Kirchweih in Vierzehnheiligen

Mit einem feierlichen Hochamt, zelebriert von Guardian Pater Maximilian, wurde in der Wallfahrtsbasilika am vergangenen Sonntag Kirchweih gefeiert. Seit ihrer Weihe durch den Bischof ist diese Kirche Bezugspunkt für viele Menschen. Viele kommen auch gezielt zum Gebet und sitzen still hier und vertrauen darauf, dass Gott sie hört und erhört. Viele kommen zu den Gottesdiensten, zur Eucharistiefeier und zum privaten Gebet. Zu Beginn des Kirchweihgottesdienstes bat Pater Maximilian für Verständnis, dass die Eingangstür bereits vor Gottesdienstbeginn verschlossen werden musste. Bedingt durch die Corona-Auflagen sei eben nur Platz für eine begrenzte Anzahl Gläubige im Gotteshaus vorhanden. So verfolgten bei Sonnenschein knapp 100 Besucher und Besucherinnen auf dem Vorplatz der Basilika das Hochamt. In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte Pater Maximilian das Lied „Ein Haus voll Glorie schaut“. „Gerne singen wir dieses Lied zur Feier der Kirchweih, denn an diesem Tag dürfen wir stolz sein auf unsere Kirche. Wir verdanken diesen Kirchenbau unseren Vorfahren, die mit erheblichem finanziellen Aufwand und unter körperlicher Anstrengung Großartiges geschaffen haben“, so Pater Maximilian zu Beginn. Fernseh-Moderator Günther Jauch sei einmal gefragt worden, welches Lied ihm im Gotteslob am besten gefällt. Er soll geantwortet haben: „Mein Lieblingslied war schon als Ministrant ‘Ein Haus voll Glorie schauet’. Es vermittelt Kraft und Zuversicht und ermuntert den Organisten unserer Pfarrei, immer besonders dynamisch in die Tasten zu greifen und zu treten.“ Joseph Mohr hat sowohl den Wortlaut als auch die Melodie des Kirchweihliedes komponiert. „Wahrscheinlich hatte er dabei den majestätischen Michaelsberg mit dem markanten Kirchturm in seiner Heimatstadt Siegburg vor Augen. Er erlebte oder träumte im 19. Jahrhundert von einer Kirche, die einer Trutzburg mit festen Wehrtürmen und einem Haus auf solidem Fundament glich, dem selbst der schlimmste Sturm nichts anhaben konnte“, fügte der Franziskanerpater an. Mohr übertrug den Stil der patriotischen Lieder seiner Zeit sehr geschickt auf dieses Kirchenlied, das seinerzeit schnell populär wurde. „Der Rhythmus ist stark vom preußischen Militärmarsch beeinflusst, die Melodie suggeriert Macht und Kraft, der Text knüpft bewusst an das damals verbreitete Zusammengehörigkeitsgefühl an. Mohr versucht so, militärmusikalische Traditionen für seinen Kampf gegen die politische Macht einzusetzen. Als die Kirche dann 50 Jahre später erneut der Verfolgung ausgesetzt war, diesmal durch das nationalsozialistische Regime, diente das Lied bei der Fronleichnamsprozession als mutiges Bekennerlied des freien christlichen Glaubens“, erklärte der Guardian. Für unsere Zeit klingt der ursprüngliche Liedtext schon ein wenig altertümlich und befremdlich. Daher hat 1972 Hans Marx den Text durch eine eher dynamische und zeitgemäße Neufassung ersetzt. „Die erste Strophe hat er unverändert übernommen, ansonsten aber atmet die textliche Neufassung des Liedes die Aufbruchsstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die Kirche als pilgerndes Gottesvolk auf dem Weg beschreibt, sich von burgähnlichen Kirchenbauten eher distanziert und stattdessen das Bild der Kirche als Gottes Zelt auf Erden wählt“, fügte der Pater an. „Seht Gottes Zelt auf Erden!“ heißt es in der vierten Strophe. Ein ganz anderes Bild von Kirche. „Die Kirche als Zelt Gottes auf Erden, ich finde dieses Bild höchst sympathisch, denn es trägt in sich auch den Gedanken einer Kirche, die zu den Menschen kommt, die die Menschen dort aufsucht, wo sie sind, und das heißt: eine Kirche, die am Leben der Menschen Anteil nimmt“, erläuterte Pater Maximilian. Am Fest der Kirchweih weiten wir unseren Horizont und schauen im Geist hinüber in die Welt Gottes, ins ewige Haus voll Glorie. Und wir danken Gott dafür, dass er uns schon hier auf Erden einen Ort schenkt, wo wir dieses Haus voll Glorie erahnen. Hier können wir zu uns selbst kommen und uns konfrontieren lassen mit der ganz anderen Wirklichkeit Gottes. Hier im Haus Gottes können wir uns neu ausrichten lassen auf das ewige Haus Gottes. Basilika Organist Georg Hagel ließ zum Festtag an der großen Rieger-Orgel alle Register erklingen. Hierbei ging vielen das Herz auf.

Text & Bilder: Gerd Klemenz
Stand: Sept. 2021