Vierzehnheiligenfest 2020

Fast zwei Monate nach Beginn der Schließungen wegen der Corona-Pandemie haben vorvergangenes Wochenende erstmals Kirchen unter strengen Auflagen gemeinschaftliche Gottesdienste gefeiert. Zu den Höhepunkten des Kirchenjahres auf dem „heiligen Berg“ gehört das Fest der heiligen 14 Nothelfer, das in der Wallfahrtsbasilika mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick, Domvikar Professor Dr. Elmar Koziel und erstmals auch der neue Guardian Pater Dietmar gefeiert wurde.
„Äußerlich ist unsere Basilika an diesem festlichen Tag so leer wie wohl noch nie zuvor am Nothelferfest. In Gedanken ist die Basilika aber übervoll mit Menschen, die eine tiefe Beziehung zu diesem besonderen Ort haben und die als Wallfahrer oder aufgrund ihres Alters in diesem Jahr nicht körperlich anwesend sein können“, so Pater Dietmar in seinen Grußworten. „So können wir miteinander das schöne Fest unserer 14 Heiligen feiern, jener Nothelfer, die gerade in den vergangenen Wochen der Corona-Krise umso häufiger angerufen worden sind, und die uns in dieser belasteten Zeit besonders geholfen haben“, so der Guardian weiter. Georg Hagel spielte gekonnt zu diesem besonderen Gottesdienst die Rieger Orgel.

„Zurzeit wird viel in den Medien über die systemrelevanten Institutionen und Personen geredet. Die Kirche ist Gemeinschaft der Glaubenden, die das Evangelium der Gottes- und Menschenliebe verkündet und es in Taten der Liebe wirksam werden lässt. Nicht systemrelevant ist die Kirche, sondern menschenorientiert, lebensdienlich und zukunftsrelevant. Darum müssen wir uns bemühen“, so Erzbsichof Dr. Ludwig Schick zu Beginn seiner Predigt. Das spüre man gerade jetzt in der Coronazeit und beim Vierzehnheiligen-Fest. Die Heiligen seien Märtyrer, die Menschen in den verschiedenen Nöten beigestanden haben. „Besonders die 14 Nothelfer sind die eigentlichen Prototypen und Protagonisten der Kirche.“ Sie würden zeigen, was Kirche für alle ihren Gläubigen sein muss: die Nöte und Sorgen der Menschen wahrnehmen und zu helfen suchen. „Wenn derzeit überall gewünscht wird, zur Normalität zurückzukehren, dann darf das nicht bedeuten, dass wir wie die Israeliten, die aus der Sklaverei Ägyptens befreit werden, einfach wieder zu den Fleischtöpfen Israels zurück wollten“, so Schick weiter. „Wir müssen als Kirche einer Gesellschaft dienen, die auf dem Weg ins ,gelobte Land bleiben, die kein geschlossenes System sein darf, sondern die sich wandelt auf das Reich Gottes hin.“ Es müsse eine Gesellschaft sein und ein menschliches Miteinander, „in der wir nicht immer reicher, immer schneller werden und das ,ich‘ mehr in den Vordergrund stellen und das ,wir‘ vergessen“, erklärte der Bamberger Erzbischof. Dem Bamberger Erzbischof war sichtlich die große Freude anzumerken, den ersten öffentlichen Gottesdienst nach dem Verbot wegen Corona hier in Vierzehnheiligen zu feiern. Ist doch die päpstliche Basilika das zweitwichtigste Gotteshaus im Erzbistum.

Guardian Dietmar erklärte, dass die Werktagsgottesdienste um 7 und 8 Uhr ohne Anmeldungen stattfinden, während für die sonntäglichen Gottesdienste um 7 Uhr, 8 Uhr, 9 Uhr und 10.30 Uhr eine Anmeldung an der Klosterpforte (Tel. (09571) 95080) notwendig ist. Die Andachten sonntags um 14 Uhr müssen bis auf weiteres entfallen, ebenso die Prozessionen.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Wallfahrten nach Vierzehnheiligen fallen Corona zum Opfer

ediglich in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges wurden die Wallfahrten aus dem Grabfeld zum oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen abgesagt. In diesem Jahr ist es die Corona-Pandemie, die die Pilger aus Rhön-Grabfeld sowie dem Landkreis Bad Kissingen und auch Thüringen zu Hause bleiben lässt. Für die Wallfahrtsführer der verschiedenen Ortschaften eine schwere Entscheidung.

Erstes Wallfahrtsjahr für den neuen Guardian
So auch für Engelbert Brüger, der seit vielen Jahren die Männerwallfahrt von Bad Königshofen nach Vierzehnheiligen als Wallfahrtsführer betreut. So auch für Dietmar Brüggemann, Guardian und Rektor der Basilika in Vierzehnheiligen: „Ich hätte gerne die Wallfahrer von überall her bei uns herzlich begrüßt, muss aber allen aus Gründen der aktuellen Pandemie absagen.“ Für Brüggemann wäre es das erste Wallfahrtsjahr gewesen, das er als Guardian begleitet hätte. Er will allerdings ein Wallfahrtsgebet herausgeben, das die Pilger an ihrem Wallfahrtstag zu Hause beten können.

Eine gute Idee, findet der Bad Königshofener Wallfahrtsführer Engelbert Brüger: „So sind wir mit einer Art Gebetskette miteinander verbunden“. Auch Pfarrer Josef Treutlein, Rektor am Käppele in Würzburg, der lange Jahre Geistlicher Begleiter der Bad Königshofener Wallfahrt war, sieht dies so. „Diese Wallfahrt kann man nicht aus dem Herzen reißen, sie findet statt, wenn auch nur in der Verbindung durch das Gebet.“ Die Bad Königshofener Männerwallfahrt hätte in diesem Jahr zum 75. Mal stattgefunden. Für den gebürtigen Bad Königshofener Treutlein ist der Freitag nach Christi Himmelfahrt deshalb ein Tag, an dem er, wenn auch nur in Gedanken, „seine Wallfahrt nach Vierzehnheiligen unternimmt.“ Er weiß sich an diesem Tag mit Hunderten von Männern im Gebet verbunden.

Gesundheit der Pilger steht im Vordergrund
Brüger verweist bei der Absage auf die Anweisung der Staatsregierung, die bis 31. August Großveranstaltungen nicht erlaubt. Außerdem sei die vorgeschriebene Distanz von bis zu zwei Metern zu anderen Personen beim Laufen, Rasten und bei Gottesdiensten nicht möglich. „Da kämen allein bei unserer Wallfahrt mit bis zu 400 Pilgern mehrere Kilometer zusammen, wenn wir Distanz halten müssten.“ Zudem sei die Verpflegung an den Raststationen nicht gewährleistet, weil Gaststätten wahrscheinlich noch nicht geöffnet haben. Die Übernachtung in Privatquartieren auf dem Rückweg in Seßlach sei den Gastgeberfamilien ebenfalls nicht zuzumuten. „Das ist sehr schade und schmerzlich, aber wir müssen in diesen Wochen und Monaten auf unsere eigene und die Gesundheit unserer Mitmenschen Rücksicht nehmen. Das ist bestimmt auch im Sinne der vierzehn Nothelfer. Bleiben wir an den Wallfahrtstagen miteinander im Gebet verbunden“, schreibt der Wallfahrtsführer an die Teilnehmer der Männerwallfahrt Bad Königshofen-Vierzehnheiligen.

Wallfahrt Bad Königshofen 2018

Wie Bad Königshofen haben unter anderem nun auch Merkershausen, Sulzfeld, Hollstadt, Bischofsheim, Mellrichstadt und Eyershausen abgesagt. Laut Guardian Brüggemann läuten zurzeit in de Basilika täglich um 14 Uhr die Nothelfer-Glocken. So sei man in Gedanken mit vielen Gläubigen verbunden, die zu Hause ein „Vater unser“ beten.

Überstunden-Abbau und ein frommer Wunsch
Pro Jahr besuchen üblicherweise an die 500.000 Pilger den oberfränkischen Wallfahrtsort. Pater Dietmar Brüggemann zählt 180 Gruppen. Ihn selbst bewegt das Jahr ohne Wallfahrer auch emotional. Zu tun hat er aber trotzdem, denn auch die Absagen und vieles andere muss im Kloster organisiert werden: „Vierzehnheiligen lebt von der Wallfahrt auch materiell gesehen“. Verkaufsstände, Gastronomie und die Übernachtungseinrichtungen sind zurzeit geschlossen. Öffentliche Gottesdienste finden nicht statt, voraussichtlich bis Ende Mai. „Wir Franziskaner feiern die Heilige Messe zwar ohne Besucher, sind allen Gläubigen aber in ganz besonderer Weise beim Gebet verbunden.“

Laut Vierzehnheiligen-Geschäftsführer Raimund Hümmer bauen einige der rund 50 Angestellten, viele davon in Teilzeit, im Moment Überstunden ab. Das Küchenpersonal habe in der vergangenen Woche die Lagerbestände sortiert, bereits eingekaufte Getränke an die Lieferanten zurückgegeben. Pater Dietmar Brüggemann hofft, dass er das Wallfahrtsjahr 2020 noch nicht ganz abschreiben muss: „Wir halten uns bereit.“ Das allerdings werde wohl ein „frommer Wunsch bleiben.“

Aus „Rhön u. Saalepost“ vom Freitag 01. Mai 2020

Bilder Vierzehnheiligen

Neuer Guardian in Vierzehnheiligen

Seit einigen Wochen leitet Franziskanerpater Dietmar Brüggemann das Ordensleben im „fränkischen Bethlehem.“ Mit Wallfahrten hat der 62-Jährige Erfahrung, da er zuvor in Neviges bei Wuppertal wirkte. Wichtig ist es ihm, den Brüdern der Gemeinschaft nicht nur ein geistliches Zuhause zu ermöglichen, sondern auch eine Atmosphäre des Wohlwollens, der Gastfreundschaft und der Offenheit. „Alle sollen hier in ihrer Besonderheit leben und atmen können“, betont er. „An das gut Gewachsene anknüpfen, Bewährtes weiterführen und das ein oder andere neu zu erschließen“, nennt er als Ziele. Vor allem will der neue Guardian mit seinem Team und den vielen Helfern Vierzehnheiligen offenhalten für die Gläubigen und Suchenden. „Ich habe vom früheren Guardian und Leiter Pater Heribert ein wohlbestelltes Haus übernommen“, sagt Brüggemann. Unbekümmert habe er sich für die Aufgabe als Guardian von Vierzehnheiligen entschieden. Doch daraus sei nichts geworden: „Ich wurde gleich richtig ausgebremst. Eine meiner ersten Amtshandlungen war es, den Gläubigen vor der Eingangstür zu erklären, dass erstmals keine Gottesdienste aufgrund von Corona stattfinden. Ich wollte keine Schilder aufhängen, sondern es persönlich erklären. Einige wollten es gar nicht glauben.“ Viel Kraft forderten die Einschränkungen aufgrund der Pandemie den Franziskanerpatres in den vergangenen Wochen ab. „Immer wieder heißt es, das machen wir nicht und das auch nicht“, berichtet er. Führungen, Reisegruppen und einige Wallfahrten wurden abgesagt. „Das ist schon ganz schön frustrierend, gerade am Anfang meiner Tätigkeit in Vierzehnheiligen.“ Umso schöner sei es, dass Vierzehnheiligen den Menschen am Obermain so viel bedeutet: „Da gibt es eine starke Verbundenheit, die gewachsen ist, aber äußerlich zur Zeit ruht, da keine Gottesdienste stattfinden.“ Umso erfreulicher sei die Anteilnahme an Vierzehnheiligen in dieser schweren Zeit, die viele Gläubige per Mail oder die sogenannten sozialen Netzwerke im Internet bekunden. „Die Krise trifft uns an der empfindlichsten Stelle, denn Kirche und Seelsorge lebt von Nähe und Kontakt“, erklärt der Guardian. „Dass die heiligen Messen nicht öffentlich gefeiert können, ist ein großer Schmerz und Verlust. Es greift mir ans Herz, wenn ich die leere Kirche ohne Gottesdienstbesucher sehe.“ Doch es sei wichtig, nicht nur auf das zu schauen, was nicht möglich ist, sondern neue Dinge wertzuschätzen und zu praktizieren, die möglich sind und die einen Reichtum darstellen, empfiehlt Brüggemann.
So war in der Fastenzeit die „Mauer der Klage“ in der Basilika aufgestellt. Hier konnten die Gläubigen ihre Bitten und Klagen aufschreiben und ablegen. Beicht- und Gesprächsangebote finden samstags und nach Vereinbarung in der Beichtkapelle statt. In der Basilika sind die Franzikanerpatres regelmäßig präsent. Pater Dietmar wünscht sich, dass die Wallfahrten nach dieser Durststrecke wieder in Gang kommen und sich viele Menschen auf den Weg nach Vierzehnheiligen machen, um sich eine Stärkung für den Alltag zu holen und ihre Ängste zu verarbeiten. Vierzehnheiligen bezeichnet der Geistliche als „eine Art Leuchturm“ für bestimmte seelsorgerische Anliegen in ökumenischer Verantwortung, die in vielen Pfarrgemeinden so nicht möglich sind – etwa Segnungsgottesdienste oder Fastenpredigten.
Immer mehr Menschen kämen nach Vierzehnheiligen mit dem Wunsch, ein persönliches Fest, wie etwa ein Ehejubiläum zu feiern, was in vielen Gemeinden aufgrund des Priestermangels nur noch bedingt möglich ist.

Sorgen bereitet dem Guardian die Finanzierung der neuen Glocken, die ohne Einnahmen aus Führungen, von Reisegruppen oder Kirchenbesuchern schwieriger wird. Deshalb hofft Pater Dietmar auf Spenden.

Die Osterfeiertage haben die Patres im häuslichen Rahmen verbracht. „Uns ist es wichtig, dass die Kirche geöffnet bleibt, die Mesner und Kirchenschweizer werden die Kirche so festlich gestalten wie im letzten Jahr auch“, betonte der Guardian. So wurden das Kreuz und das „Heilige Grab“ aufgestellt und die Basilika geschmückt, damit die Gläubigen, die zum Beten in die Kirche kommen, zumindest etwas österliche Atmosphäre erfahren. Sobald wieder öffentliche Gottesdienst möglich sind, können auch Wallfahrten und Besuchergruppen kommen.

Auch der Nachwuchsmangel bereitet dem Franziskanerpater sorge. Von Sommer 2019 bis Sommer 2020 werden Deutschlandweit sechs Franziskanerklöster aus Personalmangel geschlossen. Vierzehnheiligen genieße in der Ordensprovinz allerdings einen besonderen Stellenwert. Und das Aufgabenfeld mit der Seelsorge, Gottesdiensten, Beichte und Wallfahrten sei besonders reizvoll. Dennoch bleibe die Frage, ob sich auf Dauer genug Patres für Vierzehnheiligen finden. Zurzeit leben vier Patres über 80 Jahre und drei im Arbeitsalter auf dem „heiligen Berg.“

Durch einen familiären Bezug kam Pater Dietmar zum Franziskanerorden. Über seinen Onkel kam der erste Kontakt zustande. So waren ihm die Brüder und ihr Leben von Kindheit an vertraut. Als Abiturient lernte er mehrere Franziskanerklöster kennen und das Gefühl „Da gehöre ich hin“ wuchs. „In all den 43 Jahren hab ich das nie bereut, nur dass ich mit 19 Jahre bereits ins Kloster eingetreten bin. Direkt nach dem Abitur hätte ich noch andere Erfahrungen außerhalb des Klosters machen sollen“, sagt er. Nach dem Studium in Münster und Freiburg wirkte der Franziskaner in Hannover, in Dortmund, in Paderborn, in Füssen im Allgäu sowie in Neviges. Ein Jahr lang arbeitete er als Taxifahrer in Münster und fuhr Menschen nach Hause, die nicht ahnten, dass sie mit einem Geistlichen im Auto saßen. „Ich habe selten so offene Gespräche geführt wie im Taxi“, erinnert er sich. Die raue Wirklichkeit der Großstadtnächte ermöglichte Brüggemann den Blick über den Tellerrand des Klosters. Ebenso die 13 Jahre, in denen er als Krankenhausseelsorger Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet hat. Ausgleich findet er in der Lektüre von Gedichten und beim Hören von Opern.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Segnungsgottesdienst zu Valtentinstag in Vierzehnheiligen

Nichts ist heißer als das Feuer der Liebe. So hatten sich am Sonntagnachmittag trotz stürmischem Wetter rund 350 Paare auf den Weg nach Vierzehnheiligen gemacht, um am ökumenischen Segnungsgottesdienst unter dem Motto „Weißt du noch ….?“ teilzunehmen. Dazu hatten die Franziskaner, die Franziskusschwestern und die evangelisch-lutherische Gemeinde Bad Staffelstein-Herreth eingeladen. In jedem Jahr erinnert der Valentinstag daran, welches Geschenk eine Ehe, eine Freundschaft, eine Partnerschaft ist. Verliebtsein kennt bekanntlich kein Alter. So trafen sich sowohl junge, frischverliebte Paare in der Basilika als auch solche, die schon vor Jahrzehnte den Bund fürs Leben schlossen und noch heute gemeinsam „durch dick und dünn gehen“.

Guardian Pater Dietmar Brüggemann, Pater Bernhard Braun, Schwester Alexia Hoderlein und ev. Pastor Matthias Hagen zelebrierten in diesem Jahr gemeinsam die ökumenische Segnungsfeier zum Valentinstag. Schwester Alexia gab Impulse zu was „Liebe heißt“. In seiner Predigt ging der Pastor Hagen auf das Motto „Weißt du noch ….?“ ein und erzählte von verschiedenen Erlebnissen. Dabei wurden die Erinnerung bei den Besuchern angeregt und ließen Bilder und Erinnerungen wach werden. Gänsehautgefühle kamen dann auf, als Georg Hagel eines der bekanntesten Lieder der britischen Band The Beatles aus dem Jahr 1967 „All You Need Is Love“ ( Alles, was du brauchst, ist Liebe) auf der Orgel vortrug. Dann fuhr der evangelische Pastor in seiner Predigt fort und ging auf das bekannteste Beziehungssymbol, die Ringe ein. „Vergleichen sie einmal ihre Ringe genauer und sie werden entdecken wie verschieden sie geworden sind mit der Zeit durch Kratzer und Schrammen. So wird auch eure Liebe in all den Jahren Gebrauchsspuren zeigen“, so Pastor Hagen. Die Liebe füreinander soll niemals aufhören, darin erinnern die Trauringe. Denn an einem Ring kann man wieder entlang fahren – er hat keinen Anfang und kein Ende. „Liebe ist wie eure Ringe, nicht dazu da, als glänzendes Geschenk in der Schublade zu verstauben, sondern euren täglichen Umgang miteinander zu begleiten“, so der evangelische Geistlicher weiter.

Schließlich – als schönem und natürlich sehr emotionalem Höhepunkt des Gottesdienstes schritten die Paare zum Gnaden-, Petrus- und Paulusaltar, um für sich und ihre Ehe von den Geistlichen den Segen Gottes zu empfangen. Sich an den Händen führend, fühlten sich die Paare in diesem Moment an den Gang zum Traualtar erinnert. Bei manchen, wie bei Anton und Anne Reinhardt aus Uetzing, die vor 42 Jahren heirateten, liegt der schönste, bis heute unvergessliche Tag im Leben schon eine Weile zurück. Sicherlich waren auch Paare vor Ort, bei denen Amors Pfeil erst vor kurzen ins Herz getroffen hat. Wunderschön war es anzusehen, wie die Pärchen voller Inbrunst mitbeteten, mitsangen und gemeinsam diesen Gottesdienst feierten. Die Partner sagten quasi noch einmal „Ja“ zueinander. Bei der Segnung durften sich die Paare auch über ein hübsches Kärtchen freuen, das zwei nebeneinander liegende Ringe zeigt. Der ökumenische Segnungsgottesdienst auf den „heiligen Berg“ hat die teilnehmenden Paare innerlich gestärkt und ihre Liebe gefestigt. Ein nettes Wort, ein Strauß Blumen, geschenkte Aufmerksamkeit – aber eben nicht nur am Valentinstag tut einer Beziehung immer gut. Mit phantasievoller Orgelmeditation verstand es Georg Hagel, Regionalkantor des Erzbistums Bamberg, die Segensfeier zu bereichern.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

 

Neuer Guardian in Vierzehnheiligen

Pater Dietmar Brüggemann, der neue Guardian und Rector der Basilika auf dem heiligen Berg, feierte am Sonntagfrüh in der gut gefüllten Wallfahrtsbasilika seinen ersten Gottesdienst.

Seit dem Zusammenschluss der vier Franziskanerprovinzen im Juli 2010 ist es möglich, Franziskaner deutschlandweit einzusetzen, und so ist der bisherige Guardian des Wallfahrtsklosters Neviges, zum neuen Guardian und Wallfahrtsleiter in Vierzehnheiligen ernannt worden und als gebürtiger Säuerländer jetzt an den Obermain gekommen. „Ohne zu ahnen, dass ich den Dienst als Guardian und Wallfahrtsseelsorger in Vierzehnheiligen übernehmen würde, habe ich im Mai 2019 dort Urlaub gemacht. Immer wieder habe ich mich in diesen Tagen auch in die Basilika zurückgezogen und dabei den Raum und die Menschen darin auf mich wirken lassen“, so kürzlich Pater Dietmar, der in den vergangenen fünf Jahren auf dem Hardenberg im Velberter Ortsteil Neviges in Nordrhein-Westfalen tätig war. Bei seinem Urlaub beeindruckte ihm der Strom der vielen Wallfahrer und Beter sowie junge und alte Menschen. Alle strömten zum Gnadenaltar mit dem Jesuskind und den 14 Nothelfern. „In diesem Moment kam er mir wie eine Rettungsinsel vor, auf der Schiffbrüchige Schutz sowie Geborgenheit suchen und finden um dann erleichtert und gestärkt wieder nach Hause zu ziehen“, erinnerte sich Pater Dietmar. „Der Gnadenaltar eine Rettungsinsel im Strom der Wallfahrer, Beter und Suchenden, dann sind wir Mitarbeiter in der Wallfahrt, Seelsorge und Franziskaner in diesem Strom so etwas wie Lotsen, die den Menschen helfen, zur Ruhe zu kommen und ihren Platz in der Kirche neu zu finden“, so der 62-jährige weiter. So möchte Pater Dietmar Brüggemann seinen künftigen Dienst in Vierzehnheiligen verstehen und damit an das anknüpfen, was Pater Heribert und die anderen Franziskanerpaters in die Wallfahrtsseelsorge eingebracht haben. „Pater Heribert war mein Dozent im Studium. Zu seiner Zeit als Provinzial habe ich in seine Hände meine ewige Profess abgelegt. Ich empfinde es als Ehre, aus seiner Hand die Schlüssel für Vierzehnheiligen zu übernehmen“, so Pater Dietmar.

Im Blick auf die Menschen in Oberfranken, die er bis jetzt kennengelernt habe, hatte er den Eindruck, sie sind irgendwie ähnlich wie die Sauerländer – bodenständig und offen. „Das jedenfalls sind zwei Eigenschaften, die mir sehr wichtig sind“, so der neue Guardian. In seinen fast 35 Priesterjahren hat er schwerpunktmäßig in der Pfarrseelsorge, der Klinik- und zuletzt fünf Jahre in der Wallfahrtsseelsorge gearbeitet. Sein erster Gottesdienst im „fränkischen Bethlehem“ feierte er nun am Sonntagfrüh am Gnadenaltar – der Rettungsinsel in der päpstlichen Basilika, zusammen mit dem Geistlichen Rektor der Bildungshäuser Domvikar Professor Dr. Elmar Koziel. Seine erste Predigt, die er vor dem Volksaltar verkündete, stellte er unter das Thema „Umzug und Vernetzung“. Diese beiden Begriffe findet man auch im Evangelium wieder, denn auch Jesus zog um, so Pater Dietmar. Die Jünger vernetzen sich mit Jesus und folgen ihm nach. Vor Weihnachten lernte Pater Dietmar einen neuen Menschen im Bistum Köln kennen, der in einem kleinen Ort bei Bonn arbeitete. Der gelernte Tischler fertigte Figuren aus alten Balken. Das Besondere daran war, dass alle eine Krone haben. In jedem Menschen sieht er die Würde, sieht er die Krone, die er trägt, als Kern seiner Arbeit. Und damit folgt er Jesus, der die Menschen an ihre Krone erinnert. „Umzug und Vernetzung“, vielleicht ist das auch ein hilfreiches Stichwort für uns als Kirche hier in Vierzehnheiligen, stellte Pater Dietmar in den Raum. Dass wir die Augen öffnen für Menschen, die ihre Würde vergessen haben. „Mir kommt es so vor, dass die wunderbare Basilika so was ist wie eine Krone. Wie wäre es doch schön, wenn die Menschen hierher kommen und sich an ihre Krone, ihre Würde erinnern als Kind Gottes. Last uns daran mitarbeiten“, so der neue Guardian zum Schluss. Gekonnt begleitete Basilikaorganist Georg Hagel den Gottesdienst.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

 

Silvesterkonzert in Vierzehnheiligen

Beim Silvesterkonzert wurde den zahlreichen Zuhörern in der weihnachtlich geschmückte Basilika ein wunderschöner Jahresausklang beschert. Basilkaorganist Georg Schäffner aus Gößweinstein und Trompeter Moritz Görg aus Würzburg spielten Werke aus vier Jahrhunderte von Bach, Bernstein, Lemmens, Martini, Marcello und Vierne.
Zum Auftakt des Konzertes erklang präzise und beschwingt die Toccata D-Dur von P. Giambattista Martini, der als Kapellmeister der Franziskanerkirche in Bologna war und mit seinen Kompositionen die Aufmerksamkeit auf sich zog. Im Winter 1770 ließ sich der junge Wolfgang Amadeus Mozart auf einer Italienreise von Martini im Fach Kontrapunkt unterweisen. Martini schrieb bedeutende Lehrwerke über Musik und stand mit den namhaftesten Musikern und Gelehrten aus ganz Europa in Korrespondenz. Dem Concerto D-Dur von Alessandro Marcello für Trompete und Orgel, das im Anschluss zu hören war, verdankt seine Popularität der Cembalo-Bearbeitung durch Johann Sebastian Bach. Um 1712 hatte Bach sich mit den Konzerten seines italienischen Zeitgenossen Antonio Vivaldi auseinandergesetzt. Vivaldis Kompositionen waren im 18. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet und erfreuten sich großer Beliebtheit.

Görg und Schäffner gelang es durch ihr virtuoses Spiel, barocke Klangpracht zu entfalten. So entstand durch ihr einfühlsames Zusammenspiel eine ganz besondere Atmosphäre im Kirchenraum. Zu den großartigsten Orgelwerken Bachs gehört die Toccata C-Dur. Toccata und Fuge C-Dur, BMV 564 ist eine Orgelkomposition von Johann Sebastian Bach, die er 1708 in Weimar in seiner Zeit als Hoforganist schrieb. Das Werk stellt eine Besonderheit innerhalb von Bachs Arbeit dar, weil Bach zwischen das Präludium (die Toccata) und die Fuge noch einen langsamen Satz einschiebt. Eine Komposition, die hohe Anforderungen an den Interpreten stellen. „Joshua Fit the Battle of Jericho“ ein bekannter afroamerikanischer Spiritual, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert von Slaven komponiert wurde, folgte im Mittelteil des Silvester-Konzerts. Das Stück bezieht sich auf die Eroberung Jerichos durch den Feldherren Josua. Die biblische Geschichte berichtet, dass die Mauern der Stadt durch den Klang von Posaunen eingestürzt sind.

Die gewaltige Basilikaorgel mit ihren 5000 Pfeifen im Zusammenklang mit der Brillanz des Trompeters wird zu einem einmaligen Klangerlebnis. Die Werke des amerikanischen Musikers Leonard Bernstein, für Trompete und Orgel arrangiert, dürfen getrost als Rarität bezeichnet werden. Die Präludien des Komponisten Bernsteins „Something ’s Coming“ und „Tonight“ aus dem Musical „West-Side-Story“ weisen deutliche Jazz-Elemente auf.
Görg und Schäffner brachten die technisch und rhythmisch anspruchsvollen Stücke witzig, pfiffig und im Allegro dramatisch-bizarr zu Gehör. Louis Vierne war Privatschüler von César Franck und wurde im Jahr 1900 zum Titularorganisten an Notre-Dame (Paris) ernannt. Zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa und die USA machten ihn weltbekannt. 1898 schrieb Vierne seine erste Orgelsinfonie op. 14. Das „Finale“ aus der 1. Sinfonie wurde von Georg Schäffner an der Rieger-Orgel vorgetragen.
Den Schlussteil des Konzerts leitete eine Kompositionen des Belgiers Nicolas Jacques Lemmens ein. Bei den drei aus der „Cole d’Orgue“ entnommenen Orgelstücken (Fanfare, Cantabile und Finale) des Spätromantikers, wurden durch eine Stimme für Trompete durch Schäffner ergänzt, überzeugten die beiden Künstler erneut als Meister ihres Instruments. Auf den begeisterten minutenlangen Beifall antworteten Schäffner und Görg mit dem „Ave Maria“ von Giulio Romano Caccini sowie „Highland Cathedral“, die inoffizelle Hymne Schottlands.

Text und Bild: Gerd Klemenz

Wallfahrtsführertreffen 2019

Kaum geht ein Wallfahrtsjahr seinem Ende entgegen, beginnen schon die Planungen für das kommende Jahr. Es bringt aber auch einige Veränderungen mit sich, wie das Wallfahrtsführertreffen zeigte. So gibt es im nächsten Jahr mit Pater Dietmar einen neuen Guardian und die Glocken läuten wieder bei der Ankunft.

Am vergangenen Samstag waren wieder über 200 Verantwortliche der Wallfahrten aus dem ganzen Frankenland zum diesjährigen Wallfahrtsführertreffen gekommen. „Endlich läuten die Glocken wieder“, freute sich eine Wallfahrtsführerin aus Unterfranken.
In der Basilika fand zunächst ein Gottesdienst statt. Zum Einzug schallte es laut „Vierzehnheilige Schutzpatrone“ durch das gut gefüllte Gotteshaus, das die Wallfahrtsführer aus voller Brust sangen. Der Dankgottesdienst wurde von Guardian Pater Heribert Arens und Pater Dietmar Brüggemann aus dem Nevigeser Kloster im Erzbistum Köln zelebriert. Pater Heribert dankte den Wallfahrtsleitern für ihre großen Anstrengungen während der Vorbereitung und Umsetzung der Wallfahrt. In der Predigt stellte Pater Dietmar mit „Gesegnet bist du“ das Leitwort für das kommende Wallfahrtsjahr in den Vordergrund. Das neue Wallfahrtsjahr wird am Sonntag, 26. April 2020 mit einem Festgottesdienst feierlich eröffnet. Pater Heribert bedankte sich bei den vielen Spendern für die Basilikaglocken, aber es klaffe immer noch eine Lücke. In diesem Zusammenhang wieß er noch auf das „Erinnerungsglöckchen“ zur Glockenweihe sowie auf die „Festschrift zur Fertigstellung des erneuerten und erweiterten Geläuts“ hin, die anschließend an der Klosterpforte erworben werden konnte.

Nach dem Gottesdienst versammelten sich alle Wallfahrtsführer im „Viktor von Scheffel-Saal“ des Diözesanhauses zur Terminkonferenz. Erstmals wurden die zahlreichen Termine von April bis November im Vorfeld von Sekretärin Waltraud Kießling ausgedruckt und so konnte jeder „seinen“ Termin schneller überprüfen. Unklarheiten konnten schließlich mit der Sekretärin abgeklärt werden.

Der Geschäftsführer des Diözesanhauses Raimund Hümmer informierte die Wallfahrtsführer über die umfangreiche Generalsanierung des Hauses Frankenthal und der Gastwirtschaft „Goldener Hirsch“. Beide Projekte sollen 2020 wieder eröffnet werden, aber erst nach der Wallfahrtssaison. Sehr gut wurde die Zimmerreservierung im Vorfeld der Wallfahrt von den Pilgern angenommen, stellte Hümmer fest. Zu Engpässen könne es in den Monaten Mai bis Juli kommen, insbesondere an Himmelfahrt.

Die Sekretärin erklärte, dass die Einladungen im nächsten Jahr per Email versendet werden. Aus organisatorischen Gründen bat sie, die Anmeldungen rechtzeitig abzugeben.
Anschließend stellte sich Pater Dietmar als Nachfolger von Pater Heribert den Wallfahrtsführern vor. Der 62-jährige kommt aus dem Nevigeser Kloster im Erzbistum Köln ins „fränkische Bethlehem“ am Obermain. Seine ersten Gottesdienste wird er in Vierzehnheiligen am Sonntag, 26. Januar 2020 in der Basilika feiern.
Pater Heribert wird Vierzehnheiligen im Januar verlassen und dann neue Aufgaben im Franziskanerkloster Dorsten wahrnehmen.

Mesner Tobias Hartmann zeigte eine Powerpoint-Präsentation über die zahlreichen Arbeiten in den Glockentürmen der Basilika.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Weitere Fotos von P. Stanislaus

P. Heribert verkündigt Abschied und stellt Nachfolger vor

Schon lange gab es die Gerüchte, seit Samstag haben sich diese nun bestätigt: Franziskanerpater Heribert Arens verlässt nach neun Jahren als Guardian von Vierzehnheiligen den Wallfahrtsort. Seinen letzten Gottesdienst wird der gebürtige Westfale am Sonntag, 12. Januar 2020 um 10.30 Uhr mit den Gläubigen am Obermain feiern. Der 77-jährige wird dann neue Aufgaben im Franziskanerkloster Dorsten wahrnehmen. Dorsten liegt im Übergang vom südlichen Münsterland zum nördlichen Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen an der Lippe, etwa 24 km von deren Mündung in den Rhein entfernt.

Am vergangenen Samstag war mit Pater Dietmar Brüggemann der zukünftige Guardian und Rektor der Basilika im „fränkischen Bethlehem“ zu Gast. Der 62-jährige kommt aus dem Nevigeser Kloster im Erzbistum Köln in den Gottesgarten. Seit dem Frühjahr steht fest, dass die Franziskaner nach fast 350 Jahren Neviges verlassen werden. „Dem Entschluss ging ein zweijähriger Prozess voraus, in dem entschieden wurde, welche Standorte auf Dauer bestehen bleiben, welche mittelfristig aufgegeben werden und welche im Lauf des Jahres geschlossen werden. Neviges gehört leider dazu“, bedauerte Pater Dietmar. „Bei den Versetzungen wurden persönliche Neigungen und Vorlieben berücksichtigt, da gibt es keinen Marschbefehl“, so Pater Dietmar, der schon länger wusste, dass er Hausoberer und Wallfahrtsleiter in Vierzehnheiligen wird. „Ich hatte mich schon ein bisschen darauf gefreut, durfte aber nicht drüber reden. Die Aufgaben sind vergleichbar wie in Neviges, nur eine Nummer größer, das macht mich schon ein bisschen gelassen. Ich tausche dann das Bergisch-Westfälische gegen fränkisches Barock, das kommt mir gelegen, weil ich ein barocker Typ bin.“

Der gebürtige Sauerländer war zuvor unter anderem als Krankenhaus- und Pfarrseelsorger an der Medizinischen Hochschule Hannover, in Dortmund, in Paderborn und in Füssen im Allgäu beschäftigt. Seine ersten Gottesdienste auf dem „Heiligen Berg“ in Vierzehnheiligen wird er am Sonntag, 26. Januar 2020 in der Wallfahrtsbasilika feiern.

Text & Bild: Gerd Klemenz

Geldspende für die neuen Glocken

Eine Geldspende in Höhe von 3000 Euro konnte der Kirchenschweizer i.R. Holger M. M. Schwind zusammen mit dem Basilika-Mesner Tobias Hartmann und Kirchenschweizer Daniel Reitz im Rahmen eines Festhochamtes an Guardian Heribert Arens überreichen. „Der Geldbetrag soll für die neuen Basilikaglocken verwendet werden. Es ist der Erlös von Adventsmärkte, die ab 2012 im Klostergarten stattfanden sowie von großzügigen Spenden des Basilika-Teams“, erklärte Holger Schwind bei der Übergabe. Vor zwölf Jahren wurde das Basilika Team durch den ehemaligen Kirchenschweizer gegründet, um das Kirchenpersonal bei der Vorbereitung der Gottesdienste im Jahreskreis zu unterstützen.

Text & Foto: Gerd Klemenz

Die Glocken grüßen wieder in den Gottesgarten

Am Vorabend des Christkönigssonntags waren erstmals wieder die Glocken des erneuerten und erweiterten Geläutes von Vierzehnheiligen zu hören. Zahlreiche Interessierte versammelten sich zur „Glockenvesper“ auf dem Basilika-Vorplatz. Den Zuhören war anzumerken, dass für sie ein Herzenswunsch in Erfüllung ging, was sich am Schluss im Applaus widerspiegelte. Seit dem Vierzehnheiligenfest im Mai hatten die Glocken am Wallfahrtsort geschwiegen. In dieser Zeit wurden die Glockenstühle neu aufgebaut, die wieder in Holzbauweise gefertigt wurden. In diesen bereichern nunmehr sechs weitere Glocken das Geläut. Insgesamt läuten im „fränkischen Betlehem“ jetzt elf Glocken zu den verschieden Anlässen, einzeln oder im Ensemble.

Nachdem vor zwölf Jahren zwei Haltebänder der großen Blasius-Glocke gerissen waren, wurde nach die Ursachen geforscht und in der gekröpften Aufhängung und dem „stählernen“ Glockenstuhl gefunden. Zum Erhalt der Glocken war ein Umbau notwendig. Vom Organisten Georg Hagel kam die Anregung, in dem zu erneuernden Glockenstuhl Platz für weitere, kleinere Zimbel-Glocken vorzusehen. Bei der Auswahl der Glocken wurde darauf geachtet, dass sie in das Klangbild des vorhandenen Geläutes passen. In der „Glockenvesper“ erklangen nun die Glocken, einzeln und im Ensemble – und sie erzählten dabei von der wechselvollen Geschichte von Vierzehnheiligen. Die einzelnen Zeitabschnitte wurden mit farblichen Lichteffekten auf der Nordseite der Basilika bewegend untermalt.

Die kleinste Glocke „puer natus est“ – „Ein Kind ist uns geboren“ erinnerte an den 24. September 1445, als Hermann Leicht, dem Schäfer des Klosters Langheim, auf dem Acker ein weinendes Kind erschien. Als die „Nothelferglocke“ und die „Jesuskind-Glocke“ gemeinsam erklangen, erinnerte man an der 14 Kinder, der Nothelfer. Im 18. Jahrhundert beauftragten die Zisterzienser schließlich Balthasar Neumann mit dem Bau der Basilika. Daran erinnert die Benedikt- und die Bernhardglocke. Die Basilika ist 1772 vollendet, doch keine der ursprünglichen Glocken existiert mehr. 1835 schlägt der Blitz ein, die Türme und der ganze Dachstuhl brennt ab, die Glocken werden zerstört. 1839 ruft König Ludwig I. die Franziskaner nach Vierzehnheiligen. Dessen eingedenk ertönte schließlich die „Franziskusglocke“. 1869 wurden die beiden großen Glocken gegossen, die noch heute im Südturm läuten. Nun erklangen die Georg- und Blasius-Glocke von Gießer Johann Paul Lotter. Hinzu gesellten sich dann die beiden Glocken von 1921 und die Nothelferglocke von 1950. Sodass zum Schluss für Minuten der komplette Altbestand erklang.

Nun berichtete Kirchenpfleger Richard Lurz von der Entscheidung, neue Glocken zu gießen, um die alten Glocken und die Türme zu entlasten. Organist Georg Hagel erläuterte die einzelnen Schlagtöne und Gewichte aller elf Glocken. Nun konnten die Gläubigen den Klang der neuen Glocken nacheinander genießen. Für einige Minuten grüßten sie zusammen in den Gottesgarten hinein.
Als Zisterzienserkirche ist die Basilika eine Marienkirche. Das wurde auch im gemeinsamen „Gegrüßet seist du, Königin“ und dem Läuten der vier Marienglocken hörbar.

Im Anschluss sprach Guardian Pater Heribert Arens Dankesworte an die Spender sowie an alle beteiligten Firmen aus.

Text & Bilder: Gerd Klemenz