Baustelle Basilika Vierzehnheiligen – Gerüst wird zurückgebaut

„Endlich…“, so mag mancher Freund der Vierzehnheiliger Basilika erleichtert aufseufzen – das Gerüst an der Westfassade wird zurückgebaut. Vorraussichtlich bis Ende Juni werden die letzten Gerüstteile entfernt sein.
Schon seit 2013 erlebte man auf den „heiligen Berg“ die Wallfahrtsbasilika, mit kurzer Unterbrechnung, in diesem eingerüsteten und verhüllten Zustand. So waren zunächst für drei Jahre die beiden Türme für Sanierungsmaßnahmen eingerüstet und seit mittlerweile zwei Jahre war man nun mit umfangreiche Erhaltungsarbeiten an der Westfassade beschäftigt. Auch hier war die Aufstellen eines belastbaren Gerüstes notwendig, was auch eine Verhüllung der Fassade notwendig machte. „Parallel zu diesen Arbeiten fanden auch Arbeiten in den beiden Glockentürmen statt. Dort wurden in dieser Zeit die Ringanker in den Glockentürmen betoniert und aus Eichenholz zwei neue Holzglockenstühle gezimmert, die jetzt elf Glocken tragen“, erinnert Guardian Maximilian im Gespräch. Für den nächsten Bauabschnitt, laufen derzeit die Voruntersuchungen, um Umfang und Planung der nächsten Maßnahmen am Kirchenschiff und Chor festlegen zu können. Hier werden Naturstein-, Spengler und Dachdeckerarbeiten anstehen. „Ein Bauwerk in dieser Lage und Größe wird immer Bauarbeiten erfordern, um die Substanz und das Gefüge zu erhalten“, so äußerte sich im Juli 2019 der Architekt und Behördenleiter des zuständigen staatlichen Bauamtes Bamberg, Jürgen König.

Seit Sommer 2019 saniert das Staatliche Bauamt Bamberg nun die Westfassade der Basilika Vierzehnheiligen in drei wesentliche Arbeitsabschnitten. Mit Hilfe des Baugerüsts wurden die Schäden an der Fassade, das Giebelrelief mit der Erscheinung der Nothelfer um das Jesukind sowie die von Johann Christoph Berg (1729–1807), aus einer Nürnberger Bildhauerfamilie, stammende Aussenskulpturen von 1759 aufgenommen, analysiert und anschließend restauriert. Die stetigen Witterungs- und Umwelteinflüsse in der exponierten Lage führten dazu, dass sich der Sandstein entfestigte, Fugen ausgewaschen und somit die Bausubstanz instabil wurde. Einige Skulpturen waren bereits so desolat, dass einzelne Partien vorab bereits gesichert beziehungsweise teilweise sogar abgenommen werden mussten. Bei den nun durchgeführten Arbeiten wurden insbesondere Natursteinarbeiten an der Fassade, dem Giebel sowie dem Giebelrelief und den bereits genannten Skulpturen durchgeführt. „Ursprünglich war geplant, die Arbeiten an der Westfassade bis Ende 2020 abzuschließen. Da sich die Schäden, besonders der bekrönenden Skulpturen, aber deutlich tiefgreifender und umfangreicher als angenommen darstellten, führten deren Behebung zu einer Verlängerung der Bearbeitung“, erklärt die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Sabrina Hörl, vom Staatlichen Bauamt Bamberg. Die Sandsteinskulpturen bestehen aus mehreren Einzelteilen, die untereinander mit Eisenklammer verbunden wurden. Bei genaueren Untersuchungen der Skulpturen zeigte sich, dass die meisten Eisenklammern im Lauf der Jahre stark korrodiert und teils erhebliche Schäden – auch innerhalb dieser – verursachten, die nun zum Großteil ausgetauscht werden mussten. Bei diesen Arbeiten musste sehr behutsam vorgegangen werden, um die noch vorhandene Originalsubstanz nicht zu beschädigen. Aufgrund der Auswertung älterer Dokumentationen und Befunde wurde angenommen, dass die Skulpturen und das Giebelrelief farblich gefasst waren, die Fassung aber im Laufe der Zeit abgewittert ist. Diese Fassung wurde nun im Zuge der Restaurierungsmaßnamen ebenfalls wieder aufgebracht. Das Staatliche Bauamt Bamberg arbeitet hier eng mit dem Landesamt für Denkmalpflege sowie externen Restauratoren und Fachleuten zusammen. Flankierend zu den Natursteinarbeiten wurden die Blitzschutzeinrichtungen, ettliche Verblechungen und Fenster erneuert sowie überarbeitet. Außerdem wurden durch einen Kirchenmaler die Vergoldungen von Attributen der Skulpturen wiederhergestellt. Nun wird die optisch unverändert, aber sanierte Westfassade des Gotteshauses wieder die Menschen im Gottesgarten und im Maintal grüßen.
Insgesamt belaufen sich die Kosten der Maßnahme auf circa 1,1 Millionen Euro. Die Basilika wurde in den Jahren 1743 –1772 nach den Vorgaben des Baumeisters Balthasar Neumann erbaut. Seit der Säkularisation ist die Kirche in staatlichem Eigentum.

Text und Bilder: Gerd Klemenz
Juni 2021

Mariensingen in Vierzehnheiligen

Draußen lachte der Himmel und den Gläubigen in der Wallfahrtsbasilika gingen die Herzen auf. Eine eindrucksvolle Andacht zu Ehren der Muttesgottes Maria am Pfingstsonntag wurde mit Liedern und Weisen aus dem fränkischen Raum in einer besonders Art zelebriert. Der Wechsel zwischen Gesang und Instrumentalmusik belebte die Andacht. Kein einziger Platz war in der großen Basilika frei, denn Aufgrund der erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen wegen der Corona-Pandemie konnten nicht alle Interessierten ins Innere eingelassen werden. Deshalb wurde die Andacht akustisch nach außen übertragen, so dass zahlreiche Besucher sie zumindest so verfolgen konnten.

Der „Graatzer Dreigesang“ mit Heinrich Geßlein und die „Kemmärä Kuckuck“ mit ihrem musikalischen Leiter Hans-Dieter Ruß verstanden es, die Herzen der Gläubigen zu bewegen. Zwischen den einzelnen Liedvorträgen brachte Maria Kutzelmann in fränkischer Mundart kurze Texte ein, an deren Ende alle Gläubige das „Gegrüßet seist du, Maria“ miteinander beteten. Darin ging es um die Begegnung der Jungfrau Maria mit dem Engel Gabriel (Verkündigungsszene), um die verschiedenen Wege, die Maria im Leben zu gehen hatte. Maria wurde als Vorbild vorgestellt, von der man lernen kann, was es heißt, in dieser Welt unterwegs zu sein.
Nach einem Instrumentalstück von den „Kemmärä Kuckuck“ eröffnete Guardian Pater Maximilian mit einem Mariengebet die Andacht. Es folgte der „Graatzer Dreigesang“, der diesmal ein Viergesang war, mit dem „Engel des Herrn“. Im Mittelpunkt dabei stand der Verkündigungs-Dialog zwischen dem Erzengel Gabriel und Maria. Sehr ruhig und beschaulich im Vortrag waren die Beiträge der Gruppe aus Kemmern.
Im Wunderburger Marienlied „Hier vor deinem Bilde“ von Max Schäfer wurde die Gottesmutter um ihren Segen für die Menschheit gebeten. Das bekannte „Sei gegrüßt, du Gnadengarten“ trug der Graatzer Dreigesang vor. Es gehört zu den populären Marienliedern und ist in vielen Varianten bekannt. Das Lied ist im Umfeld der Mariazeller Wallfahrt im frühen 18. Jahrhundert entstanden und wurde im 19. und 20. Jahrhundert im süddeutschen Kulturraum weitertradiert.
Bei „Zu dir o Maria“ fungierte Maria Kutzelmann eindrucksvoll als Vorsängerin der einzelnen Strophen. „Es blühn drei Rosen“, ein altes Marienlied aus Schlesien, trug der „Graatzer Dreigesang“ vor. Eigens für Schiffswallfahrten nach Bornhofen hat im Jahre 1842 der Dichter und Schriftsteller Guido Görres (1805–1852) das weit über die Grenzen hinaus bekannte Wallfahrtslied: „Geleite durch die Wellen“ geschrieben. Es folgten das Speyerer Marienlied „Königin voll Herrlichkeit“ und „Ave Glöcklein“.

In der Basilika wurden die Marienlieder gefühlvoll und andächtig interpretiert von den acht Musikern aus dem Bamberger Land. Mit „O, Maria sei gegrüßt“ setzte der „Graatzer Dreigesang“ das Programm fort. Die Gäste aus Kemmern trugen das populäre Marienlied „Es blüht der Blume eine“ des katholischen Publizisten Guido Görres (1805–1852) vor, das seit seiner Entstehung im 19. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts im katholischen Milieu weit verbreitet war. Ein gesangliches Erlebnis war „Hör, O Mutter dies Gebet“, vorgetragen vom „Graatzer Dreigesang“, sowie das fränkische Volkslied „Maria, du Schöne“ mit den „Kemmärä Kuckuck“.

Guardian Pater Maximilian dankte den Akteuren für ihre einfühlsamen Beiträge und schloss mit den Worten: „Es war kein Gegeneinander wie beim Eurovision Song Contest, sondern ein harmonisches Miteinander.“ Nach dem Schlusssegen brachten der „Graatzer Dreigesang“ mit „O blick mild hernieder“ mehrstimmig den Lobpreis Mariens, der Patronin des Frankenlandes, zu Gehör.

Am Ende gaben die „Kemmerer Kuckuck“ eine Zugabe, die dazu ermutigen sollte, in dieser besonderen Zeit der Entbehrungen und Beschränkungen die Hoffnung nicht zu verlieren. Das fachkundige Publikum dankte den Gruppen aus der Region für ihre gelungene Darbietung mit einem warmen Applaus. Als nach 60 Minuten die Marienandacht ausklang, waren sich die anwesenden Zuhörer einig, dass es wieder eine ergreifendes Erlebnis war. Froh und gestärkt verließen sie die Basilika und gingen beschwingt ihrer Wege.

Text und Bild: Gerd Klemenz
Mai 2021

Ökumenischer Segnungsgottesdienst in Vierzehnheiligen

Seit über einem Jahr bestimmt das Corona-Virus das Leben der Menschen. Vieles, was geplant wurde, konnte nicht stattfinden, sondern musste wegen des Lockdowns und den Corona-Bestimmungen verschoben oder gar abgesagt werden. Über ein Jahr Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie lassen die Menschen sehnsüchtiger, depressiver und einsamer werden. Aber nicht nur in der Pandemie lässt sich die Erfahrung machen, dass Lebenspläne durchkreuzt werden und es ganz anders kommt als gewünscht. Solche Erfahrungen griff der ökumenische Gottesdienst auf, zu dem die Franziskaner und die Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Bad Staffelstein-Herreth am Freitag in die Wallfahrtsbasilika eingeladen hatten. Der Guardian des Klosters, Pater Maximilian, Pater Bernhard, Schwester Alexia und Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen  sprachen im Wechsel lyrische Texte. Trost spendete auch die Orgel. Basilikaorganist Georg Hagel verband die Texte mit besinnlichen Orgelmeditationen und mit Einzelgesang. „Da durchkreuzt einer meine Pläne, macht mir einen Strich durch die Rechnung. Musste das sein?“, fragte Pater Maximilian zu Beginn. „Und da stehe ich nicht alleine da, sondern es sind weltweit unzählige Menschen, deren Pläne in den letzten Tagen und Wochen durchkreuzt wurden.“ Wie es jetzt weitergeht, weiß momentan keiner. Die immer neuen Nachrichten machen das Leben nicht leichter. Es gilt, sich neu zu orientieren und irgendwie zu versuchen, neue Pläne zu machen. Und dabei den Mut nicht zu verlieren und eine Hoffnung zu bewahren, die stärker ist, als es jedes Virus je sein könnte. Pater Maximilian tröstete schließlich die Gläubigen mit den Worten: „Bei allem, was unsere Lebenspläne und Wege durchkreuzt, dürfen wir trotzdem Gottes Beistand erhoffen.“ Schwester Alexia trug mit „Der schwarzer Punkt“, eine Geschichte zum Nachdenken vor. Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen beleuchtete in ihrer Ansprache eine Situation, in der ein Mensch hart getroffen ist und trotz seine Einschränkungen den verbleibenden Freiraum nützt. Was hilft, in einer Krise nicht zu zerbrechen, sondern den Lebensmut zu bewahren? „Medizin und Psychologie haben sich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit dieser Frage beschäftigt und dieses Phänomen erforscht. Man fand einen neuen Begriff: Resilienz, der ursprünglich aus der Materialforschung stammt. Er bezeichnet die Fähigkeit eines Materials, nach einer Verformung wieder zurück zu gehen in die ursprüngliche Form. Ein resilienter Mensch ist also einer, der trotz der Einschläge des Lebens oder trotz großer Belastung nicht zerbricht, sondern innerlich heil und stabil bleibt und wieder in Form kommt“, so die evangelische Pfarrerin. Die Heilige Schrift, der Glauben und die Medizin seien sich recht einig, was auf dem Weg dorthin hilfreiche Schritte sein können. „Dem Einschlag der Krise folgt der Ausdruck des Schmerzes. Ich verstumme nicht und drücke mich aus. Zuerst einmal zu mir selbst und dann zu einen vertrauten Menschen.“ Damit die Klage nicht destruktiv wird, weist die Geschichte auf den nächsten Schritt: Wer vom allgemeinen Gefühl „es ist alles ganz schrecklich“ zu dem kommt, worin sein Problem besteht, für den verliert die Krise ihre Übermacht. Sie ist weiterhin da, aber sie nimmt nicht das ganze Leben ein. „Was also ist trotz allem gut und heil in meinem Leben, und wofür bin ich trotz allem dankbar? Wenn mir etwas misslungen ist, was ist mir im Leben schon gelungen. Wenn mir Möglichkeiten genommen wurden, durch ein körperliches Gebrechen oder durch die Pandemie – was kann ich trotz allem tun? Und manchmal tut es gut, das nicht nur zu überlegen, sondern aufzuschreiben“, riet die Pfarrerin. Der nächste Schritt wäre dann zu überlegen, was einem an der Krise zu schaffen macht. Und ob es nicht doch einen Weg gibt, zumindest an der einen oder anderen Stelle etwas zum Positiven zu verändern. „Eine Erkenntnis der Resilienzforschung heißt: Menschen, die besser durch Krisen kommen, suchen schneller nach einer Möglichkeit, ihre Situation konkret zu verbessern. Sie suchen nach Lösungen, die auch im Kleinen Verbesserungen bringen“, erklärte Sabine Schmid-Hagen. Wenn man erfährt, dass das Leben begrenzt und gefährdet ist – was gibt einem Hoffnung? Was trägt im Letzten? Wer einen Sinn und eine Hoffnung für sein Leben hat, hat vermutlich die entscheidende Kraft- und Resilienzquelle. „Unser vergängliches Leben, dieses zerbrechliche Gefäß trägt Gottes Licht in sich und das ewige Leben, das uns Jesus schenkt. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns, auf dass wir uns in unseren Krisen nicht auf uns selbst verlassen, sondern auf ihn und seine wunderbare Kraft. Eine Kraft, die heute schon über unser kleines begrenztes Leben hinausweist auf Gottes Reich“, schloss die Pfarrerin ihre Predigt. In diesem Jahr gab es wegen den Corona-Bestimmungen für die Gläubigen keinen Einzelsegen.

Text und Bild: Gerd Klemenz
Mai 2021

Vierzehnheiligenfest

Sie gaben der weit über das Maintal hinaus bekannten Basilika ihren Namen und viele Katholiken dienen sie auch heute noch als Fürsprecher in schweren Lebensphasen – die 14 Heiligen. Corona-bedingt nahmen in diesem Jahr weitaus wenige Gläubige am Muttertagssonntag am Pontifikalamt anlässlich des Festes der 14 Nothelfer teil. Die festlichen Gewänder der Geistlichkeit und eine geschmückte Basilika bildeten den Rahmen für ein außergewöhnliches Ereignis auf dem „heiligen Berg“.
Georg Hagel spielte gekonnt die Rieger Orgel und es war ein Erlebnis ihn zu hören.

Weihbischof Herwig Gössl zelebrierte einen feierlichen Gottesdienst in der Wallfahrtsbasilika im „fränkischen Bethlehem.“ Mitzebranten waren Guardian Pater Maximilian, Pater Bernhard sowie Domkapitular Professor Dr. Elmar Koziel. In Zeiten der gelebten Ökumene war auch die evangelischen Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen im Altarraum anwesend.
„In verschiedenen Berichten erfahren wir, dass die Bedrängnis den Christen damals mehr zugesetzt haben als die äußeren Bedrohungen und Verfolgungen“, sagte der Weihbischof mit bezug auf die beiden Lesungen. Die Aufbruchsstimmung des Anfangs war verflogen und die ersten Probleme in der christlichen Gemeinden traten auf. Menschen wandten sich wieder vom christlichen Glauben ab und anderen Überzeugungen zu. „Wer sich heute als gläubiger Christ bekennt, fühlt sich schnell großem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt“, sagte Gössl mit Blick auf zahlreiche Kirchenaustritten und Medienberichte. „Es ist eine gewaltige Bedrängnis, die wir spüren und erfahren und am bedrängendsten sind die Fragen, die sich dadurch in einem selbst stellen.“ Hinzu kämen die Bedrängnissen der Pandemie. „Wir stehen als Christen in der Gefolgschaft dessen, der selbst gescheitert ist und abgelehnt wurde – Jesus Christus“, sagte der Weihbischof. Gefährlicher seien jedoch Zeiten großen Erfolges, die für die Kirche die Gefahr bergen, zu selbstbewusst und selbstverliebt zu werden, zu sehr auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und zu wenig auf Gott. Die Erfahrung der Christen, die in der Bedrängnis ausgehalten haben sei, dass sie eine starke Hoffnung geschenkt bekamen, weil sie auf Gott vertrauten. „Die 14 Heiligen sind Menschen, die ihre ganze Hoffnung auf den Herrn gesetzt haben. Dadurch haben sie in der Bedrängnis standgehalten und diese überwunden. Die meisten von ihnen waren Blutzeugen“, sagte der Weihbischof Gössl. Diese Zeugen könnten in der jetzigen Krise Mut machen, weil sie zeigten, dass es sich lohne, gerade in der Bedrängnis umso mehr auf Gottes Liebe zu vertrauen: „Sie machen deutlich, dass wir in der Gefolgschaft des Gekreuzigten die Herrlichkeit der Auferstehung erreichen und damit das Ziel unseres Lebens.“

Am Nachmittag war die Basilika, unter Einhaltung der Corona-Bedingungen zur Vierzehnheiligen-Andacht, die Diakon Sebastian Heim hielt, wieder gut gefüllt. „Vierzehnheiligen ist ein Ort, an dem der Glaube die Hauptrolle spielt, ein Ort, an dem Gott uns Menschen besonders nahe sein will“, so der Diakon. Jeder der 14 Nothelfer sei in einer besonderen Lebenslage nützlich. Sie führten die Menschen zu Gott.
Die traditionelle Prozession um die Basilika konnte Corona-bedingt nicht stattfinden. Stattdessen zog nur der liturgischer Dienst durch die Basilika und Diakon Sebastian Heim trug die Monstranz.

Text und Bilder: Gerd Klemenz
Mai 2021

25-jähriges Priesterjubiläum in Vierzehnheiligen

Am Sonntag feierte unter Corona Bedingungen Pater Clemens in der Wallfahrtsbasilika sein Silbernes Priesterjubiläum, dabei hielt Guardian Pater Maximilian die Festpredigt. Am 1. Mai 1996 war Pater Clemens zusammen mit drei Mitbrüdern zum Priester geweiht worden, um wenige Tage später seine Primiz, die heilige Messe zu feiern. Die Wolfsdorfer und seine Verwandten, Bekannten und Freunden hatten damals stolz auf ihn geschaut. Es wurden Blumenteppiche gelegt und alle freuten sich mit ihm über seine Bereitschaft, Gott zu folgen und ihm mit seinem Leben zu dienen. Am vergangenen Sonntag waren alle dankbar und froh im „fränkischen Jerusalem“ mit Pater Clemens ein kleines Erntedankfest zufeiern und auf 25 segensreiche Jahre seines Wirkens im Weinberg des Herrn zurückzublicken. „Im Rückblick auf dein bisheriges Leben darfst du Spuren Gottes entdecken und daraus Zuversicht und Kraft schöpfen für den Weg, der vor dir liegt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, sagt Jesus im heutigen Evangelium. Wenn ich das Bild betrachte, das Jesus vom Weinstock und den Reben in Worten zeichnet, fällt mir auf, dass darin jeder seine fest zugeschriebene Rolle hat“, so Pater Maximilian zu Beginn seiner Predigt. Der Winzer steckt in seinen Weinberg viel Zeit und Energie und hat am meisten Arbeit damit. Gute Weinstöcke muss er einpflanzen, ausreichend mit Wasser versorgen und die Triebe immer wieder zurückschneiden, damit diese nicht nur viele Blätter haben, sondern Früchte ansetzen. Der Winzer ist der, der am Ende die Früchte erntet und vom Ertrag lebt. Er ist damit beschäftigt, seinen Weinberg zu hegen und zu pflegen. „Im Weinstock sieht sich Jesus selber dargestellt. Dieser versorgt nämlich die Reben mit allem Lebensnotwendigen. Er gibt ihnen Halt und Lebenskraft. Als Priester darfst du ihm da zur Hand gehen und ihm helfen, anderen Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie zu Jesus eine Verbindung aufbauen und diese pflegen können“, so der Guardian weiter. „Im Bild vom Weinstock und den Reben möchte Jesus uns und dir für die nächsten 25 Jahre Mut machen. Frag nicht so vorschnell nach der Frucht und klage nicht darüber, dass man oft so wenig von ihr spürt. Schau jetzt nur auf das eine, auf die Verbindung zum Weinstock, zu Jesus. Er ist die Heimat, er ist das, was dich jeden Tag neu hält und nährt – auch und gerade in diesen Pandemiezeiten“, fügt Pater Maximilian an und fragte anschließend was können wir tun, um die Verbindung zu Jesus zu gestalten und lebendig zu halten sowie was können wir als Reben tun? „Jesu Worte und das Gebet sind die Kanäle, durch die der Lebenssaft vom Weinstock in die Rebe fließt. „Wir können keine Frucht aus uns selbst hervorbringen und sollten uns auch gar nicht allzu sehr mit der Frucht beschäftigen. Entscheidend ist es, mit Jesus in Verbindung zu bleiben. Das geschieht dadurch, dass wir uns immer wieder an seine Worte erinnern, dass wir uns stets vor Augen halten, was er gesagt und getan hat. Und dass wir im Gebet mit ihm in Kontakt bleiben. Wir reden mit ihm, bringen ihm unsere Ängste und Sorgen, aber auch unsere Freude und Hoffnung. Dadurch bleiben wir mit ihm in Verbindung. Wenn wir immer wieder neu hinhören, was Jesus uns durch das Wort der Schrift, aber auch im persönlichen Gebet und in der Begegnung mit unseren Mitmenschen zu sagen hat, dann haben wir schon einen wichtigen Anhaltspunkt, um den Willen Gottes zu erkennen und zu tun“. Mit einem Lied zum Tages Evangelium mit ein paar persönlichen Strophen, welches Pater Maximilian dem Jubilar als Ständchen sang, wurde von Georg Hagel an der Orgel begleitetet, schloss der Festprediger.

Hubert Wagner wurde am 5. März 1966 als erstes von zwei Kindern des Hausmeisters Georg und seiner Ehefrau Walburga Wagner in Lichtenfels geboren. Von 1972 bis 1976 besuchte er in Grundfeld die Grundschule, dann in Unnersdorf ein Jahr die Hauptschule, wechselte dann von 1977 bis 1984 an das Meranier-Gymnasium in Lichtenfels und schließlich bis zum Abitur im Juli 1988 an das Rupert-Neß Gymnasium in Wangen/ Allgäu. Von 1984 bis 1988 wohnte er bei den Franziskanern im Klösterle in Wangen. Die Nähe zu Vierzehnheiligen, mehrere Assisifahrten und diverse Aufenthalte im Kloster zum Mitleben in Eggenfelden und Wangen ließen ihm die Entscheidung reifen, Franziskaner zu werden.

Am 21. Oktober 1988 wurde er in Bad Tölz als Bruder Clemens eingekleidet. Nach dem Noviziat kam er nach München St. Anna, von wo aus er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Philosophie und Theologie studierte. Sein Freisemester verbrachte er im Sommersemester 1992 in Fribourg/ Schweiz. Seine Feierliche Profess legte er am 19. März 1994 in der Franziskanerbasilika Ingolstadt in die Hände von Provinzial P. Heinrich Fürst ab. Missionsbischof Antonio Eduardo Bösl weihte ihn am 30. September1995 in der Pfarrkirche St. Anna zum Diakon.
Weihbischof Bernhard Haßlberger spendete ihm und drei weiteren Franziskanern am 1. Mai1996 in der Basilika Vierzehnheiligen das Sakrament der Priesterweihe. Seine ersten pastoralen Gehversuche als Diakon und Kaplan verbrachte er drei Jahre lang in der Stadtpfarrei St. Anna in München und wechselte im September 1999 für zwei Jahre als Kaplan nach Nürnberg St. Ludwig, bevor er für sechs Jahre als Stadtpfarrer von St. Anna in München zurückkehrte. Von September 2007 bis August 2014 war er als Pfarrvikar in Berlin St. Ludwig tätig. Im September 2014 wurde er Schulseelsorger in Halle an der Saale an drei verschiedenen katholischen Schulen, eine missionarische Aufgabe, die er nach wie vor mit Herzblut und Begeisterung erfüllt.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Den heiligen Georg zum Vorbild nehmen

„Görchn“ feierten Georgentag in der Basilika Vierzehnheiligen

Seit vielen Jahrzehnten feiern die Namensvetter des heiligen Georg am Georgentag, dem 23. April, in der Basilika Vierzehnheiligen gemeinsam einen Gottesdienst. Nachdem die Feierlichkeiten im letzten Jahr, bedingt durch die Corona-Pandemie ausfallen mussten, konnte diesmal der Gottesdienst trotz der weiter grassierenden Pandemie unter den gebotenen Schutzmaßnahmen stattfinden, wobei natürlich der übliche gemeinsame Ausflug erneut nicht möglich war. Der Guardian, Pater Maximilian Wagner, der das Georgsamt zelebrierte, gratulierte alle auf den Namen des Heiligen Georg getauften Christen, vor allem natürlich die Mitglieder des Georgen-Komitees und den Kirchenmusiker Georg Hagel.

Der Pater verwies auf die ganz oben auf dem Baldachin des Gnadenaltars sitzende Figur des heiligen Georg, der mit Lanze und dem getöteten Drachen versehen, als einer der 14 Nothelfer gilt. Georg sei um 280 in Kappadokien in der heutigen Türkei geboren worden und soll als Legionär für den römischen Kaiser Diokletian gekämpft haben und um 305 als Christ im Rahmen der Christenverfolgung gefoltert und enthauptet worden sein.

Der Guardian ging auch auf die bekannte Legende ein. Demnach habe ein Drachen eine Stadt terrorisiert, indem er jeden Tag ein Menschenopfer forderte und auch die Königstochter sollte vor diesem Schicksal nicht verschont werden. Georg tötete das Untier, rettete die Königstochter und erlöste die Stadt vor der Knechtschaft des Drachen. Der Sieg Georgs über den Drachen werde als Sieg des Göttlichen über das Böse gedeutet und gefeiert. Insofern sei Georg ein Heiliger, der wunderbar in die Osterzeit passe und uns deutlich vor Augen führe, dass das Leben stärker sei als alle Mächte des Todes und des Bösen.
In unseren Tagen plage uns das Schreckgespenst des Corona-Virus, das wie ein böser Drache unser aller Leben bedroht, stellte der Pater fest. In ständig wachsenden Infektionszahlen, in Horrorbildern von überfüllten Intensivstationen und Massengräbern in manchen Ländern trete er uns entgegen und behindere uns in den notwendigen Beschränkungen des alltäglichen Lebens. Möge der heilige Georg uns helfen, dass wir uns mutig und entschlossen den Herausforderungen des Lebens stellen und hoffentlich die Pandemie bald in den Griff bekommen, stellte der Guardian abschließend voller Zuversicht fest.

 

Text: Alfred Thieret
Bilder: Georg Kronecker

Wallfahrtsjahr Eröffnung in Vierzehnheiligen

Seit dem Jubiläumsjahr der Erzdiözese Bamberg 2007 wird das Wallfahrtsjahr in Vierzehnheiligen mit einem Tag der Wallfahrt eröffnet. Vorsichtiger Optimismus herschte am vergangenen Sonntag zur Eröffnung des Wallfahrtsjahrs im „fränkischen Bethlehem“ unter dem Motto „Gott gab uns Atem, damit wir leben.“ Das Thema ist gut biblisch, im Wortlaut einem Lied entnommen, dessen Strophen Diakon Eckart Bücken für den evangelischen Kirchentag 1983 in Hannover getextet hatte. „Als wir uns Anfang dieses Jahres in der Hausgemeinschaft für dieses Thema entschieden hatten, waren wir davon ausgegangen, dass wir die Corona-Pandemie bis zur Jahresmitte doch soweit im Griff haben, dass die Wallfahrten fast wie früher nach Vierzehnheiligen kommen können“, sagte Pater Maximilian, Guardian des Franziskanerklosters. „Damals dachten wir, dass wir wenigstens in der zweiten Jahreshälfte 2021 gleichsam aufatmen können und die dunkle Zeit hinter uns lassen dürfen. Die Impfungen bleiben für uns offensichtlich der einzige Ausweg aus der Pandemie, und das Hoffnungslicht am Ende des Tunnels wird von Tag zu Tag heller.“ Erschreckend hohe Infektionszahlen und Todesfälle, Medienbilder von Massengräbern, überfüllten Intensivstationen und künstlich beatmeten Patienten und die Angst, sich selber mit dem Virus anzustecken und schwer daran zu erkranken, prägen allerdings nach wie vor den Alltag, so der Pater. Und es beschleiche einen immer wieder das ungute Gefühl, als ob diese Katastrophe kein Ende nehmen wolle. Pater Maximilian erinnerte daran, dass viele Wallfahrten in der Barockzeit unter dem Eindruck der Pest-Epidemie entstanden. Damals baten die Menschen um den göttlichen Beistand und hofften, von der tödlichen Pestgefahr verschont zu werden. „Unsere Zeit ist dem Ursprungsanliegen der Wallfahrt also sehr ähnlich. Gehen in kleinen Gruppen, vielleicht auch in kürzere Strecke, stellvertretend für alle, ist besser als die Wallfahrt erneut abzusagen“, erklärte der Guardian.

Die Wallfahrtsbasilika ist für persönliche Gebete offen und miteinander können Gottesdienste gefeiert werden. In der Basilika stehen 160 Plätze mit Sicherheitsabstand und viel Umluft, also corona-konform bereit. Außerdem gibt es die Möglichkeit, bei großem Andrang Gottesdienste nach außen zu übertragen. So begrüßte der „Rector ecclesiae“ der Wallfahrtsbasilika am Sonntag etliche Wallfahrer. Einige kleine Radgruppen der Concordia aus Altenkunstadt und Umgebung hatten sich mit den Fahrrädern auf den Weg gemacht.

In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte der Franziskanerpater das Wallfahrtsmotto. „Es muss ein ganz schlimmer Moment sein, wenn dir plötzlich die Luft wegbleibt, wenn du nicht mehr richtig atmen kannst und du das Gefühl hast, zu ersticken. Vielleicht hast du selber so etwas schon einmal erleben müssen bei einer starken Bronchitis, Lungenentzündung oder in einer Schocksituation“, sagte er. Und wie so oft, erst wenn die Atmung nicht mehr einwandfrei funktioniert, wenn Atemaussetzer oder Asthma das Leben bestimmen und einschränken, werde die Atmung zu einem kostbaren Gut. „In solchen Momenten kommt Angst auf, weil das Leben bedroht ist“, so der Franziskanerpater zu Beginn seiner Predigt. Gott schenke Atem und neues Leben, indem er dem Menschen den Lebensodem durch die Nase einhauchte: „Erst der Lebensatem Gottes macht uns lebendig. Durch den Atem sind wir göttlich inspiriert, können Leben denken, planen und gestalten als Ebenbilder Gottes. Der Atem ist unser ständiger Begleiter, er kommt und geht, ganz von selber.“ Wer einen schweren Verlauf von Covid-19 habe, müsse auf der Intensivstation künstlich beatmet werden, um zu überleben. „Asthma und Corona machen uns bewusst, wie schlimm es ist, wenn uns die Luft wegbleibt“, so der Geistliche weiter. Gott gebe nicht nur den Atem zum Leben, sondern auch den langen Atem zum Durchhalten in Krisen und zum Verstehen der Lebenszusammenhänge und des Glaubens. Dieses Durchatmen mit und bei Gott im Gebet helfe, die Aufgaben und die Wege in einer gewissen Gelassenheit und im Vertrauen auf Gottes Begleitung zu gehen. „Ihr seid nach Vierzehnheiligen gekommen: lasst uns neu aufatmen, durchschnaufen und Luft holen, damit unser Leben hier am Gnadenort mit neuer Kraft und Zuversicht erfüllt wird“, so Pater Maximilian zum Schluss seiner Predigt.

Text und Bild: Gerd Klemenz

Fränkische Passion in Vierzehnheiligen

Das letzte Abendmahl und der Gang nach Golgatha im heimischen Dialekt – das muss kein Widerspruch sein. Dass durch die vertraute Mundart die Botschaft Christi besonders tief in die Herzen der Zuhörer einzieht, bewies die „Fränkische Passion“ am fünften Fastensonntag in der Wallfahrtsbasilika. Pater Maximilian freute sich über zahlreiche Besucher, die den Weg in die Basilika gefunden hatten, um diese besondere fränkische Andacht in der Fastenzeit mitzufeiern. In acht Teilen erzählte Maria Kutzelmann die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu Christi, vom Abendmahl über den Gang zum Ölberg bis zum Tod am Kreuz, den er für die Menschen erlitten hat. Das besondere daran war, dass Kutzelmann alle Stationen in fränkischer Mundart verfasst hat. Als Jesus mit seinen zwölf Jüngern zum Abendmahl zusammen kam, sprach er „Wos ich euch etz sooch is gwies wohr: Aner vo euch 12 werd sei, der wo mich ausliefert! Aner vo euch, der mit mit om selbm Tisch isst!“ Was dann passiert, weiß jeder Christ – oder wie Maria Kutzelmann vortrug: „Ich kenn denn Menschn net, vo dem wo ihr redt!“ Und Jesus antwortete: „Noch bevor der Göckä es zweitamoll kräht, werst du mich drei mol verleugna.“ „Wölltä dass ich euch den König der Judn freigeb?“, fragt Pilatus, der zum Fest seines Volkes immer einen Gefangenen freigab. „Er hat nämlich gewisst, dass der unschuldig war. Obä des Volk wor aufgetzt und hot die Freigob vom Barabas – des wor a Verbrecher – g´fordert.“ Auf Golgatha, erzählte Kutzelmann schließlich „In der dritten Stund’ hom sie Jesus dann aufn Kreuzbalkn genagelt. Zwischen zwaa Verbrecher, die wo auf Kreuze ohgebunden worn, hom sie des Kreuz donn aufgstellt und hom Jesus sei Schicksol überlassen.“ Zur andächtigen Stimmung und gelungenen musikalischen Umrahmung trugen die „Kemmärä Kuckuck“ aus Kemmern unter der Leitung von Hans-Dieter Ruß mit Musik und Gesang bei. Der Ausdruck fränkischer Identität in der Volksmusik ist das Bewahren des Dialekts, der Erhalt und die Weitergabe des überlieferten Liedguts, aber auch das stolze Tragen der regionalen Tracht. Kein Wunder, dass die Reaktionen der Besucher auf die „fränkische Passion“ nach dem abschließenden Segen Pater Maximilian durchweg positiv ausfielen. Für alle, die in der Basilika den Gesängen, Melodien und der im heimischen Dialekt vermittelten Leidensgeschichte Jesu lauschten, ging ein Nachmittag zu Ende, der im Herzen nachklingt. Viele waren sich beim Verlassen der Basilika sicher: „Zum Mariensingen im Mai semme widder in der Basilika dabei.“ Dann singen und spielen die „Kemmärä Kuckuck“ wieder in der Wallfahrtsbasilika. Im Mai finden auch wieder Andachten im „fränkischen Bethlehem“ statt.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

4. Fastenpredigt

Ein bockiger Prophet, der nicht mit Gottes Barmherzigkeit zurechtkommt, sich schmollend auf einen Berg zurückzieht und darauf hofft, dass Gott das Gericht wie angekündigt durchzieht. Und dann wird das Ganze noch pfiffig abgeschlossen – mit einem offenen Ende. Dieser unerwartete Schluss nimmt der biblischen Geschichte von Jona jeden märchenhaften Charakter. Franziskanerpater Maximilian lud am Sonntagnachmittag zur letzten Fastenpredigt zum Thema „Die letzte Frage bleibt unbeantwortet – Die Antwort wird von dir erwartet“ ein. Wieder waren zahlreiche Gläubige in die Wallfahrtsbasilika gekommen, um die Predigt mitzuerleben. Nachdem Gott seine Drohung nicht wahrgemacht und die Reue der Einwohner von Ninive berücksichtigt hat, denkt man: Ende gut, alles gut. Jetzt wird aber der Prophet Jona zornig, er fühlt sich verraten und klagt Gott an für dessen Mitleid. „Wir erfahren nun den wahren Beweggrund von Jonas Flucht – Angst“, sagte Pater Maximilian. „Aber nicht die Angst vor den Niniviten, sondern die Angst, Gott könne am Ende, wenn’s drauf ankommt, ein gnädiger und barmherziger Gott sein.“ Gott passe nicht in das Bild, das sich der Prophet von ihm gemacht hatte. „Aber mal Hand aufs Herz, gibt es nicht vielleicht Fälle, in denen es uns genauso geht wie Jona? Wo wir auch protestieren, uns schmollend zurückziehen und Gott am liebsten ins Gesicht sagen würden, dass wir auf ihn sauer sind? Wo wir seine Gnade und Vergebung nicht verstehen und auch nicht einsehen?“, fragte der Prediger. Jeder Mensch kenne Situationen, in denen er verwundbar ist und wo es ihm schwer falle zu vergeben. Dann sei man mit Gottes Barmherzigkeit überfordert und wünsche sich insgeheim, dass Gott die Schuldigen bestraft. Gott nehme seinen eigensinnigen Propheten gleichsam in die Schule der Barmherzigkeit, erklärte Pater Maximilian. So baut Jona sich eine Hütte, um sich vor der Sonne zu schützen und außerdem spende ein Rizinus-Strauch zusätzlichen Schatten. Doch dann wird dieser Strauch von einem Wurm heimgesucht und ein heißer Ostwind bringt unerträgliche Hitze. Jona packt der Zorn über diesen verdorrten Busch und die Hitze und Gott, der das nicht verhindert hat und überhaupt will er lieber tot sein. Gott ergreift die Gelegenheit, den zornigen Propheten auf sich und sein großes Herz aufmerksam zu machen. Er lässt sich auf Jona ein, macht ihm am Beispiel einer Pflanze und eines Wurms deutlich, warum er Ninive vergeben hat und was sein Innerstes bewegt. „Du weinst um Pflanzen, Jona, aber ich habe Mitleid mit ganz vielen Menschen“, erklärt Gott Jona seine Gefühle. „Diesen Weg geht übrigens auch Jesus und macht das anschaulich beim barmherzigen Vater und seinen verlorenen Sohn, in einer Geschichte im Neuen Testament“, so der Geistliche. Die Zielgruppe dieser Geschichte sind nicht die armen Zöllner und Sünder, die reumütig zu Gott zurückkehren, sondern die Pharisäer und Schriftgelehrten, die sich für perfekt halten. Für Gott gebe es kein Zuviel an Barmherzigkeit, seine Gnade höre nie auf. Seine Barmherzigkeit habe kein Ende. „Das Beispiel Ninive zeigt uns, dass es bei Gott immer Hoffnung für Verlorene gibt“, so Pater Maximilian. Die Jona-Geschichte veranschauliche die unaufhörliche Zuwendung Gottes zu den Menschen. Dieses Botschaft ziehe sich wie ein roter Faden durch die Jona-Geschichte. Mit einer Frage versucht Gott Jona das Herz zu öffnen: „Du hast Mitleid mit dieser Rizinusstaude, um die du dich nicht bemüht und die du nicht aufgezogen hast. Und ich sollte kein Mitleid haben mit Ninive, in der mehr als 120 000 Menschen leben?“ Das Buch Jona ende mit der Frage, ob Jona bereit ist, sich auf diesen Prozess einzulassen? Doch das wisse niemand, denn Jona gibt keine Antwort. Diese offene Frage sei an alle Menschen gerichtet. „An uns liegt es, diese Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen weiter zu schreiben“, so Pater Maximilian. Am Sonntag, 21. März findet um 14 Uhr das fränkische Passionssingen mit Musik, Gesang und Texten vom Abendmahl bis zur Kreuzigung in der Basilika statt. Der Eintritt ist frei.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Nachruf von Richard Lurz sen.

Die katholische Kirchenstiftung der Basilika Vierzehnheiligen trauert um ihren Kirchenschweizer Richard Lurz der am 25.02.2021 im Alter von 90 Jahren in Gottes Ewigkeit heimgerufen wurde.
Herr Richard Lurz war von Dezember 1975 bis Mai 2001 der Kirchenschweizer der Basilika Vierzehnheiligen. Dieses Amt übte er ehrenamtlich bis zu seinem 70. Lebensjahr aus.
Gerade, aufrecht und freundlich begleitete er damals jährlich über 80 Wallfahrtsgruppen in die und aus der Basilika, sorgte gelegentlich mit einem klaren Machtwort für die Ordnung im Heiligtum und war mehr als eine ganze Generation von Pilgern das sympathische Gesicht von Vierzehnheiligen und der „Hüter der Basilika“.
Auch in der Kirchenverwaltung der Wallfahrtskirche, wirkte Herr Richard Lurz viele Jahre engagiert als Kirchenrat mit.
1983 belebte Herr Richard Lurz sen. die Wallfahrt der Grundfelder, Wolfsdorfer, Reundorfer und Schönbrunner nach Marienweiher wieder, eine Tradition, die Ende der 60-er bzw. Anfang der 70-er Jahre eingeschlafen war. Da eine Wallfahrt ohne Musik nichts ist, gründete er dafür eine eigene Bläsergruppe, bei der er selber mitspielte. Aus diesen Anfängen ist die Blasmusikkapelle „ Die Nothelfer“ hervorgegangen.
Im Buch „Wallfahrt nach Vierzehnheiligen“ von P. Dominik Lutz ist Herr Richard Lurz auf einem doppelseitigen Bild als Kirchenschweizer bei der Fronleichnamsprozession verewigt. Als solcher wird er uns stets in dankbarer und bester Erinnerung bleiben.

Zum Sterbebild – bitte hier klicken