Vierzehnheiligen Fest

Zu den Höhepunkten des Kirchenjahres in Vierzehnheiligen gehört das Fest der heiligen 14 Nothelfer, das am vergangenen Sonntag in der Wallfahrtsbasilika gefeiert wurde. Das Pontifikalamt mit Weihbischof Herwig Gössl am Vormittag und die Nothelferprozession am Nachmittag werden den Beteiligten in Erinnerung bleiben. Besonders beeindruckend war der katholische Kirchenchor und das Orchester der Pfarrei „Sankt Thomas“ aus Trockau unter der Leitung von Ottmar Schmitt. Die „Orgelsolomesse“ und zur Kommunion das „Regina coeli“, beides von Wolfgang Amadeus Mozart, begeisterte die zahlreichen Gläubigen in der päpstlichen Basilika. Die Hauptorgel spielte Georg Hagel. Die festlichen Gewänder der Geistlichkeit, eine geschmückte Basilika und die musikalische Umrahmung bildeten den Rahmen für ein außergewöhnliches Ereignis auf dem „heiligen Berg“.

Wallfahrer von der 26. Stern-Radwallfahrt des Radsportverbandes Oberfranken säumten den Chorraum. Dahinter war der Kirchenchor und das Orchester aus Trockau unter der Leitung von Ottmar Schmitt

In der Basilika begrüßte Guardian Heribert die vielen kirchlichen und weltliche Würdenträger. Weihbischof Herwig Gössl ging in seiner Predigt auf das Martyrium ein. „Dass das Martyrium mitten in die Kirche hineingehört, zeigt uns das Beispiel mit aller Schönheit und doch drastisch genug: der Gnadenaltar hier in der Basilika von Vierzehnheiligen. 13 der 14 Nothelfer sind Märtyrer, die für ihren Glauben an Jesus Christus ihr Blut vergossen und ihr Leben hingegeben haben“, sagte der Weihbischof. Das zeigten in verschiedenen Abbildungen am Gnadenaltar die Symbole der Martyrien. „Sie sagen uns damit, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als das Leben überhaupt. Und das ist die Verbundenheit mit Gott“, so der Geistliche. „Man konnte diesen Menschen alles nehmen, am Schluss sogar das Leben, aber nicht ihren Glauben und das Vertrauen auf Gottes Schutz und Hilfe.“ Wenn sich immer wieder Wallfahrer auf dem Weg machten und ihren Glauben bekennen würden, in Gebet und Gesang, dann seien sie Märtyrer, also Zeugen für den Auferstanden Herrn, der ihr Leben bewege, so der Weihbischof.

Auch am Nachmittag war die Basilika am Nachmittag gut gefüllt. Monsignore Wolfgang Witzgall hielt bei der Andacht die Predigt. Er sagte, dass die Verehrung von Heiligen Ausdruck einer Frömmigkeit sei, die bis in die früheste Zeit des Christentums zurückreiche. In den Aufzeichnungen der heiligen Hildegard habe er gelesen, dass die Kunst menschlicher Selbstwerdung darin bestehe, Wunden zu Perlen werden zu lassen. „Wenn ich mich aussöhne mit meinen Wunden, dann kann ich in ihnen etwas Kostbares entdecken. Etwas, dass meinen persönlichen Wert ausmacht und mir meinen Lebensweg aufzeigt. Jede Verletzung hält mich lebendig auf Gott und die Menschen hin“, so Witzgall. „Aber solange die Wunden noch eitert, können sie nicht zur Perlen werden. Sie muss erst heilen, und nach Heilung sehnen sich heute viele Menschen.“ Und er fügte an: „Gott ist der wahre Arzt für Leib und Seele. Er wird auch unsere Wunden heilen und sie in Perlen verwandeln.“

Weihbischof Herwig Gössl zelebrierte das Pontifikalamt zum Vierzehnheiligenfest

Bei der anschließenden Prozession um die Basilika wurden die Figuren der heiligen 14 Nothelfer auf Holzstangen von Jugendlichen und Erwachsenen aus Grundfeld und Wolfsdorf getragen. Viele Gläubige nahmen an dieser Prozession teil, die musikalisch von den Ansbachtaler Musikanten aus Roth begleitet wurde. Zweimal umrundeten die Gläubigen das Gotteshaus, hierbei wurde von Pater Stanislaus Wentowski die Monstranz unter dem Baldachin getragen.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Wallfahrtseröffnung Vierzehnheiligen 2019

Mit einem festlichen Gottesdienst am „Tag der Wallfahrt“ haben wir Franziskaner am vergangenen Sonntag (26. 04.) das Wallfahrtsjahr 2019 eröffnet. In diesem Jahr werden wieder ca. 170 Fußwallfahrten erwartet. Es steht unter dem Leitwort
„Lauft nur, ich werde euch tragen, euch hinführen bis ans Ziel“.

Der Sängerkreis „Coburg, Kronach, Lichtenfels“ gestaltete den Gottesdienst musikalisch mit einem sehr runden und harmonischen Chorklang.
Den sehr gut besuchten Festgottesdienst feierte der Provinzvikar der Deutschen Franziskaner, P. Franz Josef Kröger aus München.
Er hielt in diesem Gottesdienst die folgende Predigt:

„Lauft nur!“ – Diese beiden ersten Worte des diesjährigen Wallfahrtsmottos für Vierzehnheiligen haben mich an meine Kindheit erinnert. Wenn an Sonn- und Feiertagen ein Spaziergang durch die Wiesen- und Felder unserer dörflichen Umgebung angesagt war, dann fiel dieses Wort schon mal.
Wenn während des Spaziergangs für uns Kinder von weitem etwas Interessantes oder Bekanntes sichtbar wurde, etwa eine Koppel mit Pferden oder die alte und große, weithin sichtbare Eiche, mit der Bank darunter zum Ausruhen, dann ging der fragende Blick zu den Eltern oder – wenn das nicht half – das bittende Wort: „Dürfen wir?“ – Und dann kam in der Regel neben dem bejahenden Nicken der Mutter eben dieses Wort „Lauft nur!“ – Manchmal mit dem Zusatz: „Passt aber auf! Bleibt auf dem Weg, damit wir euch nicht aus den Augen verlieren.“
„Lauft nur“ – damit waren wir sozusagen „frei“. Die Eltern gaben uns den Weg frei. Wir konnten uns frei bewegen. Lernen, eigene Wege zu gehen. Lernen, die Nähe der Eltern loszulassen und Neues zu entdecken.

Sich frei bewegen zu können, zu dürfen – das ist eine wünschenswerte Erfahrung für alle. Nicht eingeengt oder gegängelt zu werden. Sich frei bewegen, vielleicht mit einem Ziel vor Augen – gleichzeitig die Gewissheit zu haben, dass jemand da ist, der ein Auge auf mich hat. Der mich im Blick hat. Der sich um mich sorgt. Der auch jederzeit in der Lage wäre einzugreifen und Hilfe zu leisten. Nicht das Gefühl, einem gnadenlosen Aufpasser ausgeliefert zu sein, sondern mit dem Gefühl, unter den Augen, im Blick eines wohlwollenden und aufmerksamen Begleiters einen eigenen Weg zu gehen.
Vertrauen auf beiden Seiten war das. Vertrauen haben und Vertrauen schenken. Das stärkt für den Weg miteinander, das Vertrauen zueinander und den Glauben aneinander. Selbst wenn Wege sich mal trennen.
„Lauft nur!“ – für mich war und ist dieses Wort von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Ich traue dir.
Und es fällt mir nicht schwer, in diesem Fall das Wort „Eltern“ auch durch Gott zu ersetzen. Für diese Lebenserfahrung bin ich nicht nur meinen Eltern sehr dankbar.
„Lauft nur!“ – so möchte man auch den beiden Emmausjüngern zurufen. Lauft nur! Auch wenn ihr es nicht ahnt oder für möglich haltet, ihr seid auf dem besten Weg, das Glück eures Lebens zu erfahren.
Dabei ist die Situation für die Jünger ja eigentlich zum Davonlaufen. Und das tun sie ja auch. Alle Hoffnungen enttäuscht, die bisher wohl bittersten Stunden ihres Lebens lasten schwer auf ihnen. Vertrauen und Glauben dahin. Alle Zukunftsaussichten im Nebel der Ungewissheit verschwunden. Der Ort, wo sie das Heil erwartet hatten, Jerusalem, wird für sie zum Ort des Grauens. Nur weg – so scheint ihre Devise gewesen zu sein. Tief verletzt und verwundet und vom Leben enttäuscht. Ohne Vertrauen. Ohne Glauben. „Wir aber hatten gehofft…“ Resignation, die aus diesen Worten spricht
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Mir persönlich tut es in solchen Situation gut, spazieren zu gehen, zu wandern – um auf andere Gedanken zu kommen, die einem helfen können, neue Zugänge zum Problem zu finden.
Es ist zum Davonlaufen für die beiden Jünger. Und dann gesellt sich unterwegs einer zu ihnen. Ganz unaufgeregt. Wie selbstverständlich. Hört ihnen zu. Läuft mit ihnen. Stellt Fragen. Mischt sich vorsichtig ein. Gibt sich aber nicht zu erkennen. Und die Jünger sind „wie mit Blindheit geschlagen“. Sie ahnen und sehen noch nichts vom sich anbahnenden Glück an ihrer Seite. Es ist eben immer noch zum Davonlaufen. Aber sie haben sozusagen die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Auch auf solchen Wegen halte ich euch aus – sagt Gott. Auch damit kann ich umgehen. Für mich kein Grund zum Davonlaufen oder euch im Stich zu lassen. „Gott“, so sagt die Bibel, „ist ein unbeirrbar treuer Gott!“
Mir geht es hier nur um den einen Gedanken: Gott geht mit nicht nur, wenn unser Leben hohe und hehre Ziele hat; wenn unser Glaube und unser Vertrauen stark sind. Gott geht an unserer Seite, auch wenn das Leben zu einer einzigen Enttäuschung geworden ist. Ich mich Gottes vielleicht gar nicht mehr würdig glaube. Gott begleitet nicht nur den, der voller Vertrauen im Leben steht und sich von Gott und Menschen getragen weiß; er begleitet auch den, der auf seinem Weg am Ende ist, der sich von allen im Stich gelassen glaubt, der nicht mehr kann, der nur noch ans Aufgeben, ans Weglaufen denkt.
Die Emmausjünger laufen und ahnen lange nicht, dass sie auch in dieser Situation, wo sie sich von Gott und der Welt verlassen fühlen, begleitet sind; dass jemand sie auch auf diesem Weg in die scheinbare Aussichtslosigkeit im Auge hat. Unauffällig werden sie von dem begleitet, von dem sie sich schwer enttäuscht fühlen. Da geht einer mit, den sie nicht mehr auf der Rechnung haben.
Und der mischt sich in ihr verwundetes Leben ein.
Zunächst merken sie es gar nicht. Zu sehr bestimmt die Trauer und die Enttäuschung diese Wegstrecke. Aber im Nachhinein, als es ihnen zu dämmern beginnt: „Brannte uns nicht das Herz…?“ – so fragen sie. Und es wird ihnen klar: mit dem Gang nach Emmaus haben sie den Lauf ihres Lebens gemacht. Sie wollten dem Leben davonlaufen – und dann finden sie auf diesem Weg in ihr Leben zurück.
„Lauft nur!“ – egal ob mit Zuversicht und voller Hoffnungen und Erwartungen oder mit dem Gefühl, am Ende zu sein: Geht euren Weg, so wie ihr ihn gehen könnt – ich gehe mit! Ich bin dabei. Ich bin an eurer Seite. Auch wenn ihr es vielleicht nicht merkt. Das ist die Erfahrung Israels mit seinem Gott in guten und in schlechten Tagen und Zeiten. Das ist die Erfahrung, die ich uns allen wünsche – egal auf welchen Wegen wir uns befinden; egal, wie der Lauf unseres Lebens bisher war oder momentan aussieht. Geht euren Weg in der Gewissheit und in dem Vertrauen – ich bin dabei. Ich gehe mit.
Ein kleines Erlebnis, das mir in Erinnerung geblieben ist. Zwei Kinder kaufen in einem Laden ein. Das eine ist bedient und die Frau hinter der Theke fragte den anderen: „Und du, was möchtest du denn?“ – „Ich möchte gar nichts“, sagte der Junge, „ich bin nur mit.“ Ich bin nur mit – das klingt nichtssagend, aber es kann so wichtig sein; es sagt eigentlich alles. Im Grunde ein Wort Gottes.
Wenn Sie mit dem Auto schon mal die A 7 von Würzburg Richtung Hannover gefahren sind, dann ist Ihnen vielleicht an der Ausfahrt Guxhagen, kurz vor Kassel eine riesige Reklametafel aufgefallen. Mitten in einer Vielzahl von solchen Reklametafeln ist eine Tafel, auf der stehen in riesigen Buchstaben vier Worte: „Ich trage dich – Gott.“
„Lauft nur, ich werde euch tragen.“ Eigentlich ein Widerspruch in sich. Wenn ich auf eigenen Füßen laufe, dann braucht mich doch niemand zu tragen. So könnte man denken. Was also meint dieses Wort, uns auf den Weg zu machen und uns dabei als Getragene zu fühlen?
Vielleicht haben wir das Bild des guten Hirten vor Augen, der das Lamm auf seinen Händen oder seiner Schulter trägt. Aber das ist es – so glaube ich – eher nicht. Denn Gott trägt uns ja nicht einfach durch unser Leben, wie Eltern ein kleines Kind tragen.
Was aber könnte es dann sein, dieses Getragenwerden?
Vielleicht kennen Sie ja auch, wie es sich anfühlt, wenn wir auf einmal von einer Welle der Begeisterung getragen, zu etwas fähig werden, wozu wir – nüchtern betrachtet – gar nicht in der Lage gewesen wären; wenn z.B. im Sport ein eigentlich ganz kleiner und unterlegener völlig überraschend einen Großen schlägt; wenn wir also über uns hinauswachsen; wenn uns eine Woge von Sympathie, von Wohlwollen, von Liebe entgegenschlägt, auf der wir scheinbar Berge versetzen können. Es gibt Mächte und Kräfte, die uns sozusagen Flügel verleihen, die uns tragen, ohne dass wir deswegen die Bodenhaftung verlieren; ohne dass wir deswegen unser Leben aus der Hand geben. „Lauft nur, ich werde euch tragen, euch hinführen zu eurem Ziel.“
Das ist die Erfahrung, die die Emmausjünger machen dürfen. Mitten in aller Verlassenheit und Haltlosigkeit erfahren sie, dass sie getragen waren. Mitten in aller Ziellosigkeit und Perspektivlosigkeit erfahren sie, dass sie geführt und begleitet wurden.
Mich erinnert das an meine Eltern, wenn sie uns Kindern sagten: Lauft nur, wir haben euch im Auge.
Mich erinnert das an das Plakat an der Autobahn: Ich trage dich – Gott.
Mich erinnert das an den kleinen Jungen, der der Verkäuferin sagt: Nein, ich will nichts kaufen. Ich bin nur mit.
Mich erinnert das an ein Wort Jesu: Ich bin der Weg.
„Lauft nur, ich werde euch tragen, euch hinführen bis ans Ziel.“
Eine Verheißung Gottes, der ich mein Leben lang vertrauen möchte. Amen

Neue Glocken für die Basilika

Guss der neuen Glocken für Vierzehnheiligen

Mancher Bewohner des Gottesgartens wird sich am vergangenen Freitag, 15.30 Uhr, gewundert haben, dass für 20 Minuten alle Glocken der Basilika läuteten. Sie haben ihre „neuen Geschwister“ begrüßt: zur gleichen Zeit begann in Neunkirchen/Baden bei der Gießerei Bachert der Guss der neuen Basilikaglocken. Diese „Gleichzeitigkeit“ haben sich die beiden Basilikamesner Tobias Hartmann und Daniel Reitz ausgedacht, der eine in Neunkirchen, der andere in Vierzehnheiligen – die Gleichzeitigkeit ist im Zeitalter des Smartphones ja kein Problem mehr.

Allmächtiger Gott, segne dieses flüssige Metall, das für den Guss der Glocken bestimmt ist. Leite seine feurigen Ströme und schenke unseren Mühen Erfolg. Gib, dass die neuen Glocken deinen Namen verherrlichen.“ So hieß es in dem Gebet, das P. Heribert vor dem fauchenden Ofen und den vorbereiteten Bahnen für die glühende Bronze in der Glockengießerei Bachert in Neunkirchen/Baden betete.

Faszinierte Blicke der Teilnehmenden, darunter 25 aus dem Gottesgarten, schauten auf den riesigen schwarzen Kessel, in dem die glühende Bronze brodelte, und auf Meister Albert Bachert, der mit seinen Männern, bekleidet mit Schutzmänteln und –helmen, auf dem Sandhügel stand, in den die Gussformen eingegraben waren.

Und dann kam der Moment, der manchem der Teilnehmer Tränen in die Augen trieb, und fast allen eine Gänsehaut über den Rücken laufen ließ: Der Kessel wurde angestochen – und die glühende Bronze floss in die vorbereiteten Kanäle auf dem Sandhügel. Es zischte und sprühte, und die Augen der faszinierten Zuschauer starrten wie gebannt auf die Bahnen, in denen die Gießer das glühende Metall zu den einzelnen Formen leiteten.

Am Glockenguss nahmen auch Vertreter der Evangelischen Gemeinde von Wurzen/Sachsen und der Syrisch-orthodoxen Gemeinde von Bietigheim-Bissingen teil, für die beim gleichen Guss Glocken gegossen wurden.

Abgeschlossen wurde der Guss mit einem Fürbittgebet für die Mitarbeiter der Gießerei, für die, die den Guss der Glocken an den verschiedenen Orten fördern, und für alle die, die der Klang dieser Glocken erreichen wird.

Im Anschluss an den Guss erklärte Christiane Bachert, die Frau des Meisters, an einem Modell, wie die Form für den Guss über die Bearbeitung der „falschen Glocke“ Schritt für Schritt entsteht. Die Vierzehnheiligener Gruppe traf sich dann mit Frau Rosemarie Vollmer, der Künstlerin, die die Glocken gestaltet hat. Sie erklärte, wie sie die Namen und Aufschriften der Glocken – entstanden im Zusammenwirken von Kirchenverwaltung, Basilikaorganist Georg Hagel und dem deutschlandweit bekannten Glockensachverständigen Dr. Claus Peter – graphisch gestaltet und bebildert hat. „Für mich war es eine Ehre, die Glocken für die berühmte Basilika Vierzehnheiligen gestalten zu dürfen!“, sagte Frau Vollmer, und man merkte ihr ihre Freude an. Was die Teilnehmer besonders interessierte, war die Frage, wie es möglich ist, die Gestaltung auf die Glocke zu bringen. Hoch interessant zu erfahren, wie zunächst die „falsche Glocke“ künstlerisch bearbeitet wird, aus der später der Hohlraum für die zu gießende Glocke wird. Wenn die Glocken gegossen und in der Basilika ausgestellt sind, können alle das Werk von Frau Vollmer bewundern.

Dann machten sich die 25 Teilnehmer wieder auf den Heimweg, unter ihnen auch Bürgermeister Jürgen Kohmann mit seiner Frau, der es sich nicht hatte nehmen lassen, an diesem historischen Ereignis teilzunehmen. Und ein historisches Ereignis war das allemal: Die Teilnehmer waren sich bewusst, dass die soeben gegossenen Glocken alle Anwesenden um Jahrhunderte überleben werden.
Auf der Heimfahrt im Bus las P. Heribert Verse aus Schillers „Das Lied von der Glocke“. Manches wurde lebendig, was die Heimkehrer kurz vorher erlebt hatten. Das Gedicht mündet in den Vers: „Friede sei ihr erst Geläute.“ und das wünschten sich alle, die dabei waren: Das Geläut von Vierzehnheiligen möge stets die Botschaft vom Frieden verkünden.

Fränkische Passion in Vierzehnheiligen

Mit Musik, Gesang und besinnlichen Texten wurde am 2. Fastensonntag in der Basilika Vierzehnheiligen an das Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi vom Abendmal bis zur Kreuzigung erinnert. Die „Kronicher Maala“ unter der Leitung von Monika Tschernitschek, der „Graatzer Dreigesang“ mit Heinrich Geßlein und die „Kemmärä Kuckuck“ mit ihrem musikalischen Leiter Hans-Dieter Ruß verstanden es, die Herzen der rund 300 Gläubigen zu bewegen. Wir wollen uns nun einstimmen lassen, was da mit dem Höhepunkt in der Fastenzeit auf uns zukommt, die Passion – das Leiden Jesu, so Pater Heribert in seinen einleitenden Worten.

In elf Teilen erzählte Marion Töppke die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu Christi, vom Abendmahl über den Gang zum Ölberg bis hin zum Tod am Kreuz, den er für die Menschen erlitten hat. Das Besondere daran war, dass Töppke alle Stationen in fränkischer Mundart verfasst hatte. So betet Jesus am Ölberg „ach hör wie ich fleh´ Loss halt den bittern Kelch o mir vorüber geh“. Später verleugnet ihn Petrus mit den Worten „Na – den kenn ich doch net“. Was dann passiert, weiß jeder Christ- oder wie Marion Töppke auf fränkisch vortrug: „Auf aamol hörn alla wie der Hohn ganz laut kräht. Nuch bevor der Hohn es 2. mol kräha konn – host Du drei mal verleungt en Menschensohn“. Im Folgenden musste Jesu viel Lied auf sich nehmen und „erträgt Schmerz und Pein, ka Klooch hörst vo na und a ka Schrein“. Auf Golgatha, erzählt Töppke schließlich, betet der Gottessohn: „Och Votä – vergib ihna – denn sie wissen net was sie hom getoo ich bloß für sie um Verzeihung bitten ko“. Als Mahnung zur Leidensgeschichte und Leiden Christi steht: „Schaua mir zu unserm Herrn Jesus om Kreuz heut nuch nauf, wer nimmt sei Leidn heut nuch gern in Kauf? Wer dankt na für sei übergroßa Lieb´ und wer dankt na für des wos er hat getoo?“

Die „Kemmärä Kuckuck“

Die gemeinsam gesungen Lieder „Beim letzten Abendmale“, „ O Haupt voll Blut und Wunden“ und „Jesu, dir leb´ich“ wurden musikalische von den „Kemmärä Kuckuck“ mit dem Akkordeon, dem Kontrabass und dem Hackbrett begleitet. Die einzelnen Teile der Leidensgeschichte in feinfühliger Sprache, verbanden die Musikgruppen zu einem harmonischen Klangerlebnis. Tief beeindruckt waren die Gläubigen von den stimmlichen Gedanken an die Passion.

„Es war ein beeindruckendes Erlebnis fränkischer Volksmusik, aber noch viel mehr ein eindrucksvolles Zeugnis fränkischer Frömmichkeit, welches sie uns geschenkt haben, hierfür möchte ich mich bedanken“, so Pater Heribert zum Schluss. Kein Wunder, dass die Reaktionen der Besucher auf die „fränkische Passion“ nach dem abschließenden Segen Pater Heriberts durchweg positiv ausfielen. Für alle, die in der Basilika den Gesängen, Melodien und der im heimischen Dialekt vermittelten Leidensgeschichte Jesu lauschten, ging ein Nachmittag zu Ende, der im Herzen nachklingt. Viele waren sich schon beim Verlassen der Basilika sicher: „Nächstes Johr semme widder dabei – bei der fränkischen Passion in Vierzehnheiligen“. Eingeladen in die päpstliche Basilka zu den besinnlichen 80 Minuten hatten der ARGE Fränkische Volksmusik Bezirk Obergranken und der Bayerischen Landesverein für Heimatpflege.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Weihnachtssingen zum Krippenabschluss

Auch wenn die Weihnachtszeit liturgisch mit dem Fest der Taufe Jesu endet, steht die Krippe in der Basilika Vierzehnheiligen und vielen anderen Krippenkirchen noch bis zum Fest Maria Lichtmess am 2. Februar. Am Sonntag vorher, fand eine Andacht mit einem „Fränkischen Weihnachtssingen“ zum Abschied von der Krippe in die Basilika statt. Texte und Fränkische Weihnachtslieder wurden vorgetragen vom „Graatzer-Hechten-Dreigesang“ unter Leitung von Hans-Jürgen Geßlein und vom Landfrauenchor Lichtenfels unter Leitung von Frau Eva-Maria Schnapp.

„Sie wollen anregen, noch einmal das Weihnachtsgeheimnis zu betrachten und die Botschaft von der Menschwerdung Gottes mitzunehmen in das weitere Jahr“, so der Franziskanerpater Heribert Arens. Mariä Lichtmess, auch als „Darstellung des Herrn“ bekannt, feierten Christen am 2. Februar jeden Jahres. An diesem Tag sei das Weihnachtsfest exakt vierzig Tage her, weshalb der Feiertag auch als Abschluss der Weihnachtszeit angesehen werde.

Das „Fränkische Weihnachtssingen“ hat eine lange Tradition in Vierzehnheiligen. Es ist Teil der kulturellen Identität. Im Weihnachtssingen wird nicht nur Brauchtum vorgestellt, es soll auch religiöses Erleben sein. Musik, Gesang und Texte machten am vergangenen Sonntag in der Basilika Vierzehnheiligen die Geburt Jesu Christi in fränkischer Weise lebendig. Die Weihnachtsgeschichte erzählte Heinrich Geßlein in fränkischer Mundart. Insgesamt 21 Lieder brachte der Dreigesang zu Gehör. Darunter das „Gloria“ aus Polen und den „Sanktus“ der Christkindl Meß.

Geßlein fügte dann Neujahreswünsche an. Natürlich auch in Mundart. „Wädd bei uns Friedn bleim, wou doch überoll su schißewütige Kaubeujs Rümmlaafn“?, fragte er. „Könneds denn niä amoll a Joh wähn, ohna Mord und Duedschlohch, ohna Kadasdroufm“? Wähn die Bolidigge endlich amoll des machen, wos wirglich nodwendich wöh. Die Lösung der Fragen sei ganz einfach: „Mia froung einfoch die, die hinderhäh immer scho gewissd homm wies naus gedd“.

Der Landfrauenchor verstand es mit schlichten Weihnachtsliedern die Herzen der Gläubigen zu bewegen. „Kommt herbei ihr Engel alle kommt herbei ihr Seraphim, singt und klingt mit Freudenschalle, singt und klingt ihr Cherubim“. Sie erzählten die Weihnachtsgeschichte in einer besonderen Art: schlichte Harmonien, einfache Tonfolgen und Texte, die aber in ihrer Bescheidenheit die Besucher besonders berührte.

Der Landfrauenchor Lichtenfels unter Leitung von Frau Eva-Maria Schnapp

In seinen abschließenden Segen fügte Pater Herbert Gedanken über die Krippe ein: „Wenn du dich satt gesehen hast an dem schönen Kind in der Krippe, geh noch nicht fort. Mach erst seine Augen zu deinen Augen, seine Ohren zu deinen Ohren, seinem Mund zu deinem Mund. Mach seine Hände zu deinen Händen, sein Lächeln zu deinem Lächeln und seinen Gruß zu deinem Gruß. Dann erkennst du in jedem Menschen deinen Bruder, deine Schwester. Wenn du ihre Tränen trocknest und ihre Freude teilst, dann ist Gottes Sohn wahrhaftig geboren: Und du darfst dich freuen“.

Text und Bilder: Andreas Welz

Barrierefrei zur Basilika

In den vergangenen Jahren waren die Wege über den Basilikaplatz Vierzehnheilgen mühsam und holprig für Rollstuhlfahrer. Noch schwieriger war es für die Nutzer von Rollatoren. Das holprige Pflaster ließ sie kaum von der Stelle kommen. Das ist jetzt anders – auch dank des Staatlichen Bauamts Bamberg und der Regierung von Oberfranken: ein barrierefreier Weg führt schon seit mehreren Jahren von der Straße zur Basilika. Neuerdings wurde auch die Verlängerung dieses Weges von der Basilika zur Toilette behindertengerecht gestaltet.

„Dadurch ist uns auf dem Basilikaplatz ein weiterer Schritt zur Inklusion gelungen. Inklusion will ja Menschen mit Behinderungen den selbstverständlichen Zugang zu allen Lebensbereichen erschließen“, freute sich Pater Heribert Arens. Bei einem Gespräch mit unserer Zeitung betonte der Rektor der Basilika: „So ist der Weg in die Basilika und auch an den ‚stillen Ort‘ nun allen zugänglich, auf Füßen, auf Rädern und mit Hilfe von Rollatorrädern“.

Barrierefreiheit sei ein wichtiges Thema – über behindertengerechte Wege hinaus. „In der Basilika ist der Weg schon seit langem akustisch barrierefrei, denn schon seit Jahren befindet sich unter den beiden vorderen Bankblocks bis zum Quergang im Boden eine Übertragungsschleife für Gehörgeschädigte“, so der Pater. Und jetzt sei auch die große Freitreppe am Hauptportal freundlicher gestaltet worden. Zwei Geländer, die im Dezember angebracht wurden, erleichterten nun auch älteren Menschen mit Gehbeschwerden diesen Weg in die Basilika.

P. Heribert – Rektor der Basilika

„Barrierefreiheit – das ist auch ein wichtiges Stichwort in unserer Gesellschaft, in der Kirche und zwischen den Kirchen“, unterstrich Pater Heribert. Überall gebe es Barrieren, die überwunden werden wollen. Der Nothelfer Christophorus nahm dem Fluss den Barrierecharakter – er half den Menschen und dem Jesuskind über den Fluss. „Ich hoffe, dass viele mitwirken an einem barrierefreien Miteinander zwischen den Menschen, denn die meisten Barrieren zwischen den Menschen sind menschengemacht“, ist der Geistliche überzeugt und: „Couragiertes Handeln hilft,
Barrieren zu überwinden“.

Wenn man manchmal so gar nicht glücklich sei über Barrieren, die trotz allem zwischen uns Menschen stünden, helfe der Humor, diese Lebenskunst zwischen „Lachen und Weinen“. Auf barrierefreien Wegen könne der Mensch laufen, so der Pater. Dazu lade auch das Motto unseres Wallfahrtsjahrs 2019 ein, formuliert mit Worten des heiligen Augustinus: „Lauft nur, ich werde euch tragen, euch hinführen bis ans Ziel“.

Im Zuge von ‚Bayern Barrierefrei 2023‘ soll die Barrierefreiheit im Bereich der öffentlich zugänglichen staatlichen Gebäude vorangebracht werden. „Aus diesem Topf konnte erfreulicherweise der Weg sowie das neue Geländer am Hauptportal finanziert werden“, teilte Monika Dierauf vom Staatlichen Bauamt Bamberg auf Anfrage unserer Zeitung mit. Der bereits bestehende Weg sei ergänzt worden. Vom Parkplatz und vom Kloster war bereits ein barrierefreier Weg zur nördlichen Nebeneingangstür der Basilika vorhanden.

Nun wurde der Weg entlang der Basilika zu den öffentlichen Toilettenanlagen fortgeführt. Das vorhandene Pflaster sei ausgebaut und durch rund 100 Quadratmeter neues gesägtes Natursteinpflaster ersetzt worden. Die Arbeiten führte die Firma Knoch aus Coburg aus. Des Weiteren seien am Hauptportal der Treppe der Basilika beidseitig ein Geländer angebracht worden. Es handele sich hierbei um geschmiedete Stahlgeländer, die von der Firma Karl Leicht aus Bamberg nach Plänen des Staatlichen Bauamts gefertigt wurden. Das neue Treppengeländer füge sich dem Denkmal entsprechend gut in den Bestand ein. Die Kosten, die noch nicht abschließend ermittelt seien, schätzte Monika Dierauf auf eine mittlere fünfstellige Summe.

Wallfahrer und Kirchenbesucher wissen es jetzt zu schätzen, dass die Treppe zum Hauptportal der Basilika mit einem beidseitigen Geländer versehen wurde. Da das gesamte Ensemble in Vierzehnheiligen unter Denkmalschutz steht, wurde eine kunstvolle Schmiedearbeit dafür angefertigt. Dafür konnte die Firma Karl Leicht, Kunst- und Bauschlosserei, aus Bamberg gewonnen werden. Inhaber Roland Leicht erläuterte die handwerklichen Arbeiten: „Die Handläufe sind aus Rundbaustahl geschmiedet, die Pfosten gelocht und die Handläufe an die Pfosten genietet“. Das Ergebnis könne sich sehen lassen. Die schön geschwungenen Anfänge wurden mit angestauchten Kugeln versehen.

Hintergrund
Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation fordert: „Die Umwelt muss für alle Menschen ohne Hindernisse gemacht werden. Alle Menschen müssen sich ohne Hindernisse fortbewegen können. Barrierefreiheit ist besonders für behinderte Menschen wichtig, aber auch für alte Menschen, Kinder, Menschen mit Kinderwagen, Rollator, Rollstuhl, für hörbehinderte oder gehörlose Menschen. Alle behinderten Menschen müssen ohne Hindernisse ins Theater, Kino, in die Kirche gehen können. Alle müssen sich zu Fuß, mit dem Rollstuhl, oder mit dem Geh-Wagen überall hinbewegen können – ohne fremde Hilfe“.

Text und Bilder: Andreas Welz

Spende für die Basilika-Glocken in Vierzehnheiligen

In Bad Königshofen haben sich die „Promiband“ und die Gruppe „WanSin“ (Wandern/Singen) zu einer Veranstalgung verbündet, deren Erlös für die Erneuerung des Geläuts von Vierzehnheiligen bestimmt war. Engelbert Brüger, Wallfahrtsführer von Bad Königshofen, moderierte die Veranstaltung. Hier sein Bericht über die Übergabe von 1.100 Euro an P. Heribert Arens:

Bad Königshofen (eb) Mitte November hatte die Promiband zu einem besonderen Kurkonzert mit Kirmessingen in die Trink- und Wandelhalle eingeladen. Neben vielen Gästen aus der Stadt und Umgebung waren auch zahlreiche Wallfahrer gekommen, denn der Abend war als Benefizkonzert für die Glocken von Vierzehnheiligen gedacht.
Diese Glocken der Basilika müssen einer grundlegenden Sanierung unterzogen werden, da die Aufhängung an Stahljochen Schäden verschiedenster Art an Glocken und Bauwerk nach sich zog. Für die aufwändige Sanierung hat die Kirchenstiftung Vierzehnheiligen zu Spenden aufgerufen.
Clemens Behr und seine Promiband sowie Engelbert Brüger als Moderator sorgten für gute Stimmung und die Gruppe WanSin (Wandern und Singen) bediente die Gäste mit Speis und Trank. So konnte Clemens Behr noch am Abend ein Sammelergebnis von über 800 Euro verkünden. Mit dem Erlös aus der Bewirtung sowie einigen nachträglichen Spenden kam insgesamt der stolze Betrag von 1.100 Euro zusammen.
Pater Heribert Ahrens vom Kloster in Vierzehnheiligen war hocherfreut, als er von der Aktion und der Spendensumme erfuhr. Clemens Behr (Promiband), Engelbert Brüger (Wallfahrtsführer) und Rainer Knies (Gruppe WanSin) haben bei einem Besuch im Kloster Vierzehnheiligen die Spende überbracht und Pater Heribert bedankte sich ganz herzlich für die großzügige Spende aus Bad Königshofen. „Damit ist zwar das Finanzierungsproblem noch nicht ganz gelöst, aber jeder Beitrag ist für uns wertvoll“, meinte er. „Vielleicht können sich andere Wallfahrten auch in ähnlicher Weise für diese Projekt engagieren“, äußerte er einen Wunsch.
Aller Voraussicht nach werden die Glocken am 31. Mai 2019 beim Einzug der Königshöfer Männerwallfahrt noch nicht erklingen, aber wenn im Jahr darauf das ganze Geläut ertönt, können manche Wallfahrer ganz stolz sagen: „Dazu haben auch wir einen Beitrag geleistet!“

 

Zum Bild:
Sehr erfreut war Guardian Pater Heribert Arens (2.v.li.) als er von Wallfahrtsführer Engelbert Brüger (2.v.re.) die Spendensumme von 1.100 Euro für die Glocken von Vierzehnheiligen überreicht bekam. Clemens Behr (li) mit seiner Prominentenband und Rainer Knies (re) mit der Gruppe WanSin (Wandern und Singen) waren maßgeblich am Erfolg des Benefizkonzertes beteiligt.

Adventsandacht mit „Good News“

„Als Generalprobe der Engel für den Heiligen Abend“, bezeichnete Franziskanerpater Heribert Arens die musikalische Adventsandacht mit „Good News“ aus Bad Staffelstein am Sonntagnachmittag in Vierzehnheiligen. Der Rektor der Basilika war von den geistlichen Liedern des Gospelchores ebenso begeistert, wie die zahlreichen Gottesdienstbesucher. Unter der Leitung von Wolfram Johann Brüggemann ließen die Sängerinnen und Sänger die Gefühlswelt der Sklaven auf den Baumwollfeldern Nordamerikas erlebbar machen. Die Gedanken der „Gospel-Urväter“ in die Herzen zu transportieren, ist ihnen an diesem Adventssonntag wieder gelungen.

Daran erinnerte auch Pater Heribert, der die Gläubigen aufrief, ihr Leben jeden Tag neu adventlich auszurichten. „Den Stern suchen, der den Weg kennt aus der Dunkelheit, Unsichtbares ahnen, nach Unsagbaren fragen und Unerhörtem lauschen“, zitierte er eine Adventsgedicht der Kölner Autorin Gisela Baltes. Mit dem beliebtesten Weihnachtslied im angelsächsischen Raum „Joy to the World“ eröffnete der Chor den zwölfteiligen Zyklus. Nicht weniger bekannt ist das afroamerikanische Spiritual „Go Tell it on the Mountain“ (sinngemäß: Geh, ruf es vom Berg). Der Refrain nimmt Bezug auf die Geburt Jesu.

In der Adventslitanei sprach der Geistliche vom Licht, das uns durch dunkle Zeiten trägt, das Ängste und Sorgen vertreibt, uns Hoffnung in der Bedrängnis gibt und Rettung und Hife verspricht. Der Chor antwortete mit „Sana, Sananina, praise the Lord“. Den Hosanna-Ruf aus Botswana, einem ausdruckstraken afrikanischen Gospelsong, begleiteten die Singenden mit rhythmischen Bewegungen.

Pater Heribert gab eine Geschichte des russisch-orthodoxen Bischof Anthony Bloom (1914-2003) wieder. Nicht das Gebet alleine führe zu Gottes Gegenwart, sondern ein Viertelstunde Stille. Einen Streifzug durch das weihnachtliche Schweden machte der Chor mit dem Song „Jul, jul, stralande jul“ ein Weihnachtslied von Gustaf Nordqvist (1886-1949), das er für den Männerchor a cappella komponierte. Aus Tansania erklang der afrikanische Song „Amezaliwa“ – „Der Herr ist geboren, Jesus ist geboren“. Die Adventsandacht beschloss der Chor mit dem bekannten Song „Hallelujah, Salvation und Glory“ – „Hallelujah, Rettung und Ruhm, Ehre und Macht für den Herrn, unseren Gott“.

Text und Bild: Andreas Welz

Wallfahrtsführertreffen 2018

Frohe Kunde brachte Pater Heribert Arens am Samstag in den Victor-von Scheffel-Saal beim jährlichen Wallfahrtsführertreffen im Diözesanhaus Vierzehnheiligen: „Die neuen Glocken der Basilika werden Ende Februar Anfang März in der Glockengießerei Bachert in Neunkirchen-Baden gegossen“. Damit rücke der Zeitpunkt näher, dass das Geläut wieder vollzählig erklinge. Zur Kirchweih im September 2019 könnte es soweit sein. Bis Weihnachten hoffte er auf das Ergebnis der Ausschreibung für die Sanierung der Glockenstühle.

Wenn die Arbeiten durchgeführt werden, könnte es möglich sein, dass manche Wallfahrten nicht mit Geläut empfangen werden. Pater Heribert bedankte sich bei den vielen Spendern, aber es klaffe immer noch eine große Lücke. Er ermunterte die Wallfahrtsführer zu Aktionen in ihren Heimatgemeinden, die der Finanzierung des Geläuts dienen sollten. Er gab bekannt, dass die Fassade zwischen den Türmen der Basilika im kommenden Jahr wieder eingerüstet werde. Eine Sanierung müsse auch dort aufgrund der Untersuchungsergebnisse durchgeführt werden. Fertiggestellt sei der behindertengerechte Zugang zu den Toiletten, der vom Freistaat und der Regierung von Oberfranken gefördert wurde. In der kommenden Woche würde die Geländer an der Haupttreppe zum Westportal der Basilika montiert, auch das Stück vom Podest bis zur Straße.

Eine Wallfahrtsführerin beschwerte sich über die vielen Absperrungen im Kirchenraum. Man wisse oft nicht wo man sich hinsetzen könne oder man sei eingesperrt. Pater Heribert begründete die „Stricke“ mit den vielen Touristen, die von den Wallfahrern oder den Gottesdienstbesuchern ferngehalten werden müssten. Als er vor acht Jahren nach Vierzehnheiligen kam, wollte er die Absperrungen abschaffen. Aber in der Praxis sei das nicht möglich gewesen. „Eine Gratwanderung, mit der wir leben müssen“, bedauerte er.

Der Geschäftsführer de Diözesanhauses Raimund Hümmer informierte die Wallfahrtsführer über die Generalsanierung des Hauses Frankenthal. „Einschränkungen müssen in Kauf genommen werden“, sagte er. Die Baustelle werde noch bis Ende der Wallfahrten 2019 bestehen bleiben. Zu Engpässen könne es in den Monaten Mai bis Juli kommen, insbesondere an Himmelfahrt oder dem Gedenktag Peter und Paul. Die Mitarbeiter des Hauses Frankenthal seien alle im Diözesanhaus beschäftigt und garantierten für die Unterbringung und Verpflegung der bis zu 500 Wallfahrern am Tag.

Hümmer empfahl den Wallfahrtsführern eine rechtzeitige Anmeldung, am besten noch heute für das kommende Jahr. Online-Buchung sei möglich auch für Touristen, allerdings hätten die Wallfahrer Vorrang. Der neue Film des Bayerischen Rundfunks über Vierzehnheiligen werde im Mai 2019 ausgestrahlt. Dann werde er auch auf die Homepage von Vierzehnheiligen gestellt. Nachdem sich der neue Kirchenschweizer Daniel Reitz vorgestellte hatte, er kam Mitte des Jahres nach Vierzehnheiligen, wurde das Wallfahrtsprogramm bekanntgegeben. Die ersten Pilger kommen am 13. April aus Stockheim im Landkreis Kronach.

Am frühen Vormittag fand ein Dankgottesdienst anlässlich des Wallfahrtsführertreffens in der Basilika statt. Pater Heribert ging in seiner Predigt auf das Leitwort der Wallfahrtssaison 2019 ein: „Lauft nur, ich werde euch tragen, euch hinführen bis ans Ziel“ – ein Wort des heiligen Augustinus, von ihm formuliert als Frucht eines langen Suchprozesses. Der Prediger erläuterte, wie der Mensch laufend die Welt erobert: „Wer läuft, der geht aus sich heraus, geht über sich hinaus. Seine Welt wird groß, wird weit“. Alte Menschen spürten oft schmerzlich, wie ihre Welt klein wird, weil ihre Beine nicht mehr mitmachen.

Der Mensch, der läuft, habe auch die Chance, auf Gott zuzugehen. So auch der Pilger, der aufbricht an Orte, an denen Gottes Nähe besonders spürbar ist. „Für die Pilgergruppen, die durch ihre Wallfahrtsführer in diesem Gottesdienst vertreten sind, ist das Vierzehnheiligen“, so der Geistliche. Dorthin brechen sie auf, gehen Schritt für Schritt, rasten und gehen wieder weiter, nehmen, wenn nötig, Umwege in Kauf, um zum Ziel zu kommen. So sei das neue Motte für 2019 eine Einladung, zu laufen, zu pilgern zum Ziel, das Gott ist – und darauf zu vertrauen, dass er auch auf dem Weg dabei ist.

Text und Bild: Andreas Welz

Wallfahrtsführertreffen in Vierzehnheiligen am 01. Dez. 2018