Nachprimiz in Vierzehnheiligen

Was macht ein Neupriester nach der Priesterweihe? Er feiert die Primiz in seiner Heimatgemeinde. Und danach ist es üblich, dass weitere Nachprimizen gefeiert werden. Immer an Orten, denen sich der neu geweihte Priester verbunden fühlt.
So ein Ort ist für Sebastian Heim auch Vierzehnheiligen. Am vergangen Samstag spendete der 34-jährige Neupriester im Rahmen eines Wallfahrtsgottesdienstes den anwesenden Pilger und Gläubigen den Primizsegen unter Einhaltung der aktuellen Corona-Bedingungen in der Wallfahrtsbasilika. Vor über 20 Jahren ist er das erste Mal mit der Sesslacher Wallfahrt nach Vierzehnheiligen gekommen und seitdem jedes Jahr wieder. „Wenn man sich dem Ziel nähert, die Basilika vor Augen hat und den letzten Anstieg hoch kommt, dann ist es fast so, als würde man eine „andere Welt“ betreten. Eine Welt oder ein Ort, der vom Glauben geprägt ist. Nicht steril, sondern ein lebendiger Ort, an dem der Glaube gelebt wird. Für mich heißt das, abschalten vom Alltag, eintauchen in ein Bad der Gnaden, die dieser Ort über Jahrhunderte ausstrahlt. Zur Ruhe kommen in der Basilika am Gnadenaltar, erzählt Sebastian Heim im Vorfeld.

Franziskanerpater Guardian Maximilian freute sich in den Grußworten, dass Sebastian Heim sich auf diesen Weg eingelassen hat und sein Leben ganz in den Dienst Gottes stellt. „Es ehrt uns, dass du mit uns heute in Vierzehnheiligen diesen Gottesdienst feierst und uns den Primizsegen erteilst. Dein Wunsch war es diesen Gottesdienst mit den Sesslachern Wallfahrer zu feiern, da du schon als Kind immer mit gewallt bist“, so Pater Maximilian weiter.

„Vierzehnheiligen ist ein Ort, an dem der Glaube keine untergeordnete Rolle, sondern die Hauptrolle spielt, weil hierher unzählige Pilger kommen. Es ist ein Ort, der nicht umsonst „Gnadenort“ genannt wird, an dem Gott uns Menschen besonders nahe sein will. Ein Ort, an dem der Legende nach dem Schäfer Hermann Leicht die 14 Nothelfer mit dem Jesuskind erschienen sind. Die 14 Nothelfer, von denen eigentlich immer einer in jeder Lebenslage nützlich ist“, so der Neupriester in seiner Predigt. Christopherus für die Reisenden, Blasius bei Halsleiden, Margaretha als Helferin der Mütter. „Aber das eigentlich spannende und meiner Meinung nach auch theologisch wirklich einleuchtende ist doch, dass das Jesuskind in ihrer Mitte erschienen ist. Die Heiligen sind immer die, die ihr ganzes Leben auf Christus ausgerichtet haben. Und das wird bei der Erscheinung der 14 Nothelfer hier deutlich. Die Heiligen, die in allen Lebenslagen für uns Menschen da sind und auf Christus verweisen und zu ihm führen. Eindrücklich dargestellt als Figuren am Gnadenaltar“, fügte er an. Hier an diesem Ort, kann der Alltag unten im Tal gelassen werden, wenn die letzte, teilweise anstrengende Etappe, der Aufstieg hinter einem liegt und man vom festlichen Geläut des Heiligtums der 14 Nothelfer begrüßt wird. „Hier am Gnadenaltar, kann man alles ablegen und zufrieden und gestärkt wieder nach Hause, in den Alltag zurückkehren. Mit dem Wissen oder der Gewissheit, dass wir nicht allein durch das Leben gehen müssen“, so der Neupriester zu Schluss seiner Predigt.

Die Sesslacher Wallfahrtsgruppe überreichte an Sebastian Heim eine „Wallfahrts-Standarte“. Am Ende des Gottesdienstes spendete der Neupriester zunächst den allgemeinen und anschließend für die zahlreichen Gläubigen, auch aus anderen Pfarreien den Einzelprimizsegen. Dabei legte der Neupriester den Gläubigen die Hände auf und sprach den persönlichen Primizsegen.

Sebastian Heim hat zehn Jahre als Altenpfleger in der Caritas-Sozialstation Coburg gearbeitet, bevor er sich entschied, Priester zu werden. Als Ministrant und Pfarrgemeinderat war er zudem schon jahrelang im Gemeindeleben aktiv. Er wurde 1986 in Coburg geboren und wuchs in Neundorf / Gemeinde Weitramsdorf auf. 2014/2015 absolvierte er das Propädeutikum in Bamberg und begann danach das Studium im überdiözesanen Priesterseminar in Lantershofen (Rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler). Das Pastoralpraktikum machte er 2019 im Seelsorgebereich Neubau in Neunkirchen am Brand. Im September 2020 empfing er die Diakonenweihe. Sebastian Heim aus Neundorf ist einer von 18 Männern, die in den bayerischen Diözesen zu Priester geweiht.
Sein Primizspruch: „Das ist mein Leib, das ist mein Leben; das bin ich selbst für euch!“

Juli 2021

Versammlung der Freunde und Förderer der Basilika Vierzehnheiligen 2021

Bei der Mitgliederversammlung der „Freunde und Förderer der Basilika Vierzehnheiligen e.V“ im Diözesanhaus standen neben den Neuwahlen der Vorstandschaft und dem Rechenschaftsbericht des Schatzmeisters auch der Antrag eines Mitgliedes über den Bau einer Kerzengrotte im Außenbereich der Wallfahrtsbasilika auf der Tagesordnung.

In vielen Gotteshäusern in der Region gibt es einen Ort an dem Kerzen angezündet werden können. In einer der größten und schönsten Basiliken gibt es eine solche Grotte oder Räumlichkeit bis jetzt leider nicht. „Gerade in schwierigen Stunden, wo manchmal nur noch wenig Hoffnung auf Besserung besteht, ist es vielen Wallfahrern und einheimischen Bürgern ein Anliegen, eine Kerze in Vierzehnheiligen anzuzünden. Auf Grund der Problematik, dass zu viele Kerzen zu viel Russ in die Basilika bringen, ist es verständlich, dass der Kerzenraum meistens abgesperrt ist. Das Einlegen der Kerzen in den Kasten neben dem Kerzenraum stellt jedes Mal eine Enttäuschung für viele Gläubige dar, wenn der Kerzenraum wieder geschlossen ist. Für die vielen Menschen, die den Weg nach Vierzehnheiligen suchen, ist die Symbolik des Anzündens einer Kerze, jedoch enorm wichtig“, so Vorsitzender Meißner, der den Antrag von Frank Mirsberger vortrug. „Wie bei vielen Wallfahrern und treuen Christen, ist es auch in meiner Familie der Fall, dass wir bei einem Anliegen oder in schwierigen Situation des Lebens, um den Schutz der 14 Nothelfer bitten oder auch einfach nur um Danke für ein gutes Gelingen zu sagen“, fügte der Vorsitzender an.

Unter dem „Punkt Verschiedenes“ wurde über diesen Antrag diskutiert. „Bereits vor zehn Jahren gab es eine solche Anregung, aber es scheiterte damals an verschiedenen Voraussetzungen. Schön, dass dieses Vorhaben jetzt wieder durch den Förderverein aufgegriffen wird“, so Alfons Hennig. In einer Diskussion wurden das Für und Wider besprochen. „Unsere Aufgabe als Verein muss es sein, einmal nachzudenken, wie man dieses Vorhaben auf den Weg bringen kann. Wie will man einem Kind erklären, du kannst hier keine Kerze anzünden, weil alle Plätze im Kerzenraum schon voll sind. Wenn man Kinder zum Glauben bringen wollen, gehört einfach in der katholischen Kirche auch das Anzünden einer Kerze dazu“, fügt Walter Mackert an. „Wir bemühen uns um eine vernünftige Lösung zu finden, entweder in oder außerhalb der Basilika. Bei der nächsten Mitgliederversammlung werden wir dann über unsere Bemühungen berichten“, so Christian Meißner.

Vorsitzender Christian Meißner erinnerte zu Beginn, dass im Vorjahr Corona-bedingt die geplante Mitgliederversammlung für das Jahr 2020 nicht stattfinden konnte. Somit müsse auch noch der Haushaltsplan 2020 nachträglich genehmigt werden. Über den aktuellen Mitgliederstand berichtet Meißner, dass dem Förderverein aktuell 216 Mitglieder angehören, somit vier weniger als im Vorjahr. Anschließend stellte sich Pater Maximilian Wagner den Mitgliedern als Rektor der Basilika vor und erinnerte dabei auch an die Wechsel im Guardianat. So verließ im Januar 2020 Pater Heribert Arens das Kloster und Pater Dietmar Brüggemann wurde sein Nachfolger als Guardian und Rektor der Basilika. Dieser wurde schließlich von der Vorstandschaft einstimmig zum Geschäftsführer des Fördervereins gewählt. Am Dreikönigstag 2021 erfolgte wieder ein Wechsel im Guardianat und Pater Maximilian übernahm das Amt des Wallfahrtsrektor der Basilika und des Guardians der Franziskanergemeinschaft. Pater Dietmar ist weiterhin vor Ort und als Seelsorger sehr gefragt.

Seit Juni finden wieder Orgelkonzerte statt, zuvor war diese Corona-bedingt nicht möglich.

Mit dem Glockenobjekt sowie die Renovierungsarbeiten an der Westfassade wurden zwei große Baustellen abgeschlossen. „Die Basilika hat sich äußerlich herausgeputzt für die Jubiläumen im nächsten Jahr. So feiert man 2022 den 250. Weihetag sowie die Erhebung zur „Basilca minor“ durch Papst Leo XIII. 1897“, so Pater Maximilian. „Wegen der noch offenen Rechnungen des Glockenprojekts im fünfstelligen Euro-Bereich musste die Kirchenstiftung jetzt einen Kredit aufnehmen. In normalen Zeiten hätten die Wallfahrer und die Basilikabesucher das Glockenprojekt engagiert mitfinanziert, so dass es inzwischen wohl nahezu abbezahlt wäre“, fügte der Guardian an.
Mit Blick in die Zukunft erwähnte der Guardian, dass 2024 eine Grundreinigung der Rieger-Orgel angebracht wäre. So eine Grundreinigung sollte alle 25 Jahre stattfinden (1999 wurde die Orgel eingebaut).

Aktuell leben und arbeiten insgesamt acht Franziskaner im Konvent, sechs Patres (davon sind vier über 80 Jahre alt), und zwei Franziskanerbrüder. Drei weitere Brüder sind im Mutterhaus zur Pflege untergebracht.

Schatzmeister Raimund Köhler, der seinen Kassenbericht offenlegte, wurde einstimmig entlastet. Kassenrevisor Walter Mackert stellte fest, dass alle Gelder dem Verwendungszweck entsprechend ausgegeben wurden. Vorsitzender Meißner informierte über Einnahmen und Ausgaben des Haushaltsplans 2021, den die Mitglieder einstimmig zustimmten.

Guardian Pater Maximilian informierte die Anwesenden über die aktuelle Vereinssatzung aus dem Jahre 2007 und ging dabei auf verschiedene Punkte ein. Die Vorstandschaft wird eine Neufassung ausarbeiten und diese im kommenden Jahr bei der Mitgliederversammlung zur Abstimmung vorlegen.

Bei den turnusmäßigen Neuwahlen wurden wie folgt gewählt:
1. Vorsitzender: Christian Meißner,
2. Vorsitzender: aktuell Vakanz (bis nach der Bgm-Wahl in Bad Staffelstein);
Geschäftsführer Pater Dr. Maximilian Wagner OFM;
Schatzmeister: Raimund Köhler;
Schriftführerin: Waltraud Kießling;
Beisitzer: Rosi Jöhrig und Alfons Hennig;
Kassenprüfer: Richard Lurz und Walter Mackert.

Text & Bilder: Gerd Klemenz
Juli 2021

Priesterjubiläum in Vierzehnheiligen

In der Basilika gedachten kürzlich Priester aus der Erzdiözese Bamberg ihrer Priesterweihe vor 25, 40, 50, 60 und 65 Jahren. Erzbischof Professor Dr. Ludwig Schick dankte ihnen für ihren langjährigen priesterlichen Dienst in der Erzdiözese und in der ganzen Kirche. An verschiedenen Orten und in der kategorialen Seelsorge seien sie tätig gewesen und sind es auch noch. „Die Pensionäre helfen bereitwillig und sehr willkommen in der Seelsorge mit. Namens des Erzbistums und der ganzen Kirche sage ich allen ein herzliches Vergelt’s Gott“, so der Bamberger Oberhirte zu Beginn.

Bereits einige Tage zuvor waren die Priesterjubilare zu Jubiläumsexerzitien unter dem Motto „Die Kraft des Gebetes“ in den Wallfahrtsort eingeladen. Im Diözesanhaus fanden diese unter der Leitung von Priesterseelsorger Pater Claus Bayer aus Weisendorf statt. Zum Festgottesdienst zogen die Jubilare von der Klosterpforte mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick, angeführt vom Kirchenschweizer Daniel Reitz, in die Aufgrund von Corona Auflagen nur spärlich besuchte päpstliche Basilika ein. Zunächst begrüßte Guardian Pater Maximilian die Geistlichen mit herzlichen Worten. Anschließend zelebrierte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick das Pontifikalamt, bei dem Georg Hagel alle Register der Rieger-Orgel zog. Der Erzbischof bedauerte zu Beginn seiner Predigt, dass in der medialen Öffentlichkeit die Priester derzeit vielfach herabgewürdigt und pauschal verurteilt oder verdächtigt würden. Hierbei würden die, die treu, tadellos und von den Gläubigen geschätzt – und das seien die meisten – nicht gesehen. „Das ist nicht gerecht. Sie wurden von Jesus gerufen und gesendet und haben in der Seelsorge, der Verkündigung des Evangeliums, in den Gottesdiensten und in der Caritas den Menschen und der Gesellschaft gedient“, so Schick.
Der Bamberger Oberhirte erinnerte an alle Priester, besonders die im priesterlichen Dienst ihr Leben verloren haben. Dabei wurde an die Kirchenmitarbeiter gedacht, die 2020 bei der Betreuung von Corona-Kranken gestorben sind. In Europa seien es 400 Priester gewesen. „Jesus Christus braucht für seinen Erlösungsdienst Priester, die in Wahrheit und Liebe, in Treue und Heiligkeit lebenslang ihren Dienst tun“, so der Erzbischof weiter. „Die Welt wird erlöst durch Wahrheit und Liebe, das hat Jesus Christus uns durch sein Leben, Leiden, Sterben und Auferstehung gelehrt“, fügte Schick hinzu. Für die Wahrheit und die Liebe zu leben, das koste etwas in dieser Welt. Wer sich aber darauf einlässt, der dürfe Vertrauen und Hoffnung haben. „Hab keine Angst, sondern Hoffnung, das sagt Gott. Der Glaube schenkt Hoffnung und bewahrt in der Liebe, auch in dunklen Stunden der Rückschläge, der Ablehnung und der Leiderfahrung. Gott wird mit uns sein Ziel, das Reich Gottes für alle, erreichen“, so der Oberhirte. „Sie haben sich in ihrem Leben, wie Jesus für die Erlösung vieler Menschen eingesetzt, etwa im Beichtstuhl oder bei Seelsorgegesprächen. Sie haben die Liebe Gottes verkündet und in den Sakramenten gefeiert. Dabei für Wahrheit und Liebe auch Rückschläge, Ablehnung und Verfolgung erfahren. Zugleich haben sie erlebt, dass dadurch Erlösung geschieht und Zukunft gestaltet wird. Für diese Erfahrung in ihrem Leben und für die Frucht, die sie zur Erlösung der Welt und dem Fortgang der Geschichte des Reich Gottes beigetragen haben, dafür danken wir ihnen heute“, so der Bamberger Erzbischof zum Schluss seiner Predigt.

Im Laufe des Pontifikalamtes erneuerten die Priesterjubilare ihr Weiheversprechen, das sie einst gegeben hatten.
Domkapitular i.R. Pfarrer i.R. Dr. Josef Zerndl dankte im Namen der Priesterjubilare Erzbischof Schick für die Worte des Dankes und der Ermutigung während des Gottesdienstes.

In diesem Jahr feiern aus der Erzdiözese Bamberg Jubiläum:
25 Jahre: Pfarrvikar Pater Robert Szarecki SAC (Nürnberg), Pfarradministrator Joseph Rajan Samuel Maria Michael (Scheinfeld), Pfarrer i.R. Martin Battert (Bamberg), Pfarradministrator i.R. Arpad Bernath (Pocking), Pfarrvikar Anton Heinz (Pressig), Regens Ewald Sauer (Bamberg), Pfarrer i.R. Günther Seel (Eggolsheim/Neuses).
40 Jahre: Pfarrvikar Patrice Mor Faye (Oberhaid), Pater Josef Thekkekara CMI (Heroldsbach), Pfarrer Henryk Chelkowski (Isling), Diakon a.D. Bernhard Thiel (Erlangen), Pfarradministrator Josef Czerepak (Simmelsdorf), Pfarrer Josef Hell (Pegnitz), Pfarrer Reinhold Seidl (Nürnberg), Diakon i.R. Dr. Karl-Werner Goldhammer (Bayreuth), Pfarrer Francis George Plakkil (Hirschaid).
50 Jahre: Pfarrer i.R. EGR Hans-Werner Alt (Wattendorf), Pfarrer i.R. EGR Franz Dittrich (Buckenhof), Pater EGR Josef Brandl SDB (Forchheim), Domkapitular i.R. Pfarrer i.R. Dr. Josef Zerndl (Scheßlitz), Pfarrer i.R. Georg Varghese Kalarickal (Assam/Indien), Pfarrer i.R. Dr. George Kocheekaranveetil (Altenkunstadt).
60 Jahre: Pfarrer i.R. EGR Georg Schumm (Bamberg), Prof. em Dr. Paul Hoffmann (Bamberg), Pfarrer i.R. EGR Brunolf Löhlein (Coburg), Pfarrer i.R. Msgr. Andreas Staub (Bayreuth).
65 Jahre: Pfarrer i.R. EGR Werner Malcherczyk (Langenzenn).

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Wallfahrtsführerkurs in Vierzehnheiligen

Die Freude an der Wallfahrt bewegt die Menschen seit Jahrtausenden. Heute lassen sich immer mehr Menschen von dieser Freude anstecken und brechen auf zu Wallfahrtsorten. Wallfahrt ist zu einer großen (Laien-)Bewegung im 21. Jahrhundert geworden. Ob Einzelpilger oder große Wallfahrergruppe – alle sind unterwegs und haben ein Ziel vor Augen: das „Haus des Herrn”. Vor allem die Wallfahrtstage von Gruppen und Gemeinden, von Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften benötigen eine gute Vorbereitung. Hier sind die Wallfahrtsführerinnen und -führer gefordert, denn Pilgerzüge mit ihren Standarten wie sie sich häufig zur Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen in Bewegung setzen, sind ein imposanter wie idyllischer Anblick. Sie zu organisieren erfordert allerdings einen immensen Arbeitsaufwand. Der Pilgerzug soll sicher und stetig vorankommen. Doch wie wird eine Wallfahrt zu einer guten Wallfahrt und welche Kenntnisse braucht es dazu?

Die Klärung dieser Fragen zeigte kürzlich an drei Wochenenden ein Ausbildungskurs für Wallfahrtsführer. Neben theoretischen Impulsen stand vor allem das Praxislernen im Vordergrund. „Zwischen den einzelnen Teilen bereiten die Teilnehmenden in Hausarbeit kurze Impulse vor, die im letzten Teil auf einer kurzen Wallfahrt ausprobiert werden können. Nach abgeschlossener Ausbildung erhielten die Teilnehmer ein Zertifikat und eine Warnweste durch Dr. Norbert Jung, Domkapitular im Erzbistum Bamberg, überreicht“, erzählt Johannes Löhlein, Bildungsreferent in den Bildungs- und Tagungshäusern Vierzehnheiligen.
Die Ausbildungstage wurden bis auf die Abschlussveranstaltung Coroan-bedingt als Online-Seminar abgehalten. Hierbei informierte Pfarrer Josef Treutlein die 24 angehende Wallfahrtsführer über das zeitgemäße Gestalten von Wallfahrten und Christian Kainzbauer-Wütig referierte über die Geschichte des Pilgerns und Wallfahrens. Ganz wichtig seien die Sicherheitshinweise für die Wallfahrten. Was es im Vorfeld zu beachten gibt, darüber berichtete Ralf Maisel von der Polizeiinspektion Stadtsteinach. Maisel machte darauf aufmerksam, dass die Wallfahrt unbedingt beim zuständigen Landratsamt angemeldet werden muss, wenn Straßen benutzt werden. “Das Straßenverkehrsamt möchte wissen, wie viel Teilnehmer gemeldet sind, welcher Weg gewählt wird und welche Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen sind”, so der Beamte.
Das Seminar fand in Vierzehnheiligen einen würdigen Abschluss. „So kam das richtige Gemeinschaftsgefühl erst am Abschlusstag so richtig auf, als die Kursteilnehmer sich zu einer sogenannten Probewallfahrt in der Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg getroffen und nach Vierzehnheiligen gewallt sind. Dabei durften wir unsere gemeinsame Abschlussarbeit an einem Feldkreuz den anderen Kursteilnehmer und zur Ehre Gottes vortragen“, erzählte Seminarteilnehmer Franz Beck im Gespräch. „Der Kurs war inhaltlich sehr gehaltvoll und viele Vorträge wurden präsentiert. Die rechtlichen Hinweise der Polizei waren sehr informativ. Insgesamt ein sehr wertvoller und wichtiger Kurs“, fügte Beck an. Doch wie Franz Beck zu diesem Ehrenamt kam erzählt er am Rande des Seminars. Über zwei Jahrzehnte hat Diakon Manfred Griebel die Haßfurter Kirchengemeinde St. Kilian als Wallfahrtsführer nach Vierzehnheiligen begleitet. Auch als Verantwortlicher einiger anderer Wallfahrten bekannt, entschied sich der Geistliche, die Geschicke für die Vierzehnheiligen-Wallfahrt in jüngere Hände zu legen. Dabei fiel die Wahl auf den Diplom-Wirtschaftsingenieur Franz Beck, der bereits seit vielen Jahren die Haßfurter Wallfahrten mit seinem Tenorhorn begleitet und seit vier Jahren auch als Gottesdienstbeauftragter ehrenamtlichen Dienst in der Pfarrei tut.

„Am 30. Oktober findet ein Fortbildungstag für Wallfahrtsführer in Vierzehneiligen satt. Zum Thema: „Gottes Schöpfung“ auf Wallfahrten und auf Pilgerwegen referiert Pfarrer Josef Treutlein (Wallfahrtsseelsorger Käppele, Würzburg).

Der nächste Ausbildungskurs für Wallfahrtsführer findet am 18.-19. Februar und 1.- 2. April 2022 ebenfalls in Vierzehneiligen statt“, erklärt der Bildungsreferent in den Bildungs- und Tagungshäusern Vierzehnheiligen, Johannes Löhlein.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

26. Kindergarten Wallfahrt nach Vierzehnheiligen

Während es in zahlreichen Orten Wallfahrten für Erwachsene gibt, organisiert die katholische Kindergarten Sankt Bernhard aus Klosterlangheim dieses unvergessliche Ereignis für die „kleinen“ Pilger seit einigen Jahren. Es sollte der Höhepunkt des abgelaufenen Kindergartenjahres werden, aber das Wetter durchkreuzte dieses Vorhaben. Die andauernten Regenfälle am Freitag Vormittag machten somit die Fußwallfahrt des Kindergarten Sankt Bernhard kurzfristig unmöglich. „Somit musste der alternativ Plan greifen, der bei den Kinder keine große Freude aufkommen lies. Es floss sogar die ein oder andere Träne. Aus der Fußwallfahrt wurde schließlich eine Buswallfahrt“, erzählte Erzieherin Diana Schmitt. Es ist besonders schön, durch diese Glaubensaktion den Kindern die Basilika Vierzehnheiligen näher zu bringen, fügte sie an.

Im Wallfahrtsort warteten bereits die Eltern und Großeltern auf die „Kleinen“ mit Blumensträuße. Kirchenschweizer Daniel Reitz und Franziskanerpater Stanislaus holten die Kinder am Westportal ab und mit „Vierzehn heilige Schutzpatrone“ zogen alle in die Basilika ein.
„Warum macht man eine Wallfahrt? Etwa aus Langeweile, um spazieren zu gehen oder weil man so was macht?“ fragte Pater Stanislaus zunächst die Kindergartenkinder. „Nein, die Menschen machen eine Wallfahrt aus zwei Gründen. Um Gott zu danken, was wir gerade auch machen und Gott zu bitten“, erklärte der Franziskanerpater. „Dabei erhofft man sich, dass unser Gott uns und alle, für die wir beten, segnet. Und er möchte uns immer segnen, deswegen lädt er uns ein, zu ihm zu kommen und ihn um diesen Segen zu bitten”. Mit verschiedenen Liedern beteiligten sich die Kinder aktiv an der Andacht. Eine Abordnung der Leuchsentaler Musikanten aus Mistelfeld umrahmte musikalisch den Ein- und Auszug. Als Abschiedsgeschenk und Wegbegleiter erhielt jedes Vorschulkind ein „Wallfahrts-Büchlein“ überreicht.

Mit einen obligatorischen Eis endete die 26. Kindergartenwallfahrt nach Vierzehnheilgen. Jedes Jahr geht der katholische Kindergarten am ersten Freitag im Juli auf Wallfahrt nach Vierzehnheiligen. Das ist für alle, die mitgehen ein großes Erlebnis und etwas Besonderes für die Vorschulkinder, die dann die Fahnen tragen dürfen. Die Idee für diese schöne Unternehmung hatte 1995 ein Kindergartenkind. Er machte den Vorschlag, dass doch auch Kinder auf Wallfahrt gehen könnten und nicht immer nur Erwachsene. So wurde die Kindergartenwallfahrt nach Vierzehnheiligen geboren. „Gott gab uns Atem, damit wir leben“ so lautet das Moto für das Wallfahrtsjahr 2021 in Vierzehnheilgen.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Die Westfassade der Vierzehnheiliger Basilika ohne Gerüst

Von der Wiederentdeckung eines Schatzes

Spätestens seit der Verhüllung des Berliner Reichstages durch Christo und seine Frau Jeanne-Claude vor 26 Jahren haben wir verstanden, dass etwas, das für einige Zeit verhüllt war, nach seiner Freilegung umso schöner zur Geltung kommt. Das gilt auch für die Westfassade unserer Basilika. Zwei Jahre war sie unter einem Gerüst und einer Schutzfolie versteckt. Nun bietet sie sich den Betrachtern mit vielen Details aber auch als Gesamtkomposition in überraschender Pracht und Vielfalt dar.
Im Giebel das Relief, das die Erscheinung des Jesuskindes mit den vierzehn Kindern vor Schäfer Hermann Leicht zeigt, obenauf der Salvator (Erlöser), flankiert von Petrus und Paulus, in zwei Nischen der Wand die zisterziensischen Ordensväter Benedikt und Bernhard, und nicht zuletzt das konturierte Zifferblatt der Turmuhr. Ganz zu schweigen vom warm leuchtenden Farbenspiel der Sandsteine, die vor knapp 250 Jahren von kundigen Steinmetzen ineinandergefügt wurden, und die jetzt von erfahrenen Restauratoren gereinigt, ausgebessert oder durch neue Steine ersetzt wurden. Im goldenen Licht der Abendsonne leuchten sie weit ins Land. Eine Entdeckungsreise in dieses Gesamtkunstwerk lohnt sich auf jeden Fall, vielleicht sogar mit einem Fernglas bewaffnet; und womöglich stößt man dabei auf etwas, das man noch nie beachtet hat. Viel Freude dabei!

Text: P. Dietmar Brüggemann
Fotos: P. Stanislaus Wentowski

Baustelle Basilika Vierzehnheiligen – Gerüst wird zurückgebaut

„Endlich…“, so mag mancher Freund der Vierzehnheiliger Basilika erleichtert aufseufzen – das Gerüst an der Westfassade wird zurückgebaut. Vorraussichtlich bis Ende Juni werden die letzten Gerüstteile entfernt sein.
Schon seit 2013 erlebte man auf den „heiligen Berg“ die Wallfahrtsbasilika, mit kurzer Unterbrechnung, in diesem eingerüsteten und verhüllten Zustand. So waren zunächst für drei Jahre die beiden Türme für Sanierungsmaßnahmen eingerüstet und seit mittlerweile zwei Jahre war man nun mit umfangreiche Erhaltungsarbeiten an der Westfassade beschäftigt. Auch hier war die Aufstellen eines belastbaren Gerüstes notwendig, was auch eine Verhüllung der Fassade notwendig machte. „Parallel zu diesen Arbeiten fanden auch Arbeiten in den beiden Glockentürmen statt. Dort wurden in dieser Zeit die Ringanker in den Glockentürmen betoniert und aus Eichenholz zwei neue Holzglockenstühle gezimmert, die jetzt elf Glocken tragen“, erinnert Guardian Maximilian im Gespräch. Für den nächsten Bauabschnitt, laufen derzeit die Voruntersuchungen, um Umfang und Planung der nächsten Maßnahmen am Kirchenschiff und Chor festlegen zu können. Hier werden Naturstein-, Spengler und Dachdeckerarbeiten anstehen. „Ein Bauwerk in dieser Lage und Größe wird immer Bauarbeiten erfordern, um die Substanz und das Gefüge zu erhalten“, so äußerte sich im Juli 2019 der Architekt und Behördenleiter des zuständigen staatlichen Bauamtes Bamberg, Jürgen König.

Seit Sommer 2019 saniert das Staatliche Bauamt Bamberg nun die Westfassade der Basilika Vierzehnheiligen in drei wesentliche Arbeitsabschnitten. Mit Hilfe des Baugerüsts wurden die Schäden an der Fassade, das Giebelrelief mit der Erscheinung der Nothelfer um das Jesukind sowie die von Johann Christoph Berg (1729–1807), aus einer Nürnberger Bildhauerfamilie, stammende Aussenskulpturen von 1759 aufgenommen, analysiert und anschließend restauriert. Die stetigen Witterungs- und Umwelteinflüsse in der exponierten Lage führten dazu, dass sich der Sandstein entfestigte, Fugen ausgewaschen und somit die Bausubstanz instabil wurde. Einige Skulpturen waren bereits so desolat, dass einzelne Partien vorab bereits gesichert beziehungsweise teilweise sogar abgenommen werden mussten. Bei den nun durchgeführten Arbeiten wurden insbesondere Natursteinarbeiten an der Fassade, dem Giebel sowie dem Giebelrelief und den bereits genannten Skulpturen durchgeführt. „Ursprünglich war geplant, die Arbeiten an der Westfassade bis Ende 2020 abzuschließen. Da sich die Schäden, besonders der bekrönenden Skulpturen, aber deutlich tiefgreifender und umfangreicher als angenommen darstellten, führten deren Behebung zu einer Verlängerung der Bearbeitung“, erklärt die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Sabrina Hörl, vom Staatlichen Bauamt Bamberg. Die Sandsteinskulpturen bestehen aus mehreren Einzelteilen, die untereinander mit Eisenklammer verbunden wurden. Bei genaueren Untersuchungen der Skulpturen zeigte sich, dass die meisten Eisenklammern im Lauf der Jahre stark korrodiert und teils erhebliche Schäden – auch innerhalb dieser – verursachten, die nun zum Großteil ausgetauscht werden mussten. Bei diesen Arbeiten musste sehr behutsam vorgegangen werden, um die noch vorhandene Originalsubstanz nicht zu beschädigen. Aufgrund der Auswertung älterer Dokumentationen und Befunde wurde angenommen, dass die Skulpturen und das Giebelrelief farblich gefasst waren, die Fassung aber im Laufe der Zeit abgewittert ist. Diese Fassung wurde nun im Zuge der Restaurierungsmaßnamen ebenfalls wieder aufgebracht. Das Staatliche Bauamt Bamberg arbeitet hier eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege sowie externen Restauratoren und Fachleuten zusammen. Flankierend zu den Natursteinarbeiten wurden die Blitzschutzeinrichtungen, ettliche Verblechungen und Fenster erneuert sowie überarbeitet. Außerdem wurden durch einen Kirchenmaler die Vergoldungen von Attributen der Skulpturen wiederhergestellt. Nun wird die optisch unverändert, aber sanierte Westfassade des Gotteshauses wieder die Menschen im Gottesgarten und im Maintal grüßen.
Insgesamt belaufen sich die Kosten der Maßnahme auf circa 1,1 Millionen Euro. Die Basilika wurde in den Jahren 1743 –1772 nach den Vorgaben des Baumeisters Balthasar Neumann erbaut. Seit der Säkularisation ist die Kirche in staatlichem Eigentum.

Text und Bilder: Gerd Klemenz
Juni 2021

Westfassade der Basilika von Vierzehnheiligen wird wieder gerüstfrei

„Endlich…“, so mag mancher Freund der Vierzehnheiliger Basilika erleichtert aufseufzen: Die Basilika ohne Gerüst! Fast drei Jahre lang (2013-2016) waren die beiden Türme zu Sanierungsmaßnahmen eingerüstet gewesen. Dann folgten weitere zwei Jahre (2019-2021) mit Erhaltungsarbeiten an der Westfassade, die das Aufstellen eines belastbaren Gerüstes und damit verbunden die Verhüllung der Fassade notwendig machten.

Es galt, das Giebelrelief, die Außenskulpturen mit dem ‚Salvator Mundi‘ (Erlöser der Welt) sowie die allegorischen Figuren von Glaube und Liebe und schließlich die Statuen von Petrus und Paulus auf der Balkonbalustrade zu restaurieren. Nicht zuletzt waren viele Gesteinsteile und sie verbindende Eisenklammen von der dauernden und jahrhundertelangen Bewitterung schadhaft bzw. verrostet. Sie wurden durch neue vor Ort behauene Steine aus Polen und durch Edelstahlklammern ersetzt.

Jetzt aber kann das leuchtende Gesicht der Basilika in Gestalt ihrer Fassade wieder frei in den Gottesgarten und ins Maintal strahlen.
Wenngleich sicher ein nächstes Gerüst an diesem besonderen Gotteshaus nicht lange auf sich warten lassen wird. Denn auch die Nordseite der Basilika bedarf der äußeren Erneuerung. „Ein Bauwerk in dieser Lage und Größe wird immer Bauarbeiten erfordern, um die Substanz und das Gefüge zu erhalten“ So äußerte sich im Juli 2019 der Architekt und Behördenleiter des zuständigen staatlichen Bauamtes Bamberg, Jürgen König.

Nur so also kann unsere Basilika auch von kommenden Generationen bewundert und besucht werden.

Text: P. Dietmar Brüggemann
Fotos: Tobias Hartmann

Stand 01.06.2021

Seit dem 16.06.2021 ist die Fassade gerüstfrei!

Mariensingen in Vierzehnheiligen

Draußen lachte der Himmel und den Gläubigen in der Wallfahrtsbasilika gingen die Herzen auf. Eine eindrucksvolle Andacht zu Ehren der Muttesgottes Maria am Pfingstsonntag wurde mit Liedern und Weisen aus dem fränkischen Raum in einer besonders Art zelebriert. Der Wechsel zwischen Gesang und Instrumentalmusik belebte die Andacht. Kein einziger Platz war in der großen Basilika frei, denn Aufgrund der erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen wegen der Corona-Pandemie konnten nicht alle Interessierten ins Innere eingelassen werden. Deshalb wurde die Andacht akustisch nach außen übertragen, so dass zahlreiche Besucher sie zumindest so verfolgen konnten.

Der „Graatzer Dreigesang“ mit Heinrich Geßlein und die „Kemmärä Kuckuck“ mit ihrem musikalischen Leiter Hans-Dieter Ruß verstanden es, die Herzen der Gläubigen zu bewegen. Zwischen den einzelnen Liedvorträgen brachte Maria Kutzelmann in fränkischer Mundart kurze Texte ein, an deren Ende alle Gläubige das „Gegrüßet seist du, Maria“ miteinander beteten. Darin ging es um die Begegnung der Jungfrau Maria mit dem Engel Gabriel (Verkündigungsszene), um die verschiedenen Wege, die Maria im Leben zu gehen hatte. Maria wurde als Vorbild vorgestellt, von der man lernen kann, was es heißt, in dieser Welt unterwegs zu sein.
Nach einem Instrumentalstück von den „Kemmärä Kuckuck“ eröffnete Guardian Pater Maximilian mit einem Mariengebet die Andacht. Es folgte der „Graatzer Dreigesang“, der diesmal ein Viergesang war, mit dem „Engel des Herrn“. Im Mittelpunkt dabei stand der Verkündigungs-Dialog zwischen dem Erzengel Gabriel und Maria. Sehr ruhig und beschaulich im Vortrag waren die Beiträge der Gruppe aus Kemmern.
Im Wunderburger Marienlied „Hier vor deinem Bilde“ von Max Schäfer wurde die Gottesmutter um ihren Segen für die Menschheit gebeten. Das bekannte „Sei gegrüßt, du Gnadengarten“ trug der Graatzer Dreigesang vor. Es gehört zu den populären Marienliedern und ist in vielen Varianten bekannt. Das Lied ist im Umfeld der Mariazeller Wallfahrt im frühen 18. Jahrhundert entstanden und wurde im 19. und 20. Jahrhundert im süddeutschen Kulturraum weitertradiert.
Bei „Zu dir o Maria“ fungierte Maria Kutzelmann eindrucksvoll als Vorsängerin der einzelnen Strophen. „Es blühn drei Rosen“, ein altes Marienlied aus Schlesien, trug der „Graatzer Dreigesang“ vor. Eigens für Schiffswallfahrten nach Bornhofen hat im Jahre 1842 der Dichter und Schriftsteller Guido Görres (1805–1852) das weit über die Grenzen hinaus bekannte Wallfahrtslied: „Geleite durch die Wellen“ geschrieben. Es folgten das Speyerer Marienlied „Königin voll Herrlichkeit“ und „Ave Glöcklein“.

In der Basilika wurden die Marienlieder gefühlvoll und andächtig interpretiert von den acht Musikern aus dem Bamberger Land. Mit „O, Maria sei gegrüßt“ setzte der „Graatzer Dreigesang“ das Programm fort. Die Gäste aus Kemmern trugen das populäre Marienlied „Es blüht der Blume eine“ des katholischen Publizisten Guido Görres (1805–1852) vor, das seit seiner Entstehung im 19. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts im katholischen Milieu weit verbreitet war. Ein gesangliches Erlebnis war „Hör, O Mutter dies Gebet“, vorgetragen vom „Graatzer Dreigesang“, sowie das fränkische Volkslied „Maria, du Schöne“ mit den „Kemmärä Kuckuck“.

Guardian Pater Maximilian dankte den Akteuren für ihre einfühlsamen Beiträge und schloss mit den Worten: „Es war kein Gegeneinander wie beim Eurovision Song Contest, sondern ein harmonisches Miteinander.“ Nach dem Schlusssegen brachten der „Graatzer Dreigesang“ mit „O blick mild hernieder“ mehrstimmig den Lobpreis Mariens, der Patronin des Frankenlandes, zu Gehör.

Am Ende gaben die „Kemmerer Kuckuck“ eine Zugabe, die dazu ermutigen sollte, in dieser besonderen Zeit der Entbehrungen und Beschränkungen die Hoffnung nicht zu verlieren. Das fachkundige Publikum dankte den Gruppen aus der Region für ihre gelungene Darbietung mit einem warmen Applaus. Als nach 60 Minuten die Marienandacht ausklang, waren sich die anwesenden Zuhörer einig, dass es wieder eine ergreifendes Erlebnis war. Froh und gestärkt verließen sie die Basilika und gingen beschwingt ihrer Wege.

Text und Bild: Gerd Klemenz
Mai 2021

Ökumenischer Segnungsgottesdienst in Vierzehnheiligen

Seit über einem Jahr bestimmt das Corona-Virus das Leben der Menschen. Vieles, was geplant wurde, konnte nicht stattfinden, sondern musste wegen des Lockdowns und den Corona-Bestimmungen verschoben oder gar abgesagt werden. Über ein Jahr Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie lassen die Menschen sehnsüchtiger, depressiver und einsamer werden. Aber nicht nur in der Pandemie lässt sich die Erfahrung machen, dass Lebenspläne durchkreuzt werden und es ganz anders kommt als gewünscht. Solche Erfahrungen griff der ökumenische Gottesdienst auf, zu dem die Franziskaner und die Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Bad Staffelstein-Herreth am Freitag in die Wallfahrtsbasilika eingeladen hatten. Der Guardian des Klosters, Pater Maximilian, Pater Bernhard, Schwester Alexia und Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen  sprachen im Wechsel lyrische Texte. Trost spendete auch die Orgel. Basilikaorganist Georg Hagel verband die Texte mit besinnlichen Orgelmeditationen und mit Einzelgesang. „Da durchkreuzt einer meine Pläne, macht mir einen Strich durch die Rechnung. Musste das sein?“, fragte Pater Maximilian zu Beginn. „Und da stehe ich nicht alleine da, sondern es sind weltweit unzählige Menschen, deren Pläne in den letzten Tagen und Wochen durchkreuzt wurden.“ Wie es jetzt weitergeht, weiß momentan keiner. Die immer neuen Nachrichten machen das Leben nicht leichter. Es gilt, sich neu zu orientieren und irgendwie zu versuchen, neue Pläne zu machen. Und dabei den Mut nicht zu verlieren und eine Hoffnung zu bewahren, die stärker ist, als es jedes Virus je sein könnte. Pater Maximilian tröstete schließlich die Gläubigen mit den Worten: „Bei allem, was unsere Lebenspläne und Wege durchkreuzt, dürfen wir trotzdem Gottes Beistand erhoffen.“ Schwester Alexia trug mit „Der schwarzer Punkt“, eine Geschichte zum Nachdenken vor. Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen beleuchtete in ihrer Ansprache eine Situation, in der ein Mensch hart getroffen ist und trotz seine Einschränkungen den verbleibenden Freiraum nützt. Was hilft, in einer Krise nicht zu zerbrechen, sondern den Lebensmut zu bewahren? „Medizin und Psychologie haben sich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit dieser Frage beschäftigt und dieses Phänomen erforscht. Man fand einen neuen Begriff: Resilienz, der ursprünglich aus der Materialforschung stammt. Er bezeichnet die Fähigkeit eines Materials, nach einer Verformung wieder zurück zu gehen in die ursprüngliche Form. Ein resilienter Mensch ist also einer, der trotz der Einschläge des Lebens oder trotz großer Belastung nicht zerbricht, sondern innerlich heil und stabil bleibt und wieder in Form kommt“, so die evangelische Pfarrerin. Die Heilige Schrift, der Glauben und die Medizin seien sich recht einig, was auf dem Weg dorthin hilfreiche Schritte sein können. „Dem Einschlag der Krise folgt der Ausdruck des Schmerzes. Ich verstumme nicht und drücke mich aus. Zuerst einmal zu mir selbst und dann zu einen vertrauten Menschen.“ Damit die Klage nicht destruktiv wird, weist die Geschichte auf den nächsten Schritt: Wer vom allgemeinen Gefühl „es ist alles ganz schrecklich“ zu dem kommt, worin sein Problem besteht, für den verliert die Krise ihre Übermacht. Sie ist weiterhin da, aber sie nimmt nicht das ganze Leben ein. „Was also ist trotz allem gut und heil in meinem Leben, und wofür bin ich trotz allem dankbar? Wenn mir etwas misslungen ist, was ist mir im Leben schon gelungen. Wenn mir Möglichkeiten genommen wurden, durch ein körperliches Gebrechen oder durch die Pandemie – was kann ich trotz allem tun? Und manchmal tut es gut, das nicht nur zu überlegen, sondern aufzuschreiben“, riet die Pfarrerin. Der nächste Schritt wäre dann zu überlegen, was einem an der Krise zu schaffen macht. Und ob es nicht doch einen Weg gibt, zumindest an der einen oder anderen Stelle etwas zum Positiven zu verändern. „Eine Erkenntnis der Resilienzforschung heißt: Menschen, die besser durch Krisen kommen, suchen schneller nach einer Möglichkeit, ihre Situation konkret zu verbessern. Sie suchen nach Lösungen, die auch im Kleinen Verbesserungen bringen“, erklärte Sabine Schmid-Hagen. Wenn man erfährt, dass das Leben begrenzt und gefährdet ist – was gibt einem Hoffnung? Was trägt im Letzten? Wer einen Sinn und eine Hoffnung für sein Leben hat, hat vermutlich die entscheidende Kraft- und Resilienzquelle. „Unser vergängliches Leben, dieses zerbrechliche Gefäß trägt Gottes Licht in sich und das ewige Leben, das uns Jesus schenkt. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns, auf dass wir uns in unseren Krisen nicht auf uns selbst verlassen, sondern auf ihn und seine wunderbare Kraft. Eine Kraft, die heute schon über unser kleines begrenztes Leben hinausweist auf Gottes Reich“, schloss die Pfarrerin ihre Predigt. In diesem Jahr gab es wegen den Corona-Bestimmungen für die Gläubigen keinen Einzelsegen.

Text und Bild: Gerd Klemenz
Mai 2021