4. September 2022: 125 Jahre Basilika Vierzehnheiligen

Im fränkischen Bethlehem, wie man Vierzehnheiligen wegen der Erscheinung des göttlichen Kindes 1445/46 nennt, steht in diesem Jahr ein Doppeljubiläum an. So feierte man am vergangenen Sonntag die Erhebung zur päpstlichen Basilika vor 125 Jahren, eine hohe Auszeichnung, die nur ganz wenige Kirchen auf der ganzen Welt erhalten. Zu diesem besonderen Ereignis kam der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, um in der Wallfahrtkirche diesen Festgottesdienst mit zahlreichen Gläubigen zu feiern. „Basilika bedeutet Königshalle und ist ein Ehrentitel, der nicht nur architektisch bedeutsammen Bauwerken zukommt. Die päpstliche Ernennungsurkunde stellt klar, nicht die äußere Pracht und Herrlichkeit und die kunsthistorische Bedeutung der Kirche waren entscheidend, sondern die damals seit 450 Jahren gepflegte Wallfahrtstradition, die für den Gnadenort gewährten Ablässe aus Rom und die zahlreich bezeugten wunderbaren Gebetserhörungen waren die entscheidenden Argumente, die letztlich den Papst überzeugten, unsere Wallfahrtskirche den Titel einer Basilika zu verleihen“, so Guardian Pater Maximilian zu Beginn. Zu den äußeren Insignien einer „Basilika minor“ gehören das conopaeum, ein zeltartiger, rotgelb, gestreifter Schirm aus Seide, und das Tintinabulum, ein Glöckchen an einem Holzgestell mit dem Wappen der Kirche. Üblich war auch das päpstliche Wappen über dem Eingang zur Kirche anzubringen. Erzbischof Ludwig Schick hat die Basilika Vierzehnheiligen als ein wichtiges Zentrum des christlichen Lebens gewürdigt. Durch Gottesdienste, Sakramentenfeiern, Gesprächs- und Beichtmöglichkeiten sowie viele weitere Angebote trügen die Basilika und die Franziskaner maßgeblich dazu bei, „dass die Herzen der Gläubigen zu Gott erhoben werden“, sagte Schick in seiner Predigt. Damit erfülle die Wallfahrtskirche immer aufs Neue den Anspruch und den Auftrag des päpstlichen Ehrentitels ‚Basilica minor‘, der ihr vor 125 Jahren verliehen wurde. Der Bamberger Oberhirte verdeutlichte, dass die 1989 in Rom erneuerten und vereinheitlichten Kriterien für die Ernennung einer Kirche zur ‚Basilica minor‘ vor allem Wert „auf das geistliche Leben einer Basilika“ legten. Ein Gotteshaus werde mit dem Titel gewürdigt, wenn es in besonderer Weise Ort und Zentrum für das geistliche Leben sei und dazu beitrage, die Gläubigen „zu Menschen der Nächstenliebe zu machen und zu erhalten“, so Schick weiter. Die Gestaltung des Glaubenslebens geschehe in Vierzehnheiligen gemeinschaftlich: Priester, Diakone, Lektorinnen und Lektoren, Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfer, Organistinnen und Organisten, Chöre, Mesner und viele weitere übten ihren Dienst „zur Ehre Gottes und zum Heil des Menschen aus“, sagte der Erzbischof. Damit trügen sie dazu bei, dass die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen den Titel ‚Basilica minor‘ mit Recht trage. Die Feier des historischen Datums vor 125 Jahren solle dies ins Bewusstsein rufen und fordere dazu auf, das religiöse Leben in der Basilika auch zukünftig in fruchtbarer Weise zu gestalten. ‚Basilica minor‘ bedeutet übersetzt >kleinere Basilika<“, so Ludwig Schick zum Schluss. Der Ehrentitel wird seit dem 18. Jahrhundert vom Papst an bedeutende Kirchengebäude verliehen. Durch die Erhebung zur ‚Basilica minor‘ trägt eine Basilika fortan die Insignien des Papstes. Dadurch soll die besondere Bedeutung einer Kirche für das Glaubensleben vor Ort hervorgehoben und bestärkt werden. Die Basilika Vierzehnheiligen wurde am 2. September 1897 von Papst Leo XIII. zur ‚Basilica minor‘ erklärt. Neben ihr tragen den Titel im Erzbistum Bamberg auch der Bamberger Dom, die Basilika Marienweiher und die Basilika Gößweinstein. Im Anschluss des Gottesdienstes bestand die Möglichkeit die päpstliche Ernennungsurkunde vor dem Franziskusaltar anzuschauen. Am kommenden Sonntag, 18. September findet im „fränkischen Bethlehem“ der Festgottesdienst zu 250 Kirchweih mit dem päpstlichen Nuntius Nikola Eterovic statt. Zu diesem Gottesdienst werden beim Einzug auch die Wallfahrtsbilder einziehen, die das Jahr über zum Wallfahrtsort pilgern. Im Anschluss vom Gottesdienste findet auf dem Basilikavorplatz ein Sommerfest statt.

Bilder & Text: Gerd Klemenz