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Über die Geschichte der Wallfahrt und der Basilika Vierzehnheiligen
referierte Dr. Peter Ruderich beim CHW in Ebensfeld am 21.01.11.
Die Wallfahrt nach Vierzehnheiligen zieht die Menschen in ihren Bann, das hat vor mehr als 500 Jahren begonnen und sich über das aufgeklärte 19. Jahrhundert, als das Pilgern als irrational abgestempelt wurde, bis heute fortgesetzt. Entgegen jedem Zeitgeist haben die Wallfahrer in zäher Beharrlichkeit an ihrem „sich auf den Weg machen“ festgehalten.
Angefangen hat alles mit einem Wunsch, dem Wunsch der Nothelfer nach einer Kapelle, geäußert vom Jesuskind, das, umringt von 14 Kindlein, dem Schäferjungen Hermann Leicht im Jahr 1445 auf einem Feld im Frankenthal, dem heutigen Vierzehnheiligen, erschienen ist. Der Wunsch dieses Jesuskindes, das der Schäfer als „hell wie Kristall und leuchtend wie die Sonne“ beschrieb, ist der Ursprung der heutigen Basilika, die, wenn man sie betritt, mit ihrem umwerfenden Licht diese Beschreibung widerspiegelt.

In einem kurzweiligen Vortrag schilderte Kunsthistoriker Dr. Peter
Ruderich die Geschichte der Wallfahrt und der Basilika Vierzehnheiligen
auf Einladung der CHW-Ortsgruppe Ebensfeld-Zapfendorf und ihres
Vorsitzenden Georg Neuberger. Ruderich, der über Vierzehnheiligen
promoviert und eine fast 500 Seiten starke wissenschaftliche Analyse
dazu veröffentlicht hat, führte beschwingt durch die historischen
Zusammenhänge und Verwicklungen.
Die Basilika mit ihrer ungeheuer
elitären Architektur entspricht keinerlei Regeln, der
fränkisch-böhmische oder auch radikale Barock ist einfach genial. Nicht
nur der Architekt Balthasar Neumann, selbst die Zimmerleute, die dieses
Werk schufen, waren absolute Meister ihres Fachs. Ruderich erwähnte
Landmaurermeister Johann Thomas Nißler aus Staffelstein, der als
Probestück erstmal die Kirche in Frauendorf gebaut hat, bevor er sich
erfolgreich an die Gewölbe von Vierzehnheiligen wagte.
Doch
zurück zum Anfang: Die insgesamt vier Erscheinungen des Schäferjungen
wollten die Zuständigen, die Zisterzienser des Klosters Langheim anfangs
ignorieren, vergebens, nach der Wunderheilung einer kranken Magd
beugten sie sich. Im Jahr 1448 wurde die erste Kirche zu Ehren der
heiligen Maria und der 14 Nothelfer an der Stelle der Erscheinung
geweiht und die Wallfahrten nahmen ihren Lauf.
Das Vertrauen der
Menschen in die Nothelfer als Gruppe war groß. Wenn auch jeder der
Heiligen seine individuellen Zuständigkeiten hat, wurden sie doch alle
als Gemeinschaft angerufen. „Die Aufgaben sind so gut gefächert, für jeden Bedarf ist der geeignete Fürsprecher vor Gott dabei“ , erklärte Ruderich.
Und
weil den Pilgern die flexiblen Nothelfer so nahe standen, war die
Bemühung der Zisterzienser, eine Christuswallfahrt zu initiieren, zum
Scheitern verurteilt. Die Vierzehnheiligen-Wallfahrt verbreitete sich
ungeheuer schnell und weit, der Erfolg fachte die Streitigkeiten um die
Pilgergaben an, Langheim, der Staffelsteiner Pfarrer und der Bamberger
Fürstbischof wollten profitieren. Der Staffelsteiner Pfarrer wurde
abgefunden, Langheim erhielt zwei Drittel der Einnahmen, der
Fürstbischof ein Drittel, war aber auch jeweils zur entsprechenden
Unterhaltsbeteiligung verpflichtet.
1525 war der Ansturm vorbei, der Bauernkrieg brachte die Wallfahrten zum Erliegen. Die Staffelsteiner plünderten und zerstörten die Kirche, trugen alles, was nicht niet- und nagelfest war, vom Glasfenster bis zur Monstranz, ins Tal, und was das Herz des Historikers hierbei erfreute: Sie führten eine genaue Inventurliste über ihre Beute, welche die Blüte der Pilgerstätte belegt. Im Jahr 1543 wurde die Nachfolgerkirche, eine Art Kirchenburg, geweiht.
Die
Wallfahrt erholte sich zusehends im 17. und 18. Jahrhundert, mit der
Folge: Die Kirche in Vierzehnheiligen war den Pilgern zu klein, sie
wollten ein der Würde Gottes angemessenes Gebäude. Ein Gerangel zwischen
Langheim mit Abt Stefan Mösinger und Bamberg mit Fürstbischof Friedrich
Karl von Schönborn begann. Einen günstig umzusetzenden Plan entwarf
der evangelische Thüringer Baumeister Gottfried Heinrich Krohne im
Auftrag des Abtes, Johann Jakob Michael Küchel präsentierte daraufhin im
Auftrag des Fürstbischofs einen ungleich aufwändigeren Plan für eine
Kirche, hoch wie der Bamberger Dom und von eigenartig ungewöhnlicher
Architektur, jedoch kaum finanzierbar. Eine sehr stark verkleinerte
Variante dieser Vierzehnheiligenplanung stellt die Valentinikapelle in
Unterleiterbach dar.
Abt und Bischof einigten sich schließlich auf
einen Kompromiss, auf den Architekten Balthasar Neumann. Abt Mösinger
ließ dessen Entwurf allerdings insgeheim vom bauleitenden Architekten
Krohne verändern und mit diesem Plan den Bau beginnen. Ende 1746
besichtigte Balthasar Neumann schockiert die Baustelle und protestierte
energisch gegen den „Kleinigkeitenarchitekten“. Nach diplomatischen
Verhandlungen wurde Krohne entlassen und schließlich die überragende
Neuplanung Neumanns akzeptiert.
Für den Kirchenneubau das Wichtigste: Der Platz für den Gnadenaltar war unverrückbar die Stelle der Erscheinung. Neumann fing Feuer an dem Problem, das bereits von Krohne Gebaute in seinen Plan zu integrieren, er entwarf einen komplizierten Grundriss zur Verschmelzung von Lang- und Zentralbau und baute aus gekrümmten Raumkörpern ein Gebäude mit Gewölben, die nach aktuellen Berechnungen gar nicht halten dürften. Jedoch: Sie überstanden sogar den durch Blitzschlag ausgelösten Brand 1835, dem die Türme und der Dachstuhl zum Opfer fielen, und halten, aller Theorie zum Trotz, noch immer.
„Die
Rotundenreihungen, Kreise und Ovale, Zeichen für die Vollkommenheit
Gottes, ohne Anfang und Ende, zeigen: Das Bauwerk ist theologisch und
architektonisch genial“, so Ruderich. Eine barocke Spielerei am
Rande: Zwischen den Kirchtürmen sah man genau auf Kloster Banz (heute
von Bäumen verdeckt).
Auch in der Kirche fällt der Blick durch den Gnadenaltar bei geöffnetem Hauptportal auf die Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters gegenüber. Die Türme der Basilika interpretierte Ruderich als Reminiszenz an die Kerzen in der Erscheinung des Schäferjungen. In Vierzehnheiligen waren die besten Künstler ihrer Zeit tätig, die Wessobrunner Stuckateure Johann Michael Feichtmeier und Johann Georg Übelher gestalteten die Rokoko-Ausstattung, die Malerei schuf Josef Ignaz Appiani. Schönster Stuckmarmor ziert die Altäre, der einmalige freistehende Gnadenaltar, in der Mitte leer, ohne Figur, weist darauf hin: Die wichtigste Stelle befindet sich darunter, die Stelle der Erscheinung. 1743 fand die Grundsteinlegung statt, 1772 wurde die heutige Kirche den Nothelfern und Maria Empfängnis geweiht. Bedauerlich für den Historiker: die Weihepredigt ist in den Archiven nicht erhalten.
„Aber vielleicht taucht sie doch noch eines Tages beim Stöbern auf dem Dachboden des Klosters auf“ , wandte er sich augenzwinkernd an zwei der heutigen Hausherren von Vierzehnheiligen, die Franziskaner Guardian P. Heribert und P. Ernst, die unter den zahlreichen Zuhörern aufmerksam seinem Vortrag lauschten. „Man sollte einmal einen ganzen Tag einfach in der Basilika sitzen und gucken, wie das Licht sich wandelt“ , sagte Ruderich und erklärte gleich warum: Der Stuck aus geriebenem Kobaltglas lässt das Licht unterschiedlich tief eindringen, die Farbe ändert sich je nach Tages- und Jahreszeit. Der Historiker schwärmte von der Einmaligkeit dieser Kirche, die religiöse und kunstbegeisterte Besucher gleichermaßen fesselt: „Die Basilika Vierzehnheiligen, sie ist Kunst- und Wunderwerk in einem.“
Franziskanerkloster
Vierzehnheiligen 2
D-96231 Bad Staffelstein
Tel.: +499571 / 9508-0
Fax: +499571 / 9508-50
E-Mail
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Wir wollen auch auf die Homepage der Deutschen Franziskaner hinweisen.