Pater Dr. Heinrich Fürst forscht über die „Geschichte der Verehrung der 14 Nothelfer" / 3000 Euro von der Sparkasse
VIERZEHNHEILIGEN (Von Christine Schweßinger Obermain Tagblatt) Pater Dr. Heinrich Fürst befasst sich seit langer Zeit mit der Verehrung der Nothelfer von den Anfängen im Jahre 1284 bis zur Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die Studie ist nun fertig und soll bebildert werden. Doch dazu braucht der Pater Sponsoren.
Die Sparkasse Coburg Lichtenfels hat für das Buch am gestrigen Dienstagnachmittag einen Förderbetrag in Höhe von 3000 Euro zur Verfügung gestellt. Direktor Roland Vogel betonte, dass die Verehrung der 14 Nothelfer in Vierzehnheiligen im Jahre 1446, also vor 562 Jahren, ihren Anfang genommen habe. „Mit dieser wunderschönen Barock-Rokoko-Kirche wurde unserem Landkreis einer der prächtigsten und gelungensten Kirchenbauten seiner Epoche geschenkt, ein weit über unsere Grenzen anerkanntes Bauwerk von europäischem Rang", schwärmte Direktor Roland Vogel. Die Sparkasse begrüße es ausdrücklich, dass durch die intensive Forschungsarbeit von Pater Dr. Heinrich Fürst vom Franziskanerkloster die Geschichte der Verehrung der 14 Nothelfer fundiert aufbereitet und entsprechend dargestellt werde, betonte Direktor Vogel.
Die Oberfrankenstiftung bezuschusst das Buch mit 5000 Euro. Landrat Reinhard Leutner hat sich als Stiftungsrat dafür eingesetzt. Die Friedrich-Baur-Stiftung mit Vorsitzenden Georg von Waldenfels steuert 3000 Euro zu. Das sind insgesamt 11 000 Euro.
Pater Dr. Heinrich Fürst sieht die Nothelferverehrung in einem größeren Zusammenhang. Er sagt, dass er durch die Forschungen des früheren Guardians und Wallfahrtseelsorger, Dominik Lutz, „beflügelt" worden sei, über die Nothelfer zu forschen. „Ich habe Feuer gefangen."
Jedes Jahr hat der Pater sich in seinem dreiwöchigen Urlaub im Ausland mit dem Aufspüren von Nothelfern beschäftigt. „Es ist fast eine Lebensaufgabe." Vor drei Monaten hat er herausgefunden, dass es im protestantischen Dänemark viele Nothelferdarstellungen gibt. Pater Dr. Heinrich Fürst berichtet vom Ursprung der Nothelfer 1284 in Krems an der Donau. Wissenschaftler hätten jedoch festgestellt, dass es den Bischof Konrad von Passau nie existiert habe. Doch Pater Dr. Heinrich Fürst hat herausgefunden, dass es in der Zeit von 1283 bis 1285 einen Bischof Gottfried geben hat. In Krems werde derzeit das Pfarrarchiv renoviert. Und der Pater hofft, dass er danach Informationen über den ersten Weihebrief erfährt.
Den zweite Weihebrief aus dem Jahre 1330 hat er in Aufenstein in Matrei am Brenner gefunden. „60 Jahre nach dem ersten Weihebrief haben sich die Nothelfer bereits nach Südtirol ausgebreitet, nach Meran und Terlan." Das sei immerhin 50 Jahre vor der Erscheinung des Schäfers Hermann Leicht in Frankenthal gewesen.
In Österreich hat Pater Dr. Heinrich Fürst Nikolaus und Leonhard als Nothelfer entdeckt. In Nürnberg gebe es zehn Nothelferaltäre.
Dort würde beispielsweise Sebastian, Papst Sixtus II, Nikolaus und König Oswald genannt.
Pater Heinrich Fürst hat seine Studie über die Nothelfer nur unterbrochen , weil er einen theologischen Führer über das Heilige Land verfasst hat. „Seit 1999 bin ich wieder dran an der Erforschung der Nothelfer."
Pater Heinrich Fürst sagt, dass es für die ältere Zeit nur beschädigte Fresken gebe. Er sagt, dass das die Nothelfer nur immer zusammen erwähnt werden und ihre Namen je nach der Region austauschbar sind. „Das Besondere fällt weg." Ursprünglich seien die Nothelfer „Helfer vor dem Gericht Gottes." Martin Luther habe die Frage gestellt: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?"
Pater Heinrich Fürst betont, dass die Nothelfer „Hilfe im Tod und in großer Not" gewähren. Die Nothelfer hätten sich nach Tirol und gleichzeitig nach Regensburg ausgestrahlt - nach Westen und Norden. 1382 würden die Nothelfer zum ersten Mal in Franken, in Lauf bei Nürnberg, erwähnt. Er versucht die Vorstellungen von den Nothelfern richtig zu rücken. „Wenn jemand sagt, dass es für jede Not einen Nothelfer gibt, dann bedeute dies, dass die Nothelfer herabgewürdigt werden. Die Nothelfer müssen immer zusammen gesehen werden." Pater Dr. Heinrich Fürst weiß: „Die Volksfrömmigkeit schlägt manchmal Irrwege ein." Vierzehnheilige sei im Gegensatz zu anderen Nothelfer-Orten erfolgreich erhalten geblieben.
Der Pater kann sich nicht mit der „Nothelfer-Litanei" der Wallfahrer anfreunden, denn da würden wieder die einzelnen Heiligen für die Anliegen der Menschen herhalten müssen, beispielsweise Barbara als „tröstende Helferin der Sterbenden" oder Erasmus als „treuer Beschützer der Verfolgten und Bedrängten."
Der Pater ist der Ansicht: „Die Heiligen sollen im Volksglauben als Knechte dienen." Doch alle Nothelfer hätten für ihren standhaften Glauben an Gott den Märtyrertod erlitten. Christophorus, der Christusträger, müsse als „Heiliger für den Straßenverkehr" herhalten. „Die Nothelfer sind nicht dazu da, um Nöte zu beseitigen, sondern um Nöte zu bestehen", betont Pater Heinrich Fürst. Und dafür müsse man das Bewusstsein bei den Gläubigen schaffen, um den Nothelfern gerecht zu werden. Bis Ostern soll das Buch über die Nothelfer erscheinen.

3000 Euro sponsert die Kreissparkasse und 5000 Euro die Oberfrankenstiftung für die Nothelferforschung von Pater Dr. Heinrich Fürst (2.v. li.). Mit im Bild Sparkassen-Direktor Roland Vogel (li.), Landrat Reinhard Leutner und der Kundenberater der Sparkasse, Dominik Rischawy (re.). Foto: ine














