Vierzehnheiligenfest

Das Vierzehnheiligenfest – ein kirchliches Fest der Verehrung der 14 Nothelfer – feierten am Sonntag Hunderte von Gläubigen in der Basilika. Erzbischof Dr. Ludwig Schick aus Bamberg zelebrierte vormittags das Pontifikalamt. Der Kirchenchor und Orchester aus Pegnitz-Trockau unter der Leitung von Ottmar Schmitt gestaltete diese feierliche Messe mit. Der Chor interpretierte die Missa in D-Dur, die Orgelsolomesse für Soli, Chor und Orchester von Bonifaz Stöckl, sowie das Te Deum von Wolfgang Amadeus Mozart. Herausragend waren die Solisten mit Christel Schmitt (Sopran), Maria Schmitt (Alt), Ludwig Schmitt an der Altarorgel und an der Hauptorgel Georg Hagel. Pater Heribert Arens begrüßte zahlreiche Ehrengäste. Er bezeichnete das Fest als einen der Höhepunkte des Kirchenjahres in Vierzehnheiligen.

Der Chor aus Trockau mit seinem Dirigenten Ottmar Schmitt interpretierte Mozart auf höchstem Niveau

Erzbischof Schick lud die Gläubigen ein, über die Heiligkeit nachzudenken. Er zitierte aus dem Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus „Gaudete et exultate“, dass es Aufgabe eines jeden Christen sei, heilig zu werden. „Freut euch und jubelt über die Einladung Jesus, Heilige zu werden“, so Schick. Heilige seien Menschen, die mit Jesus Christus vertraut sind, wie vor 2000 Jahren seine Jünger. Auch heute sei es möglich, mit Jesus vertraut zu sein, ihn zu lieben und so Zeuge für ihn zu werden. Das sei die erste Bedingung, heilig zu werden. Die zweite hätten wir bereits durch die Taufe zum Teil erfüllt. Wir müssten aber mit Jesus leben, ihn wirken lassen, erst dann mache er uns zu Frauen und Männern des Glaubens, der Liebe und Hoffnung.

Einzug vom Franziskanerkloster zur Wallfahrtkirche mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick

Die Heiligkeit werde durch die Firmung vertieft und durch das Sakrament der Buße, auch durch Wallfahrten, ständig erneuert. „Heilige werden wir durch das aktive Mitleben und Mitfeiern der Sakramente“, unterstrich der Erzbischof. Die Krankensalbung heilige den Kranken, und könne gesund machen. „Die Priesterweihe macht uns zu Werkzeugen der Heiligkeit“, sagte er. Die dritte Voraussetzung für die Heiligkeit sei die Liebe. Sie bestehe darin, dass wir den Nächsten lieben und so die Ehre Gottes fördern. „So tragen wir auch zum Frieden bei“, schloss Erzbichof Schick seine Predigt. „Suchet Frieden“ lautete auch das Motto des Katholikentages in Münster, der am Sonntag zu Ende ging. Mitzelebranten des Hochamtes am Vormittag waren die Franziskanerpatres Heribert, Bernhard und Stanislaus und Diakon Bernhard Fischer aus Küps

Am Nachmittag luden die Franziskaner zur Andacht ein. Pater Alexander Weißenberger hielt die Predigt. Soziale Netzwerke seien keine Erfindungen der modernen Zeit, sondern es gebe schon längst ein internationales Netzwerk, das nicht nur Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Kontinenten, sondern auch Menschen über viele Jahrhunderte hinweg verbinde. „Dieses Netzwerk kennen wir alle: es sind die Heiligen unserer Kirche. Dazu gehören auch die vierzehn Nothelfer, die wir heute feiern“, so der Geistliche. An dieses Himmel und Erde umfassende Netzwerk erinnerte das Vierzehnheiligenfest.

„Die Heiligen weiten Herz und Verstand, weil sie Menschen aus vielen Völkern und allen Jahrhunderten verbinden. Sie haben alle eines gemeinsam: am Ende ihres irdischen Lebens, im Angesicht des Todes haben sie Gott gefunden“, unterstrich der Pater. In diesem Sinne seien uns die Heiligen Vorbilder, die zeigten, dass wir das Ziel unseres Lebens erreichen können: einmal für immer bei Gott zu sein, ohne Schuld und Sünde, ohne Krankheit und Gebrechen, ohne Angst und Trauer. Darum gehe es an diesem Festtag der vierzehn Nothelfer. Er wolle uns neu ausrichten auf das eigentliche Ziel unseres Lebens.

Mädchen und Jungen aus Grundfeld, Horsdorf und dem Konradshof trugen die vergoldeten Nothelfer-Figuren bei der Prozession

Bei der anschließenden Prozession in der Basilika wurden die mit Gold überzogenen Figuren der Nothelfer von Jugendlichen aus Grundfeld, Wolfsdorf und aus dem Konradshof in Vierzehnheiligen auf Stangen mitgetragen. Zweimal umrundete die Prozession die Basilika. Pater Johannes Thum trug die Monstranz unter einem Baldachin, Pater Heribert Arens betete die gemeinschaftlichen Bitten und im Wechselgesang vor, die Lieder begleiteten die Ansbachtaler Musikanten aus Roth.

Bilder und Text: Andreas Welz

Fränkisches Mariensingen in Vierzehnheiligen

Am Sonntag, 20. 05. 2018 um 14.00 Uhr findet in der Basilika Vierzehnheiligen eine Maiandacht statt, die mit Texten, Liedern und Musik aus Franken umrahmt wird. Gebete zur Mutter Gottes Maria werden von Marion Töppke vorgetragen.

Das Neunkirchener Torberg Trio unter der Leitung von Otto Rehm bringen Stücke wie „Suchest du Rat“ oder „Will dich grüßen“.
Der Graatzer Dreigesang mit dem Leiter Heinrich Geßlein singen Lieder wie „Sei gegrüßt du Gnadengarten“ oder „Maria du schöne“.
Yvonne Scharold mit ihren Sängerinnen bringen „Aveglöcklein“, sowie Holder Jungfrau`n“ zum Vortrag.
Von der Musikgruppe Kemmärä Kuckuck unter der Leitung von Hans-Dieter Ruß werden die allgemein gesungenen Lieder „Maria Maienkönigin“ und „O himmlische Frau Königin“ begleitet, sowie Musikstücke und Lieder wie „Geleite durch die Wellen“ oder „Wie schön glänzt die Sonn“ aus der fränkischen Heimat vorgetragen.

Veranstalter sind neben den Franziskanern der Basilika Vierzehnheiligen, die Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik, der Bezirk Oberfranken und der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V.

Friedenswallfahrt der Soldaten nach Vierzehnheiligen

Das Bekenntnis zum Frieden stand am Sonntag bei der Soldaten- und Friedenswallfahrt in Vierzehnheiligen im Mittelpunkt. Für rund 1500 Mitglieder aus 77 Kameradschaften war es wieder ein besonderes Erlebnis. Seit über 60 Jahren wallfahren Männer und Frauen der Soldatenkameradschaften und Reservistenvereinen aus Oberfranken zum „Heiligen Berg“.
Als das bunte Fahnenmeer am Morgen Einzug in die Basilika begrüßte Organist Georg Hagel, Hauptmann der Reserve, die Wallfahrer mit mächtigem Orgelklang. Die Ehrenkompanie nahm Aufstellungen zwischen dem Hauptaltar und dem Gnadenaltar.

Die traditionelle Soldaten- und Friedenswallfahrt führte vom Seubelsdorfer Kreuz zur Basilika Vierzehnheiligen

Franziskanerpater Heribert Arens hielt eine bewegende Ansprache. In der Basilika hielt Franziskanerpater Heribert Arens eine bewegende Ansprache. Seine Predig fußte auf der Bibelgeschichte vom ungläubigen Thomas aus dem Johannesevangelium. Thomas legte die Finger in die Wunden, die Jesus am Kreuz an Händen und Füßen erlitten hatte. Pater Heribert bezog sich nicht auf den Zweifler Thomas, der gläubiger Christ bleibt aber Fragen stellt, sondern beleuchtete eingehend Wunden, die Menschen körperlich und seelisch zugefügt werden. Damit sprach er auch die ehemaligen Soldaten an, die sich zur Friedenswallfahrt nach Vierzehnheiligen aufgemacht hatten.

„Wunden stehen für das, was ein Mensch durchleidet, sie sind eine lebendige Erinnerung gegen das Vergessen“, so der Rektor der Basilika. Den Finger in die Wunde legen bedeute auch auf ein Übel hinzuweisen; an einer empfindlichen Stelle rühren. Vielleicht habe Thomas gespürt, um welche Wunden es wirklich gehe. Sie seien Teil des Lebens, wer lebt und liebt werde verwundet. Aber es seien viele unnötige Wunden, die der Krieg an Soldaten und der Zivilbevölkerung reiße. Die Wallfahrt diene der Klage über die vielen Wunden auf der Welt aber auch dem Dank, dass man verschont wurde und der Bitte um Frieden.

Es gebe aber nicht nur sichtbare Wunden. Es sind auch die Wunden der Seele, in die Thomas seine Finger legt. Diese bleiben bis zum Tod, auch wenn äußere Wunden geheilt sind. „Wenn wir Frieden wollen: nicht nur äußere Wunden heilen, sondern die seelischen Wunden im Blick behalten“, so der Geistliche. Die Wallfahrt sei ein Stachel in der Gesellschaft, der an die Wunden der Seele rührt. Die Wallfahrt diene der Erinnerung und trage zum Erhalt des Friedens bei.

Als drittes Thema griff Pater Heribert einen der fünf Vorsätze des Mahatma Gandhi auf: „Ich will bei der Wahrheit bleiben“. Zuviel Unheil habe mit der Unwahrheit begonnen. Er erinnerte an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, den Irakkrieg und an die Mächtigen der Welt, die wie Gott sein wollten. Die Wahrheit sei ein Weg zum Erhalt des Friedens und die Wahrheit ist, dass nicht der Mensch Gott ist. Der Weg dorthin sei nicht, selbst Herrgott sein zu wollen, sondern die Anerkennung Gottes. Pater Herbert schloss seine Predigt mit der Feststellung: „Wo Gott im Mittelpunkt steht wird die Welt menschlich“.

Auch die Eucharistiefeier war Teil des militärischen Zeremoniells. Während der Wandlung, in der Wein und Brot gereicht wird, krachten im Wald hinter dem Ehrenmal zwei Böllerschüsse. Nach dem Gottesdienst zogen die Fahnenabordnungen, die Ehrenkompanie und alle Wallfahrer zum Ehrenmal, um den Toten zu Gedenken. Oberst der Reserve Dr. Klaus-Dieter Nietsche aus Goldkronach würdigte Engagement der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigungen. Sie förderten Völkerverständigung und Frieden.

Kritisch äußerte sich Nietsche über den Wertewandel der Gesellschaft: „Der einst fleißige, gewissenhafte Deutsche scheint mehr und mehr der Vergangenheit anzugehören“. Das Verhältnis von Ernst und Spaß, von Arbeit und Freizeit habe sich drastisch gewandelt. Die Bedeutung von Leistung, Fleiß und Disziplin, Tugenden der Soldaten, seien nicht nur eine Frage der Einstellung und auch keine Glaubensfrage. „Wir als Eltern, und Soldaten im Ehrenamt, als Reservisten müssen dies im Interesse der heranwachsenden Generation vermitteln“, beschwor er die Wallfahrer.

Zum ersten Mal organisierte die Bayerische Kameraden- und Soldatenvereinigung Kreisverband Bad Staffelstein mit ihrem Vorsitzenden Roland Leicht die Wallfahrt, unterstützt vom Kreisverband Lichtenfels des Bayerischen Soldatenbundes mit ihrem Vorsitzenden Udo Rudel. 30 Jahre hatte der SKV Oberleiterbach die Großveranstaltung durchgeführt. Der ehemalige Vorsitzende Nikolaus Kunzelmann sagte unserer Zeitung: „Es fehlen uns die ehrenamtlichen Helfer“. Um diesen Notstand abzuhelfen, der fast alle Vereine betrifft, will Roland Leicht eine Arbeitsgemeinschaft gründen, die auch aus anderen Vereinen bestehen soll.

Kranzniederlegung am Ehrenmal mit Roland Leicht und Oberst Klaus-Dieter Nietsche (rechts)

Text und Biler: Andreas Welz

Durchkreuzte Lebenspläne

Ökumenischer Segnungs- und Salbungsgottesdienst
in der Basilika Vierzehnheiligen

Lebensläufe von Menschen erleben Brüche: Träume zerbrechen, Hoffnungen platzen wie Seifenblasen, Erwartungen werden enttäuscht, Lebenspläne werden „durchkreuzt.“
Solche Erfahrungen greift der ökumenische Segnungs- und Salbungsgottesdienst auf, zu dem die Franziskaner und St. Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde Bad Staffelstein am Freitag vor Pfingsten einladen.
Angesprochen sind Menschen, die an Lebensbrüchen leiden und sich nach Heilung sehnen – für sich selbst oder für Menschen in ihrer Nähe. In der Zusage göttlichen Segens und in einer Salbung soll die heilende Kraft des Gottesgeistes hautnah erfahren werden.
Der Gottesdienst beginnt am Freitag vor Pfingsten, 18. Mai, um 19.00 Uhr in der Basilika.

Benefizkonzert zu Gunsten der Glockensanierung der Basilika Vierzehnheiligen

Mittwoch, 16.05.2018, 19:00 Uhr

Heeresmusikkorps Veitshöchheim
Leitung: Oberstleutnant Roland Kahle, Orgel: Hauptmann d. Res. Georg Hagel
Eintritt: 20,00 €/15,00 €/12,00 €

Bild: Heeresmusikkorps Veitshöchheim, OSFw Bernd Sieg

Das Heeresmusikkorps Veitshöchheim spielt in der Basilika Vierzehnheiligen zu Gunsten der Glockensanierung. Das Blasorchester bietet ein breites Repertoire vom traditionellen Militärmarsch, Transkriptionen klassischer Ouvertüren über Filmmusik bis zu Bigband-Arrangements. Am Dirigentenpult steht Oberstleutnant Roland Kahle, an der Orgel spielt Basilikaorganist und Hauptmann d. Res. Georg Hagel.

Bitte beachten Sie, dass die Basilika Vierzehnheiligen nicht beheizt wird! Es wird daher empfohlen, warme Kleidung zu tragen und sich ggf. eine Decke und ein Sitzkissen mitzubringen.

Mitgliederversammlung „Freunde und Förderer der Basilika Vierzehnheiligen e. V.“

Die 11. Mitgliederversammlung des Vereins „Freunde und Förderer der Basilika Vierzehnheiligen e. V.“ findet am Donnerstag, 24. Mai 2018, um 19.00 Uhr im Diözesanhaus Vierzehnheiligen statt.

Auf der Tagesordnung stehen nach der Begrüßung durch 1. Vorsitzenden Landrat Christian Meißner der Bericht des Geschäftsführers des Vereins P. Heribert Arens OFM, Bericht des Schatzmeisters Raimund Köhler, der Bericht der Rechnungsprüfer Richard Lurz jun. und Walter Mackert. Nach den Entlastungen wird der Haushaltsplan 2018 der Mitgliederversammlung zur Genehmigung vorgestellt. Mit dem Punkt „Wünsche und Anträge, Verschiedenes“ schließt die Mitgliederversammlung.
Anträge zur Tagesordnung müssen bis spätestens 10. Mai 2018 schriftlich bei P. Heribert Arens, Vierzehnheiligen 2, 96231 Bad Staffelstein, eingegangen sein.

Im Anschluss (ca. 20.15 Uhr) hält Dipl. Ing. (FH) Walter Christa, Architekt beim staatlichen Bauamt Bamberg einen Vortrag zum Thema: „Türme und Westfassade der Basilika Vierzehnheiligen“.
Alle Mitglieder sind zur Mitgliederversammlung eingeladen, zum Vortrag sind auch Nichtmitglieder willkommen.

Mattenkapitel der Franziskaner

Ob und wie die deutschen Orden ihre derzeitige Krise meistern werden, ist momentan noch ungewiss. Auch wenn es Neuansätze gibt, eine grundlegende Wende steht noch aus. Die deutschen Franziskaner haben ein Modell entwickelt, das den langsamen Niedergang aufhalten soll. Beim so genannten Mattenkapitel, die Zusammenkunft aller deutschen Franziskaner in Vierzehnheiligen, wurden Weichen für die Zukunft gestellt. Im Mittelpunkt stand das „Emmaus-Projekt“, ein Zukunfts- und Strukturprozess, der vor einem Jahr begonnen wurde und 2019 angeschlossen sein wird.

Pater Dr. Cornelius Bohl, Provinzialminister der Deutschen Ordensprovinz, erläuterte unserer Zeitung worum es im Kern gehe. Die Emmaus Jünger sprachen auf dem Weg in ihre Heimat über ihre nicht erfüllten Hoffnungen und Enttäuschungen. „Nun haben wir als Provinz keine Karfreitags-Katastrophe hinter uns. Aber wir erleben, wie in der Kirche und in unserer Gemeinschaft vieles zusammenbricht, was bisher selbstverständlich getragen hat“, sagte Pater Cornelius. Das seien wirklich Abbrüche und Zusammenbrüche, nicht nur ein paar augenblickliche Schwierigkeiten. Vieles, was war, sei unwiderruflich vorbei. Manche glaubten gar nicht mehr an eine Zukunft, so der Pater. „Auch bei uns gibt es das: Enttäuschung, Müdigkeit und manchmal Resignation“.

Provinzialminister Pater Dr. Cornelius Bohl leitete das Mattenkapitel

Trotz aller Enttäuschung: Die beiden Jünger verstummten nicht, sondern redeten miteinander. Sie erzählten sich ihre Not, hörten einander zu, fragten gemeinsam. Sie waren offen, sich in ein Gespräch auch mit einem Fremden, Jeus , wie sie später erkannten, einzulassen. Der ehrliche Austausch tat ihnen gut und brachte sie weiter. Ihnen gingen die Augen auf für etwas, was sie vorher nicht gesehen hatten. Die Begegnung mit Jesus veränderte ihre Sicht. Sie hatten wieder Hoffnung, neuen Mut. Sie merkten, dass sie anderen etwas zu sagen haben. Sie hatten eine Botschaft, ein Ziel und sie hatten Zukunft. „Das ist der Kerngedanke des Emmaus-Projekts“, so Pater Cornelius, nicht weglaufen, sondern anpacken.

Dazu sollen Kriterien entwickelt und ein Verfahren erarbeitet werden, mit dem dann alle Brüder ein Votum abgeben können. „Sicher, wir müssen reduzieren und schließen, aber Ziel ist nicht die Abwicklung einer Provinz, sondern eine kraftvolle Perspektive“, so der Ordensmann. „In Zukunft werden wesentlich weniger Brüder authentisch und überzeugt ihre franziskanische Berufung leben“. Erste Sondierungen zur Realisierung solcher innovativen Konzepte sollen bis zum Sommer 2018 vorgenommen werden.

Pater Cornelius weiß, dass nicht alle Brüder von einem Projekt Emmaus begeistert sind. In der Vergangenheit seien schon die Ergebnisse so mancher Strukturprozesse später im Sand verlaufen. „Dennoch haben wir uns in der Provinzleitung klar hinter den Wunsch des letzten Kapitels gestellt. Wir spüren: Die Situation ist drängend und erfordert schmerzhafte Eingriffe“. In den letzten Jahren sei manchmal kritisch nach den Kriterien für eine Hausauflösung gefragt worden. „Ich sehe im Projekt Emmaus die Chance, in der gesamten Provinz das Bewusstsein einer gemeinsam geteilten Verantwortung zu wecken und Entscheidungsperspektiven zu entwickeln, die von einer großen Mehrheit mitgetragen werden“, stellte Pater Cornelius fest. Die Emmaus-Geschichte sei kein frommer Überbau, sondern der Kern dessen, was uns im kommenden Jahr beschäftigen werde.

Als nächsten Schritt kündigte der Provinzial ein U 60-Treffen am 23. Und 24. Mai in Vierzehnheiligen an. Vieles was entschieden werde, gehe die Brüder unter 60 Jahren an. Weil sie eine besondere Verantwortung in den nächsten 20 Jahren tragen, solle ihre Stimme in dem Erneuerungsprozess auch besonders gehört werden. Es gehe bei diesem U 60-Treffen nicht alleine um Information und Austausch. Beim Nachdenken darüber, an welchen Orten und in welchen Aufgabenfeldern die Ordensmitglieder künftig leben wollen, solle die Einschätzung von den Jüngeren qualifiziert mit eigenem Gewicht in den Entscheidungsprozess einfließen.

Mattenkapitel
Franziskus hat das erste Mattenkapitel an Pfingsten 1221 auf dem Gelände bei der Kirche Portiuncula unterhalb von Assisi gehalten; damals waren 5000 Brüder versammelt. Sie kamen zu Fuß und lagerten sich auf Strohmatten, auf denen sie auch schliefen. Auf diesem ersten Mattenkapitel wurde von Franziskus die nichtbullierte Regel vorgestellt, die in den nächsten zwei Jahren aber noch gestrafft wurde, bevor sie vom Papst anerkannt wurde. Franziskus sandte auf diesem Kapitel verschiedene Brüder nach Deutschland, England und in den Orient zur Mission aus. Heute werden Mattenkapitel in unregelmäßigen Abständen von verschiedensten franziskanischen Kongregationen auf regionaler oder internationaler Ebene veranstaltet. Im Unterschied zum Sach- oder Provinzkapitel, das von gewählten Vertretern besucht wird, kann am Mattenkapitel jedes Ordensmitglied teilnehmen.

Text und Bild: Andreas Welz

Tag des offenen Klosters bei den Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen

Die Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen laden am Samstag, 21. April 2018 im Rahmen des bundesweiten Tags der offenen Klöster ein, das Mutterhaus der Kongregation kennenzulernen. Die Klosterpforten sind von 14:00-18:00 Uhr geöffnet. Für Leib und Seele ist gesorgt. Um 18:00 Uhr endet der Tag mit der gemeinsamen Vesper.