Vierzehnheiligenfest

Das Vierzehnheiligenfest – ein kirchliches Fest der Verehrung der 14 Nothelfer – feierten am Sonntag Hunderte von Gläubigen in der Basilika. Erzbischof Dr. Ludwig Schick aus Bamberg zelebrierte vormittags das Pontifikalamt. Der Kirchenchor und Orchester aus Pegnitz-Trockau unter der Leitung von Ottmar Schmitt gestaltete diese feierliche Messe mit. Der Chor interpretierte die Missa in D-Dur, die Orgelsolomesse für Soli, Chor und Orchester von Bonifaz Stöckl, sowie das Te Deum von Wolfgang Amadeus Mozart. Herausragend waren die Solisten mit Christel Schmitt (Sopran), Maria Schmitt (Alt), Ludwig Schmitt an der Altarorgel und an der Hauptorgel Georg Hagel. Pater Heribert Arens begrüßte zahlreiche Ehrengäste. Er bezeichnete das Fest als einen der Höhepunkte des Kirchenjahres in Vierzehnheiligen.

Der Chor aus Trockau mit seinem Dirigenten Ottmar Schmitt interpretierte Mozart auf höchstem Niveau

Erzbischof Schick lud die Gläubigen ein, über die Heiligkeit nachzudenken. Er zitierte aus dem Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus „Gaudete et exultate“, dass es Aufgabe eines jeden Christen sei, heilig zu werden. „Freut euch und jubelt über die Einladung Jesus, Heilige zu werden“, so Schick. Heilige seien Menschen, die mit Jesus Christus vertraut sind, wie vor 2000 Jahren seine Jünger. Auch heute sei es möglich, mit Jesus vertraut zu sein, ihn zu lieben und so Zeuge für ihn zu werden. Das sei die erste Bedingung, heilig zu werden. Die zweite hätten wir bereits durch die Taufe zum Teil erfüllt. Wir müssten aber mit Jesus leben, ihn wirken lassen, erst dann mache er uns zu Frauen und Männern des Glaubens, der Liebe und Hoffnung.

Einzug vom Franziskanerkloster zur Wallfahrtkirche mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick

Die Heiligkeit werde durch die Firmung vertieft und durch das Sakrament der Buße, auch durch Wallfahrten, ständig erneuert. „Heilige werden wir durch das aktive Mitleben und Mitfeiern der Sakramente“, unterstrich der Erzbischof. Die Krankensalbung heilige den Kranken, und könne gesund machen. „Die Priesterweihe macht uns zu Werkzeugen der Heiligkeit“, sagte er. Die dritte Voraussetzung für die Heiligkeit sei die Liebe. Sie bestehe darin, dass wir den Nächsten lieben und so die Ehre Gottes fördern. „So tragen wir auch zum Frieden bei“, schloss Erzbichof Schick seine Predigt. „Suchet Frieden“ lautete auch das Motto des Katholikentages in Münster, der am Sonntag zu Ende ging. Mitzelebranten des Hochamtes am Vormittag waren die Franziskanerpatres Heribert, Bernhard und Stanislaus und Diakon Bernhard Fischer aus Küps

Am Nachmittag luden die Franziskaner zur Andacht ein. Pater Alexander Weißenberger hielt die Predigt. Soziale Netzwerke seien keine Erfindungen der modernen Zeit, sondern es gebe schon längst ein internationales Netzwerk, das nicht nur Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Kontinenten, sondern auch Menschen über viele Jahrhunderte hinweg verbinde. „Dieses Netzwerk kennen wir alle: es sind die Heiligen unserer Kirche. Dazu gehören auch die vierzehn Nothelfer, die wir heute feiern“, so der Geistliche. An dieses Himmel und Erde umfassende Netzwerk erinnerte das Vierzehnheiligenfest.

„Die Heiligen weiten Herz und Verstand, weil sie Menschen aus vielen Völkern und allen Jahrhunderten verbinden. Sie haben alle eines gemeinsam: am Ende ihres irdischen Lebens, im Angesicht des Todes haben sie Gott gefunden“, unterstrich der Pater. In diesem Sinne seien uns die Heiligen Vorbilder, die zeigten, dass wir das Ziel unseres Lebens erreichen können: einmal für immer bei Gott zu sein, ohne Schuld und Sünde, ohne Krankheit und Gebrechen, ohne Angst und Trauer. Darum gehe es an diesem Festtag der vierzehn Nothelfer. Er wolle uns neu ausrichten auf das eigentliche Ziel unseres Lebens.

Mädchen und Jungen aus Grundfeld, Horsdorf und dem Konradshof trugen die vergoldeten Nothelfer-Figuren bei der Prozession

Bei der anschließenden Prozession in der Basilika wurden die mit Gold überzogenen Figuren der Nothelfer von Jugendlichen aus Grundfeld, Wolfsdorf und aus dem Konradshof in Vierzehnheiligen auf Stangen mitgetragen. Zweimal umrundete die Prozession die Basilika. Pater Johannes Thum trug die Monstranz unter einem Baldachin, Pater Heribert Arens betete die gemeinschaftlichen Bitten und im Wechselgesang vor, die Lieder begleiteten die Ansbachtaler Musikanten aus Roth.

Bilder und Text: Andreas Welz

Friedenswallfahrt der Soldaten nach Vierzehnheiligen

Das Bekenntnis zum Frieden stand am Sonntag bei der Soldaten- und Friedenswallfahrt in Vierzehnheiligen im Mittelpunkt. Für rund 1500 Mitglieder aus 77 Kameradschaften war es wieder ein besonderes Erlebnis. Seit über 60 Jahren wallfahren Männer und Frauen der Soldatenkameradschaften und Reservistenvereinen aus Oberfranken zum „Heiligen Berg“.
Als das bunte Fahnenmeer am Morgen Einzug in die Basilika begrüßte Organist Georg Hagel, Hauptmann der Reserve, die Wallfahrer mit mächtigem Orgelklang. Die Ehrenkompanie nahm Aufstellungen zwischen dem Hauptaltar und dem Gnadenaltar.

Die traditionelle Soldaten- und Friedenswallfahrt führte vom Seubelsdorfer Kreuz zur Basilika Vierzehnheiligen

Franziskanerpater Heribert Arens hielt eine bewegende Ansprache. In der Basilika hielt Franziskanerpater Heribert Arens eine bewegende Ansprache. Seine Predig fußte auf der Bibelgeschichte vom ungläubigen Thomas aus dem Johannesevangelium. Thomas legte die Finger in die Wunden, die Jesus am Kreuz an Händen und Füßen erlitten hatte. Pater Heribert bezog sich nicht auf den Zweifler Thomas, der gläubiger Christ bleibt aber Fragen stellt, sondern beleuchtete eingehend Wunden, die Menschen körperlich und seelisch zugefügt werden. Damit sprach er auch die ehemaligen Soldaten an, die sich zur Friedenswallfahrt nach Vierzehnheiligen aufgemacht hatten.

„Wunden stehen für das, was ein Mensch durchleidet, sie sind eine lebendige Erinnerung gegen das Vergessen“, so der Rektor der Basilika. Den Finger in die Wunde legen bedeute auch auf ein Übel hinzuweisen; an einer empfindlichen Stelle rühren. Vielleicht habe Thomas gespürt, um welche Wunden es wirklich gehe. Sie seien Teil des Lebens, wer lebt und liebt werde verwundet. Aber es seien viele unnötige Wunden, die der Krieg an Soldaten und der Zivilbevölkerung reiße. Die Wallfahrt diene der Klage über die vielen Wunden auf der Welt aber auch dem Dank, dass man verschont wurde und der Bitte um Frieden.

Es gebe aber nicht nur sichtbare Wunden. Es sind auch die Wunden der Seele, in die Thomas seine Finger legt. Diese bleiben bis zum Tod, auch wenn äußere Wunden geheilt sind. „Wenn wir Frieden wollen: nicht nur äußere Wunden heilen, sondern die seelischen Wunden im Blick behalten“, so der Geistliche. Die Wallfahrt sei ein Stachel in der Gesellschaft, der an die Wunden der Seele rührt. Die Wallfahrt diene der Erinnerung und trage zum Erhalt des Friedens bei.

Als drittes Thema griff Pater Heribert einen der fünf Vorsätze des Mahatma Gandhi auf: „Ich will bei der Wahrheit bleiben“. Zuviel Unheil habe mit der Unwahrheit begonnen. Er erinnerte an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, den Irakkrieg und an die Mächtigen der Welt, die wie Gott sein wollten. Die Wahrheit sei ein Weg zum Erhalt des Friedens und die Wahrheit ist, dass nicht der Mensch Gott ist. Der Weg dorthin sei nicht, selbst Herrgott sein zu wollen, sondern die Anerkennung Gottes. Pater Herbert schloss seine Predigt mit der Feststellung: „Wo Gott im Mittelpunkt steht wird die Welt menschlich“.

Auch die Eucharistiefeier war Teil des militärischen Zeremoniells. Während der Wandlung, in der Wein und Brot gereicht wird, krachten im Wald hinter dem Ehrenmal zwei Böllerschüsse. Nach dem Gottesdienst zogen die Fahnenabordnungen, die Ehrenkompanie und alle Wallfahrer zum Ehrenmal, um den Toten zu Gedenken. Oberst der Reserve Dr. Klaus-Dieter Nietsche aus Goldkronach würdigte Engagement der Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigungen. Sie förderten Völkerverständigung und Frieden.

Kritisch äußerte sich Nietsche über den Wertewandel der Gesellschaft: „Der einst fleißige, gewissenhafte Deutsche scheint mehr und mehr der Vergangenheit anzugehören“. Das Verhältnis von Ernst und Spaß, von Arbeit und Freizeit habe sich drastisch gewandelt. Die Bedeutung von Leistung, Fleiß und Disziplin, Tugenden der Soldaten, seien nicht nur eine Frage der Einstellung und auch keine Glaubensfrage. „Wir als Eltern, und Soldaten im Ehrenamt, als Reservisten müssen dies im Interesse der heranwachsenden Generation vermitteln“, beschwor er die Wallfahrer.

Zum ersten Mal organisierte die Bayerische Kameraden- und Soldatenvereinigung Kreisverband Bad Staffelstein mit ihrem Vorsitzenden Roland Leicht die Wallfahrt, unterstützt vom Kreisverband Lichtenfels des Bayerischen Soldatenbundes mit ihrem Vorsitzenden Udo Rudel. 30 Jahre hatte der SKV Oberleiterbach die Großveranstaltung durchgeführt. Der ehemalige Vorsitzende Nikolaus Kunzelmann sagte unserer Zeitung: „Es fehlen uns die ehrenamtlichen Helfer“. Um diesen Notstand abzuhelfen, der fast alle Vereine betrifft, will Roland Leicht eine Arbeitsgemeinschaft gründen, die auch aus anderen Vereinen bestehen soll.

Kranzniederlegung am Ehrenmal mit Roland Leicht und Oberst Klaus-Dieter Nietsche (rechts)

Text und Biler: Andreas Welz

Mattenkapitel der Franziskaner

Ob und wie die deutschen Orden ihre derzeitige Krise meistern werden, ist momentan noch ungewiss. Auch wenn es Neuansätze gibt, eine grundlegende Wende steht noch aus. Die deutschen Franziskaner haben ein Modell entwickelt, das den langsamen Niedergang aufhalten soll. Beim so genannten Mattenkapitel, die Zusammenkunft aller deutschen Franziskaner in Vierzehnheiligen, wurden Weichen für die Zukunft gestellt. Im Mittelpunkt stand das „Emmaus-Projekt“, ein Zukunfts- und Strukturprozess, der vor einem Jahr begonnen wurde und 2019 angeschlossen sein wird.

Pater Dr. Cornelius Bohl, Provinzialminister der Deutschen Ordensprovinz, erläuterte unserer Zeitung worum es im Kern gehe. Die Emmaus Jünger sprachen auf dem Weg in ihre Heimat über ihre nicht erfüllten Hoffnungen und Enttäuschungen. „Nun haben wir als Provinz keine Karfreitags-Katastrophe hinter uns. Aber wir erleben, wie in der Kirche und in unserer Gemeinschaft vieles zusammenbricht, was bisher selbstverständlich getragen hat“, sagte Pater Cornelius. Das seien wirklich Abbrüche und Zusammenbrüche, nicht nur ein paar augenblickliche Schwierigkeiten. Vieles, was war, sei unwiderruflich vorbei. Manche glaubten gar nicht mehr an eine Zukunft, so der Pater. „Auch bei uns gibt es das: Enttäuschung, Müdigkeit und manchmal Resignation“.

Provinzialminister Pater Dr. Cornelius Bohl leitete das Mattenkapitel

Trotz aller Enttäuschung: Die beiden Jünger verstummten nicht, sondern redeten miteinander. Sie erzählten sich ihre Not, hörten einander zu, fragten gemeinsam. Sie waren offen, sich in ein Gespräch auch mit einem Fremden, Jeus , wie sie später erkannten, einzulassen. Der ehrliche Austausch tat ihnen gut und brachte sie weiter. Ihnen gingen die Augen auf für etwas, was sie vorher nicht gesehen hatten. Die Begegnung mit Jesus veränderte ihre Sicht. Sie hatten wieder Hoffnung, neuen Mut. Sie merkten, dass sie anderen etwas zu sagen haben. Sie hatten eine Botschaft, ein Ziel und sie hatten Zukunft. „Das ist der Kerngedanke des Emmaus-Projekts“, so Pater Cornelius, nicht weglaufen, sondern anpacken.

Dazu sollen Kriterien entwickelt und ein Verfahren erarbeitet werden, mit dem dann alle Brüder ein Votum abgeben können. „Sicher, wir müssen reduzieren und schließen, aber Ziel ist nicht die Abwicklung einer Provinz, sondern eine kraftvolle Perspektive“, so der Ordensmann. „In Zukunft werden wesentlich weniger Brüder authentisch und überzeugt ihre franziskanische Berufung leben“. Erste Sondierungen zur Realisierung solcher innovativen Konzepte sollen bis zum Sommer 2018 vorgenommen werden.

Pater Cornelius weiß, dass nicht alle Brüder von einem Projekt Emmaus begeistert sind. In der Vergangenheit seien schon die Ergebnisse so mancher Strukturprozesse später im Sand verlaufen. „Dennoch haben wir uns in der Provinzleitung klar hinter den Wunsch des letzten Kapitels gestellt. Wir spüren: Die Situation ist drängend und erfordert schmerzhafte Eingriffe“. In den letzten Jahren sei manchmal kritisch nach den Kriterien für eine Hausauflösung gefragt worden. „Ich sehe im Projekt Emmaus die Chance, in der gesamten Provinz das Bewusstsein einer gemeinsam geteilten Verantwortung zu wecken und Entscheidungsperspektiven zu entwickeln, die von einer großen Mehrheit mitgetragen werden“, stellte Pater Cornelius fest. Die Emmaus-Geschichte sei kein frommer Überbau, sondern der Kern dessen, was uns im kommenden Jahr beschäftigen werde.

Als nächsten Schritt kündigte der Provinzial ein U 60-Treffen am 23. Und 24. Mai in Vierzehnheiligen an. Vieles was entschieden werde, gehe die Brüder unter 60 Jahren an. Weil sie eine besondere Verantwortung in den nächsten 20 Jahren tragen, solle ihre Stimme in dem Erneuerungsprozess auch besonders gehört werden. Es gehe bei diesem U 60-Treffen nicht alleine um Information und Austausch. Beim Nachdenken darüber, an welchen Orten und in welchen Aufgabenfeldern die Ordensmitglieder künftig leben wollen, solle die Einschätzung von den Jüngeren qualifiziert mit eigenem Gewicht in den Entscheidungsprozess einfließen.

Mattenkapitel
Franziskus hat das erste Mattenkapitel an Pfingsten 1221 auf dem Gelände bei der Kirche Portiuncula unterhalb von Assisi gehalten; damals waren 5000 Brüder versammelt. Sie kamen zu Fuß und lagerten sich auf Strohmatten, auf denen sie auch schliefen. Auf diesem ersten Mattenkapitel wurde von Franziskus die nichtbullierte Regel vorgestellt, die in den nächsten zwei Jahren aber noch gestrafft wurde, bevor sie vom Papst anerkannt wurde. Franziskus sandte auf diesem Kapitel verschiedene Brüder nach Deutschland, England und in den Orient zur Mission aus. Heute werden Mattenkapitel in unregelmäßigen Abständen von verschiedensten franziskanischen Kongregationen auf regionaler oder internationaler Ebene veranstaltet. Im Unterschied zum Sach- oder Provinzkapitel, das von gewählten Vertretern besucht wird, kann am Mattenkapitel jedes Ordensmitglied teilnehmen.

Text und Bild: Andreas Welz

Die vierte Fastenprdigt in Vierzehnheiligen 2018

Weihbischof Herwig Gössl

In diesem Jahr standen die Fastenpredigten in der Basilika Vierzehnheiligen unter dem Titel „Die vier Evangelisten“. Die vierte und letzte Predigt hielt am vergangenen Sonntag Weihbischof Herwig Gössl aus Bamberg. Er sprach über das Markusevangelium. „Es ist mir ein bisschen ans Herz gewachsen“, bekannte der Geistliche. Das sei nicht immer so gewesen. Lange Zeit sei es ihm der Text ein wenig einfältig und primitiv erschienen. Doch dann hätten ihm neuere Bibelwissenschaftler einen Schlüssel für das bessere Verständnis in die Hand gegeben.

Markus hätte sein Evangelium um 60 n.Chr. geschrieben, vor oder nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Vor dem Hintergrund einer religiösen und humanitären Katastrophe fragten auch heute noch die Menschen: Wie kann das sein, dass sich immer wieder Gewalttäter durchsetzen? Wie kann Gott zulassen, dass sein Heiligtum geschändet wird, dass viele Menschen getötet, ausgebeutet und versklavt werden? Eigentlich sei das Evangelium eine Freudenbotschaft aus dem Herrscherhaus. Für die Menschen war die Freudenbotschaft: Rom hat einen neuen Kaiser, Vespasian, der den Aufstand in Judäa gewaltsam niedergeschlagen hatte und nun im Triumphzug durch Rom zog.

Markus schreibe am Anfang des Evangeliums von Jesus, dem Christus, dem Gottessohn, so Gössl. Er präsentiere einen Gegenentwurf zum römischen Kaiserkult, einem Triumph von Gewalt und Machtausübung. Nicht der Kaiser sei Gottessohn, sondern ein unbedeutender Mann aus der Provinz Galiläa, der am Ende wie ein Verbrecher am Kreuz stirbt. Markus wolle seine Leser in die Entscheidung führen: Wem will ich angehören und Vertrauen schenken? Dem siegreichen Kaiser oder dem Besiegten am Kreuz? Der römische Hauptmann unter dem Kreuz entschied sich für Jesus: „Dieser Mensch war wirklich ein Gottessohn“. Auf dieses Bekenntnis laufe das ganze Markusevangelium zu.

Der Hauptmann sah nur Erfolglosigkeit und Scheitern, aber er fand in dieser Situation zum Bekenntnis: Dieser Mensch war wirklich Gottessohn. Dies sei die Antwort des Markus auf eine Situation von Verfolgung, Krieg, Vertreibung, Not, Schrecken und Zukunftsangst. Der Weg Gottes in dieser Welt sei kein Triumphzug im Sinne irdischer Macht und Herrlichkeit. Wem die Augen geöffnet werden, wer sich zum Glauben bekenne, der empfange auch Kraft zum Durchhalten und der Nachfolge Christi.

Solch eine Entscheidung falle nicht leicht, stellte der Prediger fest. Die Menschen seien auf Erfolg getrimmt. Auch das mussten die Jünger immer wieder erfahren, die Jesus in eine harte Schule genommen hatte. Markus vermittele den Eindruck, dass die Jünger nicht begriffen, worum es gehe. Nämlich um die Frage: seid ihr bereit Jesus zu folgen, auch wenn der Weg ins Leiden, ans Kreuz und ins Sterben ist?

Den völlig begriffsstutzigen Jüngern werde am Ende des 10. Kapitels der blinde Bettler Bartimäus auf dem Weg nach Jericho gegenübergestellt. Als Jesus verbeikommt lässt er sich nicht beruhigen und schreit: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir“. Dieser Ruf sei ein Huldigungsruf dem gegenüber, den er noch nicht einmal sehen kann, dem er aber vertraut. Jesus stellte dem Blinden die Frage: „Was soll ich für dich tun?“ Eigentlich eine überflüssige Frage, aber sie werde verständlich, wenn man sie mit der gleichen Frage verbindet, als Jesus den Jüngern seinen Leidensweg vorzeichnet. Jakobus und Johannes wünschten, dass Jesus die Ehrenplätze in seinem Reich für sie reserviere.

Bartimäus wollte dagegen nur sehen können. Es gehe dabei nicht um das leibliche sehen, so Weihbischof Gössl, sondern auch darum, dass ihm die Glaubensaugen geöffnet werden. Jesus heilte ihn mit den Worten: „Dein Glaube hat dich gerettet“. Der Blinde konnte wieder sehen und folgte Jesus. Darauf komme es an, im Glauben auf Jesus schauen und ihm folgen.

Das ganze Markusevangelium stelle uns vor die Entscheidung, wem wir folgen wollen, fasste Gössl zusammen. Gerade in einer Zeit, in der Kirche-Sein so mühsam ist, in der die Zeichen eher auf Abbau denn auf Wachstum stehen, in einer Zeit, in der aber auch politisch altvertraute Gefahren neu heraufdämmern, wie Protektionismus und Kraftmeierei. In solchen Zeiten müssten wir uns mit den Jüngern fragen: Wollen wir Jeus wirklich folgen, ihm dem Gescheiterten, dem so Erfolglosen in den Augen der Welt? Jesus möge uns die Augen öffnen, damit wir mit dem Hauptmann unter dem Kreuz und dem Bartimäus erkennen können: „Ja, er ist wirklich der Sohn Gottes, der, dem es sich zu folgen lohnt“.

Text und Bild: Andreas Welz

Die dritte Fastenprdigt in Vierzehnheiligen 2018

Das Thema der dritten Fastenpredigt in der Basilika Vierzehnheiligen hieß am vergangenen Sonntag „Gottes Heil sprengt Grenzen“. Gedanken zur Botschaft des Matthäusevangeliums machte sich Professor Dr. Sabine Bieberstein aus Bamberg. Die römisch-katholische Theologin lehrt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. In diesem Jahr stehen die vier kanonischen Evangelien des Neuen Testaments der christlichen Bibel im Mittelpunkt.

Matthäus bringe mit Abstand die meisten Zitate aus dem Alten Testament, weil er gerade dadurch aufzeigen könne, dass der Herr Jesus wirklich der im Alten Testament angekündigte Messias war, sagte Dr. Bieberstein. Matthäus wende sich in seinem Evangelium an Juden und besonders an die religiöse Welt. Man müsse allerdings bedenken, dass der Jesus in diesem Evangelium nicht als Messias auf das Land Israel und die Juden beschränkt bleibe. Sein Königreich – zwar von Jerusalem aus regiert – sei ein ewiges Reich und sein Königreich umfasse letztlich die ganze Erde und auch alle Nationen, die ihm dienen werden.

Der erste Gedanke der Predigerin galt dem Schluss des Buches, das wurde auch in der Lesung deutlich. „Wir haben damit schon über die Fastenzeit und die Passionstage hinausgegriffen auf die Osterzeit“, sagte sie. Es ginge um die allerletzte Szene des Matthäusevangeliums: Die Kreuzigung die Bestattung in einem gesicherten und bewachten Grab. Es geschah das unfassbare: zwei Frauen fanden das Grab leer und erhielten von einem Gottesboten die Erklärung, dass Jesus auferstanden sei und ihnen nach Galiläa vorausgehe. Auf dem Weg dahin erscheint ihnen der Auferstandene selbst, der ihnen aufträgt, die Jüngergruppe nach Galiläa zu schicken. „Nach Matthäus sind es zwei Frauen, die nicht nur als erste Jesus begegnen, sondern auch als erste den Verkündigungsauftrag erhalten“, so Dr. Bieberstein.

Das Matthäusevangelium sei das Buch der Anfänge einer neuen Weltordnung. So, wie in dem ersten Buch der Bibel sozusagen die ganze Bibel in ihren Wurzeln enthalten sei, so beschreibe es Matthäus. Schon im ersten Kapitel werde klar, dass Jesus königlicher Abstammung ist. Es gehe um Geschlechterfolgen über David zurück bis auf Abraham, den Urvater des Volkes.

Zum Schluss des Evangeliums erhalten die Jünger den Sendungsauftrag. Sie werfen sich zwar vor Jesus nieder aber da stehe noch ein kleiner aber unglaublicher Satz: sie zweifelten. Damit rücke Matthäus ein Thema in den Mittelpunkt, das für das ganze Evangelium wichtig sei, die Frage von Glauben, Kleinglauben und Zweifel. Gegen Kleinglauben sei niemand gefeit, so Dr. Bieberstein. Besonders drastisch mache Matthäus das Anhand einer Erzählung über Petrus deutlich, als er auf dem See bei stürmischen Wetter Jesus auf dem Wasser entgegengeht. Erst als Petrus der Zusicherung nicht vertraut, dass ihm nichts passiert, droht er zu ertrinken. Wer wirklich vertraut, der vermag alles, so die Botschaft.

Dieses Vertrauen sei schwer, so die Predigerin. Im Leben nicht zu verzweifeln, sich nicht von Ängsten überwältigen zu lassen, sondern dass es sinnvoll ist, im Sinne Jesus zu leben, sich zu engagieren auch wenn vieles dagegenspreche. „Das braucht jeden Tag ein neues Ja und eine neue Entscheidung zu Glauben und Vertrauen“, unterstrich sie.

Ein wichtiges Signal setze Matthäus mit seiner guten Idee, dass die Erlösung für alle Menschen da sei. „Das Heil, das Gott in Jesus geschenkt hat, ist für alle Menschen und Völker da. Gottes Heil kennt keine Grenzen. Gottes Heil überwindet und sprengt alle menschengemachten Grenzen“, fasste Dr. Bieberstein das Thema ihrer Fastenpredigt zusammen. Jesus selbst gebe das Signal, die Grenzen zu überschreiten und zu überwinden, die Mauern zwischen uns und den anderen, zwischen uns und den Ausländern, den Fremden niederzureißen. „Menschen jeglicher Herkunft sind eingeladen, dazuzugehören und Teil der Gemeinschaft zu werden. Das sei heute, angesichts vielerorts anzutreffender Fremdenangst und Fremdenfeindlichkeit, eine höchst bemerkenswerte Botschaft.

Der letzte Gedanke galt der Barmherzigkeit. Es gehe um ein konkretes Tun, Gewaltspiralen zu durchbrechen, Gewalt zu entlarven, Frieden zu stiften und für Gerechtigkeit zu arbeiten. „Wer barmherzig ist, ist sensibel für Ungerechtigkeit und lässt sich ansprechen vom Gegenüber, von der Not, von den Schicksalen, die uns begegnen“, sagte Dr. Bieberstein. Das matthäische Christentum sei ein Christentum des Tuns, stellte sie fest und machte deutlich: „Im konkretem Tun, im Einsatz für diejenigen, die meine Zuwendung nötig haben, erweist sich die Zugehörigkeit zu Jesus“.

Text und Bild: Andreas Welz

Passionssingen in Vierzehnheiligen 2018

Passionssingen hat eine lange fränkische Tradition. Sie sind Teil der kulturellen Identität. Im Passionssingen wird nicht nur vorösterliches Brauchtum vorgestellt, es soll auch religiöses Erleben sein. Musik, Gesang und Gebetstexte machten am vergangenen Sonntag in der Basilika Vierzehnheiligen das Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi vom Abendmahl bis zur Kreuzigung in fränkischer Weise lebendig. Zur „Fränkischen Passion“ hatten die Franziskaner und die Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik im Bezirk Oberfranken eingeladen.

Der „Graatzer Dreigesang“ (von links): Heinrich Geßlein, Hans-Jürgen Geßlein, Peter Bartusch

Der „Graatzer Dreigesang“ und das „Neunkirchner Torberg-Trio“ verstanden es die Herzen der rund 300 Gläubigen zu bewegen. Franziskanerpater Johannes Thum machte in schlichten Worten die Bedeutung der Passion deutlich. Er zitierte eine Neufassung des 22. Psalm von Hanne Köhler (Frankfurt). Der Psalm 22 spielt auf den Leidensweg Christi an und trägt zum Verständnis des Todes und der Auferstehung Jesu bei – eine Beschreibung des Weges durch die Tiefen der Todesangst, auf dem Gott dennoch seinem Namen treu bleibt. Auffällig war, dass der Pater nur den ersten klagenden Teil des Psalmes zitierte und den zweiten lobpreisenden Teil der Ostergeschichte vorbehielt.

Das Torberg-Trio (von links): Ottilie Held, Petra Kapp, Otto Rehm

Die Orgel schwieg an diesem stimmungsvollen Nachmittag, dafür füllten die Stimmen des Dreigesangs aus Marktgraitz den Kirchenraum. Er beeindruckte mit tradierter Gesangstechnik im fränkischen Dialekt. Das Leidensgeschichte von zelebrierten Lieder und Weisen aus dem fränkischen Raum in einer besonderen Art: schlichte Harmonien, einfache Tonfolgen und Texte, die aber in ihrer Bescheidenheit die Besucher besonders berührte. Auch beim Torberg-Trio wurde der Ausdruck fränkischer Identität in der Volksmusik deutlich: Das Bewahren des Dialekts, der Erhalt und die Weitergabe des überlieferten Liedguts, aber auch das Tragen der regionalen Tracht.

Die Mundarttexte vom Einzug in Jerusalem, von Abendmahl, Ölberg, Gefangennahme, Verhör, Geißelung und Dornenkrönung, von Kreuztragung, Karfreitagsnot und von der Hoffnung auf Auferstehung, wurden von den Gesängen und Melodien der Gruppen aufgenommen und weitergetragen. Die gemeinsam gesungenen Lieder waren „Beim letzten Abendmahle“, „O Haupt voll Blut und Wunden“ und „Jesus dir leb ich“. Tief beeindruckt waren die Gläubigen von den stimmlichen Gedanken an die Passion und nahmen sie dankbar mit in die zweite Hälfe der Fastenzeit.

Ein Wermutstropfen fiel in die „Fränkische Passion“ durch die krankheitsbedingte Absage der angekündigten Gruppen „Zwa und Zwa“ und der Volksmusikgruppe „Kemmärä Kuckuck“. Die Gläubigen vermissten auch die besinnlichen Texte der Leidensgeschichte von Marion Töppke.

Text und Bilder: Andreas Welz

Die zweite Fastenprdigt in Vierzehnheiligen 2018

Die Fastenpredigten in der Basilika Vierzehnheiligen stehen in diesem Jahr unter dem Leitwort „Glauben – Leben“. Namhafte Prediger aus Deutschland erläutern die vier Evangelien des Neuen Testaments Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die als Wege zum Leben gelten. Am vergangenen Sonntag machte sich Domkapitular Professor Dr. Peter Wünsche aus Bamberg
Gedanken zur Botschaft des Lukasevangeliums mit der Überschrift: „Die Botschaft vom menschenfreundlichen Gott“.

Es war empfindlich kalt in der Basilika. Nur wenige hatten den Weg auf den heiligen Berg gefunden, die vom Franziskuspater Stanislaus Wentkowski herzlich begrüßt wurden. Wünsche machte in seiner Predigt deutlich, dass das Lukasevangelium kein Augenzeugenbericht sei. Lukas greife auf vorhergehende Berichte zurück und das macht er so gewissenhaft und genau wie kein anderer der Evangelisten. Seine Geschichte sei für einen gewissen Theophilus geschrieben und auch ihm gewidmet, vielleicht eine Auftragsarbeit, vermutete der Prediger. Lukas habe über alles berichtet, was Jesus getan und gelehrt habe, bis zu dem Tag an dem er in den Himmel aufgenommen wurde.

Aber Lukas sei noch einen Schritt weitergegangen. Er habe Augenzeugen befragt und nach Aufzeichnungen gesucht, die in den anderen Büchern noch nicht aufgeschrieben wurden. Er habe zwar die Hälfte des Markusevangeliums übernommen aber hat bei seinen Recherchen Dinge gefunden, die noch nicht schriftlich festgehalten wurden. Zum Beispiel die Weihnachtsgeschichte oder die Krankenheilung mit der er verkünden wolle, Gott hat Erbarmen mit denen, die ganz unten sind. Nur Lukas erzähle die Geschichten vom verlorenen Sohn, vom Zöllner Zachäus, der durch die Zuwendung und Liebe durch Jesus vom Betrüger und Unterdrücker zum Menschen und Freund wird.

Die Botschaft der Barmherzigkeit werde durch die Geschichte vom barmherzigen Samariter deutlich, so der Geistliche. Auch bei der Leidensgeschichte, als Jesus am Kreuz sagt, „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“. Dem einsichtigen Verbrecher verspricht Jesus: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“. Die Ostergeschichte vom leeren Grab übernimmt Lukas von Markus, fügt aber eine zweite Ostergeschichte hinzu, die mit den Jüngern aus Emmaus. Auf dem Weg zu ihrer Heimatstadt berichten sie einem vermeintlich Fremden von dem Tode ihres Herrn. Erst beim Essen, als der Fremde das Brot brach, erkannten sie Jesus und wussten, dass er auferstanden ist. „Das Brotbrechen wurde die regelmäßige Feier der Christen“, machte Dr. Wünsche deutlich. So könne die Kirche die Abwesenheit des sichtbaren Jeus überrücken.

Unter den vier Evangelisten sei Lukas der große Erzähler, fasste Wünsche zusammen. Jesu Geburt, sein Auftreten in Nazareth, die Gleichnisse vom barmherzigen Vater und barmherzigen Samariter, die Zachäusgeschichte, die Einzelheiten der Leidensgeschichte und schließlich die Emmauserzählung: Das alles zusammengenommen entwerfe eine neue Welt, die Welt Gottes, in der die Kleinen die ersten Plätze haben, in der die Armen Hoffnung schöpfen, in der die Liebe herrscht und in der den Sündern vergeben wird. „Lukas entwirft keine große Theorie, er erzählt Geschichten und damit erreicht er nicht nur den Verstand der Leser, sondern vor allem ihr Herz“.

Die Geschichten de Lukas wollten nicht nur gefallen, sondern seien Vorboten einer neuen Welt, die ganz anders ist und die wir heute schon vorausleben könnten: im Einsatz für die Armen, in Vergebungsbereitschaft und Versöhnung, in Mitleid und Liebe, so Dr. Wünsche und stellte fest: „Solange Kirche das lebt und verkündet, erfüllt sie ihren Auftrag für diese Zwischenzeit bis zur Vollendung der Welt“.

Text und Bild: Andreas Welz

Die erste Fastenprdigt in Vierzehnheiligen 2018

„Glauben – Leben“ ist die Jahresbotschaft der Franziskaner in Vierzehnheiligen. Bei der 1. Fastenpredigt betonte der Rektor der Basilika, Pater Heribert Arens: „Wir haben die vier Evangelien als Wege zum Leben in diesem Jahr ausgesucht“. Die Predigten hätten den Sinn, das Neue Testament insbesondere die Evangelien besser kennenzulernen. Er begrüßte Professor Dr. Joachim Kügler aus Weismain, der Gedanken zum Johannesevangelium in schlichten aber eindrücklichen Worten unter der Überschrift „Wenn der Himmelskönig die Füße wäscht“ schilderte.

Die ersten drei Evangelien Matthäus, Markus und Lukas ähnelten sich: „Die haben voneinander abgeschrieben“, stellte Kügler respektlos fest. Viele Begebenheiten würden darin ähnlich berichtet und der Inhalt des Markus-Evangeliums sei größtenteils bei Matthäus und Lukas enthalten. Das Evangelium nach Johannes sei das vierte und jüngste Buch des Neuen Testaments der Bibel. „Es ist zentral für den christlichen Glauben und wirkt in Darstellung und Theologie sehr eigenständig“, unterstrich der Prediger.

Im Zentrum des Johannesevangeliums stehe die Botschaft, dass Jesus der Sohn Gottes sei. Dies gipfele in Aussagen: „Ich und der Vater sind eins, oder ich bin das Brot des Lebens“. Dieses hohe Selbstbewusstsein Jesu wirke provozierend, so Kügler. „Stellen sie sich vor, jetzt kommt einer daher, der sagt ich bin wichtiger als Abraham oder Johannes der Täufer“. Dem setzte der johanneische Jesus entgegen, dass er in die Welt gekommen sei, um den Menschen die Nähe Gottes zu vermitteln. Wer an Jesus und seine göttlichen Werke glaube, der glaube damit auch an Gott. In ihm verkörpere sich die Liebe Gottes, die allein den Menschen zu retten vermöge. Den Höhepunkt der Selbstmitteilung Jesu im Johannesevangelium bildeten die so genannten Abschiedsreden in denen Jesus die Einheit mit Gott auch seinen Jüngern verspricht.

Professor Kügler ging in seiner Predigt besonders auf die Fußwaschung vor dem Abendmahl am Gründonnerstag ein. Im Alten Orient und im Mittelmeerraum der Antike gehörte die Fußwaschung zum Alltag; die landschaftliche Gegebenheit, die Bodenbeschaffenheit und das Tragen von Sandalen hatten zur Folge, dass die Füße rasch vom Staub bedeckt werden. Vor einem Mahl lässt man sich die Füße waschen, zumal man die Mahlzeit liegend einnimmt, so dass die verschmutzten Füße sich sozusagen auf Augenhöhe der anderen Mahlteilnehmer befinden.

Da geschah etwas Unglaubliches: Jesus legte sein Gewand ab, wusch den Jüngern die Füße und trocknete sie mit einem Leinentuch ab. Fußwaschen sei einer der niedrigsten Arbeiten überhaupt, sagte Kügler und sogar die jüdischen Sklaven waren davon ausgenommen. Petrus verstand die Welt nicht mehr, ein König dürfe niemals die Füße anderer Waschen, war seien Überzeugung. Man könne Petrus verstehen, der sich nicht die Füße waschen lassen wollte. Doch was er nicht sofort begriff, war, dass es sich nicht um eine normale Fußwaschung handele, sondern ein Zeichen, das Jesus so beschrieb: „Wenn ihr euch nicht die Füße waschen lassen wollt, so habt ihr keinen Anteil mit mir“. Kein Teil haben bedeute keine praktische Gemeinschaft haben. Dieser Hinweis bringe das eigentliche Ziel der Fußwaschung auf den Punkt: Es gehe darum, dass Jünger Jesu in einer Umgebung, in der sie oft innerlich verunreinigt werden, wieder in die innere Übereinstimmung mit dem Jesus kommen.

Jesus setzte ein Zeichen der Liebe. Diese Liebe unterscheide sich maßgeblich von dem Begriff der Liebe, „die dehnbar wie Kaugummi ist“, so Kügler. Als Hohn müsse der Ausspruch Erich Mielkes im November 1989 vor der Volkskammer der DDR aufgefasst werden, als er sagte: „Ich liebe euch alle…“. Er sagte das den Menschen, die durch das Regime geknechtet wurden. Gottes Liebe sei klar definiert fasste der Prediger mit den Worten zusammen: „Jesus am Kreuz ist das Zeichen der göttlichen Liebe“.

Text und Bild: Andreas Welz

Valentinstag 2018 in Vierzehnheiligen

„Was bleibt, stiften die Liebenden“ war das Thema des ökumenischen Segnungsgottesdienstes am Sonntag in der Basilika Vierzehnheiligen. Dazu hatten die Franziskaner, die Franziskusschwestern und die evangelisch-lutherische Gemeinde Bad Staffelstein-Herreth eingeladen. In jedem Jahr erinnert der Valentinstag daran, welches Geschenk eine Ehe, eine Freundschaft, eine Partnerschaft ist. Manche stehen am Anfang ihrer Liebe, manche am Neuanfang, manche blicken zurück auf eine Liebes-Geschichte, die sich durch Jahre und Jahrzehnte in guten und in schweren Zeiten bewährt hat.

Der Rektor der Basilika Pater Heribert Arens erinnerte an den Heiligen der Liebenden. Valentin von Rom soll als Priester Liebespaare trotz des Verbots christlich getraut haben und deswegen am 14. Februar 269 hingerichtet worden sein. Zudem habe Valentin den frisch verheirateten Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt. Symbolisch überreichten die Geistlichen jedem Paar eine rote Rose und segneten sie am Gnaden, Petrus- und Paulusaltar. Die phantasievolle Orgelmeditation von Georg Hagel, Regionalkantor des Erzbistums Bamberg und eine Improvisation über „Ubi caritas et amor“, ließ die Paare noch näher aneinanderrücken.

Pater Heribert segnet ein Paar am Gnadenaltar

Schwester Alexia Hoderlein von der Ordensleitung der Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen gab meditative Impulse. „Liebe macht blind, so sagt man, aber Liebe öffnet die Augen, macht einsichtig und weitsichtig, so dass die Welt in neuem Licht erscheint“. Dann erzählte sie die Geschichte von der Bettlerin und der Rose, die der Dichter Rainer Maria Rilke aus der Zeit seines ersten Pariser Aufenthaltes erlebt hatte.

Die Rose stand auch im Mittelpunkt der Predigt von Pfarrer Matthias Hagen von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Staffelstein-Herreth. Die Rose erinnere an Ehejubiläen oder Hochzeitstage und an den Anfang einer zarten Liebe. Vielleicht mit zitternder Stimme überreicht, mit einem Kloß im Hals oder eher ganz eigen fränkisch: „Da – für dich“, hinter dem sich das ganze Universum der fränkischen Liebesfähigkeit und Liebenswürdigkeit verbergen könne. Die Rose sei das Symbol der Liebe und des heutigen Tages. „Sie ist ein Zeichen für ein menschliches Gefühl, eine Stimmung, eine Lebenshaltung, die sie leben, sich wünschen, sich er- oder zurückwünschen, manchmal vermissen, wieder erkämpfen, heute hoffentlich feiern“, so der Pfarrer.

Pfarrer Matthias Hagen predigte über die Rose

Die Rose wecke in uns die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und damit vielleicht auch für den Glauben an den, der alles geschaffen hat, den Schöpfer dieser Rose und der Liebe. Pfarrer Hagen machte aber auch deutlich, dass die Dornen der Rose verletzen können – so tief und nachhaltig, wie in der Ehe oder Partnerschaft. Die Wunden heilten oft schwer und es können Narben zurückbleiben. Doch die Festigkeit des Stiels und das tiefe Grün der Blätter lasse immer wieder Hoffnung aufkeimen, dass die Liebe stärker ist und einen Anfang möglich mache. Hagen schloss mit dem Bibelwort aus dem Buch Jesus Sirach (39, 13-16): „Hört auf mich, ihr frommen Söhne, und ihr werdet wachsen wie eine Rose, gepflanzt an den Wasserbächen. Wie Weihrauch werdet ihr Duft verströmen und aufblühen wie eine Lilie“.

Nach dem Gottesdienst traf man sich im Infocenter des Klosters zu einem Umtrunk. Renate und Karl-Heinz Geldner aus Nedensdorf waren von dem Gottesdienst sehr beeindruckt. In der Hahnkirche bei Prächtig hatten sie sich vor 30 Jahren das Ja-Wort gegeben. „Und seither war jeder Tag so schön wie der andere“, sagte sie unserer Zeitung. Am Valentinstag wolle man festlich essen gehen. Andreas Fischer aus Michelau ist evangelisch und seine Frau Andrea katholisch. Die verschiedenen Konfessionen seien nie in ihrer Ehe ein Thema gewesen. In der katholischen Kirche „Heilige Familie“ wurden sie vor 26 Jahren getraut, die Kinder katholisch erzogen. Am Valentinstag wollen beide arbeiten. Pläne für den Tag der Liebe hätten sie nicht. Sie zehren noch von der Silberhochzeit vor einem Jahr als sie die späten „Flittertage“ in San Marino am Monte Titano in Italien genossen.

Renate und Karl-Heinz Geldner wollen am Valentinstag essen gehen

Der Valentinstag ist für viele vor allem eines: ein kommerzieller Geniestreich. Auch Kerstin und Helmut Schmidt aus Redwitz machen den Trubel am Valentinstag nicht mit. Als Paar macht es sie im Alltag glücklich, den Anderen mit Kleinigkeiten, lieben Worten oder Gesten zu überraschen und zu erfreuen. Es ist 24 Jahre und drei Monate her, als sie am 31. Dezember in der evangelischen Kirche in Redwitz vor den Traualtar traten. Zur Silberhochzeit wollen sie sich einen Traum erfüllen: Eine Schiffs-Kreuzfahrt. „Aber die sind alle so weit weg“, gibt er zu bedenken, und erst irgendwohin fliegen wolle man nicht, ergänzte sie.

Andrea und Michael Fischer denken gern an ihre Silberhochzeit zurück

Text und Bilder: Andreas Welz

Silvesterkonzert 2017 in Vierzehnheiligen

Mit einem stimmungsvollen Silvesterkonzert in der Basilika Vierzehnheiligen verabschiedeten drei hervorragende Musiker aus Unterfranken feierlich das Jahr 2017. Dieter Blum, der Stadtkantor und Organist von Hammelburg, zusammen mit der Mezzosopranistin Lena Vogler und dem Trompeter Bernhard Reußner, beide aus Würzburg, spielten Werke von Bach, Purcell, Händel, Cornelius und Bonocini. Am Schluss des Konzertes sangen alle Kirchenbesucher gemeinsam das Weihnachtslied „Engel auf den Feldern singen“ begleitet von der monumentalen Basilikaorgel.

Jahresausklang in Vierzehnheiligen mit (von links): Bernhard Reußner, Lena Vogler und Dieter Blum

Mit der Sonata in B von Henry Purcell (1658-1695) für Orgel und Trompete führten Blum und Reussner in das von Barockmusik geprägte Konzert ein. Bereits im Pomposo des ersten Satzes zeigte der Trompeter die ihm eigene schlanke und sensible singender Tongebung. Seine bewegliche Technik trotzte den niedrigen Temperaturen auf der Orgelempore, die nur spärlich von Heizstrahlern erwärmt wurde. Der samtene Klang hallte im mächtigen Gewölbe der Basilika wider, das nur von den Kerzen der Christbäume am Hauptaltar und der Rotunde erhellt wurde. Im getragenen Andante interpretierte der Organist die transparente und klar komponierte Tonfolge Purcells und ließ im Presto die Basstürme der Riegerorgel beben.

Lena Vogler erinnerte lebhaft und voller Schwung an die Weihnachtszeit mit den bekannten Liedern „Ich steh an deiner Krippen hier“ und „O Jesulein süß“. Sie bot die reinste Form der Musik – alles echt, ohne Verstärker. Groß, blond und schlank machte sie Musik nur mit ihrer glasklaren Stimme, behutsam begleitet von der Orgel. Ganz in seinem Element interpretierte Dieter Blum eine Partita im barocken Stil über die Kirchenkantate „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ von Johann Sebastian Bach. Atemberaubende Läufe, mächtige Bässe und ein fulminanter Schluss verbanden die sechs Sätze zu einer einzigartigen Variation. Mit der Improvisation zeigte der Stadtkantor nicht nur sein handwerkliches Können, sondern auch Stilsicherheit und musikalische Kreativität.

Mit Giovanni Battista Bononcinis (1670-1747) „Per la Gloria d’adorarvi“ kehrte das Trio wieder zur polyphonen Barockmusik zurück. Brillanz und Virtuosität des Trompeters vereinte sich mit Voglers leicht dunkel timbrierten Mezzosopran, den sie bis in die höheren Mezzo-Regionen bruchlos gestaltete. Organist Blum webte darüber den typischen barocken Klangteppich und ließ dabei harmonischen Mittel in diese Stilmischung hineinfließen.

Dann ertönte Georg Friedrich Händels (1685-1759) „Concertino“ für Orgel und Trompete von der Empore, ein klassisches Werk des Barocks, das mit einem behutsamen Adagio begann und sich bis zum furiosen Finale steigerte. Alle drei Musiker beendete das Konzert mit Händels „Let the bright seraphim“, das aus Samson, seinem gewaltigen und machtvollen Oratorium, stammt. Eine im Charakter tänzerische Ouvertüre, in der die Trompete eine exponierte Rolle im Gesamtklang zukommt, eröffnete den ersten Satz. Die eindringliche Arie des Mezzosoprans rief zum Lobpreis auf. Der frohe Klang der Instrumente wurde schließlich mit Verzierungen der Solostimme klanglich abgebildet.

Die Ausführenden:
Die gebürtige Bad Brückenauer Lena Elisabeth Vogler ist staatlich geprüfte Gesangspädagogin und studiert im 1. Semester des Masters of Performance an der Hochschule für Musik in Würzburg. Sie ist ab dieser Spielzeit im Mainfrankentheater Würzburg tätig. Bernhard Reußner ist hauptamtlicher Lehrer an der Sing- und Musikschule Würzburg. Der Diplommusiker war Solotrompeter der Berliner Philharmoniker. Dieter Blum studierte Kirchenmusik und ist seit 1992 hauptamtlicher Kirchenmusiker an der Stadtpfarrkirche Hammelburg tätig. Er schreibt Werke für die Orgel sowie Vor- und Nachspiele zu Liedern aus dem katholischen Gesangbuch „Gotteslob“.

Text und Bild: Andreas Welz