Neuer Guardian in Vierzehnheiligen

Pater Dietmar Brüggemann, der neue Guardian und Rector der Basilika auf dem heiligen Berg, feierte am Sonntagfrüh in der gut gefüllten Wallfahrtsbasilika seinen ersten Gottesdienst.

Seit dem Zusammenschluss der vier Franziskanerprovinzen im Juli 2010 ist es möglich, Franziskaner deutschlandweit einzusetzen, und so ist der bisherige Guardian des Wallfahrtsklosters Neviges, zum neuen Guardian und Wallfahrtsleiter in Vierzehnheiligen ernannt worden und als gebürtiger Säuerländer jetzt an den Obermain gekommen. „Ohne zu ahnen, dass ich den Dienst als Guardian und Wallfahrtsseelsorger in Vierzehnheiligen übernehmen würde, habe ich im Mai 2019 dort Urlaub gemacht. Immer wieder habe ich mich in diesen Tagen auch in die Basilika zurückgezogen und dabei den Raum und die Menschen darin auf mich wirken lassen“, so kürzlich Pater Dietmar, der in den vergangenen fünf Jahren auf dem Hardenberg im Velberter Ortsteil Neviges in Nordrhein-Westfalen tätig war. Bei seinem Urlaub beeindruckte ihm der Strom der vielen Wallfahrer und Beter sowie junge und alte Menschen. Alle strömten zum Gnadenaltar mit dem Jesuskind und den 14 Nothelfern. „In diesem Moment kam er mir wie eine Rettungsinsel vor, auf der Schiffbrüchige Schutz sowie Geborgenheit suchen und finden um dann erleichtert und gestärkt wieder nach Hause zu ziehen“, erinnerte sich Pater Dietmar. „Der Gnadenaltar eine Rettungsinsel im Strom der Wallfahrer, Beter und Suchenden, dann sind wir Mitarbeiter in der Wallfahrt, Seelsorge und Franziskaner in diesem Strom so etwas wie Lotsen, die den Menschen helfen, zur Ruhe zu kommen und ihren Platz in der Kirche neu zu finden“, so der 62-jährige weiter. So möchte Pater Dietmar Brüggemann seinen künftigen Dienst in Vierzehnheiligen verstehen und damit an das anknüpfen, was Pater Heribert und die anderen Franziskanerpaters in die Wallfahrtsseelsorge eingebracht haben. „Pater Heribert war mein Dozent im Studium. Zu seiner Zeit als Provinzial habe ich in seine Hände meine ewige Profess abgelegt. Ich empfinde es als Ehre, aus seiner Hand die Schlüssel für Vierzehnheiligen zu übernehmen“, so Pater Dietmar.

Im Blick auf die Menschen in Oberfranken, die er bis jetzt kennengelernt habe, hatte er den Eindruck, sie sind irgendwie ähnlich wie die Sauerländer – bodenständig und offen. „Das jedenfalls sind zwei Eigenschaften, die mir sehr wichtig sind“, so der neue Guardian. In seinen fast 35 Priesterjahren hat er schwerpunktmäßig in der Pfarrseelsorge, der Klinik- und zuletzt fünf Jahre in der Wallfahrtsseelsorge gearbeitet. Sein erster Gottesdienst im „fränkischen Bethlehem“ feierte er nun am Sonntagfrüh am Gnadenaltar – der Rettungsinsel in der päpstlichen Basilika, zusammen mit dem Geistlichen Rektor der Bildungshäuser Domvikar Professor Dr. Elmar Koziel. Seine erste Predigt, die er vor dem Volksaltar verkündete, stellte er unter das Thema „Umzug und Vernetzung“. Diese beiden Begriffe findet man auch im Evangelium wieder, denn auch Jesus zog um, so Pater Dietmar. Die Jünger vernetzen sich mit Jesus und folgen ihm nach. Vor Weihnachten lernte Pater Dietmar einen neuen Menschen im Bistum Köln kennen, der in einem kleinen Ort bei Bonn arbeitete. Der gelernte Tischler fertigte Figuren aus alten Balken. Das Besondere daran war, dass alle eine Krone haben. In jedem Menschen sieht er die Würde, sieht er die Krone, die er trägt, als Kern seiner Arbeit. Und damit folgt er Jesus, der die Menschen an ihre Krone erinnert. „Umzug und Vernetzung“, vielleicht ist das auch ein hilfreiches Stichwort für uns als Kirche hier in Vierzehnheiligen, stellte Pater Dietmar in den Raum. Dass wir die Augen öffnen für Menschen, die ihre Würde vergessen haben. „Mir kommt es so vor, dass die wunderbare Basilika so was ist wie eine Krone. Wie wäre es doch schön, wenn die Menschen hierher kommen und sich an ihre Krone, ihre Würde erinnern als Kind Gottes. Last uns daran mitarbeiten“, so der neue Guardian zum Schluss. Gekonnt begleitete Basilikaorganist Georg Hagel den Gottesdienst.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

 

Silvesterkonzert in Vierzehnheiligen

Beim Silvesterkonzert wurde den zahlreichen Zuhörern in der weihnachtlich geschmückte Basilika ein wunderschöner Jahresausklang beschert. Basilkaorganist Georg Schäffner aus Gößweinstein und Trompeter Moritz Görg aus Würzburg spielten Werke aus vier Jahrhunderte von Bach, Bernstein, Lemmens, Martini, Marcello und Vierne.
Zum Auftakt des Konzertes erklang präzise und beschwingt die Toccata D-Dur von P. Giambattista Martini, der als Kapellmeister der Franziskanerkirche in Bologna war und mit seinen Kompositionen die Aufmerksamkeit auf sich zog. Im Winter 1770 ließ sich der junge Wolfgang Amadeus Mozart auf einer Italienreise von Martini im Fach Kontrapunkt unterweisen. Martini schrieb bedeutende Lehrwerke über Musik und stand mit den namhaftesten Musikern und Gelehrten aus ganz Europa in Korrespondenz. Dem Concerto D-Dur von Alessandro Marcello für Trompete und Orgel, das im Anschluss zu hören war, verdankt seine Popularität der Cembalo-Bearbeitung durch Johann Sebastian Bach. Um 1712 hatte Bach sich mit den Konzerten seines italienischen Zeitgenossen Antonio Vivaldi auseinandergesetzt. Vivaldis Kompositionen waren im 18. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet und erfreuten sich großer Beliebtheit.

Görg und Schäffner gelang es durch ihr virtuoses Spiel, barocke Klangpracht zu entfalten. So entstand durch ihr einfühlsames Zusammenspiel eine ganz besondere Atmosphäre im Kirchenraum. Zu den großartigsten Orgelwerken Bachs gehört die Toccata C-Dur. Toccata und Fuge C-Dur, BMV 564 ist eine Orgelkomposition von Johann Sebastian Bach, die er 1708 in Weimar in seiner Zeit als Hoforganist schrieb. Das Werk stellt eine Besonderheit innerhalb von Bachs Arbeit dar, weil Bach zwischen das Präludium (die Toccata) und die Fuge noch einen langsamen Satz einschiebt. Eine Komposition, die hohe Anforderungen an den Interpreten stellen. „Joshua Fit the Battle of Jericho“ ein bekannter afroamerikanischer Spiritual, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert von Slaven komponiert wurde, folgte im Mittelteil des Silvester-Konzerts. Das Stück bezieht sich auf die Eroberung Jerichos durch den Feldherren Josua. Die biblische Geschichte berichtet, dass die Mauern der Stadt durch den Klang von Posaunen eingestürzt sind.

Die gewaltige Basilikaorgel mit ihren 5000 Pfeifen im Zusammenklang mit der Brillanz des Trompeters wird zu einem einmaligen Klangerlebnis. Die Werke des amerikanischen Musikers Leonard Bernstein, für Trompete und Orgel arrangiert, dürfen getrost als Rarität bezeichnet werden. Die Präludien des Komponisten Bernsteins „Something ’s Coming“ und „Tonight“ aus dem Musical „West-Side-Story“ weisen deutliche Jazz-Elemente auf.
Görg und Schäffner brachten die technisch und rhythmisch anspruchsvollen Stücke witzig, pfiffig und im Allegro dramatisch-bizarr zu Gehör. Louis Vierne war Privatschüler von César Franck und wurde im Jahr 1900 zum Titularorganisten an Notre-Dame (Paris) ernannt. Zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa und die USA machten ihn weltbekannt. 1898 schrieb Vierne seine erste Orgelsinfonie op. 14. Das „Finale“ aus der 1. Sinfonie wurde von Georg Schäffner an der Rieger-Orgel vorgetragen.
Den Schlussteil des Konzerts leitete eine Kompositionen des Belgiers Nicolas Jacques Lemmens ein. Bei den drei aus der „Cole d’Orgue“ entnommenen Orgelstücken (Fanfare, Cantabile und Finale) des Spätromantikers, wurden durch eine Stimme für Trompete durch Schäffner ergänzt, überzeugten die beiden Künstler erneut als Meister ihres Instruments. Auf den begeisterten minutenlangen Beifall antworteten Schäffner und Görg mit dem „Ave Maria“ von Giulio Romano Caccini sowie „Highland Cathedral“, die inoffizelle Hymne Schottlands.

Text und Bild: Gerd Klemenz

Wallfahrtsführertreffen 2019

Kaum geht ein Wallfahrtsjahr seinem Ende entgegen, beginnen schon die Planungen für das kommende Jahr. Es bringt aber auch einige Veränderungen mit sich, wie das Wallfahrtsführertreffen zeigte. So gibt es im nächsten Jahr mit Pater Dietmar einen neuen Guardian und die Glocken läuten wieder bei der Ankunft.

Am vergangenen Samstag waren wieder über 200 Verantwortliche der Wallfahrten aus dem ganzen Frankenland zum diesjährigen Wallfahrtsführertreffen gekommen. „Endlich läuten die Glocken wieder“, freute sich eine Wallfahrtsführerin aus Unterfranken.
In der Basilika fand zunächst ein Gottesdienst statt. Zum Einzug schallte es laut „Vierzehnheilige Schutzpatrone“ durch das gut gefüllte Gotteshaus, das die Wallfahrtsführer aus voller Brust sangen. Der Dankgottesdienst wurde von Guardian Pater Heribert Arens und Pater Dietmar Brüggemann aus dem Nevigeser Kloster im Erzbistum Köln zelebriert. Pater Heribert dankte den Wallfahrtsleitern für ihre großen Anstrengungen während der Vorbereitung und Umsetzung der Wallfahrt. In der Predigt stellte Pater Dietmar mit „Gesegnet bist du“ das Leitwort für das kommende Wallfahrtsjahr in den Vordergrund. Das neue Wallfahrtsjahr wird am Sonntag, 26. April 2020 mit einem Festgottesdienst feierlich eröffnet. Pater Heribert bedankte sich bei den vielen Spendern für die Basilikaglocken, aber es klaffe immer noch eine Lücke. In diesem Zusammenhang wieß er noch auf das „Erinnerungsglöckchen“ zur Glockenweihe sowie auf die „Festschrift zur Fertigstellung des erneuerten und erweiterten Geläuts“ hin, die anschließend an der Klosterpforte erworben werden konnte.

Nach dem Gottesdienst versammelten sich alle Wallfahrtsführer im „Viktor von Scheffel-Saal“ des Diözesanhauses zur Terminkonferenz. Erstmals wurden die zahlreichen Termine von April bis November im Vorfeld von Sekretärin Waltraud Kießling ausgedruckt und so konnte jeder „seinen“ Termin schneller überprüfen. Unklarheiten konnten schließlich mit der Sekretärin abgeklärt werden.

Der Geschäftsführer des Diözesanhauses Raimund Hümmer informierte die Wallfahrtsführer über die umfangreiche Generalsanierung des Hauses Frankenthal und der Gastwirtschaft „Goldener Hirsch“. Beide Projekte sollen 2020 wieder eröffnet werden, aber erst nach der Wallfahrtssaison. Sehr gut wurde die Zimmerreservierung im Vorfeld der Wallfahrt von den Pilgern angenommen, stellte Hümmer fest. Zu Engpässen könne es in den Monaten Mai bis Juli kommen, insbesondere an Himmelfahrt.

Die Sekretärin erklärte, dass die Einladungen im nächsten Jahr per Email versendet werden. Aus organisatorischen Gründen bat sie, die Anmeldungen rechtzeitig abzugeben.
Anschließend stellte sich Pater Dietmar als Nachfolger von Pater Heribert den Wallfahrtsführern vor. Der 62-jährige kommt aus dem Nevigeser Kloster im Erzbistum Köln ins „fränkische Bethlehem“ am Obermain. Seine ersten Gottesdienste wird er in Vierzehnheiligen am Sonntag, 26. Januar 2020 in der Basilika feiern.
Pater Heribert wird Vierzehnheiligen im Januar verlassen und dann neue Aufgaben im Franziskanerkloster Dorsten wahrnehmen.

Mesner Tobias Hartmann zeigte eine Powerpoint-Präsentation über die zahlreichen Arbeiten in den Glockentürmen der Basilika.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Weitere Fotos von P. Stanislaus

P. Heribert verkündigt Abschied und stellt Nachfolger vor

Schon lange gab es die Gerüchte, seit Samstag haben sich diese nun bestätigt: Franziskanerpater Heribert Arens verlässt nach neun Jahren als Guardian von Vierzehnheiligen den Wallfahrtsort. Seinen letzten Gottesdienst wird der gebürtige Westfale am Sonntag, 12. Januar 2020 um 10.30 Uhr mit den Gläubigen am Obermain feiern. Der 77-jährige wird dann neue Aufgaben im Franziskanerkloster Dorsten wahrnehmen. Dorsten liegt im Übergang vom südlichen Münsterland zum nördlichen Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen an der Lippe, etwa 24 km von deren Mündung in den Rhein entfernt.

Am vergangenen Samstag war mit Pater Dietmar Brüggemann der zukünftige Guardian und Rektor der Basilika im „fränkischen Bethlehem“ zu Gast. Der 62-jährige kommt aus dem Nevigeser Kloster im Erzbistum Köln in den Gottesgarten. Seit dem Frühjahr steht fest, dass die Franziskaner nach fast 350 Jahren Neviges verlassen werden. „Dem Entschluss ging ein zweijähriger Prozess voraus, in dem entschieden wurde, welche Standorte auf Dauer bestehen bleiben, welche mittelfristig aufgegeben werden und welche im Lauf des Jahres geschlossen werden. Neviges gehört leider dazu“, bedauerte Pater Dietmar. „Bei den Versetzungen wurden persönliche Neigungen und Vorlieben berücksichtigt, da gibt es keinen Marschbefehl“, so Pater Dietmar, der schon länger wusste, dass er Hausoberer und Wallfahrtsleiter in Vierzehnheiligen wird. „Ich hatte mich schon ein bisschen darauf gefreut, durfte aber nicht drüber reden. Die Aufgaben sind vergleichbar wie in Neviges, nur eine Nummer größer, das macht mich schon ein bisschen gelassen. Ich tausche dann das Bergisch-Westfälische gegen fränkisches Barock, das kommt mir gelegen, weil ich ein barocker Typ bin.“

Der gebürtige Sauerländer war zuvor unter anderem als Krankenhaus- und Pfarrseelsorger an der Medizinischen Hochschule Hannover, in Dortmund, in Paderborn und in Füssen im Allgäu beschäftigt. Seine ersten Gottesdienste auf dem „Heiligen Berg“ in Vierzehnheiligen wird er am Sonntag, 26. Januar 2020 in der Wallfahrtsbasilika feiern.

Text & Bild: Gerd Klemenz

Geldspende für die neuen Glocken

Eine Geldspende in Höhe von 3000 Euro konnte der Kirchenschweizer i.R. Holger M. M. Schwind zusammen mit dem Basilika-Mesner Tobias Hartmann und Kirchenschweizer Daniel Reitz im Rahmen eines Festhochamtes an Guardian Heribert Arens überreichen. „Der Geldbetrag soll für die neuen Basilikaglocken verwendet werden. Es ist der Erlös von Adventsmärkte, die ab 2012 im Klostergarten stattfanden sowie von großzügigen Spenden des Basilika-Teams“, erklärte Holger Schwind bei der Übergabe. Vor zwölf Jahren wurde das Basilika Team durch den ehemaligen Kirchenschweizer gegründet, um das Kirchenpersonal bei der Vorbereitung der Gottesdienste im Jahreskreis zu unterstützen.

Text & Foto: Gerd Klemenz

Die Glocken grüßen wieder in den Gottesgarten

Am Vorabend des Christkönigssonntags waren erstmals wieder die Glocken des erneuerten und erweiterten Geläutes von Vierzehnheiligen zu hören. Zahlreiche Interessierte versammelten sich zur „Glockenvesper“ auf dem Basilika-Vorplatz. Den Zuhören war anzumerken, dass für sie ein Herzenswunsch in Erfüllung ging, was sich am Schluss im Applaus widerspiegelte. Seit dem Vierzehnheiligenfest im Mai hatten die Glocken am Wallfahrtsort geschwiegen. In dieser Zeit wurden die Glockenstühle neu aufgebaut, die wieder in Holzbauweise gefertigt wurden. In diesen bereichern nunmehr sechs weitere Glocken das Geläut. Insgesamt läuten im „fränkischen Betlehem“ jetzt elf Glocken zu den verschieden Anlässen, einzeln oder im Ensemble.

Nachdem vor zwölf Jahren zwei Haltebänder der großen Blasius-Glocke gerissen waren, wurde nach die Ursachen geforscht und in der gekröpften Aufhängung und dem „stählernen“ Glockenstuhl gefunden. Zum Erhalt der Glocken war ein Umbau notwendig. Vom Organisten Georg Hagel kam die Anregung, in dem zu erneuernden Glockenstuhl Platz für weitere, kleinere Zimbel-Glocken vorzusehen. Bei der Auswahl der Glocken wurde darauf geachtet, dass sie in das Klangbild des vorhandenen Geläutes passen. In der „Glockenvesper“ erklangen nun die Glocken, einzeln und im Ensemble – und sie erzählten dabei von der wechselvollen Geschichte von Vierzehnheiligen. Die einzelnen Zeitabschnitte wurden mit farblichen Lichteffekten auf der Nordseite der Basilika bewegend untermalt.

Die kleinste Glocke „puer natus est“ – „Ein Kind ist uns geboren“ erinnerte an den 24. September 1445, als Hermann Leicht, dem Schäfer des Klosters Langheim, auf dem Acker ein weinendes Kind erschien. Als die „Nothelferglocke“ und die „Jesuskind-Glocke“ gemeinsam erklangen, erinnerte man an der 14 Kinder, der Nothelfer. Im 18. Jahrhundert beauftragten die Zisterzienser schließlich Balthasar Neumann mit dem Bau der Basilika. Daran erinnert die Benedikt- und die Bernhardglocke. Die Basilika ist 1772 vollendet, doch keine der ursprünglichen Glocken existiert mehr. 1835 schlägt der Blitz ein, die Türme und der ganze Dachstuhl brennt ab, die Glocken werden zerstört. 1839 ruft König Ludwig I. die Franziskaner nach Vierzehnheiligen. Dessen eingedenk ertönte schließlich die „Franziskusglocke“. 1869 wurden die beiden großen Glocken gegossen, die noch heute im Südturm läuten. Nun erklangen die Georg- und Blasius-Glocke von Gießer Johann Paul Lotter. Hinzu gesellten sich dann die beiden Glocken von 1921 und die Nothelferglocke von 1950. Sodass zum Schluss für Minuten der komplette Altbestand erklang.

Nun berichtete Kirchenpfleger Richard Lurz von der Entscheidung, neue Glocken zu gießen, um die alten Glocken und die Türme zu entlasten. Organist Georg Hagel erläuterte die einzelnen Schlagtöne und Gewichte aller elf Glocken. Nun konnten die Gläubigen den Klang der neuen Glocken nacheinander genießen. Für einige Minuten grüßten sie zusammen in den Gottesgarten hinein.
Als Zisterzienserkirche ist die Basilika eine Marienkirche. Das wurde auch im gemeinsamen „Gegrüßet seist du, Königin“ und dem Läuten der vier Marienglocken hörbar.

Im Anschluss sprach Guardian Pater Heribert Arens Dankesworte an die Spender sowie an alle beteiligten Firmen aus.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

Segnung des Aufliegers für die Fernfahrer Seelsorge

Da staunten die Besucher der Basilika nicht schlecht, was da im Konvoi dem „Heiligen Berg“ hochfuhren. Acht, etwa um die 540 PS starke Sattelzugmaschine, eine sogar mit einem Auflieger auf dessen Plane die Botschaft „Hier fährt ein Mensch! Seine Würde ist uns heilig!“stand, parkten auf den Vorplatz ein. Grund hierfür war eine Aktion der „Arbeitsgemeinschaft Kirche für Fernfahrer“, die bereits vor einem Jahr in die Wege geleitet wurde. „Da hat mir der Inhaber der Bad Staffelsteiner Firma CS-Trans Christian Schad die Möglichkeit unterbreitet, einen seiner Sattelauflieger für unsere Sache auf die Straße zu bringen“, erzählte Pastoralreferent und Fernfahrerseelsorger Norbert Jungkunz.

Anfang August war es dann soweit und der Auflieger mit der gestifteten Plane stand in Grundfeld auf dem Firmengelände, am Samstagnachmittag wurden nun die Fahrer und die Fahrzeuge, die den neuen Sattelauflieger mit der Werbung für die Fernfahrerseelsorge ziehen durch Franziskanerpater Heribert Arens gesegnet. „Hier fährt ein Mensch und seine Würde ist uns heilig“, sei eine ganz wichtige Botschaft. „Die Arbeit, die hinter dem Lenkrad geleistet wird ist für die Wirtschaft absolut notwendig und eigentlich unbezahlbar. Der wachsende Konkurrenzdruck mit unfairen Mitteln macht es Speditionen schwer in diesem Wettbewerb zu bestehen. Sie müssen sich dem Kundenwunsch anpassen, wenn sie gute und faire Löhne bezahlen will“, betonte Norbert Jungkunz. „Die Versorger brauchen gute Arbeitsbedingungen und eine vernünftige Verkehrspolitik, die Sozialdumping und Ausbeutung auf der Straße verhindert. Es sind Menschen, die den Auftrag der Beförderung aufnehmen und als solche haben sie Wertschätzung verdient. Dies wollen wir ausdrücken und Ihr helft uns diese Botschaft auf die Straße zu bringen“, so der Fernfahrerseelsorger zu den Brummifahrerinnen und -fahrer.

Nach einem Gebet segnete dann Pater Heribert den Auflieger, die Sattelzugmaschinen und das Personal mit Weihwasser. Mit einem kräftigen Schlag auf den Prägestock konnten sich nun alle aus einem Rolling ein Medaillon mit einem Abbild des heiligen Christophorus erstellen. Dankesworte gab es zum Schluss an Markus Löw, den Grafiker und Designer der Plane sowie an Heiko Schlensogg von der Firma Schwarzmüller und Christian und Werner Schad von CS-Trans. Der Auflieger und seine Botschaft wird nun auf den Weg geschickt. In der Hoffnung, dass diese Botschaft gelesen wird und Menschen zum Nachdenken bringt – oder Aufmerksam macht auf die besondere Situation der Fahrerinnen, Fahrer und den Speditionen.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Wallfahrt für Arbeitende und Arbeitslose nach Vierzehnheiligen

Die 13. Wallfahrt für Arbeitende und Arbeitslose 2019 führte nach Vierzehnheiligen, den Ort, zu dem die Menschen ihre Sorgen hintragen und an dem sie sich angenommen fühlen. Sie stand unter dem Leitwort: „Wo es gerecht zugeht, da herrscht Friede, Ruhe und Sicherheit – für immer.“ „Dieses Bibelzitat drückt aus, dass wir uns nicht irre machen lassen wollen in unserem Bemühen um eine gerechtere Gesellschaft, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen und um ein solidarisches Miteinander“, erklärte Betriebsseelsorger und Pastoralreferent Norbert Jungkunz.

Eingeladen hatten die Katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der Diözesanverband Bamberg und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen. Nach der Begrüßung am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels durch Franziskanerpater Heribert und einem Gebet von Domkapitular Dr. Peter Wünsche ertönte erstmals die Mahnglocke, und die Wallfahrt setzte sich in Bewegung. Angeführt wurde sie von Mitarbeitern des Hallstadter Michelin-Werks. Sie trugen das Banner mit der Aufschrift „Arbeit ist Menschenrecht“ und erinnerten dabei an die schrittweise Einstellung der Produktion in ihrem Unternehmen bis 2021. 860 Mitarbeiter werden dort ihren Job verlieren. Mit einem Banner mit dem Schriftzug „Ich geh in die Luft! 950 + 200 Kollegen entlassen!“ verwiesen Simone Augustin und Alexandra Hösel auf die aktuelle Situation beim Zigaretten-Konzern „British American Tabacco“ (BAT). Nachdem bereits 2017 der Zigarettenhersteller in Bayreuth 950 Beschäftigte entlassen hat, werden bis Januar 2020 nochmals knapp 200 Stellen gestrichen. Auf dem gemeinsamen Weg zur Basilika thematisierten an vier Stationen Betroffene die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit.

Die musikalische Begleitung auf dem Weg zur Basilika übernahm eine Abordnung des Blasmusikvereins Bischberg. „Auf dem Weg in die Lazarusgesellschaft?!“: Diese Frage stellten sich die Teilnehmer an der ersten Station. „Lazarus“ steht heute für Leiharbeit, befristete Arbeit, Niedriglohn, Harz IV, prekäre Arbeit, Armutsrente, unbezahlbaren Wohnraum, aber auch die Armut der Flüchtlinge und Vertriebenen und fast zwei Millionen arme Kinder. „Armut und Hartz VI – Die Würde des Menschen ist antastbar“, hieß es an der nächsten Station. Ist es angemessen, dass ehemalige Vorstandsvorsitzende von VW eine Betriebsrente von etwa 93 000 Euro im Monat bekommen, Hartz-IV-Empfänger aber monatlich mit 416 Euro plus Miete und Heizkosten auskommen sollen? „Soziale Sicherung – wichtig für unsere soziale Gerechtigkeit!“, lautete das Thema an der dritten Station, gestaltet von Mitgliedern der KAB. Seit Jahren würden die Leistungen durch Reformen reduziert. Die Folgen seien private Zuzahlungen der Sozialversicherten. Oder sie müssten mit den Lücken leben. An der letzten Station sprachen Betriebsseelsorger mit Betriebsräten über die Frage „Wo bleibt der Mensch? – Arbeitsbedingungen und Digitalisierung“.

Die Eucharistiefeier in der päpstlichen Basilika feierte Domkapitular Dr. Peter Wünsche mit der Pilgergruppe. Im Anschluss an den Gottesdienst lud Pater Heribert die Wallfahrer zu einer herzhaften Suppe in den Klostergarten ein.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Fahrzeugsegnung Vierzehnheiligen

Für viele Menschen steht der Urlaub vor der Tür oder unzählige Leute sind mit dem Auto unterwegs zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Freizeit. Die Verkehrsmittel helfen dem Menschen, sein Leben zu gestalten. Kraftfahrzeuge sind ein unentbehrlicher Bestandteil im Leben des Menschen und der Gesellschaft geworden. Sie fordern ihn aber auch heraus, sich seiner Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und der Natur bewusst zu sein. Damit dieser Einsatz und diese Verantwortung, mit seinem rechten Verhalten im Straßenverkehr auch unter dem Schutz Gottes steht, feierten zahlreiche Gläubige am vergangenen Sonntagnachmittag in der Basilika Vierzehnheiligen zu Ehren des heiligen Christophorus eine Andacht.

In seiner Predigt ging Pater Heribert zunächst auf die Legende des Heiligen ein, der seine Kraft in den Dienst des mächstigen Herren stellen wollte. Ein Einsiedler führte ihm hierbei vor Augen, dass dies nur Gott sein könne. An einer tiefen Furt trug der bärtige Riese Reisende durch den reißenden Fluss. Als er eines Tages einen Knaben auf die Schulter nahm, so wird erzählt, trug sich das Kind anfangs sehr leicht. Doch je weiter sie kamen, desto schwerer schien es zu werden. „Mir war es, als hätte ich die Welt auf der Schulter getragen“, soll er hinterher gesagt haben. „Der Christophorus ist ein aktueller Heiliger“, so der Franziskanerpater weiter und erinnerte dabei an die Bilder als das letzte Mal über Hochwasser berichtet wurde. Donau, Elbe, Mulde oder Saale waren zu reißenden Flüssen geworden, die Dörfer und Städte überfluteten. Da sah man den Christophorus von heute, in Gestalten von Feuerwehrleute. „Da wurde die Christophoruslegende in unseren Tagen lebendig“. Aber nicht nur Wasser können uns überschwemmen, so der Pater. Zum Beispiel die Werbung, in der wir zu ertrinken drohen. „Wer trägt uns durch diese Flut?“ fragte der Geistliche. Eine Flut von Sinnangeboten überschwemme unsere Gesellschaft mit teilweise zweifelhaften Ratgebern. „Wer gibt Orientierung und Halt?“ Mancher Helfer habe vielleicht auch Christus durch die Flut getragen, ohne es zu wissen. „Menschen in den Überschwemmungsgebieten brauchten und brauchen unserer Hilfe“, war sich der Pater sicher.

Nach der Andacht lud Guartian Heribert die vielen Gläubige zur Fahrzeugsegnung ein. Viele Autos und Motorräder aus nah und fern waren auf den Vorplatz der Basilika abgestellt. Geduldig machten sich die Franziskanerpatres Alexander und Heribert auf den Weg, um zunächst das Gefährt und anschließend jeden Fahrer einzeln zu segnen.
Christophorus ist der Schutzheilige aller Reisenden und zählt zu den 14 Nothelfern. Am Gnadenaltar wird er als großer, starker Mann dargestellt, der das Jesuskind auf der Schulter trägt und einen Baumstamm in Händen hält.

Text & Bilder: Gerd Klemenz

27. Wallfahrt für behinderte und nichtbehinderte Menschen

Vierzehnheiligen: Die 27. Wallfahrt für behinderte und nichtbehinderte Menschen nach Vierzehnheiligen stand am Samstagnachmittag unter den Motto „Jesus, ich will dir sagen ….“. Die etwa 300 Besucher der Basilika erlebten einen lebendigen Gottesdienst mit viel Musik und Gesang. Zunächst machte sich ein langer Wallfahrtszug vom Seubelsdorfer Kreuz zum Gnadenort, der von einer Abordnung von Musikern aus Priesendorf umrahmt wurde. Auf dem Weg nach Vierzehnheiligen und in der Kirche hatte jeder Zeit, um in sich hineinzuschauen und zu spüren, was das Herz bewegt und was will man Jesus und Gott sagen. Es war auch Zeit dafür da, miteinander zu reden. Und wenn man mit Händen und Füßen kommunizieren oder mit einem Lächeln – sie verstanden einander.

Ein langer Pilgerzug von behinderte und nichtbehinderte Menschen zog in die Basilika ein

Am Wallfahrtsort wurde dann die Pilgergruppe vom Kirchenschweizer Daniel Reitz und Guardian Pater Heribert Arens am Südportal der Basilika feierlich empfangen. „Schön, dass ihr wieder da seid“, so Pater Heribert bei der Begrüßung. Hauptzelebrant des Wallfahrtsamtes war Diözesan-Hörgeschädigtenseelsorger Pater Gerhard Förtsch aus Bamberg. Pastoralreferent Albin Zeck, der für die Hörgeschädigtenseelsorge in der Region Oberfranken zuständig ist, übersetzte die Texte und Gebete in die Gebärdensprache der Gerhörlosen. Die in Blindenschrift verfasste Lesung trug Frau Hallmann vor. Wie das „Evangelium-Spiel“ zeigte, war Jesus oft bei Menschen zu Gast. Das zeigte sich am Beispiel von Maria und Martha auf. Maria erkannte ihre Chance: Sie konnte mit Jesus reden und ihn zuhören. Sie konnte Jesus sagen, was sie bewegt. Anstatt der Predigt gab es Beiträge der behinderten Gottesdienstbesucher.

Einen Tanz führte das Ensemble der Barmherzigen Brüder aus Gremsdorf auf

Einen Tanz führte das Ensemble der Barmherzigen Brüder aus Gremsdorf auf. In Gebärdensprache trugen Gehörlose aus der Region die Fürbitten vor. An der Gestaltung des Gottesdienstes in der Basilika beteiligten sich Gruppen verschiedener Einrichtungen. Pastoralreferent Peter Lachner begleitete den „Regens-Wagner-Chor“ mit der Instrumentalgruppe aus Burgkunstadt auf der Gitarre. Die Sänger, in weißen Chorhemden, saßen im Chorraum den Geistlichen gegenüber. An der Rieger-Orgel untermalte Georg Hagel die Gesänge und Refrains, die in breiten wellenförmigen Schwingungen den Kirchenraum erfüllten. Die Wallfahrt organisierte die Behindertenseelsorge der Erzdiözese Bamberg, der Katholische Frauenbund Bamberg und die Katholische Landvolkbewegung.

Text & Bilder: Gerd Klemenz