Die zweite Fastenprdigt in Vierzehnheiligen 2018

Die Fastenpredigten in der Basilika Vierzehnheiligen stehen in diesem Jahr unter dem Leitwort „Glauben – Leben“. Namhafte Prediger aus Deutschland erläutern die vier Evangelien des Neuen Testaments Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die als Wege zum Leben gelten. Am vergangenen Sonntag machte sich Domkapitular Professor Dr. Peter Wünsche aus Bamberg
Gedanken zur Botschaft des Lukasevangeliums mit der Überschrift: „Die Botschaft vom menschenfreundlichen Gott“.

Es war empfindlich kalt in der Basilika. Nur wenige hatten den Weg auf den heiligen Berg gefunden, die vom Franziskuspater Stanislaus Wentkowski herzlich begrüßt wurden. Wünsche machte in seiner Predigt deutlich, dass das Lukasevangelium kein Augenzeugenbericht sei. Lukas greife auf vorhergehende Berichte zurück und das macht er so gewissenhaft und genau wie kein anderer der Evangelisten. Seine Geschichte sei für einen gewissen Theophilus geschrieben und auch ihm gewidmet, vielleicht eine Auftragsarbeit, vermutete der Prediger. Lukas habe über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt habe, bis zu dem Tag an dem er in den Himmel aufgenommen wurde.

Aber Lukas sei noch einen Schritt weitergegangen. Er habe Augenzeugen befragt und nach Aufzeichnungen gesucht, die in den anderen Büchern noch nicht aufgeschrieben wurden. Er habe zwar die Hälfte des Markusevangeliums übernommen aber hat bei seinen Recherchen Dinge gefunden, die noch nicht schriftlich festgehalten wurden. Zum Beispiel die Weihnachtsgeschichte oder die Krankenheilung mit der er verkünden wolle, Gott hat Erbarmen mit denen, die ganz unten sind. Nur Lukas erzähle die Geschichten vom verlorenen Sohn, vom Zöllner Zachäus, der durch die Zuwendung und Liebe durch Jesus vom Betrüger und Unterdrücker zum Menschen und Freund wird.

Die Botschaft der Barmherzigkeit werde durch die Geschichte vom barmherzigen Samariter deutlich, so der Geistliche. Auch bei der Leidensgeschichte, als Jesus am Kreuz sagt, „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“. Dem einsichtigen Verbrecher verspricht Jesus: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“. Die Ostergeschichte vom leeren Grab übernimmt Lukas von Markus, fügt aber eine zweite Ostergeschichte hinzu, die mit den Jüngern aus Emmaus. Auf dem Weg zu ihrer Heimatstadt berichten sie einem vermeintlich Fremden von dem Tode ihres Herrn. Erst beim Essen, als der Fremde das Brot brach, erkannten sie Jesus und wussten, dass er auferstanden ist. „Das Brotbrechen wurde die regelmäßige Feier der Christen“, machte Dr. Wünsche deutlich. So könne die Kirche die Abwesenheit des sichtbaren Jeus überrücken.

Unter den vier Evangelisten sei Lukas der große Erzähler, fasste Wünsche zusammen. Jesu Geburt, sein Auftreten in Nazareth, die Gleichnisse vom barmherzigen Vater und barmherzigen Samariter, die Zachäusgeschichte, die Einzelheiten der Leidensgeschichte und schließlich die Emmauserzählung: Das alles zusammengenommen entwerfe eine neue Welt, die Welt Gottes, in der die Kleinen die ersten Plätze haben, in der die Armen Hoffnung schöpfen, in der die Liebe herrscht und in der den Sündern vergeben wird. „Lukas entwirft keine große Theorie, er erzählt Geschichten und damit erreicht er nicht nur den Verstand der Leser, sondern vor allem ihr Herz“.

Die Geschichten de Lukas wollten nicht nur gefallen, sondern seien Vorboten einer neuen Welt, die ganz anders ist und die wir heute schon vorausleben könnten: im Einsatz für die Armen, in Vergebungsbereitschaft und Versöhnung, in Mitleid und Liebe, so Dr. Wünsche und stellte fest: „Solange Kirche das lebt und verkündet, erfüllt sie ihren Auftrag für diese Zwischenzeit bis zur Vollendung der Welt“.

Text und Bild: Andreas Welz