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Gebete -Texte - Lieder

Freisinger Bischofskonferenz vom 17.-19.03.10 in Vierzehnheiligen

Schick_Marx_Mixa

Erzbischof Schick (Bamberg), Erzbischof Marx (München und Freising)
und Bischof Mixa (Augsburg)


Bayerns Bischöfe haben im Missbrauchskandal ein Zeichen gesetzt: Auf ihrer Vollversammlung im Wallfahrtsort Vierzehnheiligen beschlossen sie deshalb ein gemeinsames Vergebungsgebet.

Bischöfe_Buße

Bischöfe beim Bußakt ...


Im Missbrauchskandal der katholischen Kirche wünschen Bayerns Bischöfe ein Zeichen der Aussöhnung. Für das gemeinsame Pontifikalamt in der Basilika Vierzehnheiligen war ein gemeinsames Vergebungsgebet im Gottesdienst formuliert worden, außerdem hatte jeder Bischof in der Basilika für seine Diözese eine Kerze entzündet - als Zeichen der Bitte um Vergebung und Aussöhnung an die Opfer.

Bischof Müller Regensburg 

Bischof Müller von Regensburg beim Entzünden der Bußkerze ...


Das Vergebungsgebet:

Liebe Brüder und Schwestern,
in den vergangenen Wochen mussten wir schmerzlich erkennen,
welch großes Unrecht Kindern und Jugendlichen bis in unsere Tage
inmitten des Volkes Gottes, inmitten der Kirche Christi angetan wurde.
In tiefer Betroffenheit und Scham treten wir vor Gott unseren Vater,
denn er ist barmherzig und langmütig,
reich an Erbarmen, Liebe und Treue.

(Kyrie-Ruf)

Mauer der Klage_4

Gott unser Vater,
dein Sohn Jesus Christus hat uns die Kirche anvertraut,
er ist ihr Haupt und wir sind der Leib.
Wenn ein Glied des Leibes leidet, leiden alle Glieder mit,
wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm.
Zu allen Zeiten weißt du im Schoß der Kirche
um Menschen, die durch ihre Heiligkeit strahlen
aber auch um andere, die dir ungehorsam sind
und in Gedanken, Worten und Werken
deinen Geboten und dem Evangelium deines Sohnes widersprechen.
Doch du bleibst treu,
auch wenn wir untreu werden.

Vergib uns unsere Schuld und erneuere uns,
denn nur so ist unser Zeugnis
für Deinen Sohn Jesus Christus und sein heiliges Evangelium
wahrhaftig und glaubwürdig.

(Kyrie-Ruf)

Gott unser Vater,
dein Sohn Jesus Christus hat die Kinder zu sich gerufen.
Er hat sie in die Mitte gestellt und sie gesegnet.
Komm allen zu Hilfe, denen im Kindes- und Jugendalter
in kirchlichen Einrichtungen körperliche und sexuelle Gewalt widerfahren ist,
deren Schutzlosigkeit durch Priester und Ordensleute und andere
Mitarbeiter ausgenutzt und deren Vertrauen missbraucht wurde.
Sei auch den Eltern nahe, die ihre Kinder der Kirche
in Schulen und Jugendarbeit anvertraut haben.
Vielfach haben Opfer von Gewalt und Missbrauch,
und deren Eltern und Familien,
nicht nur das Vertrauen in die Kirche verloren,
sondern auch ihr Glaube an Dich ist erschüttert worden.
Wir bitten um Vergebung für all jene, die Unrecht getan haben,
für jene, die die "Kleinen" und Schutzlosen,
die dir so am Herzen liegen, an Leib und Seele verletzt haben,
und für jene, die leichtfertig über geschehenes Unrecht hinweggesehen haben.

Engel_Missetat

Erbarme dich unser
und nimm unser Gebet
und unsere Bereitschaft zur Umkehr an.

(Kyrie-Ruf)

Herr unser Gott,
wir Bischöfe reihen uns ein in die Schar der Pilger,
die seit Jahrhunderten hierher nach Vierzehnheiligen kommen
und verehren an diesem Ort unseren Herrn Jesus Christus,
der als wehrloses Kind in die Welt gekommen ist,
und die vierzehn Nothelfer.
Sie sind Helfer in der Bedrängnis.
Sie sind Fürsprecher der Unterdrückten.
Sie sind Beistand in Gewissensängsten und leidvollen Kämpfen.
Sie sind Wegweiser im Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit.
Sie sind Vorbilder und Richtschnur in der Nachfolge Christi, deines Sohnes.
Wir rufen die heiligen Nothelfer in dieser Stunde an
und bitten um ihre Fürsprache und ihren Beistand
für alle, die in kirchlicher Obhut an Leib und Seele verwundet wurden,
für alle, die an Kindern und Jugendlichen schuldig geworden sind,
weil sie ihnen Böses getan haben und Gutes unterlassen haben.

Begleite du, guter Gott,
unser Bemühen in unseren Bistümern
um Wahrhaftigkeit und Umkehr
und schenke uns auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria, des heiligen Josef und der vierzehn Nothelfer
deinen Heiligen Geist als Beistand auf unserem Weg.
Darum bitten wir durch Jesus Christus
deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Fernsehkamera

Das Medieninteresse war sehr groß ...


Bischöfe_Auszug

Auszug der Bischöfe nach der bewegenden Liturgie ...


Schick_Marx

Die beiden bayerischen Erzbischöfe Ludwig Schick aus Bamberg und
 Reinhard Marx aus München standen einer ganzen Schar von
Journalisten und einem Dutzend Fernsehkameras Rede und Antwort.
 
"Für Sünden und Verfehlungen in dieser Welt muss gesühnt werden", sagte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Im Kloster Ettal, in Bad Tölz, in Bamberg und an diversen anderen Orten Bayerns hatten nach bisherigem Kenntnisstand Priester und Ordensleute Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht. Auf konkrete Einzelfälle wollten die Bischöfe, trotz Nachfragen von Journalisten, nicht eingehen. Zum Abschluss ihrer dreitägigen Klausurtagung in dem seit rund 600 Jahren bestehenden Wallfahrtsort Vierzehnheiligen legten die Bischöfe noch einmal ein Schuldbekenntnis ab, wie sie es bei einem sehr emotionalen Gottesdienst am Vorabend schon getan hatten. Die zahlreichen Missbrauchsfälle haben die katholische Kirche in Bayern in eine tiefe Krise gestürzt. In den vergangenen Tagen kehrten viele Kirchensteuerzahler laut Medienberichten der Kirche den Rücken.

Erzbischof Marx

Dass Fehler begangen wurden, indem die Staatsanwaltschaft oft nicht von den Missbrauchsfällen erfuhr, sehen die Bischöfe ein: "Wir wollen nichts verschweigen", kündigte Marx an. Jeder Missbrauchsfall, auch wenn er schon verjährt sei, solle künftig von den staatlichen Ermittlern überprüft werden. Die 2002 aufgestellten Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz sollen nach dem Willen der bayerischen Bischöfe verschärft werden. Nach den Vorstellungen der acht Diözesanbischöfe soll in den Leitlinien festgeschrieben werden, dass jeder Missbrauchsverdacht der Staatsanwaltschaft zu melden ist. Den Opfern soll zudem «Gerechtigkeit widerfahren». Dabei sei auch finanzielle Unterstützung nicht ausgeschlossen. Einzelheiten sind aber noch nicht bekannt.

Von ihrer Versammlung am Wallfahrtsort der 14 heiligen Nothelfer erhoffen sich die bayerischen Bischöfe gleichzeitig das Signal zu einem Neubeginn. Die katholischen Oberhirten wissen, dass sie das Vertrauen der Gläubigen zurückgewinnen müssen. Deswegen müsse auf die Prävention künftig stärker Wert gelegt werden, sagte Marx. Die Forschung in diesem Bereich sei noch nicht so weit vorangeschritten: "Wo kommen die Täter her, wie wird jemand zum Täter? Wie kann eine Kultur der Aufmerksamkeit aussehen?", waren Fragen, die der Münchner Erzbischof in die Runde stellte. Er erhoffe sich von solchen wissenschaftlichen Untersuchungen durchaus neue Erkenntnisse. Die katholische Kirche werde sich bei diesen Präventionsbemühungen nicht ausnehmen, sagte Marx und fügte hinzu: "Ich empfinde es als Auftrag, bei der Prävention in manchen Punkten nun auch voranzugehen."

Bei überführten und bestraften Tätern wollen die bayerischen Bischöfe auf forensische Gutachten mit eindeutigen Aussagen zu Heilungs- und Therapiemöglichkeiten sowie zur Wiedereinsetzbarkeit drängen. Sicher sei jedoch, dass selbst bei leichteren Fällen ein Einsatz in der Kinder- und Jugendarbeit nicht mehr denkbar sei, betonte der Erzbischof.

Marx bescheinigte den Medien eine wichtige Rolle bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen. Zugleich bat er die Berichterstatter, mit Informationen sorgsam umzugehen, damit Menschen nicht leichtfertig in Verruf gerieten, etwa durch die Veröffentlichung anonymer Anschuldigungen.

Die bayerischen Bischöfe dankten Benedikt XVI. für seine Unterstützung. Sie wüssten sich in ihrem Kampf gegen Missbrauch einig mit dem Papst. Dieser weise seit Jahren unermüdlich darauf hin, dass es gegenüber sexuellem Missbrauch keine Toleranz geben dürfe. Marx erwartet kein eigenes Papstwort zu den Missbrauchsfällen in Deutschland. Der für Samstag angekündigte Hirtenbrief von Benedikt XVI. an die irischen Katholiken sei aber auch für die deutsche Kirche wichtig. Für Missbrauchsfälle in Deutschland trügen aber die Ortsbischöfe die Verantwortung. "Die will ich nicht auf den Papst schieben", so Marx.

Erklärung der Freisinger Bischofskonferenz

Abschluss der Frühjahrsvollversammlung in Vierzehnheiligen    Vierzehnheiligen, 18. März 2010. Die bayerischen Bischöfe erklären zum Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung in Vierzehnheiligen:

1. Mit tiefer Betroffenheit und Scham haben sich die bayerischen Bischöfe gegenseitig über die Missbrauchsfälle in ihren Diözesen informiert und ausgetauscht. Oberste Priorität haben die Suche nach der Wahrheit und die Schaffung einer offenen Atmosphäre, die die Opfer ermutigt, das auszusprechen, was ihnen angetan wurde. Den Opfern soll Gerechtigkeit widerfahren. Das setzt voraus, dass ihnen Gehör geschenkt wird, und dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden. In jeder bayerischen Diözese gibt es bereits Ansprechpartner für Opfer sexuellen Missbrauchs. Die Opfer benötigen Hilfe zur Heilung der seelischen Wunden. Die Bischöfe wollen den einzelnen Opfern dabei über die gesetzliche Pflicht der Täter hinaus Hilfe gewähren.

Die Freisinger Bischofskonferenz weiß darum, dass es in dieser Welt immer Versagen und Schuld des Einzelnen geben wird. Die Bischöfe wollen jedem Verdacht nachgehen und jede Verfehlung aufklären. Deshalb empfehlen die bayerischen Bischöfe einstimmig, bei der Überarbeitung der Leitlinien die Meldepflicht bei Verdacht von sexuellem Missbrauch und körperlichen Misshandlungen an die Staatsanwaltschaft festzuschreiben und sie unabhängig davon sofort zu praktizieren.
Vordringlich ist es für die Bischöfe, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um Missbrauch und Gewalt möglichst zu verhindern.

Für eine wirksame Prävention ist bei allen relevanten Gruppen anzusetzen: Die bayerischen Bischöfe werden weiterhin bei der Auswahl und Schulung ihrer Mitarbeiter große Sorgfalt und Umsicht walten lassen. Eine wirksame Prävention muss Kinder und Jugendliche stärken sowie Erzieher, Lehrer und Verantwortliche sensibilisieren. Eine wichtige Orientierung bietet zum Beispiel das Präventionsprogramm des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend in Bayern. Seit Jahren schult der BDKJ seine haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter in vorbildlicher Weise im Kampf gegen sexuellen Missbrauch. Die vorhandenen Initiativen müssen in allen Bereichen der Gesellschaft intensiviert werden. Die Bischöfe sind bereit, ihren Beitrag zu leisten und die Anstrengungen zu verstärken.

In all ihren Bestrebungen im Kampf gegen Missbrauch wissen sich die bayerischen Bischöfe durch den Heiligen Vater bestärkt und danken ihm dafür. Benedikt XVI. weist seit Jahren unermüdlich darauf hin, dass es gegenüber dem sexuellen Missbrauch keine Toleranz geben darf. Die Freisinger Bischofskonferenz weiß, dass die Situation ein geistlicher Anruf ist im Sinne der „Reinigung des Gedächtnisses“, wie Johannes Paul II. in seinem Schuldbekenntnis formulierte und gestern und heute in der Heiligen Messe in der Basilika von Vierzehnheiligen zum Ausdruck gebracht wurde. Die Bischöfe danken ihren Priestern, Ordensleuten und Mitarbeitern, die ein Zeugnis der Treue und Hingabe durch ihren Dienst geben.

2. Sechs Wochen vor seinem Beginn blicken die bayerischen Bischöfe mit großer Zuversicht auf den 2. Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai in München. Sie haben sich über den guten Fortgang der Vorbereitungen informiert. Der Generalsekretär des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken Stefan Vesper dankte den Bischöfen für ihre große Unterstützung. Die Beteiligung der orthodoxen Brüder und Schwestern verstärkt das gemeinsame Zeugnis der Christen in unserer pluralen Gesellschaft.

3. Die Freisinger Bischofskonferenz befürwortet die vom Stiftungsrat vorgeschlagene neue Verfassung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Darin kommt deutlicher als bisher zum Ausdruck, dass die Verantwortung für das katholische Profil und für die wissenschaftliche Forschung und Lehre bei der Stiftungsuniversität liegt.

4. Mit Freude haben die bayerischen Bischöfe die Leistungsstatistik für katholische Jugendarbeit der Landesstelle des BDKJ in Bayern zur Kenntnis genommen. Die Zahl der regelmäßig erreichten Jugendlichen ist deutlich angestiegen. Obwohl demografisch die Zahl der Kinder und Jugendlichen sinkt, verzeichnen die katholischen Jugendverbände einen signifikanten Zuwachs.

Basilika Infotafel

Franziskanerkloster Vierzehnheiligen 2
D-96231 Bad Staffelstein

Tel.: 09571 / 95 08 -0
Fax. 09571 / 95 08 -50

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© Franziskanerkloster Vierzehnheiligen, D-96231 Bad Staffelstein - 09.09.2010    RSS News RSS News abonnieren