier in unserer Gegend. Das sei übrigens ein ureigenes franziskanisches Thema, denn schon der heilige Franziskus habe versucht, den Verlockungen des Reichtums zu widerstehen.
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