Wo es Frieden und Meditation gibt,
da herrscht weder Sorge noch Zweifel.

(Franz von Assisi)

Gottesdienste

Kalender

Monats-Schaukastenplakat

>> Aktuelles Schaukastenplakat Dezember

Öffnungszeiten

Basilika Öffnungszeiten (Sommer und Winter) Eucharistiefeier Beichtgelegenheiten und Führungsanfragen.

Bitte hier klicken

Geistliche Impulse

Radikaler Barock hell wie Kristall - Dr. Peter Ruderich refererierte

(Dieser Beitrag ist der überarbeitete Artikel von Birgid Röder mit dem Titel "Radikaler Barock hell wie Kristall", erschienen am 25.01.11 im Obermain Tagblatt, S. 25.)

Über die Geschichte der Wallfahrt und der Basilika Vierzehnheiligen referierte Dr. Peter Ruderich beim CHW in Ebensfeld am 21.01.11.

Die Wallfahrt nach Vierzehnheiligen zieht die Menschen in ihren Bann, das hat vor mehr als 500 Jahren begonnen und sich über das aufgeklärte 19. Jahrhundert, als das Pilgern als irrational abgestempelt wurde, bis heute fortgesetzt. Entgegen jedem Zeitgeist haben die Wallfahrer in zäher Beharrlichkeit an ihrem „sich auf den Weg machen“ festgehalten.

Angefangen hat alles mit einem Wunsch, dem Wunsch der Nothelfer nach einer Kapelle, geäußert vom Jesuskind, das, umringt von 14 Kindlein, dem Schäferjungen Hermann Leicht im Jahr 1445 auf einem Feld im Frankenthal, dem heutigen Vierzehnheiligen, erschienen ist. Der Wunsch dieses Jesuskindes, das der Schäfer als „hell wie Kristall und leuchtend wie die Sonne“ beschrieb, ist der Ursprung der heutigen Basilika, die, wenn man sie betritt, mit ihrem umwerfenden Licht diese Beschreibung widerspiegelt.

 
Der Gnadenaltar
Der Gnadenaltar
 

In einem kurzweiligen Vortrag schilderte Kunsthistoriker Dr. Peter Ruderich die Geschichte der Wallfahrt und der Basilika Vierzehnheiligen auf Einladung der CHW-Ortsgruppe Ebensfeld-Zapfendorf und ihres Vorsitzenden Georg Neuberger. Ruderich, der über Vierzehnheiligen promoviert und eine fast 500 Seiten starke wissenschaftliche Analyse dazu veröffentlicht hat, führte beschwingt durch die historischen Zusammenhänge und Verwicklungen.

Die Basilika mit ihrer ungeheuer elitären Architektur entspricht keinerlei Regeln, der fränkisch-böhmische oder auch radikale Barock ist einfach genial. Nicht nur der Architekt Balthasar Neumann, selbst die Zimmerleute, die dieses Werk schufen, waren absolute Meister ihres Fachs. Ruderich erwähnte Landmaurermeister Johann Thomas Nißler aus Staffelstein, der als Probestück erstmal die Kirche in Frauendorf gebaut hat, bevor er sich erfolgreich an die Gewölbe von Vierzehnheiligen wagte.

Doch zurück zum Anfang: Die insgesamt vier Erscheinungen des Schäferjungen wollten die Zuständigen, die Zisterzienser des Klosters Langheim anfangs ignorieren, vergebens, nach der Wunderheilung einer kranken Magd beugten sie sich. Im Jahr 1448 wurde die erste Kirche zu Ehren der heiligen Maria und der 14 Nothelfer an der Stelle der Erscheinung geweiht und die Wallfahrten nahmen ihren Lauf.

Das Vertrauen der Menschen in die Nothelfer als Gruppe war groß. Wenn auch jeder der Heiligen seine individuellen Zuständigkeiten hat, wurden sie doch alle als Gemeinschaft angerufen. „Die Aufgaben sind so gut gefächert, für jeden Bedarf ist der geeignete Fürsprecher vor Gott dabei“ , erklärte Ruderich.

Und weil den Pilgern die flexiblen Nothelfer so nahe standen, war die Bemühung der Zisterzienser, eine Christuswallfahrt zu initiieren, zum Scheitern verurteilt. Die Vierzehnheiligen-Wallfahrt verbreitete sich ungeheuer schnell und weit, der Erfolg fachte die Streitigkeiten um die Pilgergaben an, Langheim, der Staffelsteiner Pfarrer und der Bamberger Fürstbischof wollten profitieren. Der Staffelsteiner Pfarrer wurde abgefunden, Langheim erhielt zwei Drittel der Einnahmen, der Fürstbischof ein Drittel, war aber auch jeweils zur entsprechenden Unterhaltsbeteiligung verpflichtet.

1525 war der Ansturm vorbei, der Bauernkrieg brachte die Wallfahrten zum Erliegen. Die Staffelsteiner plünderten und zerstörten die Kirche, trugen alles, was nicht niet- und nagelfest war, vom Glasfenster bis zur Monstranz, ins Tal, und was das Herz des Historikers hierbei erfreute: Sie führten eine genaue Inventurliste über ihre Beute, welche die Blüte der Pilgerstätte belegt. Im Jahr 1543 wurde die Nachfolgerkirche, eine Art Kirchenburg, geweiht.

Die Wallfahrt erholte sich zusehends im 17. und 18. Jahrhundert, mit der Folge: Die Kirche in Vierzehnheiligen war den Pilgern zu klein, sie wollten ein der Würde Gottes angemessenes Gebäude. Ein Gerangel zwischen Langheim mit Abt Stefan Mösinger und Bamberg mit Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn begann. Einen günstig umzusetzenden Plan entwarf der evangelische Thüringer Baumeister Gottfried Heinrich Krohne im Auftrag des Abtes, Johann Jakob Michael Küchel präsentierte daraufhin im Auftrag des Fürstbischofs einen ungleich aufwändigeren Plan für eine Kirche, hoch wie der Bamberger Dom und von eigenartig ungewöhnlicher Architektur, jedoch kaum finanzierbar. Eine sehr stark verkleinerte Variante dieser Vierzehnheiligenplanung stellt die Valentinikapelle in Unterleiterbach dar.

Abt und Bischof einigten sich schließlich auf einen Kompromiss, auf den Architekten Balthasar Neumann. Abt Mösinger ließ dessen Entwurf allerdings insgeheim vom bauleitenden  Architekten Krohne verändern und mit diesem Plan den Bau beginnen. Ende 1746 besichtigte Balthasar Neumann schockiert die Baustelle und protestierte energisch gegen den „Kleinigkeitenarchitekten“. Nach diplomatischen Verhandlungen wurde Krohne entlassen und schließlich die überragende Neuplanung Neumanns akzeptiert.

Für den Kirchenneubau das Wichtigste: Der Platz für den Gnadenaltar war unverrückbar die Stelle der Erscheinung. Neumann fing Feuer an dem Problem, das bereits von Krohne Gebaute in seinen Plan zu integrieren, er entwarf einen komplizierten Grundriss zur Verschmelzung von Lang- und Zentralbau und baute aus gekrümmten Raumkörpern ein Gebäude mit Gewölben, die nach aktuellen Berechnungen gar nicht halten dürften. Jedoch: Sie überstanden sogar den durch Blitzschlag ausgelösten Brand 1835, dem die Türme und der Dachstuhl zum Opfer fielen, und halten, aller Theorie zum Trotz, noch immer.

  „Die Rotundenreihungen, Kreise und Ovale, Zeichen für die Vollkommenheit Gottes, ohne Anfang und Ende, zeigen: Das Bauwerk ist theologisch und architektonisch genial“, so Ruderich. Eine barocke Spielerei am Rande: Zwischen den Kirchtürmen sah man genau auf Kloster Banz (heute von Bäumen verdeckt).

Auch in der Kirche fällt der Blick durch den Gnadenaltar bei geöffnetem Hauptportal auf die Kirche des ehemaligen Benediktinerklosters gegenüber. Die Türme der Basilika interpretierte Ruderich als Reminiszenz an die Kerzen in der Erscheinung des Schäferjungen. In Vierzehnheiligen waren die besten Künstler ihrer Zeit tätig, die Wessobrunner Stuckateure Johann Michael Feichtmeier und Johann Georg Übelher gestalteten die Rokoko-Ausstattung, die Malerei schuf Josef Ignaz Appiani. Schönster Stuckmarmor ziert die Altäre, der einmalige freistehende Gnadenaltar, in der Mitte leer, ohne Figur, weist darauf hin: Die wichtigste Stelle befindet sich darunter, die Stelle der Erscheinung. 1743 fand die Grundsteinlegung statt, 1772 wurde die heutige Kirche den Nothelfern und Maria Empfängnis geweiht. Bedauerlich für den Historiker: die Weihepredigt ist in den Archiven nicht erhalten.

„Aber vielleicht taucht sie doch noch eines Tages beim Stöbern auf dem Dachboden des Klosters auf“ , wandte er sich augenzwinkernd an zwei der heutigen Hausherren von Vierzehnheiligen, die Franziskaner Guardian P. Heribert und P. Ernst, die unter den zahlreichen Zuhörern aufmerksam seinem Vortrag lauschten.  „Man sollte einmal einen ganzen Tag einfach in der Basilika sitzen und gucken, wie das Licht sich wandelt“ , sagte Ruderich und erklärte gleich warum: Der Stuck aus geriebenem Kobaltglas lässt das Licht unterschiedlich tief eindringen, die Farbe ändert sich je nach Tages- und Jahreszeit. Der Historiker schwärmte von der Einmaligkeit dieser Kirche, die religiöse und kunstbegeisterte Besucher gleichermaßen fesselt: „Die Basilika Vierzehnheiligen, sie ist Kunst- und Wunderwerk in einem.“

 
 
 

Franziskanerkloster
Vierzehnheiligen 2
96231 Bad Staffelstein
Tel: +499571 / 9508-0
Fax: +499571 / 9508-45
E-Mail

Wir wollen auch auf die Homepage der Deutschen Franziskaner hinweisen.

www.franziskaner.de