Kräutersegnung zum Hochfest „Mariä Aufnahme in den Himmel“

Die Basilika Vierzehnheiligen legte gestern ihr schönstes Festtagskleid zur Mariä Himmelfahrt an. Vor dem Hochaltar und im Kirchenschiff waren alle Kerzen angezündet, weiße Gladiolen kontrastierten zum satten Grün des Oleanders und gelbweiße Fahnenbänder reichten bis zur Kuppel über dem Hauptaltar. Seit dem frühen Morgen pilgerten die Gläubigen zum „heiligen Berg“ und zollten der Gottesmutter Tribut.

Das Hochamt mit Kräutersegnung zum Hochfest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ gestalteten Pater Hans-Günther Beißler aus Betzdorf-Bruche an der Sieg, Kaplan Johannes Saffer von der Pfarrgemeinde St. Elisabeth in Creidlitz und der Guardian des Franziskanerklosters Vierzehnheilgen Pater Heribert Arens. An der Riegelorgel zog Markus Ritzel alle Register, sein virtuoses Spiel bildete den feierlichen Rahmen des Gottesdienstes.

Mariä Himmelfahrt ist das Hochfest der Aufnahme Marias, der Mutter Jesu, in den Himmel. Nach Marias Tod fanden die Apostel in ihrem Grab den Leichnam nicht mehr vor, stattdessen aber duftende Blumen und Kräuter. Vor diesem Hintergrund werden zu Mariä Himmelfahrt Kräuter zu Sträußen gebunden und in den Gottesdiensten geweiht. In Vierzehnheiligen verliehen die Grundfelder Bachstelzen, die Jugendgruppe der Gartenfreunde, dieser Tradition Ausdruck aber auch zahlreiche Gläubige hatten Sträuße mit Kräutern und Blumen mitgebracht, die Pater Heribert nach dem Hochamt weihte.

Pater Heribert begrüßte die Gläubigen mit den Worten „Willkommen im Land der Macher“. Es sei gut wenn Leute etwas machen – es gebe aber zu viele die nichts machen. Es beschlich ihn ein Unbehagen: „Die Macher überschätzen sich oft und sind mit ihrem Latein schnell am Ende, ich mag diese Macher nicht sonderlich“. Der zweite Gedanke galt den Mitmachern. Gott sagt: „Ich habe noch ein paar mehr Ideen als ihr -macht mit“. Wir müssten füreinander da sein, Liebe statt Hass predigen, Versöhnung statt Krieg. Zur jüngsten globalen Bedrohung empfahl er den Mächtigen: „Gespräch statt Kriegsdrohung – Lieber Leben als Tod“.

Unter dem Eindruck des hohen Festes hatte der Pater einen dritten Gedanken: „Willkommen im Land der Beschenkten“. Himmel, Vollendung und Gottes Nähe könne man nicht machen. Daher sei vieles im Leben ein Geschenk. Die Liebe eines Menschen, das Lachen eines Lindes, die Gesundheit, das Wetter. „Du kannst es nicht machen es ist ein Geschenk“, so der Geistliche. Erst recht der Himmel werde uns geschenkt. Und der Glaube sei ein Geschenk, wie die Liebe. So wiederholte Pater Heribert zum Schluss seiner Predigt: „Willkommen im Land der Beschenkten“.

Bildtext:
Die „Grundfelder Bachstelzen“ führten, in Weihrauchwolken gehüllt, zu Beginn des Gottesdienstes die Kräuterprozession an.

Sommerfest und 50jähriges Priesterjubiläumvon P. Heribert

Im Rahmen des Sommerfestes mit den Mitarbeitern, Ministranteneltern und Freunden von Vierzehnheiligen feierte Guardian P. Heribert am 21. Juli sein 50jähriges Priesterjubiläum. 
Im Gottesdienst hielt P. Ralf Preker, Landsmann von P. Heribert sowie Guardian und Wallfahrtsleiter am Wallfahrtsort Werl/Westfalen die Predigt.

Der Adler – so erzählt eine Tierfabel – hörte einst viel Rühmens von der Nachtigall und hätte gerne Gewissheit gehabt, ob alles auf Wahrheit beruhe. Darum schickte er den Pfau und die Lerche aus, sie sollten ihr Federkleid betrachten und ihren Gesang belauschen.
Als sie wiederkamen, sprach der Pfau: „Der Anblick ihres erbärmlichen Kittels hat mich so verdrossen, dass ich ihren Gesang erst gar nicht gehört habe.“ Die Lerche sagte: „Ihr Gesang hat mich so entzückt, dass ich vergaß, auf ihr Federkleid zu achten.“

Wem gehört Ihre spontane Sympathie? Dem Pfau oder der Lerche? Ich unterstelle Ihnen, dass Sie sich um eine positive Sicht auf das Leben und die Welt bemühen, vermute aber auch, dass deren „erbärmlicher Kittel“ Sie genauso wie mich oft genug verdrießlich macht. In der Tat: es gibt viel Beklagenswertes. Aber oft finden wir auch nur deshalb ein Haar in jeder Suppe, weil wir solange davor sitzen und mit dem Kopf schütteln, bis dann tatsächlich eins hineinfällt. Oft blockieren wir uns den Zugang zur Wirklichkeit, weil wir sie von vornherein durch die Brille der negativen Voreingenommenheit betrachten.
Ich sympathisiere mit der Lerche, die von der Nachtigall fasziniert war und dann Gutes erzählte. „Ihr Gesang hat mich so entzückt, dass ich vergaß, auf ihr Federkleid zu achten.“ Ich sympathisiere mit ihr wegen ihrer positiven Lebensoptik, wegen ihrer Fähigkeit, sich vom Positiven mehr berühren und beeindrucken zu lassen als vom Negativen.
Und damit bin ich bei Dir, lieber Heribert! Das habe ich in all den Jahren und Jahrzehnten bis heute an Dir besonders geschätzt und auch bewundert: Diese durch und durch positive Grundeinstellung, die Du ausstrahlst, die Offenheit, Zugewandtheit und Zugänglichkeit, Deine freundliche und humorvolle Art, Menschen zu begegnen, Dein wohlwollendes Interesse an ihnen, Deine Lebensfreude. Es ist ja nicht so, dass Du blind bist für den „erbärmlichen Kittel“ der Realität; doch der fordert eher Deine Kreativität und Deinen Ideenreichtum heraus – ob als Seelsorger, geistlicher Begleiter, Prediger, Buchautor oder als langjähriger Leiter unserer franziskanischen Bruderschaft: In allen Bereichen habe ich immer diesen lebensbejahenden, menschenfreundlichen und positiven Grundzug wahrgenommen.
Ursache dafür ist wohl nicht die eingangs erwähnte Lerche, vielmehr die Inspiration durch das Evangelium Jesu und die Spiritualität des hl. Franziskus. Die Freundschaftszusage Jesu, von der wir gerade gehört haben, ist zum Fundament Deines Lebens geworden.
Dieses Wort Jesu „Ich habe euch Freunde genannt, denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ hat freilich oft auch klerikalen Fehldeutungen und Missverständnissen Vorschub geleistet. Es meint nicht das exklusive Eingeweihtsein der Geweihten; Freunde Jesu sind nach dem Johannes-Evangelium alle Glaubenden. Wir alle sind in die Liebesgemeinschaft Jesu mit seinem Vater hineingenommen. Das JA Gottes zu den Menschen – das ist es, was Jesus mitgeteilt hat, das ist das Grund-Datum unseres Lebens.
Diese Liebeserklärung Gottes, sein JA, an alle Menschen weiterzugeben, was uns Christen allen aufgetragen ist, das hat sich P. Heribert vor 50 Jahren zum Beruf gemacht, dafür hat er sich in Dienst nehmen lassen. Als Freund Gottes ist er zum Freund der Freunde Gottes geworden.. Seine Berufung hat er darin gefunden, Menschen auf der Suche nach dem eigentlichen Geheimnis ihres Lebens zu begleiten, ihnen bewusst zu machen, dass Gott in ihrem Leben immer schon dabei ist, dass dieser Gott ihr Leben will und JA zu ihnen sagt.
Als Franziskaner hat P. Heribert Maß genommen an dem, den man oft den „zweiten Christus“ genannt hat. Franziskus bekam durch seinen innigen Umgang mit Gott andere Augen für die Wirklichkeit um sich herum. Er durchschaute das Vordergründige und fand hinter allen Bildern den Bildner selbst. Durch alles schien ihm die Güte Gottes hindurch, und deswegen sah er in allem Negativen auch noch das Positive, in allem Abstoßenden das Anziehende. Zu allem fühlte er sich hingezogen, glaubte er doch hinter allem Gott als den großen Magneten.
Vom Evangelium Jesu und der evangelischen Lebensart unseres Ordensgründers Franziskus hast Du, lieber Heribert, Dich inspirieren und Deine positive Grundeinstellung prägen lassen.
Im Blick auf die Vergangenheit und auf die Zukunft trifft m.E. ein Wort des großen Theologen Karl Rahner: „Was man als Gnade empfing, muss immer nochmals als Treue erworben werden.“ Das ist eine Kurzformel für das, was wir heute feiern: Die Gnade Gottes und die Treue eines Menschen. Dank Dir, lieber Heribert, und Dank dem, der Dich uns als Gottes- und Menschenfreund geschenkt hat.

Ökumenisches Ehefest in Vierzehnheiligen

350 Paare feierten am Sonntag ein ökumenisches Ehefest in der Basilika Vierzehnheiligen. Eingeladen hatten die Regionalbischöfin Dorothea Greiner aus Bayreuth und Georg Kestel, Generalvikar im Erzbistum Bamberg. Im Reformationsjubiläumsjahr 2017 sollte eine zentrale ökumenische Veranstaltung für und mit konfessionsverschiedenen Ehepaaren stattfinden. Denn häufig waren es diese Menschen, die unermüdlich und leidenschaftlich, manchmal auch leidvoll die Verständigung in ihren Herkunftsfamilien und zwischen den evangelischen und katholischen Gemeinden gefördert haben.

Dorothea Greiner machte in ihrer Ansprache deutlich: „Sie als konfessionsverbindende Paare haben beides gelebt oder zumindest versucht zu leben: Die eheliche körperlich-seelische Gemeinschaft zwischen Mann und Frau und die kirchliche geistlich-christliche Gemeinschaft zwischen den Konfessionen“. Sie bezeichnete die Pare als Brückenbauer zwischen den Konfessionen und bat um Vergebung. Die Kirche habe in den vergangen 50 Jahren vieles falsch gemacht. Sie betonte: „Eine treue, liebevolle Ehe bleibt unser Leitbild für die Gemeinschaft von Mann und Frau. Sie ist unbezahlbar, manchmal hart erarbeitet, immer ein großes Geschenk Gottes. Nach 36 Ehejahren sage ich das als Frau und als Regionalbischöfin“.

„Es ist eine wunderbare Ermutigung für unsere Kirchen, auf dem Weg voranzuschreiten, der für Sie Lebensalltag und zugleich Herausforderung ist“, betonte Georg Kestel. Es sei nicht selbstverständlich, in grundlegenden Fragen des Glaubens so einfühlsam zu werden, dass man bei der Frömmigkeit und Überzeugung des anderen wertvoll findet, was einem selber bisher eher fremd war. „Durch Sie haben wir Kirchenleute dazugelernt, wie man sich achten und verstehen lernen muss“, sagte er. Dabei hätten die Kirchenleute es den Paaren nicht leicht gemacht. Zu groß sei das Interesse, die Familien ganz in der eigenen Gemeinschaft zu wissen. Zu schroff waren vielfach die Regeln, wie man mit einander und vor allem mit Ihnen umgegangen ist. Bis in die 60-er Jahre galt die pastorale Zielsetzung, anlässlich einer kirchlichen Trauung am liebsten den Partner der anderen Konfession zum Übertritt in die eigene zu bitten – nicht nur von katholischer Seite.

Im Anschluss segneten zwölf Geistliche vor allen sechs Altären der Basilika die Paare. Aus dem Landkreis Lichtenfels waren die Franziskaner des Klosters Vierzehnheilgen dabei, der katholische Dekan Michael Schüpferling, der Leiter der Bildungshäuser Vierzehnheilgen Domvikar Elmar Koziel, die evangelischen Pfarrerinnen Tanja Vincent aus Schney, Sabine Schmid-Hagen aus Bad Staffelstein und Dekanin Stefanie Ott-Frühwald aus Michelau. Der Gospelchor „Good News“ aus Badstaffelstein unter der Leitung von Wolfram Johannes Brüggemann umrahmte den Gottesdienst musikalisch. Im Anschluss feierten die Paare das Ehefest im Diözesanhaus und ließen es mit Musik im Hof ausklingen.

Sie hatten zum Ehefest eingeladen: Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Generalvikar Georg Kestel. Mitzelebranten waren (von links): Dekanin Stefanie Ott-Frühwald, Dekan Michael Schüpferling, Dekan Hans-Martin Lechner aus Bamberg, Ökumene beauftragter des Kirchenkreises Bayreuth und Domvikar Elmar Koziel.

Text und Bild: Andreas Welz

Christophorustag mit Fahrzeugweihe in Vierzehnheiligen

Seit vielen Jahren wird in Vierzehnheilgen der Christophorustag mit einer Andacht und anschließender Fahrzeugweihe begangen. Am vergangenen Sonntag hielt Pater Heribert Arens die Andacht, in der er die Legende des Heiligen Christophorus erzählte. Der Hüne Reprobus – wie er ursprünglich geheißen haben soll – hatte ein gutes Herz und wollte seine Größe und Kraft in den Dienst eines noch Größeren, Mächtigeren stellen. Ein Einsiedler führte ihm vor Augen, dass dies nur Gott sein könne. Fortan stellte sich Reprobus in einen menschenfreundlichen Dienst: An einer tiefen Furt trug der bärtige Riese Reisende durch den reißenden Fluss.

Pater Heribert segnete vor dem Franziskanerkloster die Fahrzeuge

Als er eines Tages einen Knaben auf die Schulter nahm, so wird erzählt, trug sich das Kind anfangs sehr leicht. Doch je weiter sie kamen, desto schwerer schien es zu werden. In der Mitte des Stromes stöhnte Reprobus schließlich: „Kind, du bist so schwer, als hätte ich die Last der ganzen Welt zu tragen“. Der Knabe antwortete: „Wie du sagst, so ist es, denn ich bin Jesus, der Heiland. Und wie du weißt, trägt der Heiland die Last der ganzen Welt“. Am anderen Ufer angelangt, sagte das Kind zu ihm: „Du hast den Christ getragen, von jetzt an darfst du Christophorus heißen“.

Der Franziskuspater erinnerte an das Hochwasser im Jahr 2013, das große Flächen in Süd- und Ostdeutschland überschwemmte. Donau, Elbe, Mulde oder Saale waren zu reißenden Flüssen geworden, die Dörfer und Städte überfluteten. „Immer wieder waren Helfer zu sehen, die Menschen durch das Wasser trugen“, erinnerte sich Pater Heribert. „Da wurde die Christophoruslegende in unseren Tagen lebendig“.

P. Alexander mit einer Famlie bei der Fahrzeugsegnung

Nicht nur Wasser könne uns überschwemmen, so der Pater. Zum Beispiel die Werbung, in der wir zu ertrinken drohen. „Wer trägt uns durch diese Flut?“ fragte der Geistliche. Eine Flut von Sinnangeboten überschwemme unsere Gesellschaft, angefangen von der Kirche bis hin zu zweifelhaften Ratgebern. „Wer gibt Orientierung und Halt?“ Mancher Helfer von 2013 und 2014 habe vielleicht auch Christus durch die Flut getragen, ohne es zu wissen. „Menschen in den Überschwemmungsgebieten brauchten und brauchen unserer Hilfe“, war sich der Pater sicher. „Sie brauchen aber vor allem Christophorus, der Anteil nimmt. Nur wer Anteil nimmt, hebt das Kind auf seinen Schultern und trägt es durch die Flut“.

Auf dem Basilikaparkplatz segneten die Padres Johannes, Alexander und Heribert die Fahrzeuge. Manuela Möhrlein aus Bamberg war mit ihrer Honda CBR 500 gekommen. Sie hatte mit einem anderen Motorrad einen Unfall und hofft jetzt auf eine unfallfreie Fahrt.

Manuela war mit ihrer Honda aus Bamberg gekommen

Text u Fotos: Andreas Welz

Kindergartenkinder als Wallfahrer in Vierzehnheiligen

Am Montag, den 24.7.2017, pilgerten die kleinen Wallfahrer der Kindertagesstätte St. Christophorus aus Zapfendorf in die Basilika nach Vierzehnheiligen, um den Namenstag ihres Schutzpatrons zu feiern. Nicht nur das selbstgestaltete Bildstock des Heiligen Christophorus, sondern auch ein Kreuz und viele Fahnen wurden von den Kindern mitgetragen – wie es sich für eine Wallfahrt gehört.

Mit rund 75 Kindern zogen sie gemeinsam mit Pater Stanislaus in die Kirche ein, um zu singen und zu beten, und den Segen für sich und alle Angehörigen zu erhalten.

 

Nach dem kindergerechten Gottesdienst in der Basilika gab es auf den Stuffen das obligatorische Gruppenfoto.

Neues Buch von P. Heribert Arens

Wir tragen alle Verantwortung für das soziale Miteinander und müssen sensibel für den Einzelnen sein. Das ist die Botschaft, die Pater Heribert Arens in seinem neuen Buch „Menschen führen mit Franz von Assisi“ gibt.

Es gehe in diesem Buch um Frauen und Männer, denen die Führung von Menschen anvertraut ist und um die, die geführt, geleitet und begleitet werden. Wie ein roter Faden zieht sich die Kernaussage „Ehrfurcht vor der Würde des Menschen“ durch die 126 Seiten des Buchs. Die Achtung vor dem Individuum müsse an oberster Stelle stehen.

Die Führenden in Politik und Gesellschaft, auch in der Kirche, hätten den Blick für den Einzelnen verlorenen, bedauert der Buchautor. „Welcher Pfarrer einer Großgemeinde kennt noch seine Mitglieder“?, fragt er, „Wo hat die Kirche den Einzelnen noch im Blick?“ Der Trend zu immer größerer Strukturen beschleunige einen Prozess der Entfremdung. „Darum laufen uns die Gläubigen davon“, stellt der Geistliche fest. Das immer größer werdende Problem könne man lösen, wenn man die Strukturen verändere.

Im Jahr der Reformation lässt Pater Heribert, Guardian des Franziskanerklosters Vierzehnheiligen, die These Martin Luthers „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“, in einem anderen Licht erscheinen. Gerade den zweiten Satz der These sollten Verantwortliche beherzigen. Schon Franz von Assisi hatte seinen „Ministern“ (= Dienern), den Ordensoberen, eingeschärft, dass sie keine Macht ausüben sollen, sondern im Dienst der ihnen Anvertrauten stehen. Dabei sollten Menschenführer ein Vorbild sein. „Wer führen will, muss selber gehen“, so formuliert es Pater Heribert. Gehorsam sei selbstverständlich, aber jeder müsste für sich entscheiden, ob er ihn vor seinem eigenen Gewissen verantworten könne. Darum sei es auch wichtig, auf die Sprache zu achten. Wer Macht ausübt, neigt dazu, zu befehlen. Franziskus dagegen versucht es mit „raten“, „zu bedenken geben“, „fragen“, „bitten“ oder „ermahnen“. Das seien Sprechweisen in der Menschenführung, die dem anderen die Freiheit der Entscheidung lassen.

Ein wichtiger Gedanke in dem Buch ist das Zusammenleben der einzelnen individuellen Menschen. „Wann und wie kommt das ‚Ich‘ und das ‚Wir‘ zusammen?“, fragt Pater Heribert. Man solle sich selbst in die Gemeinschaft einbringen und dabei auf die anderen hören, rät er. Das setze Kompromissbereitschaft voraus. Nicht anordnen, sondern den gemeinsamen Weg finden sei die Voraussetzung für ein konstruktives Miteinander. Schon Franz von Assisi rief dazu Ordenskapitel ins Leben, die im Orden der Franziskaner heute noch alle wichtigen Fragen in einem Gesprächsprozess, im Reden mit- und Hören aufeinander entscheiden. Hier gelte es, Mehrheiten zu finden: „Viele ‚Ichs‘ kommen zusammen, die Frucht ist das ‚Wir‘“.

Für das Zusammenleben von Menschen gelten Regeln. Aber es gibt Situationen, in denen sie ihre Gültigkeit verlieren. Dafür habe der Ordensgründer Franziskus ein feines Gespür. Zum Beispiel als in der Fastenzeit ein Bruder vor Hunger nicht mehr ein- und auskonnte, habe er den Tisch decken lassen, mit ihm gespeist, aber danach wieder gefastet. Weit schwerwiegender sind Probleme in jüngster Zeit, wo oft die Gesetze weiterbestehen, aber die Wirklichkeit so verändert ist, dass sie ihr nicht mehr gerecht werden.

So bleibe zum Beispiel Wertschätzung der Ehe und ihrer Unauflöslichkeit auch heute bestehen, aber es gebe Situationen, in denen sich die Kirche mit dem Scheitern auseinandersetzen müsse. Die seien nicht mit einem „entweder – oder“ zu lösen. Da müsse man nach Wegen suchen und sie auch gehen, geschiedenen Wiederverheirateten den Segen Gottes für einen Neuanfang und die Teilnahme an der Kommunion nicht zu verweigern. Ähnliches gelte für andere Bereiche des menschlichen Lebens. Pater Heribert hat dazu seine persönliche Einstellung: „Ich gebe auch einem Wiederverheirateten und Christen anderer Konfessionen meinen Segen“, sagt er.

Das neue Buch besteht aus sieben Kapiteln, die in den Umschlagseiten kurz zusammengefasst sind und einem Vorwort vom Autor Pater Heribert Arens. Es ist in der Verlagsgemeinschaft „Topos Plus“ erschienen und in allen Buchhandlungen und an der Klosterpforte erhältlich. ISBN 978-3-8367-0024-5.

Neues Buch von P. Heribert Arens: „Menschen führen mit Franz von Assisi“

Der Autor (75) ist seit Ende 2010 Guardian des Franziskanerklosters in Vierzehnheiligen. Vorher hat er zehn Jahre lang das „Kloster zum Mitleben“ auf dem Hülfensberg geleitet. Von 1983 bis 1989 und von 1995 bis 2001 war er Provinzial der Nord-Ostdeutschen Franziskanerprovinz; zwischen den beiden Amtszeiten hat er die Novizen der Provinz in das Ordensleben eingeführt. Gerade bei den beiden letzten Aufgaben hat er viele Erfahrungen als Hintergrund für dieses Buch gesammelt.

Text und Bilder: Andreas Welz

Durchkreuzte Lebenspläne

Die Zelebranten des Gottesdienstes (von links). Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen, Pater Bernhard, Pater Heribert, Schwester Alexia

Lebensläufe von Menschen erleben Brüche: Träume zerbrechen, Hoffnungen platzen wie Seifenblasen, Erwartungen werden enttäuscht, Lebenspläne werden durchkreuzt. Solche Erfahrungen griff der ökumenische Segnungs- und Salbungsgottesdienst auf, zu dem die Franziskaner und die Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde Bad Staffelstein-Herreth am Freitag vor Pfingsten eingeladen hatten. Angesprochen waren Menschen, die an Lebensbrüchen leiden und sich nach Heilung sehnen – für sich selbst oder für Menschen in ihrer Nähe. In der Zusage göttlichen Segens und in einer Salbung mit Rosenöl sollte die heilende Kraft des Gottesgeistes hautnah erfahren werden.

Der Guardian des Klosters, Pater Heribert Arens, Pater Bernhard Braun, Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen und Schwester Alexia Hoderlein sprachen im Wechsel lyrische Texte zum Nachdenken. Trost spendete auch die Orgel. Basilikaorganist Georg Hagel verband die Texte mit besinnlichen Orgelmeditationen.

Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen beleuchtete in ihrer Ansprache Situationen in den Menschen hart getroffen am Boden liegen, sei es durch Tod des Partners oder durch Verlust der Arbeitsstelle. Ähnlich sei es dem Volke Israel ergangen als es im Exil an den Wassern von Babylon verzweifelte. „Hebet eure Augen in die Höhe und seht“, zitierte die Pfarrerin Worte aus dem Trostbuch des Jesaja. Sie seien gerichtet an verzweifelte Menschen, denen der Prophet neue Perspektiven eröffnen wolle. Die Menschen im Elend mit Grund zum Jammern und Weinen sollten Vertrauen auf die Macht Gottes haben. „Die aber, die dem Herrn vertrauen schöpfen neue Kraft, sie kommen Flügel wie ein Adler“, wiederholte sie die Worte des Propheten.

Das mag nicht an einem Tag geschehen. Das brauche seine Zeit. „Eines Tages kehren Die Kräfte zurück, langsam unmerklich zunächst, aber doch zu spüren“, versprach sie den Trauernden. Die Angst weiche zurück, Wut und Enttäuschung verlören ihre Kraft. Nach den ersten Schritten merke man: der Boden trägt. Man spüre die Sonne, den Wind und das Herz schlagen. „Ich sehe die Menschen neben mir und weiß: Ich lebe und breite die Arme aus und lasse mich tragen“, schloss die Pfarrerin ihre Predigt. Pater Heribert tröstete die Gläubigen mit den Worten: „Auch wenn Lebenspläne durchkreuzt sind, kann wieder neues Leben entstehen“.

Schwester Alexia zitierte die Parabel von dem gefangenen Adler, der zu den Hühnern im Hühnerhof gesperrt wurde. Alle Versuche, ihn wieder zu Fliegen zu bewegen, schlugen fehl. Bis ein Naturforscher ihn auf einen hohen Berg brachte. Der Adler schaute in die Sonne, erhob sich mit einem Schrei, flog höher und höher und kehrte nie wieder zurück.

Text und Bilder: Andreas Welz

Höhepunkt der besinnlichen Andacht war die Salbung mit Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen

Andacht zu Ehren der Muttergottes Maria

Maiandachten erfreuen sich im katholischen Franken großer Beliebtheit. Viele Kirchen und Kapellen werden im Marienmonat festlich mit Blumen geschmückt und es finden feierliche Gottesdienste statt. So auch in der Basilika Vierzehnheiligen. Die eindrucksvolle Andacht zu Ehren der Muttergottes Maria am vergangenen Sonntag wurde mit Liedern und Weisen aus dem fränkischen Raum in einer besonderen Art zelebriert: schlichte Harmonien, einfache Tonfolgen und Texte, die aber in ihrer Bescheidenheit die Besucher besonders berührte. Der Wechsel zwischen Gesang und Instrumentalmusik belebte das Konzert.

Die Klänge von „Salve Regina“ umschmeichelten das Gemüt. Die Maiandacht erfüllte alle mit tiefer Freude. Nicht umsonst finden sich seit Jahrzehnten zahlreiche treue Besucher in der Basilika dazu ein. Mit kraftvoller Stimme sangen sie das fränkische Marienlied: „O himmlische Frau Königin, du Welten Herrscherin. Du Herzogin von Franken bist, das Herzogtum dein eigen ist. Darum, o Mutter, deine Hand, halt über uns im Frankenland“. Der Lebensweg der Gottesmutter verlas Marion Töppke von der Musikgruppe Kemmärä Kuckuck. Franziskuspater Heribert Arens fügte eine Mariengeschichte hinzu und spendete den Segen. Es sangen und musizierten: Neunkirchner Torberg-Trio unter der Leitung von Otto Rehm und die Kemmärä Kuckuck (Hans-Dieter Ruß).

Text und Bild: Andreas Welz

Die „Kemmärä Kuckuck“ und das „Neunkirchner Torberg Trio“ begleiteten die Marienandacht

Verein der Freunde und Förderer der Basilika Vierzehnheiligen

Eine stolze Bilanz kann der Verein der Freunde und Förderer der Basilika Vierzehnheiligen nach zehn Jahren seines Bestehens vorweisen. Bei der Hauptversammlung am vergangenen Montag betonte Geschäftsführer Pater Heribert Arens: „Das Ziel, finanzielle und ideelle Unterstützung der Basilika, ist erreicht und das Angebot konnte qualitativ und quantitativ ausgeweitet werden“. Bei den Neuwahlen wurde der Vorstand mit Landrat Christian Meißner einstimmig bestätigt.

Die Mitglieder fördern die Wallfahrtstradition und -kultur, unterstützen schwache Pilger und Pilgergruppen, helfen bei der Pflege der Kirchenmusik in der Basilika, pflegen und aktualisieren das Informationszentrum in der Eingangshalle des Franziskanerklosters. Weiterhin wird die Forschungsarbeit zur Geschichte von Vierzehnheiligen unterstützt, sowie die Verbreitung der Nothelferverehrung und die Förderung der Kooperation mit anderen Wallfahrtsorten, vor allem mit Bethlehem/Israel. „Diesem Ziel haben sich die Freunde und Förderer verschrieben“, so der Geschäftsführer.

Die Faszination der Basilika lebe durch Besucher und Mitarbeiter. Freunde sagten: „Es ist gut, dass es Euch gibt, die die Basilika mit Leben füllen“, stellte der Franziskaner fest. Die Menschen, die kommen zu Gottesdienst und Gebet, die Mitarbeiter, die auf unterschiedlichen Ebenen die Kirche mit Leben füllen, die Mitarbeiter rund um Sakristei und Kirchenschmuck, die Kirchenmusiker, die den Raum zum Klingen bringen, die Franziskaner, die Gottesdienste feiern und Menschen seelsorglich begleiten. „Wir, denen Verantwortung für Vierzehnheiligen übertragen ist, sind dankbar, so viele Freunde und Förderer zu haben – bis hin zum staatlichen Bauamt, das den Bayerischen Staat vertritt, der seit 1803 Besitzer von Kirche und Kloster ist“, unterstrich Pater Heribert.

In seinem Rückblick hob er besondere Ereignisse hervor. So wurde eine Nothelferkirche in Bolivien mit 4000 Euro unterstützt. Im Mai 2010 stieg die Mitgliederzahl auf 195. Ein Jahr später übernahm Pater Heribert von Pater Benedikt die Geschäftsführung. In diesem Jahr wurde der Franziskusbrunnen auf dem Basilikaplatz neu gestaltet und das 200. Mitglied begrüßt. 2012 konnte der behindertengerechte Zugang zur Basilika mit Unterstützung des Bezirks Oberfranken fertiggestellt werden.

Bei den Neuwahlen 2013 konnte Landrat Reinhard Leutner wegen seines schweren Unfalls nicht mehr kandidieren. „Die Versammlung ist ihm von Herzen dankbar, denn nicht zuletzt durch seine Schubkraft ist der Förderverein in die Welt und in die Gänge gekommen“, betonte Pater Heribert. Sein Nachfolger wurde Landrat Christian Meißner. In diesem Jahr wurde auch das Gerüst an den Türmen aufgestellt und die dreihalbjährige Sanierung begonnen. Im Advent 2014 konnte das Provisorium des Zelebrationsaltars im Gnadenaltar ersetzt werden. 2015 finanzierte der Verein die neuen „Nothelfer-Liederbücher“. Im vergangenen Jahr stand die Assisi-Wallfahrt im Mittelpunkt und die Gerüste an den Türmen wurden im November entfernt. 2017 stieg die Mitgliederzahl auf 220 an.

Auch im laufenden Geschäftsjahr werden verschiedene Projekte unterstützt. Schatzmeister Raimund Köhler listete unter anderen die Unterstützung der Franziskaner in Bethlehem auf. Bildschirm und Kamera für den Seiteneingang der Basilika sind vorgesehen. Neue Huthaken benötigen die Kirchenbänke in der Basilika. Für das Infozentrum im Kloster gibt es einen Betriebskostenzuschuss.

Neuwahlen

Vorsitzender: Christian Meißner; Stellvertreter: Jürgen Kohmann; Geschäftsführer: Pater Heribert; Schatzmeister: Raimund Köhler; Schriftführerin Waltraud Kießling; Beisitzer: Rosi Jörig und Alfons Henning. Kassenprüfer: Walter Mackert und Richard Lurz.

Text und Bild: Andreas Welz

Vierzehnheiligenfest

Erzbischof Ludwig Schick hat zum Vierzehnheiligenfest am vergangenen Sonntag die dienende Aufgabe der Kirche betont: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“. Mit diesen Worten werde zusammengefasst, was im Neuen Testament grundgelegt sei und in der ganzen Tradition der Kirche immer gegolten habe: „Der diakonische und caritative Dienst gehört zur Kirche, wie das Amen zum Gebet. Ohne Caritas und Diakonie ist Kirche nicht authentisch, nicht Kirche Jesu Christi“, sagte der Erzbischof in der Basilika.

Caritas und Diakonie, die sich auf Jesus Christus, den Urdiakon, beriefen, dürften nicht unterscheiden zwischen Rasse, Hautfarbe und Religion: „Uns Christen treibt die Liebe Christi. Deshalb begegnen wir jedem in gleicher Weise“, so Erzbischof Schick. Nach dem Evangelium habe jeder Mensch eine unantastbare Würde, die ihm von Gott gegeben wurde, egal wie krank, wie alt, wie dement oder wie hilfsbedürftig er sei.

Diakonie und Caritas müssten immer den ganzen Menschen sehen und sich im Handeln auswirken. „Sowohl die fachliche Kompetenz als auch die menschenfreundliche Zuneigung müssen in den kirchlichen Einrichtungen hervorragend sein, das gilt für die Kinderpflege in unseren Kindertagesstätten, das muss für unsere Schulen, für unsere Beratungsstellen, Krankenhäuser, Sozialstationen, für Senioren- und Pflegeheime sowie Hospize gelten“.

Der katholische Kirchenchor mit Instrumentalbegleitung der Pfarrei St. Thomas von Aquin in Trockau unter der Leitung von Ottmar Schmitt gestaltete das Hochamt musikalisch. Am Nachmittag luden die Franziskaner zur Andacht mit Predigt ein. Bei der anschließenden Prozession in der Basilika wurden die vergoldeten Figuren der Nothelfer von Jugendlichen aus den benachbarten Orten auf Stangen mitgetragen. Pater Bernhard Braun trug das Allerheiligste und die Bläser aus Roth begleiteten die Chorgesänge. Der Rundgang um das Gotteshaus entfiel wegen des wechselhaften Wetters.

In seiner Ansprache wandte Pater Heribert Arens den Blick auf die drei eher unbekannten Nothelfer. Der kaiserliche Offizier Achatius, der unter Diokletian dem Kriegsdienst entsagte und hingerichtet wurde. Der Mut zur Nächstenliebe sei heute besonders aktuell, unterstrich der Franziskaner: „Wer steigt aus und wird zu Friedensstifter“? fragte er. Cyriakus sei wegen seines Glaubens in Rom enthauptet worden. Er hatte heilende Kräfte und vertrieb Dämonen. Auch heute würden Unbequeme zu Tausenden verhaftet. „Menschen in Not angreifen, Flüchtlingsunterkünfte anzünden – Cyriakus, in unserer Welt wirst du gebraucht“, wünschte sich Pater Heribert.

Chor mit Orchester aus Trockau

Der jüngste Märtyrer Vitus wurde mit sieben Jahren getauft. Seine heilenden Kräfte befreiten den Sohn Diokletians von der Besessenheit. Trotz Quälerei sei er seinem Glauben treu geblieben und dafür gestorben, erläuterte Pater Heribert. Er sei auch der Patron gegen das Bettnässen und werde mit Kessel, Nachtstopf und Hahn dargestellt. Zur Erheiterung der Gläubigen zitierte der Rektor der Basilika ein Mundartgedicht: „Heiliger Sankt Vit, weck mich nit zu spot, dass es nit ins Bett nein got“.

Text und Bilder: Andreas Welz