Ostern – Emmaus

Er tat, als wolle er weitergehen. (Lk 24, 28 b.)

So lautet eine kleine Nebenbemerkung im Emmausevangelium.
Bislang habe ich sie beim Lesen kaum beachtet.
Ich stelle mir den Schrecken der beiden Jünger vor.
Will der unbekannte Begleiter wirklich an ihrer Tür vorbei gehen?
Gerade waren sie doch so persönlich mit ihm ins Gespräch gekommen.
‚Sind wir ihm zu langweilig oder nicht wichtig genug?
Hat er Angst, sich bei uns anzustecken,
anzustecken an unserer Ohnmacht und Angst?
Kehrt er lieber anderswo ein:
bei denen, die ernsthafter und radikaler
als Christen leben und beten?
Und die Frage liegt nahe:
Was haben wir nur falsch gemacht?
Warum geht er ausgerechnet an unserer Tür vorbei
und lässt uns mit aller Leere in unseren Herzen allein?
So, als sollten wir spüren, wie es sich anfühlt, wenn er nicht da ist.
‚Vermisst Ihr mich überhaupt?‘ könnte er fragen.
‚Und wollt ihr mich wirklich dabei haben?‘

Es soll uns wohl so ergehen, wie den Jüngern im Evangelium:
“Sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns,
denn es wird bald Abend, und der Tag hat sich geneigt.“

Ja, so wird es wohl sein:
Jesus drängt sich nicht auf,
vielmehr will er von uns gedrängt werden,
will spüren, dass er uns nicht gleichgültig ist.
Wir sollen uns ihm in den Weg stellen und ihn festhalten.
„Ich lasse dich nicht los, ehe du mich nicht segnest.“ (Gen, 32)
so sagt Jakob in seinem nächtlichen Kampf mit dem dunklen Gott.
‚Bleib doch bitte. Wir brauchen dich.
Denn wenn du weitergehst, geht bei uns nichts mehr weiter.
Es wird Abend in unserer Kirche. Wir sind am Ende.‘

Aber wenn Du bei uns einkehrst,
dann ist wieder Licht am Horizont.
dann wird unser Leben wieder zum Fest.

„Da ging er mit ihnen hinein um bei ihnen zu bleiben.“
Der Tisch wird gedeckt, duftendes Brot, teilende Hände,
Lobpreis, leuchtende Augen, brennende Herzen.

Jesus ist da, und bleibt,
auch wo bloß zwei oder drei mit ihm am Tisch sitzen.
Aber er will eingeladen, ja gedrängt werden:
‚Herr bleib doch.‘
Dann fängt am Abend schon der neue Morgen an.

P. Dietmar Brüggemann ofm, Guardian