Ostergruß aus Vierzehnheiligen

Liebe Freunde von Vierzehnheiligen, liebe Schwestern und Brüder,

wenn ich in diesen Tagen zu den normalen Gottesdienstzeiten durch unsere leere Basilika gehe, greift es mir ans Herz. So schön diese Kirche auch ist, – ohne Sie, die Sie immer wieder zum Gottesdienst, zum persönlichen Gebet, zur Beichte kommen, – ohne Sie alle wirkt sie verlassen und kalt. Ohne dass wir uns um den schön zubereiteten Altar versammeln, unsere vertrauten Lieder singen, miteinander im Namen Jesu das Brot brechen und die hl. Kommunion empfangen. Wir Franziskaner vermissen Sie! Wenn diese furchtbare Corona-Krise ein gutes hat, dann wohl die Erkenntnis, wie sehr wir einander als Glaubende brauchen und wie noch mehr wir den brauchen, der uns in den hl. Sakramenten begegnet, unseren lebendigen Gott, den wir in Jesus erkennen.

„Er, den ihr sucht, er ist nicht da.“ Diese erschreckende Botschaft müssen sich die Frauen vom Engel am Grab Jesu sagen lassen. Sie sind auf der Suche nach ihrem Meister und finden seinen Leichnam nicht. Maria bringt es auf den Punkt: „Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ (Joh 20,13)

Manch einer mag in diesen Tagen eine ähnliche Befürchtung haben: Hat Gott sich von uns zurückgezogen? Vor lauter Corona-Krise finde ich Gott nicht mehr. Sehen sich doch fast alle Christen zurzeit schmerzlich der Möglichkeit beraubt, die Kommunion zu empfangen, und so die besondere Nähe Gottes zu spüren. Wo also soll Gott jetzt sein? Voller Verbitterung sagt jemand, der seinen Glauben an den Nagel gehängt hat: „Gott ist tot. Der ist für mich gestorben. Jetzt erst recht!“
Und ich denke: wie recht du doch hast: Gott ist wirklich für dich gestorben, in seinem Sohn Jesus Christus ist er jämmerlich am Kreuz zugrunde gegangen, für dich und mich. Aber er ist nicht tot. Seine Liebe hat ihn überlebt. In dieser Liebe lebt er weiter. Die Liebe ist das Spurenelement, oder theologisch gesagt, das Sakrament, in dem er seitdem zu finden ist. Dafür braucht man kein Mikroskop, nur offene Augen und Herzen. Dem Virus ‚Tod‘ setzt er den Virus ‚Liebe‘ als Gegenmittel entgegen. Wenn du Gott also wirklich vermisst und ihn suchst, suche ihn da, wo Menschen mit Mitgefühl und Sympathie, mit Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft aufeinander zugehen. Da ist er zu finden, der Auferstandene. Wo Nachbarn freundlich aufeinander achten, wo Menschen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, Rettungsdiensten und Supermärkten für uns ackern, sich gar des Risikos aussetzen, selbst infiziert zu werden, – da ist er, der Auferstandene. Aber natürlich auch überall da, wo eine geöffnete Kirche und der stille Tabernakel einladen, einzutreten und Seine Nähe zu spüren, wo Menschen füreinander beten und aneinander denken, wo Menschen gemeinsam einen Gottesdienst am Fernseher oder Computer anschauen. Überall da sagt der Auferstandene ohne Worte: „Ich bin‘s.“
„Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.“ (Mk 16,7) Also auf nach ‚Galiläa‘, dahin, wo die Menschen sind, die euch brauchen und die euch tragen! So verstehe ich die Aufforderung des Engels im Osterevangelium.
Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche uns allen die Offenheit und den Mut, der Aufforderung des Engels zu folgen, und in diesem Jahr Ostern ganz anders zu begehen, -‚be-gehen‘ im wahrsten Sinn des Wortes, dahin zu gehen, wo der Auferstandene uns erwartet.

Möge uns das Kraft zum Durchhalten schenken, auf dass wir irgendwann aufatmen und erleichtert wieder miteinander in der Kirche feiern und singen können: „Gehemmt sei nun der Tränen Lauf, es höre alle Trauer auf; der Heiland lebt, der Herr erstand! Ein Engel rufts im Lichtgewand. Alleluja, Alleluja!“ (GL 793, 4)
Jetzt erst recht!

In diesem Sinn wünschen wir Vierzehnheiliger Franziskaner Ihnen allen ein gesegnetes und zuversichtliches, vor allem aber auch gesundes Osterfest!

P. Dietmar Brüggemann ofm, Guardian