Die erste Fastenprdigt in Vierzehnheiligen 2018

„Glauben – Leben“ ist die Jahresbotschaft der Franziskaner in Vierzehnheiligen. Bei der 1. Fastenpredigt betonte der Rektor der Basilika, Pater Heribert Arens: „Wir haben die vier Evangelien als Wege zum Leben in diesem Jahr ausgesucht“. Die Predigten hätten den Sinn, das Neue Testament insbesondere die Evangelien besser kennenzulernen. Er begrüßte Professor Dr. Joachim Kügler aus Weismain, der Gedanken zum Johannesevangelium in schlichten aber eindrücklichen Worten unter der Überschrift „Wenn der Himmelskönig die Füße wäscht“ schilderte.

Die ersten drei Evangelien Matthäus, Markus und Lukas ähnelten sich: „Die haben voneinander abgeschrieben“, stellte Kügler respektlos fest. Viele Begebenheiten würden darin ähnlich berichtet und der Inhalt des Markus-Evangeliums sei größtenteils bei Matthäus und Lukas enthalten. Das Evangelium nach Johannes sei das vierte und jüngste Buch des Neuen Testaments der Bibel. „Es ist zentral für den christlichen Glauben und wirkt in Darstellung und Theologie sehr eigenständig“, unterstrich der Prediger.

Im Zentrum des Johannesevangeliums stehe die Botschaft, dass Jesus der Sohn Gottes sei. Dies gipfele in Aussagen: „Ich und der Vater sind eins, oder ich bin das Brot des Lebens“. Dieses hohe Selbstbewusstsein Jesu wirke provozierend, so Kügler. „Stellen sie sich vor, jetzt kommt einer daher, der sagt ich bin wichtiger als Abraham oder Johannes der Täufer“. Dem setzte der johanneische Jesus entgegen, dass er in die Welt gekommen sei, um den Menschen die Nähe Gottes zu vermitteln. Wer an Jesus und seine göttlichen Werke glaube, der glaube damit auch an Gott. In ihm verkörpere sich die Liebe Gottes, die allein den Menschen zu retten vermöge. Den Höhepunkt der Selbstmitteilung Jesu im Johannesevangelium bildeten die so genannten Abschiedsreden in denen Jesus die Einheit mit Gott auch seinen Jüngern verspricht.

Professor Kügler ging in seiner Predigt besonders auf die Fußwaschung vor dem Abendmahl am Gründonnerstag ein. Im Alten Orient und im Mittelmeerraum der Antike gehörte die Fußwaschung zum Alltag; die landschaftliche Gegebenheit, die Bodenbeschaffenheit und das Tragen von Sandalen hatten zur Folge, dass die Füße rasch vom Staub bedeckt werden. Vor einem Mahl lässt man sich die Füße waschen, zumal man die Mahlzeit liegend einnimmt, so dass die verschmutzten Füße sich sozusagen auf Augenhöhe der anderen Mahlteilnehmer befinden.

Da geschah etwas Unglaubliches: Jesus legte sein Gewand ab, wusch den Jüngern die Füße und trocknete sie mit einem Leinentuch ab. Fußwaschen sei einer der niedrigsten Arbeiten überhaupt, sagte Kügler und sogar die jüdischen Sklaven waren davon ausgenommen. Petrus verstand die Welt nicht mehr, ein König dürfe niemals die Füße anderer Waschen, war seien Überzeugung. Man könne Petrus verstehen, der sich nicht die Füße waschen lassen wollte. Doch was er nicht sofort begriff, war, dass es sich nicht um eine normale Fußwaschung handele, sondern ein Zeichen, das Jesus so beschrieb: „Wenn ihr euch nicht die Füße waschen lassen wollt, so habt ihr keinen Anteil mit mir“. Kein Teil haben bedeute keine praktische Gemeinschaft haben. Dieser Hinweis bringe das eigentliche Ziel der Fußwaschung auf den Punkt: Es gehe darum, dass Jünger Jesu in einer Umgebung, in der sie oft innerlich verunreinigt werden, wieder in die innere Übereinstimmung mit dem Jesus kommen.

Jesus setzte ein Zeichen der Liebe. Diese Liebe unterscheide sich maßgeblich von dem Begriff der Liebe, „die dehnbar wie Kaugummi ist“, so Kügler. Als Hohn müsse der Ausspruch Erich Mielkes im November 1989 vor der Volkskammer der DDR aufgefasst werden, als er sagte: „Ich liebe euch alle…“. Er sagte das den Menschen, die durch das Regime geknechtet wurden. Gottes Liebe sei klar definiert fasste der Prediger mit den Worten zusammen: „Jesus am Kreuz ist das Zeichen der göttlichen Liebe“.

Text und Bild: Andreas Welz