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Wallfahrten

Wallfahrt von Germershausen nach Vierzehnheiligen

Pilgern von Maria in der Wiese (Germershausen) nach Vierzehnheiligen (Lichtenfels)

Bei uns hieß es immer: "Wir Pilgern nach Vierzehnheiligen zur Eichsfelderwallfahrt". Diese Wallfahrt ist immer an St. Peter und Paul, d. h. vom 26. - 29. Juni eines jeden Jahres. Jedoch sind wir oder die Eichsfelder nie gepilgert bzw. konnte ich keinen finden, der zu Fuß gegangen ist, sondern alle sind mit dem Bus, der Bahn oder dem Auto gefahren. Nachdem mein Vater, Heinrich Ring, im Jahr 2006 zum 50. mal an der Eichsfelderwallfahrt nach Vierzehnheiligen teilgenommen hatte und er bedingt durch sein Alter (Jahrgang 1925) in den letzten Jahren nicht mehr alleine fahren konnte, haben meine Schwestern oder ich ihn begleitet. Weil ich nun so auch schon viele Male dort war, kam mir der Gedanke, ich will die Strecke wirklich einmal, wenn ich etwas Zeit habe, erwandern bzw. dorthin pilgern. Nachdem ich Ende 2007 meinen Beruf wechselte und im neuen Job erst am 1.1.2008 anfangen wollte, war es soweit: ich hatte Zeit für diese Wanderung. Sicherlich sind der November oder der Dezember nicht gerade die besten Wandermonate in Deutschland, aber ich war der Meinung, dass das Wetter gerade gut ist für solch ein Vorhaben, denn im Sommer - bei bestem Wetter - ist es ein Leichtes, dieses zu tun.

So stand der Entschluss fest und ich startete am Montag, den 26. November 2007 um 08.00 Uhr von meinem Elternhaus in Germershausen. Ich hatte mich gut mit Wanderschuhen und Wanderkleidung ausgerüstet, so dass mein Rucksack auch weniger als 10 kg wog. Ich hatte mir vorgenommen, dass ich in jede Kirche gehe, die ich auf der Strecke sehe. Dies stellte sich aber von Anfang an als schwierig dar, denn entweder war ich zu früh dort oder die Kirchen waren nur für den Gottesdienst geöffnet. Dieses war gleich in Germershausen so und weiter in Westerode auch. Ich ging bei leichtem Regen über das Mingeröder Loh nach Duderstadt. Ich bin dann den so genannten "Jakobusweg" über Teistungen, Hundeshagen, Silberhausen bis Helmsdorf gegangen. Hier war ich im Gasthof "Im Umstruttal" der einzige Übernachtungsgast und alle haben mich angeschaut als sei ich ein Aussätziger als ich sagte, dass ich nach Vierzehnheilgen wandern möchte und dies wohl noch gut 200 km sind.

Am zweiten Morgen bin ich dann wieder pünktlich um 08.00 Uhr gestartet und einige Kilometer dem Pilgerweg Loccum (bei Hannover) - Volkeroda (bei Mühlhausen) gefolgt. Dieser Tag war dadurch gekennzeichnet, dass die Landschaft leicht verschneit war, aber die Sonne sogar teilweise schien. Also ein optimaler Tag zum Wandern. Ab Zella bin ich dann den so genannten Mühlhäuser Landgrabenweg lang gewandert. Dieser Weg war gut ausgeschildert und ich konnte so sehr gut über Eigenriede nach Heyerode kommen. Ab hier bin ich dann auf dem "Rennstieg" lang gewandert. Es heißt, dies ist der "kleine Rennsteig" Wanderweg. Der Rennstieg war wohl gut ausgeschildert, jedoch durch die Regenfälle der Tage zuvor sehr matschig, so dass ich hier und da kleinere Umwege laufen musste. Diesem Weg folgte ich dann bis zur "Betteleiche". Hier verließ ich den Rennstieg und bin dann über den "Dreiherrensein" nach Bischofsroda gewandert. Hier stellte sich eine Übernachtung als sehr schwierig heraus, denn der Wirt des einzigen Gasthofes war gerade verstorben. Jedoch hatte der Sohn des Hauses wohl Erbarmen mit mir und ließ mich in einem Gästezimmer übernachten. Das Zimmer war wohl seit Wochen nicht mehr geheizt und so war es dort drinnen genauso kalt wie draußen. Schon an diesem Tag war es so, dass ich fast den ganzen Tag alleine gewandert bin, ohne groß durch Ortschaften oder über Straßen zu kommen. So konnte ich schön in meinen eigenen Gedanken wandern. An diesem Tag wanderte ich genau wie am ersten Tag über 30 km, jedoch wiederum ohne in eine Kirche gehen zu können.

Bedingt durch die schlechten Wege bin ich dann über Neunkirchen direkt nach Eisenach gewandert. Leider habe ich nach 45 Minuten festgestellt, dass ich noch den Schlüssel vom Gasthof in der Hosentasche hatte und so bin ich nochmals zurückgegangen. In Eisenach selbst war schon Vorweihnachtsstimmung und der Weihnachtsmarkt war schon sehr schön aufgebaut. In Eisenach bin ich noch zur Touristinformation gegangen, um mir ein Verzeichnis der Übernachtungsmöglichkeiten am Rennsteig zuholen. Sicherlich wird sich jetzt der eine oder andere fragen: Warum wandert man denn über Eisenach nach Vierzehnheiligen, das ist doch nicht der direkte Weg? Dies stimmt, jedoch wollte ich so gut es geht gute und ausgeschilderte Wanderwege gehen und so wenig wie möglich auf bzw. an der Straße laufen. So habe ich bewusst diesen Umweg in Kauf genommen, denn nun wusste ich, dass ich die nächsten über 100 Km auf dem Rennsteig laufen kann. Dies ist ein wunderschöner Wanderweg, den ich fünf Jahre zuvor, allerdings im Sommer, schon einmal gewandert bin. Diesen Tag wollte ich mir eine gute und warme Übernachtung gönnen und so schlief ich im Berghotel. Da dieses Hotel der Deutschen Burschenschaft gehört und ich Mitglied der Burschenschaft Hannovera in Göttingen bin, kannte ich dieses Haus schon. Das Berghotel liegt gegenüber der Wartburg, so dass hier ein wunderbarer Blick ist. Ferner konnte ich noch das Burschenschaftsdenkmal besichtigen, welches gerade ganz frisch renoviert wurde. Da ich an diesem dritten Tag weniger als 20 Km gewandert bin, habe ich diesen Tag eher als "Zwischenpause" betrachtet und konnte nun am vierten Tag wiederum um 08.00 Uhr voll ausgeruht in den Rennsteig einsteigen. Ich bin allerdings nicht in Hörschl, sondern in der "Hohe Sonne" eingestiegen. Die Sonne schien und mit jedem Höhenmeter kam mehr Schnee, so dass es bald eine wunderschöne Schneewanderung wurde. Ich bin dann über den "Großen Inselberg" - hier war alles gefroren und es war sehr neblig - zur Grenzwiese gewandert, wo ich dann im "Haus am Reitstein" übernachten konnte. Auch hier war ich wieder der einzige Gast am Abend und auch zur Übernachtung. An diesem Abend hatte ich am rechen Fuß die erste Blase und leichte Schmerzen.

Über Nacht gab es Eisregen und alles war gefroren. In den Morgenstunden hat es dann auch noch geschneit, so dass ich um 08.20 Uhr im besten Neuschnee starten konnte. Ich bin bis ca. 13.00 Uhr gelaufen ohne jemanden zu sehen, was mir sehr gut gefallen hat, denn nur so kann man wirklich die "Seele baumeln" lassen. Zwischen 13.00 und 15.00 Uhr habe ich dann einige Skilangläufer gesehen, die bedingt durch den Schnee deutlich besser vorankamen als ich. Ich musste einige Male von der Original Rennsteigwanderstrecke auf den Rennsteigfahrradweg ausweichen, denn ich bin knietief in den Schnee eingesunken und bin so fast gar nicht mehr vorangekommen. Die Schneeverhältnisse waren hier so gut, dass ich mehrfach an meiner Wanderstrecke Liftanlagen für Skiabfahrt in Betrieb sah. In Oberhof habe ich dann im Sporthotel gewohnt, welches die zweitteuerste Übernachtung auf meinem Pilgerweg war. An und für sich sich bin ich ja kein großer Saunafreund, jedoch war ich, als ich um 17,00 Uhr dort ankam, sehr froh mich kurz in der Sauna aufzuwärmen, denn die Temperaturen lagen den ganzen Tag deutlich unter null Grad. An diesem und dem Tag zuvor bin ich wieder so um die 30 Km pro Tag gelaufen und wusste nun, dass ich mehr als die Hälfte schon geschafft habe muss. Für mich stand nun fest, auch wenn die Schmerzen im rechten Fuß größer würden, dass ich es schaffen werde.

In der Nacht hat es stark geregnet und die Temperaturen sind über null Grad gestiegen, so war der Schnee an meinem sechsten Pilgertag mehr als Schneematsch zu bezeichnen. Ich startete erst um 08.30 Uhr und es regnete auch noch dazu, so dass ich erstmals die Regenhaube über meinen Rucksack machen musste. Gerade am Morgen kam ich nur sehr langsam voran, denn der schöne Schnee war weg und die Wanderung wurde deutlich beschwerlicher. Ich bin dann über den "Großen Beerberg" (983 m) über den Bahnhof Rennsteig nach Neustadt am Rennsteig gewandert. Neustadt liegt auf einem Plateau und ist rund 800 m hoch, so dass die letzten Kilometer, bedingt durch einen beißenden Wind, mehr als anstrengend waren. Bedingt durch die Witterungsverhältnisse waren meine Wanderschuhe schon vom frühen Morgen an nass und ab ca. 10.00 Uhr durch. In Neustadt fand ich dann endlich mal eine Kirche, in der ich zur Besinnung einkehren konnte. Es war eine kleine sehr schöne evangelische Kirche, die schon weihnachtlich geschmückt war. In Neustadt kehrte ich dann im Gasthof Hubertus ein. Hier schlief ich schon einmal als wir im Sommer vor einigen Jahren den gesamten Rennsteig (168 km) gewandert sind. Das Lokal war am Abend voll mit einer großen Weihnachtsfeier, jedoch haben wohl nur 3 - 4 Gäste dort übernachtet. Von denen waren zwei mit Langlaufski unterwegs, die nun aber durch das schlechte Wetter bedingt auch nicht mehr weiter fahren konnten.

Eigentlich wollte ich um 09.30 Uhr in den Gottesdienst in die Kirche in Neustadt und habe dadurch etwas länger geschlafen. Ich habe mir dann aber überlegt, dass ich dann eventuell nicht genug Zeit habe, denn in dieser Jahreszeit wird es spätestens um ca. 16.30 Uhr so dunkel, dass man nicht mehr wandern kann. So bin ich am Morgen nur zu kurzen Besinnung in die Kirche gegangen und dann doch schon vor 09.00 Uhr aufgebrochen, was sich später als sehr gut erwies. Da es über Nacht geregnet hat, konnte ich die ersten Kilometer gerade noch gut laufen bevor dann ab Massaberg der Rennsteig kaum noch zu gehen war, so dass ich wieder auf den Rennsteigfahrradweg ausweichen musste. Ich bin dann bis Siegmundsburg auf dem Rennsteig geblieben und wollte dann über den "Kleinen Dreiherrenstein" in Richtung Süden bzw. Coburg. Leider waren die Wege sehr schlecht ausgeschrieben und bei dem Regen auch nicht passierbar, so dass ich einen großen Umweg auf der Straße laufen musste. Da ich nun vom Thüringerwald runter ins "Flachland" gelaufen bin, spürte ich meinen rechten Fuß noch deutlicher und ich hoffte, bald eine Unterkunft zu finden. Auf dem Weg "Truckenthaler Wasser" bin ich dann bis Teuern gelaufen und habe im Gasthof Sonneneck übernachtet. Hier kam ich im Dunkel so gegen 17.00 Uhr an. Dieser Tag war bislang der anstrengendste und als ich meinen rechten Schuh auszog, sah ich auch das Malheur mit meinem rechten Bein. Es war angeschwollen, so dass das Fußgelenk und der untere Teil des Beines wohl fast doppelt so dick waren wie normal. Jedoch waren es von hier nun weniger als 50 Kilometer bis Vierzehnheiligen und ich war mir sicher, ich werde ich schaffen, ganz gleich wie.

Die gesamte Nacht stürmte und regnete es. Ferner tat mein rechtes Bein so weh, dass ich es mir überhaupt nicht vorstellen konnte, hiermit überhaupt noch zu gehen. Am Morgen habe ich dann unter größten Schmerzen meinen rechten Schuh angezogen und ich wusste, dieser Pilgertag wird die "Hölle". Umso mehr war ich verwundert, dass ich von Meter zu Meter immer besser laufen konnte und so den Schmerz des Beines nach einigen Kilometern fast gar nicht mehr spürte. Ich glaube es lag wohl daran, dass mir einerseits wohl schon alles mehr oder weniger weh tat und andererseits, ich nun wusste, es sind nur noch "wenige" Kilometer bis zum Ziel. Ich bin dann nach Schalkau gewandert und dann über den "Fränkischen Weg" nach Almerswind und dann über die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze nach Weißenbrunn. Nach Coburg wollte ich nicht rein und so bin ich östlich an Coburg über Esbach, Waldsachsen, Rögen nach Rohrbach gewandert. Nun wurde es schon dämmerig, aber ich wollte heute unbedingt noch näher nach Vierzehnheiligen, denn ich wusste, dass wenn ich heute den rechten Schuh ausziehe, der Fuß noch schlimmer aussehen würde und so war ich der Meinung, alles was ich heute noch schaffe, brauche ich am letzten Tag nicht mehr laufen. Also bin ich noch über Grub am Forst nach Buch am Forst gepilgert. Kurz vor Buch sah ich im Halbdunkeln die Basilika von Vierzehnheiligen und mir standen die Tränen in den Augen. Nach einigen Kilometern konnte ich Kloster Banz im Dunkeln noch besser sehen, denn Kloster Banz war gut beleuchtet. Um 17.00 Uhr war ich dann im Volldunkeln in Buch am Forst und nun ist genau das eingetreten, mit dem ich die ganze Zeit schon gerechnet hatte. Hier gab es keinen Gasthof zum Übernachten. Es war nun viel zu spät, um noch weiterzugehen und so rief ich ein Taxi, damit mich dieses zum nächsten Gasthof zwecks Übernachtung bringen sollte. Der Taxifahrer meinte Gasthof Müller in Reundorf bei Lichtenfels wäre wohl am besten. Nun war ich am Abend in einem Gasthof schon kurz vor Vierzehnheiligen, aber ich wollte die gesamte Strecke nun auch bewältigen und bestellte das Taxi für den nächsten Morgen um 08.00 Uhr, um mich wieder an meinen Ausgangspunkt zu bringen, auch wenn ich wusste, dass dies mehr als schmerzlich für meinen rechten Fuß sein würde. An diesem und dem letzten Tag bin ich wieder über 30 Km gelaufen und bedingt durch mein angeschwollenes Bein waren es wohl mit Abstand die schwersten Tage meiner Pilgerschaft.

Der Gasthof Müller war gut besucht und hier waren auch einige Übernachtungsgäste. Die Nacht war mehr als schmerzlich und das Fußgelenk und das Bein sind so doll angeschwollen, dass ich das Gefühl hatte, es ist doppelt so dick wie normal. Unter großer Anstrengung bin ich dann in den rechten Schuh gekommen. Nun wusste ich aber, es sind nur noch wenige Kilometer und ich bin da. Nun wählte ich den Weg durch Lichtenfels und schaute am Bahnhof nach Zügen zurück in den Norden. Alle zwei Stunden fuhren Züge über Würzburg. Ich selbst wollte heute Abend noch fahren, denn ich wollte mit dem Bein nicht noch eine Übernachtung hier verbringen. Nun bin ich durch Lichtenfels durch und über den kleinen Anstieg nach Vierzehnheilgen zur Basilika hoch. Dort angekommen, bin ich gleich in die Kirche um Gott zu danken, dass ich es geschafft habe und er mir den ganzen Weg zur Seite gestanden hat. Nachdem ich lange in der Basilika verweilt hatte, meldete ich mich an der Klosterpforte der Franziskaner, wo man sich sehr darüber freute, dass doch dieser Ort solch eine Begeisterung auf mich ausübt, so dass ich diese Strapazen auf mich genommen habe. Daraufhin fragte ich eine ältere Frau, ob sie denn ein Bild von mir vor der Basilika machen könnte, so dass ich dieses als Erinnerung hatte. Auf dem Weg zum Gasthof Hirsch, in dem ich mich auf einen Schweinebraten mit Knödeln und Rotkohl gefreut habe, riefen dann drei Frauen nach mir. Ich war mir am Anfang nicht sicher, ob es nur Überanstrengung war oder ob ich nun wirklich meine drei Schwestern dort sehe. Die Freude war mehr als groß als es dann wirklich meine Schwestern waren, die es sich nicht nehmen lassen wollten, ihren Bruder nun persönlich hier in Vierzehnheiligen begrüßen zu können. Wir blieben dann doch noch die Nacht im Gasthof Hirsch und waren diesen Nachmittag noch in Coburg auf einem wunderschönen Weihnachtsmarkt. Auf dem Rückweg am anderen Tag besuchten wir noch Bamberg.

Die Schwellung am rechten Bein ging glücklicherweise sehr schnell wieder zurück, doch diese Wanderung wird mich immer begleiten, insbesondere wenn ich in den nächsten Jahren wieder mit dem Auto zur Eichsfelderwallfahrt oder auch zwischendurch nach Vierzehnheilgen fahre.

Harald Ring aus Germershausen

Basilika Infotafel

Franziskanerkloster Vierzehnheiligen 2
D-96231 Bad Staffelstein

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© Franziskanerkloster Vierzehnheiligen, D-96231 Bad Staffelstein - 30.07.2010    RSS News RSS News abonnieren