Fränkisches Mariensingen zum Rosenkranzmonat

Draußen weinte der Himmel, aber den Gläubigen in der Basilika Vierzehnheiligen gingen die Herzen auf. Das Mariensingen zu Ehren der Gottesmutter am vergangenen Sonntag, 08. Okt., wurde erstmals in diesem Jahr von Gruppen aus Heilbronn, von der bayerischen und fränkischen Rhön, Fulda und Volkach gestaltet. Kein einziger Platz war in der großen Basilika frei.

Der Rektor der Basilika, Pater Heribert Arens, erinnerte an die Jahrtausende alte Tradition der Marienverehrung. Er zitierte den bedeutende Minnesänger Walther von der Vogelweide: „Nun bitten wir dich, Mutter, und auch der Mutter Kind, die Reine und den Guten, dass sie uns Hüter sind. Ohn eure starke Hilfe kann keiner wohl gedeih‘n, und wer uns das bestritte, der muss recht töricht sein“. Pater Heribert wies darauf hin, dass Spenden für die Syrienhilfe der Franziskaner bestimmt seien. Und es kamen knapp 2.500 € zusammen. Alle Spenden wurden zu 100 Prozent über das Kommissariat des Heiligen Landes in Werl an die bedürftigen Menschen in Syrien weitergeleitet.

Kräftige Posaunenklänge von den Rhöner Blechbläser erfüllten die Basilika

Erhaben erklang dann die festliche Intrada zu Beginn, vorgetragen von den sechs Rhöner Blechbläsern, angeführt von Eduard Arnold aus Waldberg, der auch die Gesamtleitung hatte. Schlichte Harmonien, einfache Tonfolgen und Texte berührten in ihrer Bescheidenheit die Besucher.
Die Musik brachte eine Saite zum Schwingen, was Worte nicht ausdrücken können. Der Wechsel zwischen Gesang und Instrumentalmusik belebte das Konzert.

Die sanften Töne der Altblockflöte (Christine Ebert) kontrastierten zur kräftigen Tuba (Andreas Würker) und brachten ganz verschiedene Klangfarben in Einklang. Mit einem klassischen Solo auf der Gitarre und Gesang war Christine Ebert noch einmal zu hören. Die Alphorngruppe aus dem Rotbachtal erfreuten mit ihrem wohltuenden Klang Herz und Seele. Durch die Kombination mit zwei Flügelhörnern gestalteten sie ihren Vortrag noch abwechslungsreicher. Die Waldberger Wirtshaussänger hatten den Maßkrug zu Hause gelassen und luden zum Ave-Maria ein. Die wohlklingenden Männerstimmen waren getragen von großer Freude und Lebendigkeit.

Die Waldberger Wirtshaussänger überzeugten mit mehrstimmigen Gesang

Der fromme Karthäuser Dreigesang in ihrer traditionellen Tracht verehrte die Königin. Brigitta Kirch, Annette Kuh und Evi Semmle singen seit zehn Jahren miteinander. Die dreistimmige Vokalmusik der Frührenaissance hat es ihnen besonders angetan. Zum Schluss sangen alle das Marienlied „Meerstern, ich grüße…“, begleitet von den Rhöner Blechbläsern und der Alphorngruppe Rotbachtal. Die vielen überlieferten alten Marienlieder, die teilweise aus den Gesangbüchern verschwunden, sind erklangen wieder neu. Sie laden alle Christen ein, diese melodienreichen, sinnerfüllten Lieder zur größeren Ehre Gottes und der Gottesmutter Maria zu hören und zu singen.

Die Alphorngruppe aus dem Rotbachtal erfreuten mit ihrem wohltuenden Klang

Dass zum Fränkischen Mariensingen Gruppen aus verschiedenen Regionen kamen, habe seinen Ursprung bei einem Konzert im Franziskanerkloster Frauenberg in Fulda, erklärte Eddi Arnold unserer Zeitung. Mit dabei waren damals Franziskusschwestern aus Vierzehnheiligen. „Wir würden uns freuen, wenn das Mariensingen auch bei uns in der Basilika stattfinden könnte“, hätte Schwester Claudia Hink von der Ordensleitung gesagt.

Text und Bilder: Andreas Welz

Wallfahrt für Arbeitnehmer und Arbeitsuchende nach Vierzehnheiligen

Die 11. Wallfahrt „Arbeit ist Menschenrecht“ für Arbeitnehmer und Arbeitslose führte am vergangenen Samstag nach Vierzehnheiligen. Eingeladen hatte die Katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der Diözesanverband Bamberg und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen. Die Wallfahrt begann am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels. Auf dem gemeinsamen Weg zur Basilika verharrten die Gläubigen an vier Stationen. Dort wurden die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in der Arbeitslosigkeit in Gebeten und Meditationen thematisiert und eine Vision einer gerechten Welt entwickelt.

Manfred Böhm, Leiter des Arbeitnehmerpastorals, machte deutlich: „In den Köpfen, Herzen und Füßen ist die Wallfahrt inzwischen zu einem festen Bestandteil geworden. Die Basilika Vierzehnheiligen, die seit Jahrhunderten Ziel von Rat- und Hilfssuchenden ist, verheißt auch uns Heutigen Ruhe, Trost und innere Kraft“. Aber auch Ärger, Klage und Protest begleiteten die Pilgerreise. „Seit Jahrzehnten wächst der soziale Riss in unsrer Gesellschaft, ohne dass die jeweils herrschende Politik dem einen wirksamen Riegel vorschiebt“, so der Geistliche. Der wuchernde Reichtum der Wenigen und die Mittellosigkeit von immer mehr Menschen am unteren Rand der Gesellschaft seien zwei Seiten der einen Medaille, die eine gäbe es nicht ohne die andere. Mit der Teilnahme wollten die Wallfahrer deutlich machen, dass man nicht Gott und dem Mammon dienen könne.

Als besonderes Zeichen der Ermutigung und Wertschätzung empfanden die Wallfahrer, dass der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, Domkapitular Professor Peter Wünsche, den Weg nach Vierzehnheilige mit ihnen ging und dort die Eucharistie mit ihnen feierte. In seiner Predigt ging Wünsche auf die Zeit der Industrialisierung ein. Menschen bedienten große Maschinen, die Werte wurden von den Maschinen geschaffen und nicht von den Arbeitern. Sie waren eine geduldete Notwendigkeit. Natürlich sei heute manches anders, aber nicht frei von dem Denken, dass Kapital und Produktionsmittel die Werte mehr schaffen als die Menschen.

Gott zu dienen sei keine Schande, so der Domkapitular. Sich Gott zu unterstellen, mache nicht zum Sklaven, sondern frei. Dem Mammon zu dienen mache das Gegenteil. Es mache unfrei weil Besitz und Haben nie genug sind. Wer hat, will mehr, wer mehr besitzt ist selten zufrieden. Allein dem Geld zu dienen, mache blind für die Menschen und ihre Nöte und so mache es letztlich auch blind vor Gott. Und darin sh Professor Wünsche eine wichtige Aufgabe der Kirche, immer mehr zu fragen, wird dient wem? Dient die Wirtschaft dem Menschen? Dient Wachstum der Menschen? „Vergöttlichung des Habens ist unmenschlich und versklavt den Menschen. Wenn das Herz beim Geld ist, ist der Mensch tot wie das Geld und gefangen wie ein Schatz im Tresor“, stellte er fest. Gott wolle uns Frei und da habe die Menschheit noch eine große Aufgabe vor sich. „Da haben wir Christen noch eine große Aufgabe vor uns“, betonte der Geistliche.

Text und Bild: Andreas Welz

Transitusfeier – Heimgang des Hl. Franziskus von Assisi

In der zurückhaltend beleuchteten Basilika saßen am Abend des 3. Oktober etwa 80 Frauen und Männer, Schwestern aus dem Mutterhaus, Brüder aus dem Franziskanerkloster und viele Gäste, die gemeinsam mit den Schwestern und Brüdern den Heimgang ihres Ordensvaters, des Heiligen Franziskus von Assisi, feiern wollten. Am Abend des 3. Oktober 1226 ging er heim zu Gott.
Höhepunkt dieser Feierstunde war eine Lichtsymbolik: Nach dem Bericht über das Sterben des Heiligen wurde die Osterkerze entzündet, Zeichen der Auferstehung und des unzerstörbaren Lebens. Alle Teilnehmer kamen dann zur Osterkerze, entzündeten daran schlanke kleine Kerzen und steckten die in bereitgestellte, mit Sand gefüllte Schalen. Das Hoffnungslicht des Franziskus wurde zum Hoffnungslicht für alle Anwesenden.


Zu Beginn der Feier hatte P. Stanislaus, der die Feier gestaltet und geleitet hat, die Anwesenden mit diesen Worten in die Feier eingeführt:
Im Laufe des Jahres begehen wir viele Feste – Geburts- oder Namenstage, Jubiläen und andere fröhliche Festtage. Heute haben wir uns zu einem ganz anderen Anlass versammelt: um den Tod – besser gesagt – um den Transitus, den Hinübergang des Hl. Franziskus nicht nur zu begehen, sondern auch zu feiern.
Kann man überhaupt einen Tod feiern? Beim Hl. Franziskus lautet die Antwort: Ja! Der Bericht des ersten Biographen erläutert seine Einstellung zum Tod – den er seinen Bruder nennt – genauer: Sein irdisches Leben erreicht im Sterben den Höhepunkt, und er freut sich sogar darauf.
Vom Hl. Franziskus können wir lernen, wie wir in und mit der Schöpfung Gottes leben sollten, um IHN zu erfahren und uns auf die endgültige Begegnung mit unserem Gott zu freuen.
Vor seinem Sterben hatte Franziskus den Wunsch, dass sein Sonnengesang gesungen wird. Dieser Sonnengesang rundete auch die Feier in der Basilika ab.

 

Segnung von Tieren und Menschen

Die Segnung von Tieren und Menschen auf dem Basilikaplatz von Vierzehnheiligen ist in jedem Jahr ein spannendes Ereignis für Vier- und Zweibeiner. Traditionell findet sie am Todestag des Ordensstifters Franz von Assisi statt (3. Oktober 1226). Der Guardian des Franziskanerklosters Pater Heribert Arens und seine Mitbrüder Alexander Weissenberger und Stanislaus Wentowski führten die Jahrhunderte alte Tradition fort. Pater Heribert erinnerte daran, dass der Mensch nach franziskanischer Überzeugung Verantwortung für die Mitgeschöpfe und die gesamte Natur trage. Er wies darauf hin, dass Tiere Geschöpfe Gottes sind, die wie wir Menschen unter Gottes Schutz stehen. Ihnen gebühre Ehrfurcht, weil diese Ehrfurcht allem Geschaffenen gilt. „Die Ehrfurcht vor ihnen sei nicht zuletzt Ausdruck der Ehrfurcht vor ihrem Schöpfer“, sagte er.

An einem Beispiel machte der Franziskaner die Tierliebe des Ordensgründers deutlich. Er hätte, so die Legende, einmal den Vögeln mit den Worten gepredigt: „Gar sehr müsst ihr euern Schöpfer loben und ihn stets lieben. Er hat euch Gefieder zu Gewand und Fittiche zum Flug gegen und alles was ihr nötig habt. Vornehm machte euch Gott unter seinen Geschöpfen, und in der reinen Luft schuf er euch Wohnung. Ihr sät und erntet nicht und doch schützt und leitet er euch, ohne dass ihr Euch um etwas kümmern müsst“.

Franziskusschwester Milagros liebt die Tiere

Pater Alexander ließ sich die Namen der Tiere geben, ehe er sie mit Frauchen segnet

Während der Ansprache hatte sich der Platz mit Vierbeinern und ihren Herrchen und Frauchen gefüllt. Aus Königsfeld bei Hollfeld hatte Barbara Schwengler die beiden Kaltblüter Sepo und Max mitgebracht. Die Pferde blickten etwas überheblich auf das Hundevolk unter ihnen herab. Franziskusschwester Milagros hielt es nicht bei einer großen Feier im Mutterhaus: „ich liebe die Tiere“, sagte sie und streichelte den edlen Warmblütler, der seine Reiterin aus Weidhausen auf den heiligen Berg getragen hatte.

Am 3. Oktober, dem Vorabend des kanonischen Gedenktages des heiligen Franziskus, denken die Franziskaner besonders seiner Sterbestunde. Dieses Fest nennen sie Transitus. Die Texte des Thomas von Celano, des Biografen des heiligen Franziskus beschreiben die letzten Stunden seines Lebens auf sehr innige Weise. So kommt es, dass sich im Laufe der Zeit in jedem Kloster eine je eigene Tradition entwickelt hat. „Die Tiere sind uns anvertraut und wir ziehen sie im Auftrag Gottes groß“, sagte Pater Stanislaus. Der Segen, den die drei Patres spendeten, sollte alle anwesende Tiere vor Gefahr und Krankheit schützen.

Text und Bilder: Andreas Welz

Für Pater Stanislaus standen anlässlich des Tags des Heiligen Franziskus die guten Wünsche für Vierbeiner und Co. im Fokus

Erntedankfest in Vierzehnheiligen

Rotbackig leuchteten die Äpfel. Das Brot duftete bis in die ersten Reihen. Die Flechtkörbe mit Kartoffeln oder Mohrrüben quollen über. Den Altar säumten Brote und bunt leuchteten die Blumen. Daneben machte sich gold-orange ein Kürbis breit. Nicht zu vergessen, die herrlichen Weintrauben – die Früchte des Sommers. Die Orgel jubilierte und Hörnerklang erfüllte die Basilika in Vierzehnheiligen. Es war ein Fest für alle Sinne.

Selten war die Kirche so schön geschmückt wie am vergangenen Sonntag, dem Erntedanktag am 01.Okt. Zu Beginn der Messe überbrachte die Jugend der Obst- und Gartenbauvereine Grundfeld und Wolfsdorf Erntegaben, die sie vor dem reich geschmückten Hauptaltar niederlegten. Darüber schwebte die kunstvoll geflochtene Erntekrone. Mit der Gestaltung des Altars brachten die Gläubigen zum Ausdruck, dass sie, neben der eigenen Arbeit, vor allem dem Schöpfer der Welt die Grundlage ihres Lebens verdanken. Sich an den Gaben zu erfreuen, dafür zu danken und sie schließlich miteinander zu teilen, darin zeigte sich: der Mensch ist gebunden an die Natur, an Gott und an die Menschen, mit denen er sein Leben auf dieser Erde teilt.

Die Jugend der Gartenfreunde aus Grundfeld und Wolfsdorf brachten die Erntegaben

Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Einige hatten Klappstühle mitgebracht, die meisten standen dichtgedrängt und lauschten den Worten der Predigt. Und die sprachen ihnen aus der Seele. Gott dem Schöpfer geben wir dann recht die Ehre, wenn beides zusammenkommt: Der Dank für alles, was mit Seinem Segen gewachsen ist, uns nährt und wir genießen dürfen, und gleichzeitig die Verantwortung für Menschen in Not und für Gottes Schöpfung. Franziskuspater Heribert Arens unterstrich: „Dank prägt den heutigen Tag“. Er teilte den Dank in Gaben, die unseren Hunger stillen. Da gehe es nicht um die Freude am Essen, sondern um die Ernährung, damit wir nicht verhungern.

Es gehe aber auch um Gaben, auf die wir Appetit haben, die wir uns auf der Zunge zergehen lassen. In der Fastenwoche werde Brot wieder zum Genussmittel. „Gott schenkt uns seine Gaben, damit wir sie genießen“, so der Pater. Darüber hinaus schenke Gott uns schöne Gaben, die uns staunen lassen. Viele seien in die Kirche gekommen und hätten sich am Anblick der Gaben gefreut. Die Gaben seien also nützlich, schmackhaft und schön. Eine Dimension, die oft vergessen werde, sei ein schön gedeckter Tisch, nicht in Junggesellenmanier. Die Menschen ernteten dank ihres Partners, ohne den sie nicht leben können. Sie genießen es in seiner Nähe zu sein und schließlich sähen sie mit den Augen der Liebe seine Schönheit. Pater Heribert fasste zusammen: Erntedank sei das was erhält, was wir genießen und schön finden.

Das Team der Basilika hatte nicht nur den Hauptaltar, sondern auch die Nebenaltäre kunstvoll dekoriert

Das Hochamt zum Erntedankfest wurde musikalisch mitgestaltet von einem holländischen Bläserensemble unter der Leitung von Professor Harry Ries. Am Ausgang verteilten die „Bachstelzen“ der Gartenfreunde Grundfeld und die „Lindenkids“ der Gartenfreunde Wolfsdorf Äpfel an die Gottesdienstbesucher.

Text und Bilder: Andreas Welz

Ökumenische Dekanatswallfahrt Lichtenfels / Michelau

Gemeinsam pilgerten am Sonntag dem 24. Sept. evangelische und katholische Christen den Weg hinauf zur Basilika und lebten in Gesang und Gebet ihren Glauben an Jesus Christus. Rund 200 Gläubige aus dem katholischen Dekanat Lichtenfels und dem evangelischen Dekanat Michelau nahmen an der ersten ökumenischen Wallfahrt nach Vierzehnheiligen teil. Höhepunkte waren der Gottesdienst und die anschließende Lichterprozession vom Haus Frankenthal zur Basilika.

Besonderen Dank zollte Franziskanerpater Stanislaus, der ehemalige Guardian des Klosters Kreuzberg, und hieß alle Wallfahrer willkommen. „Sie machen deutlich, was das Zentrale auf heiligen Berg ist: das Lob Gottes”, sagt er. Den Gottesdienst gestaltetet Stadtpfarrer Georg Birkel von der Pfarrei St. Kilian in Bad Staffelstein, die evangelische Pfarrerin Tanja Vincent aus Schney, die stellvertretende Dekanin Anne Salzbrenner von der evangelischen Gemeinde Lichtenfels und acht Ministranten der katholischen Gemeinde Redwitz.

Von links: Pfarrerin Tanja Vincent, Pfarrer Georg Birkel, Pfarrerin Anne Salzbrenner

Es ging bei der Wallfahrt nicht um Wieder-Vereinigung der Konfessionen, sondern um Weiter-Vereinigung. „Wir sind schon eins, weil wir alle zum Leib Christi, zur Kirche gehören, und nun ist es unsere Aufgabe, alles zu tun, dass das auch sichtbar wird: dadurch, wie wir miteinander umgehen, wie wir uns miteinander einsetzen für die Menschen, die in Not sind, wie wir miteinander auf das Wort Gottes hören und ihn anrufen im Gebet und Lobgesang“, umriss sinngemäß Pfarrer Birkel den Sinn der Ökumene. Pfarrerin Salzbrenner stellte das allmähliche Zusammenwachsen der Konfessionen fest und erinnerte an die Zeit als sie vor über 20 Jahren nach Lichtenfels kam: „Damals war eine gemeinsame Wallfahrt undenkbar“.

„Durch die eine Taufe sind die Christen hineingenommen in den einen Leib Christi“, sagte Pfarrer Birkel und Pfarrerin Salzbrenner ergänzte in der gemeinsamen Dialogpredigt: „Auch wenn wir uns in manchen Punkten unterscheiden, wir gehören zutiefst zusammen, hier liegt der Grund aller Ökumene“. Das hätten am 30. Juli 350 Paare beim ökumenischen Ehefest in der Basilika bewiesen, so Pfarrer Birkel. „Es fällt uns manchmal schwer die anderen als Geschwister anzuerkennen. Wir sind uns manches schuldig geblieben und bitten Gott um Vergebung“, machte die Pfarrerin deutlich. Beide unterstrichen: „Wir wollen den Weg weitergehen mit Jesus in der Mitte“.

Dieser Gedanke wurde auch im Lukasevangelium mit der Emmausgeschichte deutlich, die Pfarrerin Tanja Vincent vortrug. Die Geschichte von Jesus und den beiden Emmaus-Jüngern ist eine der am schönsten erzählten Weg-Geschichten in der Bibel. Sie schildert den Tod und Weggang Christi und korrespondiert mit seiner die Rückkehr. Auf dem Weg nach Emmaus erkennen die Jünger Christus nicht, erst bei der Mahlszene erkennen sie ihn, als er das Brot bricht, dankt und es austeilt.

Der Gospelchor „Good News“ begleitete die Andacht

Zu der biblischen Geschichte hatten die katholischen Christen aus Redwitz ein Gebet vorbereitet: „Wenn wir um Einheit beten, dann wollen wir Schritte aufeinander zugehen, dann geben wir die Hoffnung nicht auf, dass wir uns nicht weiter voneinander entfernen“. Das Flugblatt zierte ein Bild von den Emmausjügern, die Jesus umarmt als er das Brot teilt. Mit Gospelgesängen und Spirituals in der Bearbeitung zeitgenössischer Komponisten setzte der Gospelchor „Good News“ aus Bad Staffelstein unter der Leitung von Johannes Brüggemann musikalische Akzente.

Text und Bilder: Andreas Welz

Kirchweihfest in Vierzehnheiligen

Wenn Steine beginnen zu reden, dann haben sie viel zu erzählen. Am Kirchweihsonntag in Vierzehnheiligen erzählten sie mit dem Rektor der Basilika Pater Heribert Arens die lange Geschichte des Bauwerks, das am 14. September 1772 vom Bamberger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim geweiht wurde. Der Franziskaner ließ die Gläubigen beim Festgottesdienst aufhorchen: „Wer behauptet da, Steine könnten nicht reden? Man muss nur genau zuhören, dann versteht man ihren steinigen Akzent“.

„Wir sind dem Baumeister Balthasar Neumann dankbar, dass sich um die spirituelle Mitte des Gotteshauses viele Gedanken gemacht hat“, übersetzte Pater Heribert die steinigen Worte. Dankbar waren sie den Stuckateuren von Wessobrunn für das Make-Up, der wunderschöne Stuck sei eine Botschaft an die Pilger. Die Nothelfer zeigten sich lebendig am Gnadenaltar. Die Steine hatten aber auch etwas auszusetzten: „Lieber Stuckateur Franz Xaver Feuchtmayer den Dionysos hättest du etwas appetitlicher machen können“. Der Kirchenmaler Giuseppe Appiani zollten die Steine Respekt. Er habe durch seine Fresken zum Ausdruck gebracht, dass Jesus die Mitte ist. Dadurch wurde die Basilika zur Weihnachtskirche.

Dann beschrieb der Pater mit den Worten der Steine den Geist des Gotteshauses, das seit 245 Jahren immer wieder gefüllt ist. Sogar die Beichtstühle werden noch benutzt. Abertausende von Pilgern kommen nach langen Wegen erschöpft und glücklich an, einige mit Tränen in den Augen. Freude über die Kinder und Ärger wenn sich Erwachsene aufregen. Gelegentlich sind sie aber auch stinksauer: „Viele wissen nicht mehr, was eine Kirche ist und behandeln mich wie ein Museum – und selbst im Museum würden sie sich gesitteter verhalten“. Am glücklichsten sind die Steine, wenn Menschen beten und Gott feiern: „Dann wissen wir, was wir sind – ein Gotteshaus“.

Regionalkantor Georg Schäffner dirigierte Chor und Orchester der Basilika Gößweinstein

Das Hochamt zum Kirchweihfest wurde mitgestaltet vom Basilika-Chor und Orchester der Basilika Gößweinstein unter der Leitung von Regionalkantor Georg Schäffner. Zur Aufführung kam Mozarts „Missa Brevis“ in C-dur KV 220 – die sogenannte Spatzenmesse. Schäffner verzichtete auf eine Zerstückelung des Ordinariumstextes in einzelne Nummern, auf ausgedehnte abgeschlossene Solosätze, auf Schlussfiguren sowie überhaupt auf kontrapunktische Abschnitte. Damit fügte sich das Konzert harmonisch in den Festgottesdienst ein.

Text und Bild: Andreas Welz

Kräutersegnung zum Hochfest „Mariä Aufnahme in den Himmel“

Die Basilika Vierzehnheiligen legte gestern ihr schönstes Festtagskleid zur Mariä Himmelfahrt an. Vor dem Hochaltar und im Kirchenschiff waren alle Kerzen angezündet, weiße Gladiolen kontrastierten zum satten Grün des Oleanders und gelbweiße Fahnenbänder reichten bis zur Kuppel über dem Hauptaltar. Seit dem frühen Morgen pilgerten die Gläubigen zum „heiligen Berg“ und zollten der Gottesmutter Tribut.

Das Hochamt mit Kräutersegnung zum Hochfest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ gestalteten Pater Hans-Günther Beißler aus Betzdorf-Bruche an der Sieg, Kaplan Johannes Saffer von der Pfarrgemeinde St. Elisabeth in Creidlitz und der Guardian des Franziskanerklosters Vierzehnheilgen Pater Heribert Arens. An der Riegelorgel zog Markus Ritzel alle Register, sein virtuoses Spiel bildete den feierlichen Rahmen des Gottesdienstes.

Mariä Himmelfahrt ist das Hochfest der Aufnahme Marias, der Mutter Jesu, in den Himmel. Nach Marias Tod fanden die Apostel in ihrem Grab den Leichnam nicht mehr vor, stattdessen aber duftende Blumen und Kräuter. Vor diesem Hintergrund werden zu Mariä Himmelfahrt Kräuter zu Sträußen gebunden und in den Gottesdiensten geweiht. In Vierzehnheiligen verliehen die Grundfelder Bachstelzen, die Jugendgruppe der Gartenfreunde, dieser Tradition Ausdruck aber auch zahlreiche Gläubige hatten Sträuße mit Kräutern und Blumen mitgebracht, die Pater Heribert nach dem Hochamt weihte.

Pater Heribert begrüßte die Gläubigen mit den Worten „Willkommen im Land der Macher“. Es sei gut wenn Leute etwas machen – es gebe aber zu viele die nichts machen. Es beschlich ihn ein Unbehagen: „Die Macher überschätzen sich oft und sind mit ihrem Latein schnell am Ende, ich mag diese Macher nicht sonderlich“. Der zweite Gedanke galt den Mitmachern. Gott sagt: „Ich habe noch ein paar mehr Ideen als ihr -macht mit“. Wir müssten füreinander da sein, Liebe statt Hass predigen, Versöhnung statt Krieg. Zur jüngsten globalen Bedrohung empfahl er den Mächtigen: „Gespräch statt Kriegsdrohung – Lieber Leben als Tod“.

Unter dem Eindruck des hohen Festes hatte der Pater einen dritten Gedanken: „Willkommen im Land der Beschenkten“. Himmel, Vollendung und Gottes Nähe könne man nicht machen. Daher sei vieles im Leben ein Geschenk. Die Liebe eines Menschen, das Lachen eines Lindes, die Gesundheit, das Wetter. „Du kannst es nicht machen es ist ein Geschenk“, so der Geistliche. Erst recht der Himmel werde uns geschenkt. Und der Glaube sei ein Geschenk, wie die Liebe. So wiederholte Pater Heribert zum Schluss seiner Predigt: „Willkommen im Land der Beschenkten“.

Bildtext:
Die „Grundfelder Bachstelzen“ führten, in Weihrauchwolken gehüllt, zu Beginn des Gottesdienstes die Kräuterprozession an.

Sommerfest und 50jähriges Priesterjubiläumvon P. Heribert

Im Rahmen des Sommerfestes mit den Mitarbeitern, Ministranteneltern und Freunden von Vierzehnheiligen feierte Guardian P. Heribert am 21. Juli sein 50jähriges Priesterjubiläum. 
Im Gottesdienst hielt P. Ralf Preker, Landsmann von P. Heribert sowie Guardian und Wallfahrtsleiter am Wallfahrtsort Werl/Westfalen die Predigt.

Der Adler – so erzählt eine Tierfabel – hörte einst viel Rühmens von der Nachtigall und hätte gerne Gewissheit gehabt, ob alles auf Wahrheit beruhe. Darum schickte er den Pfau und die Lerche aus, sie sollten ihr Federkleid betrachten und ihren Gesang belauschen.
Als sie wiederkamen, sprach der Pfau: „Der Anblick ihres erbärmlichen Kittels hat mich so verdrossen, dass ich ihren Gesang erst gar nicht gehört habe.“ Die Lerche sagte: „Ihr Gesang hat mich so entzückt, dass ich vergaß, auf ihr Federkleid zu achten.“

Wem gehört Ihre spontane Sympathie? Dem Pfau oder der Lerche? Ich unterstelle Ihnen, dass Sie sich um eine positive Sicht auf das Leben und die Welt bemühen, vermute aber auch, dass deren „erbärmlicher Kittel“ Sie genauso wie mich oft genug verdrießlich macht. In der Tat: es gibt viel Beklagenswertes. Aber oft finden wir auch nur deshalb ein Haar in jeder Suppe, weil wir solange davor sitzen und mit dem Kopf schütteln, bis dann tatsächlich eins hineinfällt. Oft blockieren wir uns den Zugang zur Wirklichkeit, weil wir sie von vornherein durch die Brille der negativen Voreingenommenheit betrachten.
Ich sympathisiere mit der Lerche, die von der Nachtigall fasziniert war und dann Gutes erzählte. „Ihr Gesang hat mich so entzückt, dass ich vergaß, auf ihr Federkleid zu achten.“ Ich sympathisiere mit ihr wegen ihrer positiven Lebensoptik, wegen ihrer Fähigkeit, sich vom Positiven mehr berühren und beeindrucken zu lassen als vom Negativen.
Und damit bin ich bei Dir, lieber Heribert! Das habe ich in all den Jahren und Jahrzehnten bis heute an Dir besonders geschätzt und auch bewundert: Diese durch und durch positive Grundeinstellung, die Du ausstrahlst, die Offenheit, Zugewandtheit und Zugänglichkeit, Deine freundliche und humorvolle Art, Menschen zu begegnen, Dein wohlwollendes Interesse an ihnen, Deine Lebensfreude. Es ist ja nicht so, dass Du blind bist für den „erbärmlichen Kittel“ der Realität; doch der fordert eher Deine Kreativität und Deinen Ideenreichtum heraus – ob als Seelsorger, geistlicher Begleiter, Prediger, Buchautor oder als langjähriger Leiter unserer franziskanischen Bruderschaft: In allen Bereichen habe ich immer diesen lebensbejahenden, menschenfreundlichen und positiven Grundzug wahrgenommen.
Ursache dafür ist wohl nicht die eingangs erwähnte Lerche, vielmehr die Inspiration durch das Evangelium Jesu und die Spiritualität des hl. Franziskus. Die Freundschaftszusage Jesu, von der wir gerade gehört haben, ist zum Fundament Deines Lebens geworden.
Dieses Wort Jesu „Ich habe euch Freunde genannt, denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ hat freilich oft auch klerikalen Fehldeutungen und Missverständnissen Vorschub geleistet. Es meint nicht das exklusive Eingeweihtsein der Geweihten; Freunde Jesu sind nach dem Johannes-Evangelium alle Glaubenden. Wir alle sind in die Liebesgemeinschaft Jesu mit seinem Vater hineingenommen. Das JA Gottes zu den Menschen – das ist es, was Jesus mitgeteilt hat, das ist das Grund-Datum unseres Lebens.
Diese Liebeserklärung Gottes, sein JA, an alle Menschen weiterzugeben, was uns Christen allen aufgetragen ist, das hat sich P. Heribert vor 50 Jahren zum Beruf gemacht, dafür hat er sich in Dienst nehmen lassen. Als Freund Gottes ist er zum Freund der Freunde Gottes geworden.. Seine Berufung hat er darin gefunden, Menschen auf der Suche nach dem eigentlichen Geheimnis ihres Lebens zu begleiten, ihnen bewusst zu machen, dass Gott in ihrem Leben immer schon dabei ist, dass dieser Gott ihr Leben will und JA zu ihnen sagt.
Als Franziskaner hat P. Heribert Maß genommen an dem, den man oft den „zweiten Christus“ genannt hat. Franziskus bekam durch seinen innigen Umgang mit Gott andere Augen für die Wirklichkeit um sich herum. Er durchschaute das Vordergründige und fand hinter allen Bildern den Bildner selbst. Durch alles schien ihm die Güte Gottes hindurch, und deswegen sah er in allem Negativen auch noch das Positive, in allem Abstoßenden das Anziehende. Zu allem fühlte er sich hingezogen, glaubte er doch hinter allem Gott als den großen Magneten.
Vom Evangelium Jesu und der evangelischen Lebensart unseres Ordensgründers Franziskus hast Du, lieber Heribert, Dich inspirieren und Deine positive Grundeinstellung prägen lassen.
Im Blick auf die Vergangenheit und auf die Zukunft trifft m.E. ein Wort des großen Theologen Karl Rahner: „Was man als Gnade empfing, muss immer nochmals als Treue erworben werden.“ Das ist eine Kurzformel für das, was wir heute feiern: Die Gnade Gottes und die Treue eines Menschen. Dank Dir, lieber Heribert, und Dank dem, der Dich uns als Gottes- und Menschenfreund geschenkt hat.

Ökumenisches Ehefest in Vierzehnheiligen

350 Paare feierten am Sonntag ein ökumenisches Ehefest in der Basilika Vierzehnheiligen. Eingeladen hatten die Regionalbischöfin Dorothea Greiner aus Bayreuth und Georg Kestel, Generalvikar im Erzbistum Bamberg. Im Reformationsjubiläumsjahr 2017 sollte eine zentrale ökumenische Veranstaltung für und mit konfessionsverschiedenen Ehepaaren stattfinden. Denn häufig waren es diese Menschen, die unermüdlich und leidenschaftlich, manchmal auch leidvoll die Verständigung in ihren Herkunftsfamilien und zwischen den evangelischen und katholischen Gemeinden gefördert haben.

Dorothea Greiner machte in ihrer Ansprache deutlich: „Sie als konfessionsverbindende Paare haben beides gelebt oder zumindest versucht zu leben: Die eheliche körperlich-seelische Gemeinschaft zwischen Mann und Frau und die kirchliche geistlich-christliche Gemeinschaft zwischen den Konfessionen“. Sie bezeichnete die Pare als Brückenbauer zwischen den Konfessionen und bat um Vergebung. Die Kirche habe in den vergangen 50 Jahren vieles falsch gemacht. Sie betonte: „Eine treue, liebevolle Ehe bleibt unser Leitbild für die Gemeinschaft von Mann und Frau. Sie ist unbezahlbar, manchmal hart erarbeitet, immer ein großes Geschenk Gottes. Nach 36 Ehejahren sage ich das als Frau und als Regionalbischöfin“.

„Es ist eine wunderbare Ermutigung für unsere Kirchen, auf dem Weg voranzuschreiten, der für Sie Lebensalltag und zugleich Herausforderung ist“, betonte Georg Kestel. Es sei nicht selbstverständlich, in grundlegenden Fragen des Glaubens so einfühlsam zu werden, dass man bei der Frömmigkeit und Überzeugung des anderen wertvoll findet, was einem selber bisher eher fremd war. „Durch Sie haben wir Kirchenleute dazugelernt, wie man sich achten und verstehen lernen muss“, sagte er. Dabei hätten die Kirchenleute es den Paaren nicht leicht gemacht. Zu groß sei das Interesse, die Familien ganz in der eigenen Gemeinschaft zu wissen. Zu schroff waren vielfach die Regeln, wie man mit einander und vor allem mit Ihnen umgegangen ist. Bis in die 60-er Jahre galt die pastorale Zielsetzung, anlässlich einer kirchlichen Trauung am liebsten den Partner der anderen Konfession zum Übertritt in die eigene zu bitten – nicht nur von katholischer Seite.

Im Anschluss segneten zwölf Geistliche vor allen sechs Altären der Basilika die Paare. Aus dem Landkreis Lichtenfels waren die Franziskaner des Klosters Vierzehnheilgen dabei, der katholische Dekan Michael Schüpferling, der Leiter der Bildungshäuser Vierzehnheilgen Domvikar Elmar Koziel, die evangelischen Pfarrerinnen Tanja Vincent aus Schney, Sabine Schmid-Hagen aus Bad Staffelstein und Dekanin Stefanie Ott-Frühwald aus Michelau. Der Gospelchor „Good News“ aus Badstaffelstein unter der Leitung von Wolfram Johannes Brüggemann umrahmte den Gottesdienst musikalisch. Im Anschluss feierten die Paare das Ehefest im Diözesanhaus und ließen es mit Musik im Hof ausklingen.

Sie hatten zum Ehefest eingeladen: Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Generalvikar Georg Kestel. Mitzelebranten waren (von links): Dekanin Stefanie Ott-Frühwald, Dekan Michael Schüpferling, Dekan Hans-Martin Lechner aus Bamberg, Ökumene beauftragter des Kirchenkreises Bayreuth und Domvikar Elmar Koziel.

Text und Bild: Andreas Welz