Nachruf von Richard Lurz sen.

Am 25.02.2021 verstarb Herr Richard Lurz sen. im Lichtenfelser Krankenhaus im Alter von 90 Jahren.

Von 1960 bis zur Eingemeindung 1976 war Richard Lurz Mitglied im Gemeinderat und war in dieser Zeit auch 2. Bürgermeister von Grundfeld (bis 1972). Zudem engagierte er sich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr und im Gartenbauverein.

Von Dezember 1975 bis Mai 2001 war Richard Lurz sen. bei allen Wallfahrten über 25 Jahre lang der Kirchenschweizer von Vierzehnheiligen, einen Dienst, den er übrigens ehrenamtlich und mit viel Herzblut bis zu seinem 70. Lebensjahr versah. Gerade, aufrecht und freundlich begleitete er die Wallfahrtsgruppen in die und aus der Basilika, sorgte gelegentlich mit einem klaren Machtwort für Ordnung im Heiligtum und war für mehr als eine ganze Generation von Pilgern das sympathische Gesicht von Vierzehnheiligen und der „Polizist der Basilika“. Durch seine große, stattliche Figur, seinen strengen Blick und seine den Menschen in Liebe zugewandte Art strahlte er von vorne herein schon natürliche Autorität aus, welche durch seine Uniform nur mehr unterstrichen wurde. Das Amt des Kirchenschweizers war wie für ihn geschaffen.

Die Basilika Vierzehnheiligen wurde ihm zum bestimmenden Lebensinhalt. Wenn er dort gebraucht wurde, hatte das für ihn immer Vorrang. Dafür ließ er alles liegen und stehen und stellte alles andere zurück. Seine Ehefrau Maria, mit der er voriges Jahr nach 65 Ehejahren noch die Eiserne Hochzeit feiern konnte, stand stets helfend hinter ihm.

Auch im Kirchenrat der Wallfahrtskirche, der heutigen Kirchenverwaltung, brachte sich Richard Lurz viele Jahre engagiert ein und übergab seinen Posten gern an seinen gleichnamigen Sohn, der seit nahezu 25 Jahren als Kirchenpfleger der Basilika das väterliche Erbe mit Fleiß, Treue und Kompetenz weiterführt.

1983 belebte Herr Richard Lurz sen. die Wallfahrt der Grundfelder, Reundorfer und Schönbrunner nach Marienweiher wieder, eine Tradition, die Anfang der 70-er Jahre eingeschlafen war. Da eine Wallfahrt ohne Musik nichts ist, gründete er dafür eine eigene Musikkapelle, bei der er selbstverständlich selber mitspielte. Als diese in Stublang einmal bei einer Maiandacht musizierte, meinte der dortige Ortsvorsteher: „Ihr seid unsere Nothelfer!“, woher die Musikkapelle bis heute ihren Namen hat.

Richard Lurz gestaltete sein Leben aus dem Glauben, den er als überzeugendes Vorbild an seine Kinder und Enkel weitergab. Als tiefgläubiger Mensch stand Gott bei ihm stets an 1. Stelle. Das Tischgebet, der „Engel des Herrn“ und das Rosenkranzgebet gehören bei Fam. Lurz bis heute zum festen täglichen Ritual.

Im Buch „Wallfahrt nach Vierzehnheiligen“ von P. Dominik Lutz ist Herr Richard Lurz auf einem doppelseitigen Bild als Kirchenschweizer bei der Fronleichnamsprozession verewigt. Als solcher wird er uns stets in dankbarer und bester Erinnerung bleiben.

2. Fastenpredigt

Wer das Buch Jona in der Bibel genauer liest, wird sehr schnell merken, dass darin keine geschichtliche Gestalt vorgestellt wird, sondern der Autor dem Leser einen Spiegel vorhält. Wer sich auf diese Erzählung einlässt, der begreift, dass Jona eine Gestalt ist, die uns allen zum Verwechseln ähnlich sieht. Pater Maximilian Wagner hielt unter dem Motto „Licht am Ende des Tunnels – Das mich Verschlingende kann mich retten …“ die zweite Fastenpredigt des Jahres.

Das zweite Kapitel des Jona-Buches, dem sich die Fastenpredigt widmete, beschreibt die Todesangst und einen überdimensionierten Fisch, der auch viele Künstler inspiriert hat. Jeder kennt aus Albträumen die Angst, ins Bodenlose zu fallen, dem Ertrinken nahe zu sein oder von einer unheimlichen Macht verschlungen zu werden. „Wenn wir die Geschichte des Jona hören oder lesen, fühlen wir uns in sie hinein und erkennen in ihr unsere ganz persönlichen Ängste und vielleicht schon durchlebten Nöte“, so Pater Maximilian. Man könne sich kaum eine Situation vorstellen, die hoffnungsloser ist als die, in der sich Jona in diesem Augenblick befindet; denn mit dem Schiff fahren alle seine Hoffnungen dahin und er bleib einsam in den Tiefen des Meeres zurück. Doch mitten in seinem ausweglosen Schicksal verschlinge ihn ein Seeungeheuer und nehme ihn so in sich auf. „Es gibt keinen Fisch, der Jona hätte verschlingen können. Kein Hai ist groß genug und ein Wal hatte einen zu kleinen Schlund, einen Menschen lebendig zu verschlucken und wieder auszuspeien“, betonte der Pater. Daher mute die Geschichte ein wenig wie ein Märchen an, doch es sei nicht wichtig, um welche Art von Fisch es sich dabei handelte. Wichtiger sei es, dem Fisch, der durch Gottes Fügung daherkommt, die Aufmerksamkeit zuzuwenden: „Er kann uns nämlich helfen, die schwersten Stunden unseres Lebens ein wenig zu verstehen.“ Daher habe dieser Fisch in Kunst und Literatur so viel Beachtung gefunden.

Menschen seien erst in Notsituationen bereit, ihr oberflächliches Leben aufzugeben. „Wer hätte vor kurzem gedacht und für möglich gehalten, dass einmal eine Pandemie die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt, so viele Todesopfer fordert und unser Leben so massiv einschränkt, wie seit einem Jahr das Corona-Virus?“, fragte der Fastenprediger. Betrachte man die Karten des Robert-Koch-Instituts, entstehe der Eindruck, als ob das tödliche Virus-Monster die ganze Welt verschlingen wolle. Hoffnungsbilder sollen helfen, die schwere Zeit der Kontaktbeschränkungen und des Lockdowns auszuhalten und eine positive Vision für danach zu entwickeln. „Ein Licht am Ende des Tunnels ist zu sehen, wenn die Impfungen uns hoffentlich bald alle immunisieren und beschützen. Wir fühlen uns wie im Krieg gegen eine unsichtbare, heimtückische Macht“, sagte der Pater. Er frage sich, was Gott mit dieser Plage sagen wolle: „Können wir in Covid-19 etwas entdecken, das wie der rettende Fisch den Jona auch uns ans sichere Land bringt?“ Antworten darauf finde der Mensch wohl erst, wenn er wieder Land sehe und in Sicherheit sei. „Ob nun Corona, Krankenhaus oder Gefängniszelle – es sind nur verschiedene Namen für den Fischbauch, der Jona einerseits vor dem sicheren Tod durchs Ertrinken bewahrte, ihn andererseits aber einen schmerzhaften Reifungsprozess durchmachen ließ“, meinte der Franziskanerpater. Weil Jona im Bauch des Fisches sein Leben von Gott her überdachte, sei er zur Umkehr und Heimkehr gekommen: „Er wusste, dass es nichts Schlimmeres gibt, als Gott davon zu laufen und sein Glück in der Gottferne zu suchen.“
Die Schilderung von Jona im Fischbauch sei ein Gleichnis des menschlichen Lebens und eine von Gott gegebene Anleitung zur Bewältigung von Lebenskrisen: „In dem Moment, da wir zu unserem Gewissen zurückkehren, haben wir wie Jona wieder Land unter den Füßen. Eine neue Welt tut sich auf, und ein neues Leben kann beginnen.“ Die Hoffnung lehre, auch dann noch an das Licht zu glauben, wenn uns scheinbar nur noch Finsternis umhüllt. „Erst wenn wir uns dem Dunkel stellen, wird uns der Schritt ins Licht geschenkt“, betonte Maximilian Wagner.

Abschließend zitierte er den heiligen Franz von Sales: „Wenn du einmal recht mutlos und niedergeschlagen bist, dann denk an Jona: Er kam sogar aus dem Bauch des Walfisches heraus.“ Die nächste Fastenpredigt aus der Reihe „Das Zeichen des Jona“ hält am Sonntag, 7. März, um 14 Uhr Pater Maximilian unter dem Titel „Der Countdown läuft … –„Wie viel Zeit bleibt mir noch?“

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Fastenpredigt in Vierzehnheiligen

Man findet kaum jemanden, der beim Namen Jona nicht gleich weiß: Das ist doch der mit dem Fisch. Die Geschichte, um die es geht, rührt an und prägt sich ein. Einmal gehört, vergisst man sie so schnell nicht mehr.
Pater Maximilian Wagner hielt unter dem Motto „Jona und sein Ninive – Es ist zum Davonlaufen“ die erste Fastenpredigt des Jahres. Das Buch Jona ist in vielfacher Hinsicht ein Buch der Superlative. In der Bibel ist es mit seinen vier Kapiteln das kürzeste Schriftwerk von allen. Kein anderes Buch der Heiligen Schrift übertrifft dieses an hinterhältigem Witz und versteckter Ironie. Neben den Psalmen hat kein anderes Buch so zahlreiche literarische Verarbeitung bis in die Moderne erfahren.

Die Jona-Geschichte ist eine sprachliche Meisterleistung. Zu Beginn seiner Predigt versetzte sich Pater Maximilian einen Augenblick in Jona. Dabei fragte er sich, wie es ihm erginge, wenn Gott ihm zumutete, anderen eine unangenehme Nachricht zu überbringen. „Ich hätte auch keine Lust, in eine große fremde Stadt zu reisen, um dort den bevorstehenden Weltuntergang zu verkündigen und den Leuten mit einer Droh- statt mit einer Frohbotschaft entgegen zu treten.“ Es gab tatsächlich den Propheten Jona im 8. Jahrhundert vor Christus am Hof des Königs Jerobeam II. im Nordreich Israel. Davon berichtet das zweite Buch der Könige. „Es geht unserem Verfasser also gar nicht um die Darstellung einer bestimmten Figur. Vielmehr wollte er eine Gestalt mit einem allgemein menschlichen Charakter schaffen, damit wir uns selber wie in einem Spiegel in ihr wiedererkennen können.“

Ninive war die Hauptstadt des Assyrerreiches (heute Irak) und hatte den Rang einer Weltstadt. Doch als die Jona-Geschichte im 4. Jahrhundert vor Christus entstand, war diese Stadt schon längst ein Trümmerhaufen. „Das Ninive, von dem die Jona-Geschichte erzählt, existiert, solange es Menschen gibt. Es besteht also auch heute noch. Denn dieses Ninive liegt überall dort, wo es nicht um das Wohl des anderen geht.“ In Ninive, so waren die Juden überzeugt, war das Böse zu Hause. Ninive stand als Symbol für die Hölle auf Erde. „An der Sendung Jonas nach Ninive wird deutlich: Gott interessiert sich für dieses Ninive. Gott will eine Brücke schlagen, zu dieser höllischen Stadt. Gott hat mit dieser Stadt etwas vor. Jonas Geschichte will uns nämlich bewusst machen, wo unser ganz persönliches Ninive liegt, vor dem wir ständig auf der Flucht sind.“ Es gehe gar nicht in erster Linie um die Rettung von Ninive, sondern um die Rettung von Jona, der ein anderer werden solle, der verwandelt werden wolle auf dem Weg nach Ninive, durch die Begegnung mit den Fehlern der anderen, in denen er seine eigene Boshaftigkeit entdeckt. „Die Bibel will ein großer Wecker sein, um uns aus dem Schlaf der Sicherheit in die Wirklichkeit Gottes zurückzuholen.“

Flucht geschieht immer aus Angst vor der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Jona flieht lieber ans Ende der Welt als dorthin zu gehen, wovor er Angst hat. Wie viele flüchten vor ihren Problemen, weil „es zum Davonlaufen …“ ist? Jona sei uns in dieser Situation nicht fremd. „Oft sind es nämlich die Dinge, die etwas Unangenehmes an sich haben, die wir vor uns herschieben“, so der Pater. Manch einer flüchtet in die Arbeit oder benutzt den Alkohol, um vor seinen Problemen zu fliehen. Manchmal flüchten wir auch in die Resignation, ziehen uns wie Jona die Decke über den Kopf, würden am liebsten die Welt und alle Probleme in ihr ignorieren. Aber wer flieht, verfehlt sein Ziel und das nennt die Bibel Schuld. „Fliehen vor Problemen, vor Gott und vor Verantwortung führt uns nie besonders weit und manchmal muss uns Gott einen heftigen Sturm schicken, bis wir unsere Fluchtwege endlich einsehen. „Es ist zum Davonlaufen …“.

Wovor flüchte ich? Kenne ich meine Fluchtwege? Wenn Gott mich ruft und mir eine Aufgabe zutraut, gibt er mir auch die Kraft, sie zu meistern. Vertrauen wir darauf“, so Pater Maximilian zum Schluss. Die nächste Fastenpredigt aus der Reihe „Das Zeichen des Jona“ hält am Sonntag, 28. Februar, um 14 Uhr Pater Maximilian unter dem Titel „Licht am Ende des Tunnels – Das mich Verschlingende kann mich retten …“

Text und Bild: Gerd Klemenz

Die Franziskaner in Pandemiezeiten

Seit mittlerweile einem Jahr hat uns die Corona Pandemie fest im Griff und der Lockdown geht weiter. Gottesdienste in Bayern sind nur mit strengen Hygiene-Regeln möglich. In Vierzehnheiligen hat man sich dabei bisher bewusst gegen Streaming-Gottesdienste entschieden, da das öffentliche Fernsehen qualitativ hochwertige und abwechslungsreiche Sonntagsgottesdienste anbietet. Außerdem geben es die technischen Möglichkeiten auf dem heiligen Berg nicht her.

Am 13. Januar veröffentlichte die bayerische Landeskirche zuletzt umfassende aktualisierte Empfehlungen, am 20. Januar verordnete die bayerische Landesregierung zudem eine FFP2-Maskenpflicht für Gottesdienste sowie neue Bestimmungen für die Gesamtbesucheranzahl. Wie überall wurden im Herbst auch in Vierzehnheiligen zu den Sonntagsgottesdienste die Anmeldepflicht eingeführt, um so eine Kontaktpersonen-Nachverfolgung für das Gesundheitsamt zu gewährleisten und zum anderen Ärger und Streit an der Kirchentür zu vermeiden, falls bei zu hoher Nachfrage jemand nicht mehr in die Kirche gelassen werden konnte. Insgesamt stehen in der Basilika bis zu 160 Sitzplätze für die Gottesdienstbesucher unter Corona-Bedingungen bereit.

„Inzwischen ist die Zahl der Gottesdienstbesucher so überschaubar geworden, dass wir von einer Anmeldung bis auf Weiteres absehen. Vor der Karwoche und Ostern werden wir neu überlegen müssen, eventuell wieder über ein Anmeldesystem die Besucherzahlen zu regeln, um die zur Verfügung stehenden Plätze der Basilika in allen Gottesdiensten gleichmäßig zu verteilen“, erklärt der neue Guardian Pater Maximilian Wagner. Der Lockdown und dessen Auswirkungen verändern natürlich auch das Leben der Franziskanerpatres im „fränkischen Bethlehem“. „Seelsorge lebt ganz wesentlich von sozialen Kontakten, die wie überall stark eingeschränkt sind. Auf Provinzebene kommunizieren wir mit unseren Mitbrüdern in Konferenzen digital über die sozialen Medien. Unsere Gottesdienste sind bedeutend schwächer besucht als bisher, doch mit Orgel und Vorsänger weiter liebevoll und attraktiv gestaltet“, berichtet Pater Maximilian. „Klostergäste fallen derzeit wegen Infektionsschutz weg. Im Winter ist es hier immer etwas ruhiger und beschaulicher. Kirchenführungen sind aktuell nicht angefragt. Trotzdem geht die Seelsorge hier weiter, wenn auch in kleineren Zahlen. Der Infektionsschutz und die Einhaltung der Corona-Regeln sind uns wichtig, sowohl in unserer Hausgemeinschaft als auch in der Basilika. Wir tragen Verantwortung für die eigene Gesundheit und die der anderen“, so der Guardian.

Die meisten Brüder im Haus gehören schon wegen ihres Alters (vier sind über 80 Jahre alt) oder bestimmter Vorerkrankungen einer Risikogruppe an, Vorsicht und Rücksicht sind also geboten, auch wenn die Patres spirituell gelassen mit der Gefahr umgehen und sich nicht aus Angst ganz zurückziehen und verschanzen. „Wir haben das Glück, dass wir noch Gottesdienste anbieten können, in manchen Bundesländern und Klöstern ist und war das lange nicht möglich aufgrund des Infektionsgeschehens. Das Kloster bietet aber auch einen gewissen Schutzraum. Wir sind an unserer Arbeitsstelle daheim und haben daher schon Erfahrungen mit Homeoffice. Durch den Wegfall von Terminen entstehen Freiräume, die wir als Gemeinschaft nutzen füreinander und für Gartenarbeit, Studium und Gebet. Manche Hobbys und Reisen sind derzeit unangebracht. Wir freuen uns wie alle auf normale Zeiten“, so der Franziskanerpater. „Die ständig neue Corona-Situation mit den wechselnden Regeln und Herausforderungen lässt bisweilen den Eindruck entstehen, dass man für die Hälfte des (unter normalen Bedingungen) Geschafften jetzt oft die doppelte Zeit benötigt.

Corona macht was mit uns und zwingt uns zur Konzentration auf das Wesentliche. Der Mehraufwand liegt in der Verwaltung der Strukturen und in der Umsetzung und Anpassung von Schutzkonzepten sowie der Entwicklung von alternativen Möglichkeiten“, fügt der Guardian an. Das anstehende Wallfahrtsjahr ist geplant, als ob es Corona nicht gäbe. Trotzdem wird es die nahe Zukunft zeigen, was geht und was nicht. Die Wallfahrer fehlen dem Gnadenort sehr, zumindest Einzelpilger und kleinere Wallfahrtsgruppen kamen im Sommer. „Gottesdienste in einer vollen Kirche mit Blaskapelle und freudigem Volksgesang (beides geht derzeit nicht) und das jährliche Treffen der Pilger, die in Scharen seit Jahren treu kommen und von ihren Wegerfahrungen berichten, fehlen uns sehr“, bedauert der Franziskanerpater. „Da sind über die Jahre echte Freundschaften und Vertrautheit gewachsen. Wir hoffen, dass das bald wieder möglich ist. Mit den Wallfahrtsführern besteht weiterhin ein reger Kontakt. Sie überlegen selber aktiv und kreativ mit, wie trotz der Corona-Einschränkungen zunächst „Wallfahrten light“ möglich sind. Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten müssen gegeben sein, wenn sich Pilger wieder in großen Mengen auf den Weg machen“, fügt er an. „Wir planen die Wallfahrt 2021 optimistisch und hoffen, dass durch die Impfungen im Sommer schon eine gewisse Entspannung der Situation eintritt. Corona hat uns gelehrt, dass langfristige Planungen derzeit nicht möglich sind. Aber wir werden das Wallfahrtsjahr wie gewohnt am Sonntag, 25.04. eröffnen und in dem Rahmen, den uns die Corona-Beschränkungen setzen, durchführen“, so der „Rector ecclesiae“ der Wallfahrtsbasilika.

Das Leitwort für das kommende Wallfahrtsjahr lautet „Gott gab uns Atem, damit wir leben“. Corona lehrt uns, einen langen Atem für anstehende Projekte zu haben. „Der Atem ist ja unser göttlicher Begleiter im Leben, was uns oft erst bewusst wird, wenn uns mal die Puste ausgeht oder die Luft wegbleibt. Davon können Wallfahrer, die nach einem langen Pilgerweg den Endspurt auf den heiligen Berg vor oder hinter sich haben, ein Lied singen“, erklärt Pater Maximilian. Das Fehlen der Pilgerscharen spüren finanziell in erster Linie neben der Kulturszene und dem Einzelhandel auch die Beherbergungsbetriebe und die Gastronomie. „Wir Franziskaner haben auf dem Kreuzberg in der Rhön und auf dem Engelberg (Spessart) Wirtschaftsbetriebe, dazu Bildungs- und Meditationshäuser in Dietfurt, Hofheim und Haus Ohrbeck bei Osnabrück im Shutdown vorübergehend schließen müssen. Da fehlen uns Einnahmen, viele Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit.
In Vierzehnheiligen entbehren wir Einnahmen durch nicht stattfindende Kirchenführungen, fehlende Seelsorge-Aushilfen, Klostergäste, Spenden und Gelder in den Opferstöcken, mit denen die Kirchenstiftung ja auch laufende Betriebskosten bezahlt“, so der Geistliche. Die Spendenfreudigkeit der Leute hält sich in unsicheren Zeiten nachvollziehbar in Grenzen. „Wegen der noch offenen Rechnungen des Glockenprojekts im fünfstelligen Euro-Bereich musste die Kirchenstiftung jetzt einen Kredit aufnehmen. In normalen Zeiten hätten die Wallfahrer und die Basilikabesucher das Glockenprojekt engagiert mitfinanziert, so dass es inzwischen wohl nahezu abbezahlt wäre“, so der Guardian. „Unabhängig von der Wallfahrt haben wir ja auch sonst – von dem harten 1. Lockdown um Ostern 2020 abgesehen – unsere seelsorgerlichen Angebote aufrecht erhalten und waren für viele erreichbar und ansprechbar. Ich bin erst seit Januar hier, weiß aber von meinen Mitbrüdern, dass sie treu und zuverlässig ihre Dienste erfüllt haben und die entstandenen Freiräume für geistliche Lektüre, Spaziergänge und Seelsorge am Telefon nutzten. Unser klösterliches Leben beansprucht ja auch Zeit und gibt einen festen Rahmen, der in Krisenzeiten hilft, dem Tag eine feste Struktur zu geben“, so Pater Maximilian zum Schluss. Wegen Corona gab es kein persönliches Treffen vor Ort.

Fastenpredigt 2021

„Das Zeichen des Jona“

so lautet das Thema der diesjährigen Fastenpredigten in der Basilika Vierzehnheiligen. Beginn ist jeweils sonntags um 14.00 Uhr mit einer fastenzeitlichen Vesper, in die die jeweilige Predigt eingefügt ist. Prediger ist Pater Maximilian Wagner OFM.

Die Termine sind:
1. Fastensonntag: 21.02.2021: Große Geschichte – großer Auftrag
Jona und sein Ninive – „Es ist zum Davonlaufen …“
2. Fastensonntag: 28.02.2021: Große Angst – großer Fisch
Licht am Ende des Tunnels – „Das mich Verschlingende kann mich retten …“
3. Fastensonntag: 07.03.2021: Große Stadt – große Reue
Der Countdown läuft … – „Wie viel Zeit bleibt mir noch?“
4. Fastensonntag: 14.03.2021: Große Gnade – großer Gott
Die letzte Frage bleibt unbeantwortet – „Die Antwort wird von dir erwartet“.

Das „Zeichen des Jona“ eröffnet eine österliche Perspektive: „Wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoss der Erde sein“ (Mt 12, 40).

Im Buch Jona, dem kürzesten Buch der Bibel aus dem 4. Jh. vor Christus, wird uns mit Geist und Witz der Prophet Jona vorgestellt. Wie eine Brieftaube (so sein Name) ist er unterwegs mit einer göttlichen Botschaft.

Wer das Buch Jona genauer liest, wird sehr schnell merken, dass uns darin keine geschichtliche Gestalt vorgestellt wird, sondern dass der Autor dem Leser einen Spiegel vorhält. Wer sich nämlich auf diese Erzählung einlässt, der begreift, dass Jona eine Gestalt ist, die uns allen zum Verwechseln ähnlich sieht. Das macht die Jona-Geschichte zu einer echten Lehrerzählung.

Sie beschreibt in anschaulicher Weise, wie man in eine Lebenskrise gerät und sich in ihr zu verhalten pflegt. Zugleich aber weist sie uns den Weg, auf dem man aus einer solchen Krise gereift und gestärkt hervorgehen kann.

Wenn du einmal recht mutlos und niedergeschlagen bist, dann denk an Jona: Er kam sogar aus dem Bauch des Walfisches heraus“ (Franz von Sales).

Am 5. Fastensonntag, 21.03.2021, findet um 14.00 Uhr das Fränkische Passionssingen statt – mit Musik, Gesang und Texten vom Abendmahl bis zur Kreuzigung (freier Eintritt, Spende wird erbeten).

Neuer Guardian in Vierzehnheiligen

Pater Maximilian Wagner, der neue Guardian der Franziskaner-Gemeinschaft und Wallfahrtsrektor der Basilika, feierte am Dreikönigstag im „fränkischen Bethlehem“ seinen ersten Gottesdienst und stellte sich den Menschen vor. „Wenn ich Vierzehnheiligen höre, kommen mir viele festliche Anlässe und herzliche Begegnungen in den Sinn“, erinnert sich der neue Guardian im Vorfeld. In Vierzehnheiligen fand immer wieder das „Brüderliche Pfingsten“ statt, bei dem sich Franziskaner aus Deutschland, dem deutschen Sprachraum und mitunter ganz Mitteleuropa für ein paar Tage begegneten und ihre Erfahrungen austauschten. In Vierzehnheiligen durfte Pater Maximilian als letzter Provinzial der Bayerischen Franziskanerprovinz mit seinen Mitbrüdern ein „Fest der Jubilare” feiern, bei dem Geburtstagskinder, Priester- und Ordensjubilare unter den Brüdern mit einer Goldmedaille geehrt wurden. „Die Basilika mit ihrem Lichterglanz, der festlichen Orgelmusik und dem spürbaren Ort des Gebetes und der gelebten Sehnsucht nach Gott bot dabei neben der ausgesprochen guten Küche der Schwestern das passende Ambiente“, schwärmte der Franziskanerpater. „Mich freut es heute noch, dass es seinerzeit gelungen ist, dass unsere pflegebedürftigen Brüder im Seniorenheim der Schwestern kompetente Betreuung und gastliche Aufnahme fanden, als wir in München unsere eigene vollstationäre Pflegestation wegen der langfristig absehbaren Unterbesetzung schließen mussten“, erinnert sich Pater Maximilian.

Am Erntedanksonntag 1966 wurde Pater Maximilian in Ingolstadt an der Donau als zweiter von drei Buben geboren und erhielt den Vornamen Thomas. Am Franziskustag 1986 wurde er in Bad Tölz zu Beginn des Noviziats eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Maximilian. Ab November 1987 studierte er an der Hochschule der Jesuiten Philosophie und an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Theologie. Die Feierliche Profess legte Pater Maximilian am 3. Oktober 1991 in München St. Anna ab. Erster Einsatzort als Pastoralpraktikant und Diakon war Pfreimd in der Oberpfalz. Nach der Priesterweihe am 24. April 1994 durch Friedrich Kardinal Wetter in München St. Anna war er dreieinhalb Jahre als Kaplan in der Pfarrei St. Ludwig in Nürnberg eingesetzt. Von Oktober 1997 bis Februar 2001 promovierte er an der Ordenshochschule Antonianum in Rom im Fach „Franziskanische Spiritualität“. Seine Doktorarbeit mit dem Titel „Da berühren sich Himmel und Erde“ beschäftigte sich mit „Symbol und Sakrament in den Predigten des hl. Antonius von Padua“. Von 2010 bis 2013 war Pater Maximilian neben seiner Aufgabe als Generalvisitator der Provinz Austria (Österreich, Südtirol und Schweiz) als Wallfahrtsleiter und Hausleiter des „Klosters zum Mitleben“ auf dem Hülfensberg in Eichsfeld (Thüringen) eingesetzt. Die letzten sieben Jahre war er in der Großstadtpfarrei St. Ludwig in Berlin-Wilmersdorf und jetzt neuer Guardian auf dem heiligen Berg am Obermain.

Seinen ersten Gottesdienst in Vierzehnheiligen feierte er nun am Fest der Erscheinung des Herrn. Georg Hagel spielte die Rieger-Orgel und Sopranistin Radka Loudova-Remmler aus Klosterlangheim bereicherte gesanglich diesen besonderen Gottesdienst. „Am Dreikönigstag stellte ich Kinder im Familiengottesdienst die Frage: Gold, Weihrauch und Myrrhe haben die drei Weisen aus dem Morgenland Jesus mitgebracht. Was meint ihr dazu?“ so Pater Maximilian zu Beginn seiner Predigt. Ein Kind sagte, die wollten dem Christkind eben etwas ganz Besonderes schenken, was es sich nicht selbst kaufen konnte. Ein anderes Kind meinte: Gold ist das Wertvollste und ein guter Start für das Sparkonto. Ein drittes Kind: Ich finde die Geschenke ziemlich schräg und daneben. Was soll denn ein neugeborenes Kind mit all dem Kram anfangen? Was die Geschenke der drei Weisen bedeuten, hat mir noch keiner erklärt, sagte ein anderes Kind. „Hinter diesen drei Geschenken stecke eine Botschaft, die uns die drei Sterndeuter mitgeben möchten“, sagte der Pater. Sie erzählten uns, wie sie Jesus sehen und welche Sehnsucht er erfüllen soll, welche wichtige Aufgaben er für uns Menschen haben wird. „Gold gehört ursprünglich nur dem König, der damit seine Mitarbeiter bezahlte und belohnte. Jesus bekommt Gold geschenkt. Damit sagen sie ihm: Du sollst für uns wie ein König sein, der uns regiert und uns den richtigen Weg im Leben zeigt. Weihrauch ist ein Harz, das auf einer glühenden Kohle erhitzt einen wohlriechende Duft im ganzen Raum verbreitet. Weihrauch schenken sie Jesus, um ihm zu zeigen: Wir suchen einen, der uns hilft, mit Gott näher in Verbindung zu kommen. Der Weihrauch als Geschenk erinnert daran, dass Jesus als Priester die Menschen mit Gott in Kontakt bringen wird. Myrrhe ist ebenfalls ein Harz, aus dem man ein bitteres, aber hoch wirksames desinfizierendes Medikament herstellt. Der bittere Beigeschmack deutet bereits Jesus Leiden und Sterben an“, erklärte der neue Guardian.

„Was können wir heute Jesus schenken, womit ihm eine Freude machen?“, stellte schließlich Pater Maximilian als Frage in den Raum. Die Geschichte „Erst eilig, dann heilig“ von Ludwig Burgdörfer gab dazu eine wertvolle Anregung. „Als Neuer in Vierzehnheiligen fühle ich mich als Anfänger mit leeren Händen. Jesus ist mein Strohhalm, an dem ich mich festhalten will. Zugleich weiß ich mich reich beschenkt, an einem so wunderbaren Ort mit so vielen Gottsuchern unterwegs sein zu dürfen, und freue mich auf unsere gemeinsame Zeit im oberfränkischen Bethlehem. Möge sie für viele zum Segen werden“, so der Franziskanerpater zum Schluss. Am Ende des Festgottesdienstes segnete Guardian Maximilian Wasser, Salz, Kreide sowie Weihrauch.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Pater Maximilian Wagner in Vierzehnheiligen

Auf den „heiligen Berg“ in Vierzehnheiligen übernimmt ab Januar 2021 Pater Maximilian Wagner das Amt des Wallfahrtsrektors der Basilika und des Guardians der Franziskaner-Gemeinschaft. Er tritt damit die Nachfolge von Franziskanerpater Guardian Dietmar Brüggemann an. „Mich persönlich haben die ersten neun Monate in Vierzehnheiligen und die dabei verbundene Leitungsverantwortung deutlich an meine Grenzen gebracht. Ich hab den Umfang und die Vielgestaltigkeit dieser Aufgabe wohl unterschätzt“, erklärte Pater Dietmar auf Nachfrage. „Ich bin der Provinzleitung der Franziskaner dankbar dafür, dass sie meine diesbezüglichen Bitte ernst genommen und einen Nachfolger für mich benannt hat“, fügte er an. Zugleich ist Pater Dietmar froh, dass er als zusätzlicher Seelsorger im „fränkischen Bethlehem“ bleiben und sich als stellvertretender Hausoberer einbringen kann.

Franziskanerpater Dr. Maximilian Wagner wird sich am Dreikönigstag (6. Januar 2021) den Gläubigen vorstellen. In den Gottesdiensten um 7.30 Uhr und 9 Uhr wird Pater Maximilian predigen, das Hochamt um 10.30 Uhr zelebriert er selbst. 2010 bis 2013 war Pater Maximilian in seiner Aufgabe als Generalvisitator der Provinz Austria (Österreich, Südtirol und Schweiz) als Wallfahrtsleiter und Hausleiter der „Klosters zum Mitleben“ auf dem Hülfensberg im Eichsfeld (Thüringen) eingesetzt. Die letzten sieben Jahre war Pater Maximilian in der Großstadtpfarrei St. Ludwig in Berlin Wilmersdorf Pfarrer einer Gemeinde mit 11000 Katholiken, zwei Kindergärten mit 150 Kindern und einem Hort der Katholischen Grundschule mit 220 Kindern. „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe und kann es kaum erwarten, alle bald persönlich kennen zu lernen. Nach all den vielen schönen Erlebnissen in Vierzehnheiligen möchte ich über viele Jahre – hoffentlich bald nach Corona – die Wallfahrten herzlich empfangen und mitgestalten, den Alltag und den Herausforderungen dieses besonderen Ortes meine ganze Kraft, Aufmerksamkeit und Liebe schenken und zähle da auf Unterstützung und Verständnis“, erklärte Pater Maximilian.

Arbeit ist Menschenrecht

„Ich weiß, der Herr, führt die Sache des Elenden, Recht verschafft er den Armen“, dieses Leitmotiv stand im Mittelpunkt eines Bittganges für Arbeitnehmer und Arbeitslose nach Vierzehnheiligen am Samstag (10.10.) mit Albert Müller, Diözesanpräses der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) der Erzdiözese Bamberg. „In diesem Bibelzitat erinnern wir an den Gott, der die Rettung der Armen zu seinem Wesenszug macht. Er will unser tätiges Mitgefühl mit denen, die in höchster Not sind, oder ihrem Elend entrinnen wollen. Für ein solidarisches Miteinander ist Vierzehnheiligen seit Jahrhunderten ein wichtiger Ort, an dem die Menschen ihre Sorgen hintragen und an dem sie sich angenommen fühlen“, erklärte Betriebsseelsorger und Pastroralreferent Norbert Jungkunz. Mitten in den Krisen, die durch Pandemie entstanden oder verschärft worden sind, schlossen sich Menschen zusammen. Menschen, deren Arbeitsplatz bedroht ist oder die ohne Erwerbsarbeit schon länger leben und Menschen, die die Würde des Menschen am Arbeitsplatz bedroht sehen.

So trafen sich am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels rund 50 Pilger und trugen ihre Bitten und Klagen, ihre Hoffnung und Fragen zu den 14 Nothelfern hoch. Auf dem gemeinsamen Weg wurden an vier Stationen Betroffene die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit durch Betroffene in Gebeten und Litaneien thematisiert.
„Systemrelevant ist der Mensch – Solidarisch aus der Krise“, so die erste Station. Nach fast zehn Jahren wirtschaftlichen Aufschwungs mit kontinuierlichem Beschäftigungszuwachs, guten Tarifverträgen und realer Lohnzuwächse, sorgt die weltweite Corona Pandemie für einen so noch nicht dagewesenen wirtschaftlichen Einbruch. Viele erkennen erst jetzt, wie stabilisierend ein starker Sozialstaat bei der Krisenbewältigung wirkt.
„Weg mit dem Markt“, hieß es an der nächsten Station. Die Coronakrise hat die Fehlentwicklung im Gesundheitswesen gnadenlos sichtbar gemacht. Die Krankenhäuser wurden in den letzten Jahren auf Effizienz getrimmt. Effizienz heißt, dass möglichst viele Patienten, die sich lohnen, mit möglichst wenig Personal in möglichst kurzer Zeit behandelt werden. Wo steht eigentlich geschrieben, dass im Gesundheitswesen Gewinne gemacht werden müssen?
„Soziale Sicherung – wichtig für unsere soziale Gerechtigkeit!“, lautete das Thema der nächsten Station, gestaltet von Mitgliedern der KAB. Der Sozialstaat ist dafür da, die individuellen Risiken des Lebens aufzufangen und die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen von uns allen so gut es geht auszugleichen. Er ist Garant des Versprechens auf Sicherheit, Solidarität und Gerechtigkeit.
An der letzten Station sprachen Mitarbeitende und Ehrenamtliche der Arbeitsloseninititiven über „Armut und Hartz IV. Die Würde des Menschen ist tastbar“. Ist es angemessen wenn ein deutscher Spitzenfußballer umgerechnet auf eine 40 Stundenwoche etwa 7800 Euro in der Stunde verdient. Wenn wir für den Mindestlohn arbeiten, erhalten wir 9,35 Euro. Das Einkommen der Top-Verdiener in der Bundesliga bewegen sich bei etwa 1,25 Millionen Euro im Monat. Für alleinstehende Hartz IV – Empfänger sollen monatlich 432 Euro plus Miete und Heizkosten ausreichend sein.

Im Anschluss an den Bittgang zelebrierte KAB-Präses Albert Müller einen Gottesdienst in der päpstlichen Basilika. Zu dieser mittlerweil 14. Veranstaltung hatte die katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der Diözesanverband Bamberg und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen eingeladen.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Dekanatswallfahrt 2020

Etliche hundert Meter Kabel werden seit Mittag durch die Wallfahrtsbasilika verlegt. Die Techniker kommen kräftig ins Schwitzen, ob ein fehlendes Tonsignal oder die schlechte Verbindung, immer wieder treten neue Probleme auf. Aber am späten Nachmittag war alles soweit, die Verbindung steht und so konnte pünktlich der Gottesdienst aus der päpstlichen Basilika per Live-Streaming übertragen werden. Vor der Basilika wurden im Übertagungswagen die einzelnen Kamerasignale geschnitten. Am Ende des Gottesdienstes zeigte sich das Fernsehteam mit der Qualität der Übertragung zufrieden. „Der Gottesdienst zur traditionellen Dekanatswallfahrt wurde wegen der Einschränkungen durch Corona von TV Oberfranken per Livestream übertragen.

Dass über 200 Gläubige des 2019 neu gegründeten katholischen Dekanats gemeinsam eine Fußwallfahrt nach Vierzehnheiligen unternehmen und anschließend in der Basilika dicht gedrängt einen gemeinsamen Festgottesdienst feiern, war daher undenkbar“, erklärte Dekan Lars Lebhan. Da aber gerade in Coronazeiten ein Zeichen der gemeinsamen Verbundenheit und der Hoffnung so wichtig ist, beschloss schließlich Dekan Rebhan mit dem Dekanatsausschuss in diesem Jahr neue Wege auszuprobieren, eine Übertragung des Wallfahrtsgottesdienstes aus der Basilika Vierzehnheiligen per Livestream.
Rund 50 Gläubige hatten sich im Vorfeld zu diesem Gottesdienst angemeldet, der unter dem Motto „Glauben verbindet“ stattfand. „Wir knüpften mit dem Dekan Coburg an die Tradition der Dekanatswallfahrt nach Vierzehnheiligen an. Aber was ist das Dekanat Coburg eigentlich?“, fragte Dekon Rebhan zu Beginn. Eine Antwort darauf brachte das Zwiegespräch zwischen Burkhard Fath und Lorenz Freitag. Dabei ging es über die Neustruktuierung im Erzbistum. Die Gemeinden Coburg, Lichtenfels, Weismain, Seßlach, Marktgraitz, Rödental, Ebensfeld, Bad Staffelstein, Bad Rodach und Modschiedel gehören zwar politisch zu den Landkreisen Lichtenfels und Coburg, aber kirchlich gehören sie zum Dekanat Coburg.

In seiner Predigt ging Dekan Rebhan auf die Erscheinungsgeschichte von Christuskind und den 14 Nothelfern in Vierzehnheiligen sowie der biblischen Erzählung vom brennenden Dornbusch und der wunderbaren Heilung der kranken Frau durch Jesus ein – drei ganz unterschiedliche Erzählungen. „Gott geht auf uns zu. Er zeigt sich uns in Erfahrungen, die wir wohl nicht immer ganz verstehen, aber wahrnehmen können. Solche Orte verbinden Menschen miteinander im Glauben. Menschen, die auch sonst vielleicht nicht so viel miteinander zu tun haben. Unser Glaube hat eine verbindende Kraft, über die Pfarrkirche hinaus und in unseren Alltag hinein. Begegnen wir einander bewusst und selbstbewusst als Christen, in den täglichen Begegnungen“, fügte Dekan Rebhan an. „Glaube verbindet“, wenn wir die Botschaft der drei Erzählungen aus dem Gottesdienst ernst nehmen: Die Botschaft von Gottes Wesen, auch durch manche Veränderungen sowie die Erfahrungen, dass Hilfe manchmal unverhofft kommt und das Wissen, das auch andere vor uns Durststrecken im Leben durchgestanden haben – dafür stehen auch die Biographien der 14 Nothelfer. „Schöpfen wir doch immer wieder aus dem Reichtum unserer Glaubensgeschichte. Gott zeigt sich uns heute vielleicht auf andere Weise, nicht ganz so direkt oder unvermittelt. Aber er findet Wege, uns nahe zu kommen“, so der Dekan zum Schluss.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Tiersegnung in Vierzehnheiligen

Einmal im Jahr, am Vortag zum Franziskusfest, laden die Franziskaner zu einer besonderen Andacht ein, bei der die Tiere gesegnet werden. Denn der Heilige aus Assisi gilt als Vorbild und Patron der Naturschützer. Bereits im 13. Jahrhundert rief Franziskus ins Bewusstsein, dass wir alle in der Natur Verantwortung und Fürsorge tragen.

Zahlreiche Herrchen und Frauchen hatten sich am Samstagnachmittag (Tag der Deutschen Einheit) auf dem Basilikavorplatz versammelt, um ihre vierbeinigen Lieblinge segnen zu lassen und den Schutz des heiligen Franziskus zu erbeten. „Wenn man die Nachrichten regelmäßig verfolgt, dann fällt auf, dass ausgerechnet Naturschutz immer mehr in den Fokus rückt. Erst kürzlich wurde gesagt, dass immer mehr Tierarten vor dem Aussterben stehen. Leider ist der Mensch dafür verantwortlich. Getrieben durch seinen Egoismus und seiner Gier nach immer mehr Profit, nimmt der Mensch die Zerstörung der Natur in Kauf“, so Franziskanerpater Stanislaus in seiner Predigt. Sein Mangel an Rücksicht auf die Schöpfung führt letztendlich zu einer Selbstzerstörung. Doch leider betrifft es meist nicht die Verursacher selbst, sondern die nachfolgende Generation, stellte Pater Stanislaus fest. „Wer sich um die Erhaltung der Schöpfung bemüht, der wird wie Noach mit dem Segen Gottes begleitet. Um diesen Segen zu erhalten, haben wir uns heute an diesem Wallfahrtsort versammelt und bitten darum, dass die Menschen vernünftig mit der Natur umgehen, damit auch die Tiere an dem Segen Gottes teilhaben“, so der Franziskanerpater zum Schluss.
Nach Gebet und Gesang segenete Pater Stanislaus alle Tiere und Menschen und dann ging durch die Reihen und besprengte alle Lebewesen mit dem Weihwasser.

Hoch zu Ross waren in diesem Jahr etliche Pferdebesitzer und Reiterinnen aus dem Maintal dem „Heiligen Berg“ hoch getrabt.
Isabella aus Grundfeld hatte ihr vier Wochen altes Kälbchen Martha zur Segnung mitgebracht. Zu diesem Anlass schmückte sie „ihr“ Kälbchen extra mit einen Blumenkranz. Im Vorfeld hatte Isabella ihre Martha 14 Tage lang für den Ausflug „trainiert“.
Acht Bobtails (eine britische Hunderasse), von sieben Monaten bis sechs Jahre alt, kamen mit ihren Herrchen zur Segnungsfeier vorbei. Durch ihr üppige Fell wirkten die sympathischen Vierbeiner größer und massiger. „Wir waren erst auf dem Staffelberg, da haben wir durch Zufall von der Tiersegnung hier in Vierzehnheiligen erfahren“, erzählte ein Herrchen.
Ein absoluter Hingucker bei der Segnungsfeier waren sicherlich Drogo, Freddy und Flavius, drei Alpakas der Familie Weiß aus Wolfsdorf. Das Alpaka ist eine aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelform, die dort vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet wird.
„Seit vier Jahren komme ich regelmäßig zur Tiersegnung hierher. Damals bin ich durch Zufall nach Vierzehnheiligen gekommen“, erzählte Jessica aus Eisfeld, die in diesem Jahr ihre einjährige Hündin Sanny dabei hatten.

Text & Bilder: Gerd Klemenz