Arbeiten am Glockenturm in Vierzehnheiligen

Die Vorbereitungsarbeiten für die neuen Glocken am Wallfahrtsort laufen zur Zeit auf vollen Touren. Kürzlich wurden die Ringanker in den beiden Glockentürmen der Basilika Vierzehnheiligen betoniert. Aus diesem Grund musste die Durchgangsstraße vorrübergehend gesperrt werden und der Verkehr wurde über den Basilika Vorplatz umgeleitet. Große Betonmischer mit einem Fassungsvermögen von etwa sechs Kubikmeter Beton und eine Autobetonpumpe mit ihren knapp 60 Meter langen Betonverteilermast, der auf einem 6 – achsigen Fahrgestell montiert war, benötigten die ganze Straße im Kurvenbereich vor dem Haupteinganges an der Westfassade. Mit viel Fingerspitzengefühl führte der Pumpenfahrer den langen Verteilerschlauch gekonnt durch die Schallläden ins innere der Glockentürme. Insgesamt wurden neun Kubikmeter Beton bis in die Nachmittagsstunden verarbeitet, um in Zukunft einen festen Stand für die neuen Glockenstühle zu gewährleisten.

„Bereits seit 12. Mai läuten die Glocken in Vierzehnheiligen nicht mehr“, so Pater Heribert kürzlich. Grund hierfür sind die Arbeiten in den beiden Glockentürmen. Erst einmal galt es die alten, historischen Glocken von den eisernen Haltebändern, welche die Glocken an den Stahljochen befestigten, entfernt und mithilfe von Flaschenzüge und Rundschlingenbänder gesichert werden. Nun galt es bei hochsommerlichen Temperaturen die beiden Stahljoche zu entfernt. Denn die Wurzeln des Übels waren die Joche, in den die Glocken hingen sowie instabile und mit Stahl massiv verstärkte Glockenstühle des 19. Jahrhunderts, die mit dem Mauerwerk der Türme verbunden waren. So übertrugen sich die gefährlichen Schwingungen an das Mauerwerk und gefährdeten so auch die Substanz der Türme. Danach galt es dann das lose Mauerwerk und den alten Untergrund in mühevoller Handarbeit abzutragen. Mit Eimern musste der Bauschutt schließlich über den Bau-Aufzug in die Tiefe befördert werden. „Schätzungsweise wurden so etwa acht Tonnen abgetragen“, erklärte ein Bauarbeiter vor Ort. Zuvor wurde nun die Ringankerschalung hergestellt und ein entsprechender Bewehrungskorb eingebaut. Nach dem Betonieren kann nun in den nächsten Monaten mit dem Einbau der neue Eichenholzjoche begonnen werden. Denn am Christkönigsonntag (24. November) soll das Geläut im Wallfahrtsort erstmals wieder erklingen.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Fahrzeugsegnung Vierzehnheiligen

Für viele Menschen steht der Urlaub vor der Tür oder unzählige Leute sind mit dem Auto unterwegs zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Freizeit. Die Verkehrsmittel helfen dem Menschen, sein Leben zu gestalten. Kraftfahrzeuge sind ein unentbehrlicher Bestandteil im Leben des Menschen und der Gesellschaft geworden. Sie fordern ihn aber auch heraus, sich seiner Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und der Natur bewusst zu sein. Damit dieser Einsatz und diese Verantwortung, mit seinem rechten Verhalten im Straßenverkehr auch unter dem Schutz Gottes steht, feierten zahlreiche Gläubige am vergangenen Sonntagnachmittag in der Basilika Vierzehnheiligen zu Ehren des heiligen Christophorus eine Andacht.

In seiner Predigt ging Pater Heribert zunächst auf die Legende des Heiligen ein, der seine Kraft in den Dienst des mächstigen Herren stellen wollte. Ein Einsiedler führte ihm hierbei vor Augen, dass dies nur Gott sein könne. An einer tiefen Furt trug der bärtige Riese Reisende durch den reißenden Fluss. Als er eines Tages einen Knaben auf die Schulter nahm, so wird erzählt, trug sich das Kind anfangs sehr leicht. Doch je weiter sie kamen, desto schwerer schien es zu werden. „Mir war es, als hätte ich die Welt auf der Schulter getragen“, soll er hinterher gesagt haben. „Der Christophorus ist ein aktueller Heiliger“, so der Franziskanerpater weiter und erinnerte dabei an die Bilder als das letzte Mal über Hochwasser berichtet wurde. Donau, Elbe, Mulde oder Saale waren zu reißenden Flüssen geworden, die Dörfer und Städte überfluteten. Da sah man den Christophorus von heute, in Gestalten von Feuerwehrleute. „Da wurde die Christophoruslegende in unseren Tagen lebendig“. Aber nicht nur Wasser können uns überschwemmen, so der Pater. Zum Beispiel die Werbung, in der wir zu ertrinken drohen. „Wer trägt uns durch diese Flut?“ fragte der Geistliche. Eine Flut von Sinnangeboten überschwemme unsere Gesellschaft mit teilweise zweifelhaften Ratgebern. „Wer gibt Orientierung und Halt?“ Mancher Helfer habe vielleicht auch Christus durch die Flut getragen, ohne es zu wissen. „Menschen in den Überschwemmungsgebieten brauchten und brauchen unserer Hilfe“, war sich der Pater sicher.

Nach der Andacht lud Guartian Heribert die vielen Gläubige zur Fahrzeugsegnung ein. Viele Autos und Motorräder aus nah und fern waren auf den Vorplatz der Basilika abgestellt. Geduldig machten sich die Franziskanerpatres Alexander und Heribert auf den Weg, um zunächst das Gefährt und anschließend jeden Fahrer einzeln zu segnen.
Christophorus ist der Schutzheilige aller Reisenden und zählt zu den 14 Nothelfern. Am Gnadenaltar wird er als großer, starker Mann dargestellt, der das Jesuskind auf der Schulter trägt und einen Baumstamm in Händen hält.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

27. Wallfahrt für behinderte und nichtbehinderte Menschen

Vierzehnheiligen: Die 27. Wallfahrt für behinderte und nichtbehinderte Menschen nach Vierzehnheiligen stand am Samstagnachmittag unter den Motto „Jesus, ich will dir sagen ….“. Die etwa 300 Besucher der Basilika erlebten einen lebendigen Gottesdienst mit viel Musik und Gesang. Zunächst machte sich ein langer Wallfahrtszug vom Seubelsdorfer Kreuz zum Gnadenort, der von einer Abordnung von Musikern aus Priesendorf umrahmt wurde. Auf dem Weg nach Vierzehnheiligen und in der Kirche hatte jeder Zeit, um in sich hineinzuschauen und zu spüren, was das Herz bewegt und was will man Jesus und Gott sagen. Es war auch Zeit dafür da, miteinander zu reden. Und wenn man mit Händen und Füßen kommunizieren oder mit einem Lächeln – sie verstanden einander.

Ein langer Pilgerzug von behinderte und nichtbehinderte Menschen zog in die Basilika ein

Am Wallfahrtsort wurde dann die Pilgergruppe vom Kirchenschweizer Daniel Reitz und Guardian Pater Heribert Arens am Südportal der Basilika feierlich empfangen. „Schön, dass ihr wieder da seid“, so Pater Heribert bei der Begrüßung. Hauptzelebrant des Wallfahrtsamtes war Diözesan-Hörgeschädigtenseelsorger Pater Gerhard Förtsch aus Bamberg. Pastoralreferent Albin Zeck, der für die Hörgeschädigtenseelsorge in der Region Oberfranken zuständig ist, übersetzte die Texte und Gebete in die Gebärdensprache der Gerhörlosen. Die in Blindenschrift verfasste Lesung trug Frau Hallmann vor. Wie das „Evangelium-Spiel“ zeigte, war Jesus oft bei Menschen zu Gast. Das zeigte sich am Beispiel von Maria und Martha auf. Maria erkannte ihre Chance: Sie konnte mit Jesus reden und ihn zuhören. Sie konnte Jesus sagen, was sie bewegt. Anstatt der Predigt gab es Beiträge der behinderten Gottesdienstbesucher.

Einen Tanz führte das Ensemble der Barmherzigen Brüder aus Gremsdorf auf

Einen Tanz führte das Ensemble der Barmherzigen Brüder aus Gremsdorf auf. In Gebärdensprache trugen Gehörlose aus der Region die Fürbitten vor. An der Gestaltung des Gottesdienstes in der Basilika beteiligten sich Gruppen verschiedener Einrichtungen. Pastoralreferent Peter Lachner begleitete den „Regens-Wagner-Chor“ mit der Instrumentalgruppe aus Burgkunstadt auf der Gitarre. Die Sänger, in weißen Chorhemden, saßen im Chorraum den Geistlichen gegenüber. An der Rieger-Orgel untermalte Georg Hagel die Gesänge und Refrains, die in breiten wellenförmigen Schwingungen den Kirchenraum erfüllten. Die Wallfahrt organisierte die Behindertenseelsorge der Erzdiözese Bamberg, der Katholische Frauenbund Bamberg und die Katholische Landvolkbewegung.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Kindergartenwallfahrt von Klosterlangheim nach Vierzehnheiligen

Unter dem Motto „Lauft nur, ich werde euch tragen, euch hinführen bis ans Ziel“, machen sich kleine und große Wallfahrer dieses Jahr auf den Weg zum Wallfahrtsort Vierzehnheiligen. Während es in zahlreichen Orten Wallfahrten für Erwachsene gibt, organisiert der katholische Kindergarten Sankt Bernhard in Klosterlangheim diese bereits zum 24. Mal.

„Als langjährige Wallfahrerin von Mistelfeld nach Gößweinstein bin ich stolz, den heimischen Nachwuchs eine solche Glaubenstradition näher bringen zu dürfen“, so Marina Lutz, die in diesem Jahr erstmals als Leiterin diese Wallfahrt organisierte. Es ist besonders schön, durch diese Glaubensaktion den Kindern die Basilika Vierzehnheiligen näher zu bringen, fügte sie an. Am Freitag früh (05. Juli) war es wieder einmal soweit. Bei sommerlichen Temperaturen zogen die Drei- bis Sechsjährigen mit ihren Erzieherinnen, einem geschmückten Wallfahrtsbild und im Wind flatternden Fahnen singend und betend durch Klosterlangheim in Richtung Wald. Entlang des Wallfahrtsweges machte sich die Gruppe auf den Weg nach Vierzehnheiligen. Während der Wallfahrt blieben die Kinder an verschiedenen Stationen zum Beten und Singen stehen. Nach einer Brotzeit auf Baumstämmen im Wald und einer kurzen Rast am „Weißen Kreuz“, kamen die jungen Pilger gegen Mittag am Wallfahrtsort an. Dort warteten bereits die Eltern und Großeltern auf die kleinen Wallfahrer mit Blumensträuße. Am Busparkplatz warteten schon Pater Stanislaus und Kirchenschweizer Daniel Reitz. Der Franziskaner segnete die Schar und sparte dabei nicht mit Weihwasser. Dann zogen alle gemeinsam mit „Vierzehnheilige Schutzpatrone“ in die Basilika ein.

Pater Stanislaus zeigt den Kindergartenkindern den Gnadenaltar

Zu Beginn der Andacht fragte Pater Stanislaus: „Seid ihr denn alle schön nass geworden?“ und erklärte den Sinn des Weihwassers. Mit verschiedenen Liedern beteiligten sich die Kinder aktiv an der Andacht. Nach dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“ führte dann der Kirchenschweizer Daniel Reitz die Wallfahrer aus dem Gotteshaus. Auf dem Vorplatz der Basilika gab es vom Kindergartenpersonal für jedes Kindergartenkind ein Eis als Belohnung für die Strapazen. Eine Abordnung der Leuchsentaler Musikanten aus Mistelfeld umrahmte musikalisch den Ein- und Auszug.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Priesterjubiläum in Vierzehnheiligen

Vierzehnheiligen: Am Herz-Jesu-Freitag feierten in der Basilika Vierzehnheiligen zwölf Priester der Erzdiözese Bamberg ihr Weihejubiläum. In der Zeit, in der viele die Priesterweihe empfingen und den seelsorglichen Dienst begonnen hatten, vor 25, 40, 50, 60 oder 65 Jahre war der Herz-Jesu-Freitag in jedem Monat ein besonderer Tag. Die heilige Messe wurde als Hochfest gefeiert, anschließend war Aussetzung und Anbetung des Allerheiligsten und Eucharistischer Segen. Am Herz-Jesu-Freitag wurde um Priesterberufungen gebetet. Bereits am Montagabend waren die Priesterjubilare zu Jubiläumsexerzitien unter dem Motto „Es ist Zeit, den Herrn zu suchen“ in den Wallfahrtsort eingeladen. Im Diözesanhaus fanden diese unter der Leitung von „Exerzitienmeister“ Pater Udo Küpper OSB aus der Abtei Münsterschwarzach statt.

Während des Pontifikalamt erneuerten die Jubilare die Erklärung ihrer Bereitschaft zum priesterlichen Dienst

Zum Festgottesdienst am Freitagvormittag zogen die Jubilare von der Klosterpforte mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick, angeführt vom Kirchenschweizer Daniel Reitz, in die päpstliche Basilika ein. Diese war durch zahlreiche Freunde, Bekannte und Verwandte gut gefüllt. Zunächst begrüßte Franziskanerpater Alexander Weissenberger die Geistlichen mit herzlichen Worten. Anschließend zelebrierte Erzbischof Dr. Ludwig Schick das Pontifikalamt, welches Georg Hagel musikalisch umrahmte. Im Juli feiert die Kirche besonders viele Heilige, die die Gesellschaft ihrer Zeit stark geprägt haben. Sie weisen auf einen unabdingbaren und unaufgebbaren Aspekt des Lebens und Wirkens Jesu, des Evangeliums und der Kirche hin – nämlich als Kirche die Gesellschaft mitzugestalten. Sie lassen uns auch über den priesterlichen Dienst in der Gesellschaft nachdenken, so der Erzbischof zu Beginn seiner Predigt. Kirche, wie sie Jesus will und braucht, ist mitten in der Welt gegenwärtig und engagiert. Die Aufgaben der Kirche sind im Griechischen ausgedrückt als „Martyria“ (Zeugnis geben vom Evangelium), „Leiturgia“ (den Gottesdienst feiern, der die Menschen zu Gott hinführt) und „Koinonis“ (Gemeinschaft aufbauen und Gemeinwohl fördern). Die ganze Kirche muss sich der dreifachen Aufgabe immer besinnen, heute besonders und die Priester müssen vorangehen. „Die Heiligen des Monats halten uns vor Augen, worum es in der Kirche gehen soll, was unser aller Ziel ist, nämlich „Martyria“, „Leiturgia“ und „Koinonis“, so der Erzbischof weiter. Das Evangelium, das Leben Jesu, die Kirche, fordern offene Räume und Öffentlichkeit. Kirche muss offen, frei und vielfältig sein. Das Verbindende ist das Evangelium und ist die Person Jesu und der dreifacher Auftrag der Martyria, der Leiturgia und der Koinonia, so Ludwig Schick am Ende.
Während des Pontifikalamts erneuerten die Jubilare die Erklärung ihrer Bereitschaft zum priesterlichen Dienst.

Den Abschluss bildete ein gemeinsames Essen im Diözesanhaus für die Teilnehmer und ihren Angehörigen. In diesem Jahr feiern aus der Erzdiözese Bamberg Jubiläum: 25 Jahre: Pfarrer Alexander Berberich, Pfarrer Helmut Hetzel, Pfarrer i.R. Thomas Schmelz und P. Heinz Weierstraß SDB. 40 Jahre: P. Rudi Palos SDB und Dekan Günter Höfer. 50. Jahre: Pfarrer i.R. Rudolf Dorbert, StD i.R. EGR Heinrich Hoffmann, Pfarrer i.R. EGR Udo Zettelmaier und Pfarrer i. R. EGR Baptist Schaffer. 60. Jahre: Pfarrer i.R. EGR Veit Dennert und 65 Jahre Pfarrer i.R. EGR Hans Pfister.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Zwölf Priester aus der Erzdiözese feierten ihr Weihejubiläum mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick in der päpstlichen Basilka Vierzehnheiligen

„Durchkreuzte Lebenspläne“ in Vierzehnheiligen

„Wir sind extra für diesen Gottesdienst hierher nach Vierzehnheiligen gekommen. Er war sehr bewegend und schön. Im nächsten Jahr kommen wir wieder und bringen noch ein paar Bekannte mit. Eigentlich schon schade, dass nicht mehr in der Basilika waren. Ich dachte schon, dass wir hier keinen Platz mehr bekommen“, so Edeltraut aus Ellwangen (Jagst) Kreis Ostalbkreis, im Osten Baden-Württembergs. Zusammen mit ihren Mann Peter nahmen etwa 50 katholische und evangelische Christen an diesen besonderen ökumenischen Gottesdienst in der papstlichen Basilika teil. „Wir haben extra Urlaub genommen und sind für zwei Tage hierher gekommen. Die 230 Kilometer haben sich wirklich gelohnt“, fügte ihr Mann Peter an. Bei Bekannte in Breitengüßbach haben beide übernachtet. „Aufmerksam wurden wir durch den Film über Vierzehnheiligen kürzlich im Bayerischen Fernsehen“, ergänzte sie.

Am frühen Freitagabend gestalteten die Franziskaner gemeinsam mit dem evangelischen Pfarramt Bad Staffelstein und den St. Franziskusschwestern eine eindrückliche Feier, an der erstmals von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Zapfendorf Pfarrer Kornelius Holmer teilnahm. Die anschließende Salbung mit kostbarem Rosenöl sollte die heilende Kraft des Gottesgeistes spürbar machen. Mit dem Thema „Durchkreuzte Lebenspläne“ spendete der ökumenische Segnungs- und Salbungsgottesdienst allen Trost, die Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Pater Heribert Arens, Pfarrer Kornelius Holmer und Schwester Alexia Hoderlein sprachen im Wechsel Gebete und lyrische Texte zum Nachdenken. Basilikaorganist Georg Hagel verband die Texte mit besinnlichen Orgelmeditationen und ließ so murmelnde Töne wie Wassertropfen aus einer Quelle der Hoffnung in den Kirchenraum hinabtropfen. Bei der eigentlichen Segnung schwoll der Klangzauber zu einem mächtigen Strom an.

Pfarrer Kornelius Holmer aus Zapfendorf hielt die Ansprache in der Basilika Vierzehnheiligen

Pfarrer Kornelius Holmer erklärte in seiner Ansprache, dass es durchkreuzte Lebenspläne überall gibt wo es Menschen gibt, auch die ganze Bibel ist davon voll. „Wir können dort auch unterschiedliche Wege wahrnehmen, wie die Menschen der Bibel mit diesen durchkreuzten Lebensplänen umgingen“, so der evangelische Geistliche und wies auf die Tages-Lesung aus dem Buch Jeremia hin. Gottes Wege sind oft nicht leicht zu verstehen. „Durchkreuzte Lebenspläne gibt es in unserem Leben die Frage -Warum- hilft uns es bei der Bewältigung von Krisen nicht wirklich weiter. Aber diese Frage ist für uns trotzdem eine wichtige Frage. Denn wir möchten Dinge verstehen, insbesondere dann, wenn unser Leben durch sie durcheinandergebracht wurde“, fügte er an. Die Warum – Frage sucht nach Schuldigen. Wer ist daran schuld, dass Lebenspläne zerstört werde. Allerdings wird diese Frage nicht offen gestellt, sondern „Warum geschieht ausgerechnet mir das?“ Pfarrer Holmer appellierte, dass wir in unserem Leben die Situationen annehmen und darauf achten, wie es weitergehen kann. „Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir durchkreuzte Lebenspläne auch als Chance für uns annehmen, um mit Gott wieder ganz neu anzufangen“, so der evangelische Pfarrer zum Schluss. Nach dem Schlusssegen lud Pater Heribert kurz in den Klostergarten ein.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Pater Heribert (mitte) im Klostergarten nach dem ökumenischen Gottesdienst mit Franz, Maria, Edeltraut und Peter

Mariensingen

Eine Marienandacht mit fränkischen Marienliedern wurde kürzlich in der Basilika mit Texten, Liedern und Musik aus der fränkischen Heimat umrahmt. Die „Kronicher Maala“ unter der Leitung von Monika Tschernitschek, der „Graatzer Dreigesang“ mit Heinrich Geßlein und die „Kemmärä Kuckuck“ mit ihrem musikalischen Leiter Hans-Dieter Ruß verstanden es, die Herzen der über 200 Gläubigen zu bewegen. Gebete zur Mutter Gottes Maria wurden zwischen einzelnen Liedvortägen von Marion Töppke vorgetragen.
Eröffnet wurde der Nachmittag von den Kemmärä Kuckuck mit „Menuett“. Das Menuett ist ein alter höfischer Gesellschaftstanz französischen Ursprungs und ein wichtiger Tanz der Barockzeit und Klassik. Es wurde in musikalisch stilisierter Form nach 1750 zum festen Bestandteil der klassischen Sinfonie. Nach „O König sei gegrüßt“ von den Kronicher Maala sangen alle in der Basilika zusammen „Maria zu lieben“. Dies wurde musikalisch von den „Kemmärä Kuckuck“ mit dem Akkordeon, dem Kontrabass und dem Hackbrett begleitet. „Gegrüßet seist du Maria“ von Heinrich und Hans-Jürgen Geßlein, Peter Bartosch besser bekannt als Graatzer Dreigesang, folgte. Nach „Da knie ich Maria“ von den Kemmärä Kuckuck sangen die vier Frauen der Kronicher Maala mit ihren hellen Sopran „Zu dir o Maria“. „Hier vor deinem Bilde“ von den Kemmärä Kuckuck und „Der Engel des Herrn“ und „Maria ging im Garten“ vom Graatzer Dreigesang sowie mit „Sancta Maria“ von den Kronicher Maala setzten das Programm fort. Eigens für Schiffswallfahrten nach Bornhofen hat im Jahre 1842 der Dichter und Schriftsteller Guido Görres (1805–1852) das weit über die Grenzen hinaus bekannte Wallfahrtslied: „Geleite durch die Wellen“ geschrieben. In der Basilika wurde dies von den Kemmärä Kuckuck vorgetragen. Bei der anschließenden Mutter-Gottes-Litanei sangen alle kräftig bei „Mutter Gottes wir rufen zu dir“ nach der Grüssauer Melodie kräftig mit. Bei „Einen Ort weiß ich auf Erden“ von den Kronicher Maala wurde Gedanken an die Schwarze Madonna von Altötting wach. Das bekannte „Sei gegrüßt, du Gnadengarten“ und populäre Marienlied des katholischen Publizisten Guido Görres (1805–1852) „Es blüht der Blume eine,“ das seit seiner Entstehung im 19. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts im katholischen Milieu weit verbreitet war, trug der Graatzer Dreigesang vor. Die Kronicher Maala mit dem „Abendgruß für Maria“ bewegte die andächtigen Zuhörer.

„Kemmärä Kuckuck“

In seinen Schlussworten ging Pater Stanislaus auf die Verbindung von Pfingsten und der Mutter Gottes ein. Nach dem Segen stimmten alle nochmals beim fränkischen Marienlied, „O himmlische Frau Königin“ ein. Das fachkundige Publikum dankte den Gruppen aus der Region für ihre gelungene Darbietungen mit einen warmen Applausregen und verließ die Basilika erst nach Irischen Segenswunsch „Möge die Straße uns zusammen führen“ vom Graatzer Dreigesang. Veranstalter war neben den Franziskanern der Basilika Vierzehnheiligen die Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik, der Bezirk Oberfranken und der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

vier Frauen der Kronicher Maala überzeugten mit ihrem Gesang

Vierzehnheiligen Fest

Zu den Höhepunkten des Kirchenjahres in Vierzehnheiligen gehört das Fest der heiligen 14 Nothelfer, das am vergangenen Sonntag in der Wallfahrtsbasilika gefeiert wurde. Das Pontifikalamt mit Weihbischof Herwig Gössl am Vormittag und die Nothelferprozession am Nachmittag werden den Beteiligten in Erinnerung bleiben. Besonders beeindruckend war der katholische Kirchenchor und das Orchester der Pfarrei „Sankt Thomas“ aus Trockau unter der Leitung von Ottmar Schmitt. Die „Orgelsolomesse“ und zur Kommunion das „Regina coeli“, beides von Wolfgang Amadeus Mozart, begeisterte die zahlreichen Gläubigen in der päpstlichen Basilika. Die Hauptorgel spielte Georg Hagel. Die festlichen Gewänder der Geistlichkeit, eine geschmückte Basilika und die musikalische Umrahmung bildeten den Rahmen für ein außergewöhnliches Ereignis auf dem „heiligen Berg“.

Wallfahrer von der 26. Stern-Radwallfahrt des Radsportverbandes Oberfranken säumten den Chorraum. Dahinter war der Kirchenchor und das Orchester aus Trockau unter der Leitung von Ottmar Schmitt

In der Basilika begrüßte Guardian Heribert die vielen kirchlichen und weltliche Würdenträger. Weihbischof Herwig Gössl ging in seiner Predigt auf das Martyrium ein. „Dass das Martyrium mitten in die Kirche hineingehört, zeigt uns das Beispiel mit aller Schönheit und doch drastisch genug: der Gnadenaltar hier in der Basilika von Vierzehnheiligen. 13 der 14 Nothelfer sind Märtyrer, die für ihren Glauben an Jesus Christus ihr Blut vergossen und ihr Leben hingegeben haben“, sagte der Weihbischof. Das zeigten in verschiedenen Abbildungen am Gnadenaltar die Symbole der Martyrien. „Sie sagen uns damit, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als das Leben überhaupt. Und das ist die Verbundenheit mit Gott“, so der Geistliche. „Man konnte diesen Menschen alles nehmen, am Schluss sogar das Leben, aber nicht ihren Glauben und das Vertrauen auf Gottes Schutz und Hilfe.“ Wenn sich immer wieder Wallfahrer auf dem Weg machten und ihren Glauben bekennen würden, in Gebet und Gesang, dann seien sie Märtyrer, also Zeugen für den Auferstanden Herrn, der ihr Leben bewege, so der Weihbischof.

Auch am Nachmittag war die Basilika am Nachmittag gut gefüllt. Monsignore Wolfgang Witzgall hielt bei der Andacht die Predigt. Er sagte, dass die Verehrung von Heiligen Ausdruck einer Frömmigkeit sei, die bis in die früheste Zeit des Christentums zurückreiche. In den Aufzeichnungen der heiligen Hildegard habe er gelesen, dass die Kunst menschlicher Selbstwerdung darin bestehe, Wunden zu Perlen werden zu lassen. „Wenn ich mich aussöhne mit meinen Wunden, dann kann ich in ihnen etwas Kostbares entdecken. Etwas, dass meinen persönlichen Wert ausmacht und mir meinen Lebensweg aufzeigt. Jede Verletzung hält mich lebendig auf Gott und die Menschen hin“, so Witzgall. „Aber solange die Wunden noch eitert, können sie nicht zur Perlen werden. Sie muss erst heilen, und nach Heilung sehnen sich heute viele Menschen.“ Und er fügte an: „Gott ist der wahre Arzt für Leib und Seele. Er wird auch unsere Wunden heilen und sie in Perlen verwandeln.“

Weihbischof Herwig Gössl zelebrierte das Pontifikalamt zum Vierzehnheiligenfest

Bei der anschließenden Prozession um die Basilika wurden die Figuren der heiligen 14 Nothelfer auf Holzstangen von Jugendlichen und Erwachsenen aus Grundfeld und Wolfsdorf getragen. Viele Gläubige nahmen an dieser Prozession teil, die musikalisch von den Ansbachtaler Musikanten aus Roth begleitet wurde. Zweimal umrundeten die Gläubigen das Gotteshaus, hierbei wurde von Pater Stanislaus Wentowski die Monstranz unter dem Baldachin getragen.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Wallfahrtseröffnung Vierzehnheiligen 2019

Mit einem festlichen Gottesdienst am „Tag der Wallfahrt“ haben wir Franziskaner am vergangenen Sonntag (26. 04.) das Wallfahrtsjahr 2019 eröffnet. In diesem Jahr werden wieder ca. 170 Fußwallfahrten erwartet. Es steht unter dem Leitwort
„Lauft nur, ich werde euch tragen, euch hinführen bis ans Ziel“.

Der Sängerkreis „Coburg, Kronach, Lichtenfels“ gestaltete den Gottesdienst musikalisch mit einem sehr runden und harmonischen Chorklang.
Den sehr gut besuchten Festgottesdienst feierte der Provinzvikar der Deutschen Franziskaner, P. Franz Josef Kröger aus München.
Er hielt in diesem Gottesdienst die folgende Predigt:

„Lauft nur!“ – Diese beiden ersten Worte des diesjährigen Wallfahrtsmottos für Vierzehnheiligen haben mich an meine Kindheit erinnert. Wenn an Sonn- und Feiertagen ein Spaziergang durch die Wiesen- und Felder unserer dörflichen Umgebung angesagt war, dann fiel dieses Wort schon mal.
Wenn während des Spaziergangs für uns Kinder von weitem etwas Interessantes oder Bekanntes sichtbar wurde, etwa eine Koppel mit Pferden oder die alte und große, weithin sichtbare Eiche, mit der Bank darunter zum Ausruhen, dann ging der fragende Blick zu den Eltern oder – wenn das nicht half – das bittende Wort: „Dürfen wir?“ – Und dann kam in der Regel neben dem bejahenden Nicken der Mutter eben dieses Wort „Lauft nur!“ – Manchmal mit dem Zusatz: „Passt aber auf! Bleibt auf dem Weg, damit wir euch nicht aus den Augen verlieren.“
„Lauft nur“ – damit waren wir sozusagen „frei“. Die Eltern gaben uns den Weg frei. Wir konnten uns frei bewegen. Lernen, eigene Wege zu gehen. Lernen, die Nähe der Eltern loszulassen und Neues zu entdecken.

Sich frei bewegen zu können, zu dürfen – das ist eine wünschenswerte Erfahrung für alle. Nicht eingeengt oder gegängelt zu werden. Sich frei bewegen, vielleicht mit einem Ziel vor Augen – gleichzeitig die Gewissheit zu haben, dass jemand da ist, der ein Auge auf mich hat. Der mich im Blick hat. Der sich um mich sorgt. Der auch jederzeit in der Lage wäre einzugreifen und Hilfe zu leisten. Nicht das Gefühl, einem gnadenlosen Aufpasser ausgeliefert zu sein, sondern mit dem Gefühl, unter den Augen, im Blick eines wohlwollenden und aufmerksamen Begleiters einen eigenen Weg zu gehen.
Vertrauen auf beiden Seiten war das. Vertrauen haben und Vertrauen schenken. Das stärkt für den Weg miteinander, das Vertrauen zueinander und den Glauben aneinander. Selbst wenn Wege sich mal trennen.
„Lauft nur!“ – für mich war und ist dieses Wort von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Ich traue dir.
Und es fällt mir nicht schwer, in diesem Fall das Wort „Eltern“ auch durch Gott zu ersetzen. Für diese Lebenserfahrung bin ich nicht nur meinen Eltern sehr dankbar.
„Lauft nur!“ – so möchte man auch den beiden Emmausjüngern zurufen. Lauft nur! Auch wenn ihr es nicht ahnt oder für möglich haltet, ihr seid auf dem besten Weg, das Glück eures Lebens zu erfahren.
Dabei ist die Situation für die Jünger ja eigentlich zum Davonlaufen. Und das tun sie ja auch. Alle Hoffnungen enttäuscht, die bisher wohl bittersten Stunden ihres Lebens lasten schwer auf ihnen. Vertrauen und Glauben dahin. Alle Zukunftsaussichten im Nebel der Ungewissheit verschwunden. Der Ort, wo sie das Heil erwartet hatten, Jerusalem, wird für sie zum Ort des Grauens. Nur weg – so scheint ihre Devise gewesen zu sein. Tief verletzt und verwundet und vom Leben enttäuscht. Ohne Vertrauen. Ohne Glauben. „Wir aber hatten gehofft…“ Resignation, die aus diesen Worten spricht
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Mir persönlich tut es in solchen Situation gut, spazieren zu gehen, zu wandern – um auf andere Gedanken zu kommen, die einem helfen können, neue Zugänge zum Problem zu finden.
Es ist zum Davonlaufen für die beiden Jünger. Und dann gesellt sich unterwegs einer zu ihnen. Ganz unaufgeregt. Wie selbstverständlich. Hört ihnen zu. Läuft mit ihnen. Stellt Fragen. Mischt sich vorsichtig ein. Gibt sich aber nicht zu erkennen. Und die Jünger sind „wie mit Blindheit geschlagen“. Sie ahnen und sehen noch nichts vom sich anbahnenden Glück an ihrer Seite. Es ist eben immer noch zum Davonlaufen. Aber sie haben sozusagen die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Auch auf solchen Wegen halte ich euch aus – sagt Gott. Auch damit kann ich umgehen. Für mich kein Grund zum Davonlaufen oder euch im Stich zu lassen. „Gott“, so sagt die Bibel, „ist ein unbeirrbar treuer Gott!“
Mir geht es hier nur um den einen Gedanken: Gott geht mit nicht nur, wenn unser Leben hohe und hehre Ziele hat; wenn unser Glaube und unser Vertrauen stark sind. Gott geht an unserer Seite, auch wenn das Leben zu einer einzigen Enttäuschung geworden ist. Ich mich Gottes vielleicht gar nicht mehr würdig glaube. Gott begleitet nicht nur den, der voller Vertrauen im Leben steht und sich von Gott und Menschen getragen weiß; er begleitet auch den, der auf seinem Weg am Ende ist, der sich von allen im Stich gelassen glaubt, der nicht mehr kann, der nur noch ans Aufgeben, ans Weglaufen denkt.
Die Emmausjünger laufen und ahnen lange nicht, dass sie auch in dieser Situation, wo sie sich von Gott und der Welt verlassen fühlen, begleitet sind; dass jemand sie auch auf diesem Weg in die scheinbare Aussichtslosigkeit im Auge hat. Unauffällig werden sie von dem begleitet, von dem sie sich schwer enttäuscht fühlen. Da geht einer mit, den sie nicht mehr auf der Rechnung haben.
Und der mischt sich in ihr verwundetes Leben ein.
Zunächst merken sie es gar nicht. Zu sehr bestimmt die Trauer und die Enttäuschung diese Wegstrecke. Aber im Nachhinein, als es ihnen zu dämmern beginnt: „Brannte uns nicht das Herz…?“ – so fragen sie. Und es wird ihnen klar: mit dem Gang nach Emmaus haben sie den Lauf ihres Lebens gemacht. Sie wollten dem Leben davonlaufen – und dann finden sie auf diesem Weg in ihr Leben zurück.
„Lauft nur!“ – egal ob mit Zuversicht und voller Hoffnungen und Erwartungen oder mit dem Gefühl, am Ende zu sein: Geht euren Weg, so wie ihr ihn gehen könnt – ich gehe mit! Ich bin dabei. Ich bin an eurer Seite. Auch wenn ihr es vielleicht nicht merkt. Das ist die Erfahrung Israels mit seinem Gott in guten und in schlechten Tagen und Zeiten. Das ist die Erfahrung, die ich uns allen wünsche – egal auf welchen Wegen wir uns befinden; egal, wie der Lauf unseres Lebens bisher war oder momentan aussieht. Geht euren Weg in der Gewissheit und in dem Vertrauen – ich bin dabei. Ich gehe mit.
Ein kleines Erlebnis, das mir in Erinnerung geblieben ist. Zwei Kinder kaufen in einem Laden ein. Das eine ist bedient und die Frau hinter der Theke fragte den anderen: „Und du, was möchtest du denn?“ – „Ich möchte gar nichts“, sagte der Junge, „ich bin nur mit.“ Ich bin nur mit – das klingt nichtssagend, aber es kann so wichtig sein; es sagt eigentlich alles. Im Grunde ein Wort Gottes.
Wenn Sie mit dem Auto schon mal die A 7 von Würzburg Richtung Hannover gefahren sind, dann ist Ihnen vielleicht an der Ausfahrt Guxhagen, kurz vor Kassel eine riesige Reklametafel aufgefallen. Mitten in einer Vielzahl von solchen Reklametafeln ist eine Tafel, auf der stehen in riesigen Buchstaben vier Worte: „Ich trage dich – Gott.“
„Lauft nur, ich werde euch tragen.“ Eigentlich ein Widerspruch in sich. Wenn ich auf eigenen Füßen laufe, dann braucht mich doch niemand zu tragen. So könnte man denken. Was also meint dieses Wort, uns auf den Weg zu machen und uns dabei als Getragene zu fühlen?
Vielleicht haben wir das Bild des guten Hirten vor Augen, der das Lamm auf seinen Händen oder seiner Schulter trägt. Aber das ist es – so glaube ich – eher nicht. Denn Gott trägt uns ja nicht einfach durch unser Leben, wie Eltern ein kleines Kind tragen.
Was aber könnte es dann sein, dieses Getragenwerden?
Vielleicht kennen Sie ja auch, wie es sich anfühlt, wenn wir auf einmal von einer Welle der Begeisterung getragen, zu etwas fähig werden, wozu wir – nüchtern betrachtet – gar nicht in der Lage gewesen wären; wenn z.B. im Sport ein eigentlich ganz kleiner und unterlegener völlig überraschend einen Großen schlägt; wenn wir also über uns hinauswachsen; wenn uns eine Woge von Sympathie, von Wohlwollen, von Liebe entgegenschlägt, auf der wir scheinbar Berge versetzen können. Es gibt Mächte und Kräfte, die uns sozusagen Flügel verleihen, die uns tragen, ohne dass wir deswegen die Bodenhaftung verlieren; ohne dass wir deswegen unser Leben aus der Hand geben. „Lauft nur, ich werde euch tragen, euch hinführen zu eurem Ziel.“
Das ist die Erfahrung, die die Emmausjünger machen dürfen. Mitten in aller Verlassenheit und Haltlosigkeit erfahren sie, dass sie getragen waren. Mitten in aller Ziellosigkeit und Perspektivlosigkeit erfahren sie, dass sie geführt und begleitet wurden.
Mich erinnert das an meine Eltern, wenn sie uns Kindern sagten: Lauft nur, wir haben euch im Auge.
Mich erinnert das an das Plakat an der Autobahn: Ich trage dich – Gott.
Mich erinnert das an den kleinen Jungen, der der Verkäuferin sagt: Nein, ich will nichts kaufen. Ich bin nur mit.
Mich erinnert das an ein Wort Jesu: Ich bin der Weg.
„Lauft nur, ich werde euch tragen, euch hinführen bis ans Ziel.“
Eine Verheißung Gottes, der ich mein Leben lang vertrauen möchte. Amen

Fränkische Passion in Vierzehnheiligen

Mit Musik, Gesang und besinnlichen Texten wurde am 2. Fastensonntag in der Basilika Vierzehnheiligen an das Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi vom Abendmal bis zur Kreuzigung erinnert. Die „Kronicher Maala“ unter der Leitung von Monika Tschernitschek, der „Graatzer Dreigesang“ mit Heinrich Geßlein und die „Kemmärä Kuckuck“ mit ihrem musikalischen Leiter Hans-Dieter Ruß verstanden es, die Herzen der rund 300 Gläubigen zu bewegen. Wir wollen uns nun einstimmen lassen, was da mit dem Höhepunkt in der Fastenzeit auf uns zukommt, die Passion – das Leiden Jesu, so Pater Heribert in seinen einleitenden Worten.

In elf Teilen erzählte Marion Töppke die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu Christi, vom Abendmahl über den Gang zum Ölberg bis hin zum Tod am Kreuz, den er für die Menschen erlitten hat. Das Besondere daran war, dass Töppke alle Stationen in fränkischer Mundart verfasst hatte. So betet Jesus am Ölberg „ach hör wie ich fleh´ Loss halt den bittern Kelch o mir vorüber geh“. Später verleugnet ihn Petrus mit den Worten „Na – den kenn ich doch net“. Was dann passiert, weiß jeder Christ- oder wie Marion Töppke auf fränkisch vortrug: „Auf aamol hörn alla wie der Hohn ganz laut kräht. Nuch bevor der Hohn es 2. mol kräha konn – host Du drei mal verleungt en Menschensohn“. Im Folgenden musste Jesu viel Lied auf sich nehmen und „erträgt Schmerz und Pein, ka Klooch hörst vo na und a ka Schrein“. Auf Golgatha, erzählt Töppke schließlich, betet der Gottessohn: „Och Votä – vergib ihna – denn sie wissen net was sie hom getoo ich bloß für sie um Verzeihung bitten ko“. Als Mahnung zur Leidensgeschichte und Leiden Christi steht: „Schaua mir zu unserm Herrn Jesus om Kreuz heut nuch nauf, wer nimmt sei Leidn heut nuch gern in Kauf? Wer dankt na für sei übergroßa Lieb´ und wer dankt na für des wos er hat getoo?“

Die „Kemmärä Kuckuck“

Die gemeinsam gesungen Lieder „Beim letzten Abendmale“, „ O Haupt voll Blut und Wunden“ und „Jesu, dir leb´ich“ wurden musikalische von den „Kemmärä Kuckuck“ mit dem Akkordeon, dem Kontrabass und dem Hackbrett begleitet. Die einzelnen Teile der Leidensgeschichte in feinfühliger Sprache, verbanden die Musikgruppen zu einem harmonischen Klangerlebnis. Tief beeindruckt waren die Gläubigen von den stimmlichen Gedanken an die Passion.

„Es war ein beeindruckendes Erlebnis fränkischer Volksmusik, aber noch viel mehr ein eindrucksvolles Zeugnis fränkischer Frömmichkeit, welches sie uns geschenkt haben, hierfür möchte ich mich bedanken“, so Pater Heribert zum Schluss. Kein Wunder, dass die Reaktionen der Besucher auf die „fränkische Passion“ nach dem abschließenden Segen Pater Heriberts durchweg positiv ausfielen. Für alle, die in der Basilika den Gesängen, Melodien und der im heimischen Dialekt vermittelten Leidensgeschichte Jesu lauschten, ging ein Nachmittag zu Ende, der im Herzen nachklingt. Viele waren sich schon beim Verlassen der Basilika sicher: „Nächstes Johr semme widder dabei – bei der fränkischen Passion in Vierzehnheiligen“. Eingeladen in die päpstliche Basilka zu den besinnlichen 80 Minuten hatten der ARGE Fränkische Volksmusik Bezirk Obergranken und der Bayerischen Landesverein für Heimatpflege.

Text und Bilder: Gerd Klemenz