
Seit Juni 2005 bin ich (Jahrgang 1962) hier in Vierzehn-heiligen als Wallfahrtsseelsorger und Vikar (Stellvertreter des Klosterleiters) tätig. Im Laufe der Zeit kamen vor allem administrative, technische und organisatorische Tätigkeiten hinzu. All diese Aufgaben liesen mir zunächst kaum Freiraum, um in Bereichen, in denen ich ausgebildet bin, tätig zu werden.
Ab September 2006 änderte sich einiges. Vor allem die Anstellung einer Sekretärin im Wallfahrtsbüro entlastete mich und so konnte ich auch psychotherapeutische Begleitung anbieten, wie ich sie schon als Kurseelsorger in Füssen und als Krankenhausseelsorger in Bad Tölz Ratsuchenden gegenüber leistete.
Bisher waren es über 530 Gespräche (Stand: Februar 2010), die meist 1 ½ Stunden dauern. Ich möchte in diesem Beitrag einen kleinen Einblick in diese heute immer wichtiger werdende Form von Hilfe geben. Viele Menschen wissen ja kaum, was das "Geistliche Zentrum Vierzehnheiligen" alles bietet.

Als gelernter Sozialpädagoge, Theologe und Psychotherapeut (Logotherapie, Gesprächspsycho-therapie und Arbeit mit Imagi-nation) ist mir schon lange eine konkrete Begleitung für Menschen mit allen möglichen Lebens-problemen wichtig. Weil ich nicht nur als Priester, sondern auch als Psychotherapeut unter Schweige-pflicht stehe, kann ich vieles hier nur andeuten. Natürlich kann man von so einer Arbeit auch keine Bilder zeigen, aber … eine Klientin erlaubte mir, zwei von ihren während des therapeutischen Prozesses entstandenen Bilder zu veröffentlichen, die für sich selbst sprechen.
Im Laufe des vergangenen Jahres kristallisierten sich aus den verschiedenen Gesprächen mit Frauen und Männern jeden Alters einzelne Themenbereiche heraus:
- Beziehungs- und Eheschwierigkeiten (an erster Stelle), die ich in Einzelgesprächen und - wenn möglich - dann auch in Paargesprächen zu klären versuchte.
- "Fremdgehen" (Ehebruch) außerhalb der Beziehung / Ehe.
- Identitätsfindung, gepaart mit Sinnfragen und Auseinandersetzung mit Lebensproblemen, Suche nach Lebensperspektiven und -alternativen.
- Arbeitsunzufriedenheit im Beruf, Ausbrennen (Burnout), Stellenwechsel. Suche nach besserem Zeit-, Kommunikations- und Arbeitsmanagement.
- Lebenskrisen (Trennung, Scheidung, Verlassen einer geistlichen Gemeinschaft …).
- Aufarbeitung von Traumata (sexueller Missbrauch in der Kindheit, Unfall …).
- Umgang mit schwerer Krankheit (Krebs, Morbus Crohn, Schizzophrenie eines Kindes, Demenz der Eltern …).
- Erziehungsfragen (kleine oder pubertierende Kinder).
- Verwirrung durch Sekteneinflüsse.
- Gewalt in der Ehe.
- Leiden unter Mobbing oder "bösen Menschen".
- Umgang mit Depression, Schwermut, sexuellen Schwierigkeiten oder "Abspaltungen".
- Glaubensfragen, die belastend werden (negative Gottesbilder, Verharren im Kinderglauben …). Suche nach "heilenden Gottesbildern". Glaube als Hilfe zur Lebensbewältigung. Christlich-gläubiges Fragen nach dem Sinn von Leid und Tod.

Da ich Therapeut und Priester bin, vermischen sich manchmal psychotherapeutische und seelsorgerliche Dimensionen. Ich versuche diese sauber zu trennen. Wenn sie sich aber "harmonisch" verbinden, dann kann es manchmal auch zur "geistlichen Begleitung" oder zum Beichtgespräch mit anschließender Absolution kommen.
"Lasst uns eure Hilfe sehen..." - so heißt es in einem bekannten Nothelferlied. An einem Ort wie Vierzehnheiligen, wo die 14 Nothelfer verehrt werden, liegt es nahe, auch qualifizierte therapeutische Hilfe anzubieten. Durch die Teamarbeit der Mitbrüder hier wurde dies möglich. Ich bin sicher, dass GOTT auch dadurch Heilendes bewirkt. Die steigende Zahl und die Zufriedenheit der Ratsuchenden ermutigt mich, so weiterzuarbeiten.
Da P. Christoph Mitglied der "Deutschen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse e.V." ist, möchte er die Homepage dieser Gesellschaft nennen und zugleich auf Kollegen und Kolleginnen hinweisen, die in Bayern nach dieser Methode arbeiten:
http://www.logotherapie-gesellschaft.de
http://www.logotherapie-gesellschaft.de/Praxen/Bayern.html
P. Christoph Kreitmeir











