25-jähriges Priesterjubiläum in Vierzehnheiligen

Am Sonntag feierte unter Corona Bedingungen Pater Clemens in der Wallfahrtsbasilika sein Silbernes Priesterjubiläum, dabei hielt Guardian Pater Maximilian die Festpredigt. Am 1. Mai 1996 war Pater Clemens zusammen mit drei Mitbrüdern zum Priester geweiht worden, um wenige Tage später seine Primiz, die heilige Messe zu feiern. Die Wolfsdorfer und seine Verwandten, Bekannten und Freunden hatten damals stolz auf ihn geschaut. Es wurden Blumenteppiche gelegt und alle freuten sich mit ihm über seine Bereitschaft, Gott zu folgen und ihm mit seinem Leben zu dienen. Am vergangenen Sonntag waren alle dankbar und froh im „fränkischen Jerusalem“ mit Pater Clemens ein kleines Erntedankfest zufeiern und auf 25 segensreiche Jahre seines Wirkens im Weinberg des Herrn zurückzublicken. „Im Rückblick auf dein bisheriges Leben darfst du Spuren Gottes entdecken und daraus Zuversicht und Kraft schöpfen für den Weg, der vor dir liegt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, sagt Jesus im heutigen Evangelium. Wenn ich das Bild betrachte, das Jesus vom Weinstock und den Reben in Worten zeichnet, fällt mir auf, dass darin jeder seine fest zugeschriebene Rolle hat“, so Pater Maximilian zu Beginn seiner Predigt. Der Winzer steckt in seinen Weinberg viel Zeit und Energie und hat am meisten Arbeit damit. Gute Weinstöcke muss er einpflanzen, ausreichend mit Wasser versorgen und die Triebe immer wieder zurückschneiden, damit diese nicht nur viele Blätter haben, sondern Früchte ansetzen. Der Winzer ist der, der am Ende die Früchte erntet und vom Ertrag lebt. Er ist damit beschäftigt, seinen Weinberg zu hegen und zu pflegen. „Im Weinstock sieht sich Jesus selber dargestellt. Dieser versorgt nämlich die Reben mit allem Lebensnotwendigen. Er gibt ihnen Halt und Lebenskraft. Als Priester darfst du ihm da zur Hand gehen und ihm helfen, anderen Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie zu Jesus eine Verbindung aufbauen und diese pflegen können“, so der Guardian weiter. „Im Bild vom Weinstock und den Reben möchte Jesus uns und dir für die nächsten 25 Jahre Mut machen. Frag nicht so vorschnell nach der Frucht und klage nicht darüber, dass man oft so wenig von ihr spürt. Schau jetzt nur auf das eine, auf die Verbindung zum Weinstock, zu Jesus. Er ist die Heimat, er ist das, was dich jeden Tag neu hält und nährt – auch und gerade in diesen Pandemiezeiten“, fügt Pater Maximilian an und fragte anschließend was können wir tun, um die Verbindung zu Jesus zu gestalten und lebendig zu halten sowie was können wir als Reben tun? „Jesu Worte und das Gebet sind die Kanäle, durch die der Lebenssaft vom Weinstock in die Rebe fließt. „Wir können keine Frucht aus uns selbst hervorbringen und sollten uns auch gar nicht allzu sehr mit der Frucht beschäftigen. Entscheidend ist es, mit Jesus in Verbindung zu bleiben. Das geschieht dadurch, dass wir uns immer wieder an seine Worte erinnern, dass wir uns stets vor Augen halten, was er gesagt und getan hat. Und dass wir im Gebet mit ihm in Kontakt bleiben. Wir reden mit ihm, bringen ihm unsere Ängste und Sorgen, aber auch unsere Freude und Hoffnung. Dadurch bleiben wir mit ihm in Verbindung. Wenn wir immer wieder neu hinhören, was Jesus uns durch das Wort der Schrift, aber auch im persönlichen Gebet und in der Begegnung mit unseren Mitmenschen zu sagen hat, dann haben wir schon einen wichtigen Anhaltspunkt, um den Willen Gottes zu erkennen und zu tun“. Mit einem Lied zum Tages Evangelium mit ein paar persönlichen Strophen, welches Pater Maximilian dem Jubilar als Ständchen sang, wurde von Georg Hagel an der Orgel begleitetet, schloss der Festprediger.

Hubert Wagner wurde am 5. März 1966 als erstes von zwei Kindern des Hausmeisters Georg und seiner Ehefrau Walburga Wagner in Lichtenfels geboren. Von 1972 bis 1976 besuchte er in Grundfeld die Grundschule, dann in Unnersdorf ein Jahr die Hauptschule, wechselte dann von 1977 bis 1984 an das Meranier-Gymnasium in Lichtenfels und schließlich bis zum Abitur im Juli 1988 an das Rupert-Neß Gymnasium in Wangen/ Allgäu. Von 1984 bis 1988 wohnte er bei den Franziskanern im Klösterle in Wangen. Die Nähe zu Vierzehnheiligen, mehrere Assisifahrten und diverse Aufenthalte im Kloster zum Mitleben in Eggenfelden und Wangen ließen ihm die Entscheidung reifen, Franziskaner zu werden.

Am 21. Oktober 1988 wurde er in Bad Tölz als Bruder Clemens eingekleidet. Nach dem Noviziat kam er nach München St. Anna, von wo aus er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Philosophie und Theologie studierte. Sein Freisemester verbrachte er im Sommersemester 1992 in Fribourg/ Schweiz. Seine Feierliche Profess legte er am 19. März 1994 in der Franziskanerbasilika Ingolstadt in die Hände von Provinzial P. Heinrich Fürst ab. Missionsbischof Antonio Eduardo Bösl weihte ihn am 30. September1995 in der Pfarrkirche St. Anna zum Diakon.
Weihbischof Bernhard Haßlberger spendete ihm und drei weiteren Franziskanern am 1. Mai1996 in der Basilika Vierzehnheiligen das Sakrament der Priesterweihe. Seine ersten pastoralen Gehversuche als Diakon und Kaplan verbrachte er drei Jahre lang in der Stadtpfarrei St. Anna in München und wechselte im September 1999 für zwei Jahre als Kaplan nach Nürnberg St. Ludwig, bevor er für sechs Jahre als Stadtpfarrer von St. Anna in München zurückkehrte. Von September 2007 bis August 2014 war er als Pfarrvikar in Berlin St. Ludwig tätig. Im September 2014 wurde er Schulseelsorger in Halle an der Saale an drei verschiedenen katholischen Schulen, eine missionarische Aufgabe, die er nach wie vor mit Herzblut und Begeisterung erfüllt.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Den heiligen Georg zum Vorbild nehmen

„Görchn“ feierten Georgentag in der Basilika Vierzehnheiligen

Seit vielen Jahrzehnten feiern die Namensvetter des heiligen Georg am Georgentag, dem 23. April, in der Basilika Vierzehnheiligen gemeinsam einen Gottesdienst. Nachdem die Feierlichkeiten im letzten Jahr, bedingt durch die Corona-Pandemie ausfallen mussten, konnte diesmal der Gottesdienst trotz der weiter grassierenden Pandemie unter den gebotenen Schutzmaßnahmen stattfinden, wobei natürlich der übliche gemeinsame Ausflug erneut nicht möglich war. Der Guardian, Pater Maximilian Wagner, der das Georgsamt zelebrierte, gratulierte alle auf den Namen des Heiligen Georg getauften Christen, vor allem natürlich die Mitglieder des Georgen-Komitees und den Kirchenmusiker Georg Hagel.

Der Pater verwies auf die ganz oben auf dem Baldachin des Gnadenaltars sitzende Figur des heiligen Georg, der mit Lanze und dem getöteten Drachen versehen, als einer der 14 Nothelfer gilt. Georg sei um 280 in Kappadokien in der heutigen Türkei geboren worden und soll als Legionär für den römischen Kaiser Diokletian gekämpft haben und um 305 als Christ im Rahmen der Christenverfolgung gefoltert und enthauptet worden sein.

Der Guardian ging auch auf die bekannte Legende ein. Demnach habe ein Drachen eine Stadt terrorisiert, indem er jeden Tag ein Menschenopfer forderte und auch die Königstochter sollte vor diesem Schicksal nicht verschont werden. Georg tötete das Untier, rettete die Königstochter und erlöste die Stadt vor der Knechtschaft des Drachen. Der Sieg Georgs über den Drachen werde als Sieg des Göttlichen über das Böse gedeutet und gefeiert. Insofern sei Georg ein Heiliger, der wunderbar in die Osterzeit passe und uns deutlich vor Augen führe, dass das Leben stärker sei als alle Mächte des Todes und des Bösen.
In unseren Tagen plage uns das Schreckgespenst des Corona-Virus, das wie ein böser Drache unser aller Leben bedroht, stellte der Pater fest. In ständig wachsenden Infektionszahlen, in Horrorbildern von überfüllten Intensivstationen und Massengräbern in manchen Ländern trete er uns entgegen und behindere uns in den notwendigen Beschränkungen des alltäglichen Lebens. Möge der heilige Georg uns helfen, dass wir uns mutig und entschlossen den Herausforderungen des Lebens stellen und hoffentlich die Pandemie bald in den Griff bekommen, stellte der Guardian abschließend voller Zuversicht fest.

 

Text: Alfred Thieret
Bilder: Georg Kronecker

Wallfahrtsjahr Eröffnung in Vierzehnheiligen

Seit dem Jubiläumsjahr der Erzdiözese Bamberg 2007 wird das Wallfahrtsjahr in Vierzehnheiligen mit einem Tag der Wallfahrt eröffnet. Vorsichtiger Optimismus herschte am vergangenen Sonntag zur Eröffnung des Wallfahrtsjahrs im „fränkischen Bethlehem“ unter dem Motto „Gott gab uns Atem, damit wir leben.“ Das Thema ist gut biblisch, im Wortlaut einem Lied entnommen, dessen Strophen Diakon Eckart Bücken für den evangelischen Kirchentag 1983 in Hannover getextet hatte. „Als wir uns Anfang dieses Jahres in der Hausgemeinschaft für dieses Thema entschieden hatten, waren wir davon ausgegangen, dass wir die Corona-Pandemie bis zur Jahresmitte doch soweit im Griff haben, dass die Wallfahrten fast wie früher nach Vierzehnheiligen kommen können“, sagte Pater Maximilian, Guardian des Franziskanerklosters. „Damals dachten wir, dass wir wenigstens in der zweiten Jahreshälfte 2021 gleichsam aufatmen können und die dunkle Zeit hinter uns lassen dürfen. Die Impfungen bleiben für uns offensichtlich der einzige Ausweg aus der Pandemie, und das Hoffnungslicht am Ende des Tunnels wird von Tag zu Tag heller.“ Erschreckend hohe Infektionszahlen und Todesfälle, Medienbilder von Massengräbern, überfüllten Intensivstationen und künstlich beatmeten Patienten und die Angst, sich selber mit dem Virus anzustecken und schwer daran zu erkranken, prägen allerdings nach wie vor den Alltag, so der Pater. Und es beschleiche einen immer wieder das ungute Gefühl, als ob diese Katastrophe kein Ende nehmen wolle. Pater Maximilian erinnerte daran, dass viele Wallfahrten in der Barockzeit unter dem Eindruck der Pest-Epidemie entstanden. Damals baten die Menschen um den göttlichen Beistand und hofften, von der tödlichen Pestgefahr verschont zu werden. „Unsere Zeit ist dem Ursprungsanliegen der Wallfahrt also sehr ähnlich. Gehen in kleinen Gruppen, vielleicht auch in kürzere Strecke, stellvertretend für alle, ist besser als die Wallfahrt erneut abzusagen“, erklärte der Guardian.

Die Wallfahrtsbasilika ist für persönliche Gebete offen und miteinander können Gottesdienste gefeiert werden. In der Basilika stehen 160 Plätze mit Sicherheitsabstand und viel Umluft, also corona-konform bereit. Außerdem gibt es die Möglichkeit, bei großem Andrang Gottesdienste nach außen zu übertragen. So begrüßte der „Rector ecclesiae“ der Wallfahrtsbasilika am Sonntag etliche Wallfahrer. Einige kleine Radgruppen der Concordia aus Altenkunstadt und Umgebung hatten sich mit den Fahrrädern auf den Weg gemacht.

In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte der Franziskanerpater das Wallfahrtsmotto. „Es muss ein ganz schlimmer Moment sein, wenn dir plötzlich die Luft wegbleibt, wenn du nicht mehr richtig atmen kannst und du das Gefühl hast, zu ersticken. Vielleicht hast du selber so etwas schon einmal erleben müssen bei einer starken Bronchitis, Lungenentzündung oder in einer Schocksituation“, sagte er. Und wie so oft, erst wenn die Atmung nicht mehr einwandfrei funktioniert, wenn Atemaussetzer oder Asthma das Leben bestimmen und einschränken, werde die Atmung zu einem kostbaren Gut. „In solchen Momenten kommt Angst auf, weil das Leben bedroht ist“, so der Franziskanerpater zu Beginn seiner Predigt. Gott schenke Atem und neues Leben, indem er dem Menschen den Lebensodem durch die Nase einhauchte: „Erst der Lebensatem Gottes macht uns lebendig. Durch den Atem sind wir göttlich inspiriert, können Leben denken, planen und gestalten als Ebenbilder Gottes. Der Atem ist unser ständiger Begleiter, er kommt und geht, ganz von selber.“ Wer einen schweren Verlauf von Covid-19 habe, müsse auf der Intensivstation künstlich beatmet werden, um zu überleben. „Asthma und Corona machen uns bewusst, wie schlimm es ist, wenn uns die Luft wegbleibt“, so der Geistliche weiter. Gott gebe nicht nur den Atem zum Leben, sondern auch den langen Atem zum Durchhalten in Krisen und zum Verstehen der Lebenszusammenhänge und des Glaubens. Dieses Durchatmen mit und bei Gott im Gebet helfe, die Aufgaben und die Wege in einer gewissen Gelassenheit und im Vertrauen auf Gottes Begleitung zu gehen. „Ihr seid nach Vierzehnheiligen gekommen: lasst uns neu aufatmen, durchschnaufen und Luft holen, damit unser Leben hier am Gnadenort mit neuer Kraft und Zuversicht erfüllt wird“, so Pater Maximilian zum Schluss seiner Predigt.

Text und Bild: Gerd Klemenz

Fränkische Passion in Vierzehnheiligen

Das letzte Abendmahl und der Gang nach Golgatha im heimischen Dialekt – das muss kein Widerspruch sein. Dass durch die vertraute Mundart die Botschaft Christi besonders tief in die Herzen der Zuhörer einzieht, bewies die „Fränkische Passion“ am fünften Fastensonntag in der Wallfahrtsbasilika. Pater Maximilian freute sich über zahlreiche Besucher, die den Weg in die Basilika gefunden hatten, um diese besondere fränkische Andacht in der Fastenzeit mitzufeiern. In acht Teilen erzählte Maria Kutzelmann die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu Christi, vom Abendmahl über den Gang zum Ölberg bis zum Tod am Kreuz, den er für die Menschen erlitten hat. Das besondere daran war, dass Kutzelmann alle Stationen in fränkischer Mundart verfasst hat. Als Jesus mit seinen zwölf Jüngern zum Abendmahl zusammen kam, sprach er „Wos ich euch etz sooch is gwies wohr: Aner vo euch 12 werd sei, der wo mich ausliefert! Aner vo euch, der mit mit om selbm Tisch isst!“ Was dann passiert, weiß jeder Christ – oder wie Maria Kutzelmann vortrug: „Ich kenn denn Menschn net, vo dem wo ihr redt!“ Und Jesus antwortete: „Noch bevor der Göckä es zweitamoll kräht, werst du mich drei mol verleugna.“ „Wölltä dass ich euch den König der Judn freigeb?“, fragt Pilatus, der zum Fest seines Volkes immer einen Gefangenen freigab. „Er hat nämlich gewisst, dass der unschuldig war. Obä des Volk wor aufgetzt und hot die Freigob vom Barabas – des wor a Verbrecher – g´fordert.“ Auf Golgatha, erzählte Kutzelmann schließlich „In der dritten Stund’ hom sie Jesus dann aufn Kreuzbalkn genagelt. Zwischen zwaa Verbrecher, die wo auf Kreuze ohgebunden worn, hom sie des Kreuz donn aufgstellt und hom Jesus sei Schicksol überlassen.“ Zur andächtigen Stimmung und gelungenen musikalischen Umrahmung trugen die „Kemmärä Kuckuck“ aus Kemmern unter der Leitung von Hans-Dieter Ruß mit Musik und Gesang bei. Der Ausdruck fränkischer Identität in der Volksmusik ist das Bewahren des Dialekts, der Erhalt und die Weitergabe des überlieferten Liedguts, aber auch das stolze Tragen der regionalen Tracht. Kein Wunder, dass die Reaktionen der Besucher auf die „fränkische Passion“ nach dem abschließenden Segen Pater Maximilian durchweg positiv ausfielen. Für alle, die in der Basilika den Gesängen, Melodien und der im heimischen Dialekt vermittelten Leidensgeschichte Jesu lauschten, ging ein Nachmittag zu Ende, der im Herzen nachklingt. Viele waren sich beim Verlassen der Basilika sicher: „Zum Mariensingen im Mai semme widder in der Basilika dabei.“ Dann singen und spielen die „Kemmärä Kuckuck“ wieder in der Wallfahrtsbasilika. Im Mai finden auch wieder Andachten im „fränkischen Bethlehem“ statt.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

4. Fastenpredigt

Ein bockiger Prophet, der nicht mit Gottes Barmherzigkeit zurechtkommt, sich schmollend auf einen Berg zurückzieht und darauf hofft, dass Gott das Gericht wie angekündigt durchzieht. Und dann wird das Ganze noch pfiffig abgeschlossen – mit einem offenen Ende. Dieser unerwartete Schluss nimmt der biblischen Geschichte von Jona jeden märchenhaften Charakter. Franziskanerpater Maximilian lud am Sonntagnachmittag zur letzten Fastenpredigt zum Thema „Die letzte Frage bleibt unbeantwortet – Die Antwort wird von dir erwartet“ ein. Wieder waren zahlreiche Gläubige in die Wallfahrtsbasilika gekommen, um die Predigt mitzuerleben. Nachdem Gott seine Drohung nicht wahrgemacht und die Reue der Einwohner von Ninive berücksichtigt hat, denkt man: Ende gut, alles gut. Jetzt wird aber der Prophet Jona zornig, er fühlt sich verraten und klagt Gott an für dessen Mitleid. „Wir erfahren nun den wahren Beweggrund von Jonas Flucht – Angst“, sagte Pater Maximilian. „Aber nicht die Angst vor den Niniviten, sondern die Angst, Gott könne am Ende, wenn’s drauf ankommt, ein gnädiger und barmherziger Gott sein.“ Gott passe nicht in das Bild, das sich der Prophet von ihm gemacht hatte. „Aber mal Hand aufs Herz, gibt es nicht vielleicht Fälle, in denen es uns genauso geht wie Jona? Wo wir auch protestieren, uns schmollend zurückziehen und Gott am liebsten ins Gesicht sagen würden, dass wir auf ihn sauer sind? Wo wir seine Gnade und Vergebung nicht verstehen und auch nicht einsehen?“, fragte der Prediger. Jeder Mensch kenne Situationen, in denen er verwundbar ist und wo es ihm schwer falle zu vergeben. Dann sei man mit Gottes Barmherzigkeit überfordert und wünsche sich insgeheim, dass Gott die Schuldigen bestraft. Gott nehme seinen eigensinnigen Propheten gleichsam in die Schule der Barmherzigkeit, erklärte Pater Maximilian. So baut Jona sich eine Hütte, um sich vor der Sonne zu schützen und außerdem spende ein Rizinus-Strauch zusätzlichen Schatten. Doch dann wird dieser Strauch von einem Wurm heimgesucht und ein heißer Ostwind bringt unerträgliche Hitze. Jona packt der Zorn über diesen verdorrten Busch und die Hitze und Gott, der das nicht verhindert hat und überhaupt will er lieber tot sein. Gott ergreift die Gelegenheit, den zornigen Propheten auf sich und sein großes Herz aufmerksam zu machen. Er lässt sich auf Jona ein, macht ihm am Beispiel einer Pflanze und eines Wurms deutlich, warum er Ninive vergeben hat und was sein Innerstes bewegt. „Du weinst um Pflanzen, Jona, aber ich habe Mitleid mit ganz vielen Menschen“, erklärt Gott Jona seine Gefühle. „Diesen Weg geht übrigens auch Jesus und macht das anschaulich beim barmherzigen Vater und seinen verlorenen Sohn, in einer Geschichte im Neuen Testament“, so der Geistliche. Die Zielgruppe dieser Geschichte sind nicht die armen Zöllner und Sünder, die reumütig zu Gott zurückkehren, sondern die Pharisäer und Schriftgelehrten, die sich für perfekt halten. Für Gott gebe es kein Zuviel an Barmherzigkeit, seine Gnade höre nie auf. Seine Barmherzigkeit habe kein Ende. „Das Beispiel Ninive zeigt uns, dass es bei Gott immer Hoffnung für Verlorene gibt“, so Pater Maximilian. Die Jona-Geschichte veranschauliche die unaufhörliche Zuwendung Gottes zu den Menschen. Dieses Botschaft ziehe sich wie ein roter Faden durch die Jona-Geschichte. Mit einer Frage versucht Gott Jona das Herz zu öffnen: „Du hast Mitleid mit dieser Rizinusstaude, um die du dich nicht bemüht und die du nicht aufgezogen hast. Und ich sollte kein Mitleid haben mit Ninive, in der mehr als 120 000 Menschen leben?“ Das Buch Jona ende mit der Frage, ob Jona bereit ist, sich auf diesen Prozess einzulassen? Doch das wisse niemand, denn Jona gibt keine Antwort. Diese offene Frage sei an alle Menschen gerichtet. „An uns liegt es, diese Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen weiter zu schreiben“, so Pater Maximilian. Am Sonntag, 21. März findet um 14 Uhr das fränkische Passionssingen mit Musik, Gesang und Texten vom Abendmahl bis zur Kreuzigung in der Basilika statt. Der Eintritt ist frei.

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Nachruf von Richard Lurz sen.

Die katholische Kirchenstiftung der Basilika Vierzehnheiligen trauert um ihren Kirchenschweizer Richard Lurz der am 25.02.2021 im Alter von 90 Jahren in Gottes Ewigkeit heimgerufen wurde.
Herr Richard Lurz war von Dezember 1975 bis Mai 2001 der Kirchenschweizer der Basilika Vierzehnheiligen. Dieses Amt übte er ehrenamtlich bis zu seinem 70. Lebensjahr aus.
Gerade, aufrecht und freundlich begleitete er damals jährlich über 80 Wallfahrtsgruppen in die und aus der Basilika, sorgte gelegentlich mit einem klaren Machtwort für die Ordnung im Heiligtum und war mehr als eine ganze Generation von Pilgern das sympathische Gesicht von Vierzehnheiligen und der „Hüter der Basilika“.
Auch in der Kirchenverwaltung der Wallfahrtskirche, wirkte Herr Richard Lurz viele Jahre engagiert als Kirchenrat mit.
1983 belebte Herr Richard Lurz sen. die Wallfahrt der Grundfelder, Wolfsdorfer, Reundorfer und Schönbrunner nach Marienweiher wieder, eine Tradition, die Ende der 60-er bzw. Anfang der 70-er Jahre eingeschlafen war. Da eine Wallfahrt ohne Musik nichts ist, gründete er dafür eine eigene Bläsergruppe, bei der er selber mitspielte. Aus diesen Anfängen ist die Blasmusikkapelle „ Die Nothelfer“ hervorgegangen.
Im Buch „Wallfahrt nach Vierzehnheiligen“ von P. Dominik Lutz ist Herr Richard Lurz auf einem doppelseitigen Bild als Kirchenschweizer bei der Fronleichnamsprozession verewigt. Als solcher wird er uns stets in dankbarer und bester Erinnerung bleiben.

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2. Fastenpredigt

Wer das Buch Jona in der Bibel genauer liest, wird sehr schnell merken, dass darin keine geschichtliche Gestalt vorgestellt wird, sondern der Autor dem Leser einen Spiegel vorhält. Wer sich auf diese Erzählung einlässt, der begreift, dass Jona eine Gestalt ist, die uns allen zum Verwechseln ähnlich sieht. Pater Maximilian Wagner hielt unter dem Motto „Licht am Ende des Tunnels – Das mich Verschlingende kann mich retten …“ die zweite Fastenpredigt des Jahres.

Das zweite Kapitel des Jona-Buches, dem sich die Fastenpredigt widmete, beschreibt die Todesangst und einen überdimensionierten Fisch, der auch viele Künstler inspiriert hat. Jeder kennt aus Albträumen die Angst, ins Bodenlose zu fallen, dem Ertrinken nahe zu sein oder von einer unheimlichen Macht verschlungen zu werden. „Wenn wir die Geschichte des Jona hören oder lesen, fühlen wir uns in sie hinein und erkennen in ihr unsere ganz persönlichen Ängste und vielleicht schon durchlebten Nöte“, so Pater Maximilian. Man könne sich kaum eine Situation vorstellen, die hoffnungsloser ist als die, in der sich Jona in diesem Augenblick befindet; denn mit dem Schiff fahren alle seine Hoffnungen dahin und er bleib einsam in den Tiefen des Meeres zurück. Doch mitten in seinem ausweglosen Schicksal verschlinge ihn ein Seeungeheuer und nehme ihn so in sich auf. „Es gibt keinen Fisch, der Jona hätte verschlingen können. Kein Hai ist groß genug und ein Wal hatte einen zu kleinen Schlund, einen Menschen lebendig zu verschlucken und wieder auszuspeien“, betonte der Pater. Daher mute die Geschichte ein wenig wie ein Märchen an, doch es sei nicht wichtig, um welche Art von Fisch es sich dabei handelte. Wichtiger sei es, dem Fisch, der durch Gottes Fügung daherkommt, die Aufmerksamkeit zuzuwenden: „Er kann uns nämlich helfen, die schwersten Stunden unseres Lebens ein wenig zu verstehen.“ Daher habe dieser Fisch in Kunst und Literatur so viel Beachtung gefunden.

Menschen seien erst in Notsituationen bereit, ihr oberflächliches Leben aufzugeben. „Wer hätte vor kurzem gedacht und für möglich gehalten, dass einmal eine Pandemie die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt, so viele Todesopfer fordert und unser Leben so massiv einschränkt, wie seit einem Jahr das Corona-Virus?“, fragte der Fastenprediger. Betrachte man die Karten des Robert-Koch-Instituts, entstehe der Eindruck, als ob das tödliche Virus-Monster die ganze Welt verschlingen wolle. Hoffnungsbilder sollen helfen, die schwere Zeit der Kontaktbeschränkungen und des Lockdowns auszuhalten und eine positive Vision für danach zu entwickeln. „Ein Licht am Ende des Tunnels ist zu sehen, wenn die Impfungen uns hoffentlich bald alle immunisieren und beschützen. Wir fühlen uns wie im Krieg gegen eine unsichtbare, heimtückische Macht“, sagte der Pater. Er frage sich, was Gott mit dieser Plage sagen wolle: „Können wir in Covid-19 etwas entdecken, das wie der rettende Fisch den Jona auch uns ans sichere Land bringt?“ Antworten darauf finde der Mensch wohl erst, wenn er wieder Land sehe und in Sicherheit sei. „Ob nun Corona, Krankenhaus oder Gefängniszelle – es sind nur verschiedene Namen für den Fischbauch, der Jona einerseits vor dem sicheren Tod durchs Ertrinken bewahrte, ihn andererseits aber einen schmerzhaften Reifungsprozess durchmachen ließ“, meinte der Franziskanerpater. Weil Jona im Bauch des Fisches sein Leben von Gott her überdachte, sei er zur Umkehr und Heimkehr gekommen: „Er wusste, dass es nichts Schlimmeres gibt, als Gott davon zu laufen und sein Glück in der Gottferne zu suchen.“
Die Schilderung von Jona im Fischbauch sei ein Gleichnis des menschlichen Lebens und eine von Gott gegebene Anleitung zur Bewältigung von Lebenskrisen: „In dem Moment, da wir zu unserem Gewissen zurückkehren, haben wir wie Jona wieder Land unter den Füßen. Eine neue Welt tut sich auf, und ein neues Leben kann beginnen.“ Die Hoffnung lehre, auch dann noch an das Licht zu glauben, wenn uns scheinbar nur noch Finsternis umhüllt. „Erst wenn wir uns dem Dunkel stellen, wird uns der Schritt ins Licht geschenkt“, betonte Maximilian Wagner.

Abschließend zitierte er den heiligen Franz von Sales: „Wenn du einmal recht mutlos und niedergeschlagen bist, dann denk an Jona: Er kam sogar aus dem Bauch des Walfisches heraus.“ Die nächste Fastenpredigt aus der Reihe „Das Zeichen des Jona“ hält am Sonntag, 7. März, um 14 Uhr Pater Maximilian unter dem Titel „Der Countdown läuft … –„Wie viel Zeit bleibt mir noch?“

Text und Bilder: Gerd Klemenz

Fastenpredigt in Vierzehnheiligen

Man findet kaum jemanden, der beim Namen Jona nicht gleich weiß: Das ist doch der mit dem Fisch. Die Geschichte, um die es geht, rührt an und prägt sich ein. Einmal gehört, vergisst man sie so schnell nicht mehr.
Pater Maximilian Wagner hielt unter dem Motto „Jona und sein Ninive – Es ist zum Davonlaufen“ die erste Fastenpredigt des Jahres. Das Buch Jona ist in vielfacher Hinsicht ein Buch der Superlative. In der Bibel ist es mit seinen vier Kapiteln das kürzeste Schriftwerk von allen. Kein anderes Buch der Heiligen Schrift übertrifft dieses an hinterhältigem Witz und versteckter Ironie. Neben den Psalmen hat kein anderes Buch so zahlreiche literarische Verarbeitung bis in die Moderne erfahren.

Die Jona-Geschichte ist eine sprachliche Meisterleistung. Zu Beginn seiner Predigt versetzte sich Pater Maximilian einen Augenblick in Jona. Dabei fragte er sich, wie es ihm erginge, wenn Gott ihm zumutete, anderen eine unangenehme Nachricht zu überbringen. „Ich hätte auch keine Lust, in eine große fremde Stadt zu reisen, um dort den bevorstehenden Weltuntergang zu verkündigen und den Leuten mit einer Droh- statt mit einer Frohbotschaft entgegen zu treten.“ Es gab tatsächlich den Propheten Jona im 8. Jahrhundert vor Christus am Hof des Königs Jerobeam II. im Nordreich Israel. Davon berichtet das zweite Buch der Könige. „Es geht unserem Verfasser also gar nicht um die Darstellung einer bestimmten Figur. Vielmehr wollte er eine Gestalt mit einem allgemein menschlichen Charakter schaffen, damit wir uns selber wie in einem Spiegel in ihr wiedererkennen können.“

Ninive war die Hauptstadt des Assyrerreiches (heute Irak) und hatte den Rang einer Weltstadt. Doch als die Jona-Geschichte im 4. Jahrhundert vor Christus entstand, war diese Stadt schon längst ein Trümmerhaufen. „Das Ninive, von dem die Jona-Geschichte erzählt, existiert, solange es Menschen gibt. Es besteht also auch heute noch. Denn dieses Ninive liegt überall dort, wo es nicht um das Wohl des anderen geht.“ In Ninive, so waren die Juden überzeugt, war das Böse zu Hause. Ninive stand als Symbol für die Hölle auf Erde. „An der Sendung Jonas nach Ninive wird deutlich: Gott interessiert sich für dieses Ninive. Gott will eine Brücke schlagen, zu dieser höllischen Stadt. Gott hat mit dieser Stadt etwas vor. Jonas Geschichte will uns nämlich bewusst machen, wo unser ganz persönliches Ninive liegt, vor dem wir ständig auf der Flucht sind.“ Es gehe gar nicht in erster Linie um die Rettung von Ninive, sondern um die Rettung von Jona, der ein anderer werden solle, der verwandelt werden wolle auf dem Weg nach Ninive, durch die Begegnung mit den Fehlern der anderen, in denen er seine eigene Boshaftigkeit entdeckt. „Die Bibel will ein großer Wecker sein, um uns aus dem Schlaf der Sicherheit in die Wirklichkeit Gottes zurückzuholen.“

Flucht geschieht immer aus Angst vor der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Jona flieht lieber ans Ende der Welt als dorthin zu gehen, wovor er Angst hat. Wie viele flüchten vor ihren Problemen, weil „es zum Davonlaufen …“ ist? Jona sei uns in dieser Situation nicht fremd. „Oft sind es nämlich die Dinge, die etwas Unangenehmes an sich haben, die wir vor uns herschieben“, so der Pater. Manch einer flüchtet in die Arbeit oder benutzt den Alkohol, um vor seinen Problemen zu fliehen. Manchmal flüchten wir auch in die Resignation, ziehen uns wie Jona die Decke über den Kopf, würden am liebsten die Welt und alle Probleme in ihr ignorieren. Aber wer flieht, verfehlt sein Ziel und das nennt die Bibel Schuld. „Fliehen vor Problemen, vor Gott und vor Verantwortung führt uns nie besonders weit und manchmal muss uns Gott einen heftigen Sturm schicken, bis wir unsere Fluchtwege endlich einsehen. „Es ist zum Davonlaufen …“.

Wovor flüchte ich? Kenne ich meine Fluchtwege? Wenn Gott mich ruft und mir eine Aufgabe zutraut, gibt er mir auch die Kraft, sie zu meistern. Vertrauen wir darauf“, so Pater Maximilian zum Schluss. Die nächste Fastenpredigt aus der Reihe „Das Zeichen des Jona“ hält am Sonntag, 28. Februar, um 14 Uhr Pater Maximilian unter dem Titel „Licht am Ende des Tunnels – Das mich Verschlingende kann mich retten …“

Text und Bild: Gerd Klemenz

Fastenpredigt in Vierzehnheiligen

Man findet kaum jemanden, der beim Namen Jona nicht gleich weiß: Das ist doch der mit dem Fisch. Die Geschichte, um die es geht, rührt an und prägt sich ein. Einmal gehört, vergisst man sie so schnell nicht mehr.
Pater Maximilian Wagner hielt unter dem Motto „Jona und sein Ninive – Es ist zum Davonlaufen“ die erste Fastenpredigt des Jahres. Das Buch Jona ist in vielfacher Hinsicht ein Buch der Superlative. In der Bibel ist es mit seinen vier Kapiteln das kürzeste Schriftwerk von allen. Kein anderes Buch der Heiligen Schrift übertrifft dieses an hinterhältigem Witz und versteckter Ironie. Neben den Psalmen hat kein anderes Buch so zahlreiche literarische Verarbeitung bis in die Moderne erfahren.

Die Jona-Geschichte ist eine sprachliche Meisterleistung. Zu Beginn seiner Predigt versetzte sich Pater Maximilian einen Augenblick in Jona. Dabei fragte er sich, wie es ihm erginge, wenn Gott ihm zumutete, anderen eine unangenehme Nachricht zu überbringen. „Ich hätte auch keine Lust, in eine große fremde Stadt zu reisen, um dort den bevorstehenden Weltuntergang zu verkündigen und den Leuten mit einer Droh- statt mit einer Frohbotschaft entgegen zu treten.“ Es gab tatsächlich den Propheten Jona im 8. Jahrhundert vor Christus am Hof des Königs Jerobeam II. im Nordreich Israel. Davon berichtet das zweite Buch der Könige. „Es geht unserem Verfasser also gar nicht um die Darstellung einer bestimmten Figur. Vielmehr wollte er eine Gestalt mit einem allgemein menschlichen Charakter schaffen, damit wir uns selber wie in einem Spiegel in ihr wiedererkennen können.“

Ninive war die Hauptstadt des Assyrerreiches (heute Irak) und hatte den Rang einer Weltstadt. Doch als die Jona-Geschichte im 4. Jahrhundert vor Christus entstand, war diese Stadt schon längst ein Trümmerhaufen. „Das Ninive, von dem die Jona-Geschichte erzählt, existiert, solange es Menschen gibt. Es besteht also auch heute noch. Denn dieses Ninive liegt überall dort, wo es nicht um das Wohl des anderen geht.“ In Ninive, so waren die Juden überzeugt, war das Böse zu Hause. Ninive stand als Symbol für die Hölle auf Erde. „An der Sendung Jonas nach Ninive wird deutlich: Gott interessiert sich für dieses Ninive. Gott will eine Brücke schlagen, zu dieser höllischen Stadt. Gott hat mit dieser Stadt etwas vor. Jonas Geschichte will uns nämlich bewusst machen, wo unser ganz persönliches Ninive liegt, vor dem wir ständig auf der Flucht sind.“ Es gehe gar nicht in erster Linie um die Rettung von Ninive, sondern um die Rettung von Jona, der ein anderer werden solle, der verwandelt werden wolle auf dem Weg nach Ninive, durch die Begegnung mit den Fehlern der anderen, in denen er seine eigene Boshaftigkeit entdeckt. „Die Bibel will ein großer Wecker sein, um uns aus dem Schlaf der Sicherheit in die Wirklichkeit Gottes zurückzuholen.“

Flucht geschieht immer aus Angst vor der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Jona flieht lieber ans Ende der Welt als dorthin zu gehen, wovor er Angst hat. Wie viele flüchten vor ihren Problemen, weil „es zum Davonlaufen …“ ist? Jona sei uns in dieser Situation nicht fremd. „Oft sind es nämlich die Dinge, die etwas Unangenehmes an sich haben, die wir vor uns herschieben“, so der Pater. Manch einer flüchtet in die Arbeit oder benutzt den Alkohol, um vor seinen Problemen zu fliehen. Manchmal flüchten wir auch in die Resignation, ziehen uns wie Jona die Decke über den Kopf, würden am liebsten die Welt und alle Probleme in ihr ignorieren. Aber wer flieht, verfehlt sein Ziel und das nennt die Bibel Schuld. „Fliehen vor Problemen, vor Gott und vor Verantwortung führt uns nie besonders weit und manchmal muss uns Gott einen heftigen Sturm schicken, bis wir unsere Fluchtwege endlich einsehen. „Es ist zum Davonlaufen …“.

Wovor flüchte ich? Kenne ich meine Fluchtwege? Wenn Gott mich ruft und mir eine Aufgabe zutraut, gibt er mir auch die Kraft, sie zu meistern. Vertrauen wir darauf“, so Pater Maximilian zum Schluss. Die nächste Fastenpredigt aus der Reihe „Das Zeichen des Jona“ hält am Sonntag, 28. Februar, um 14 Uhr Pater Maximilian unter dem Titel „Licht am Ende des Tunnels – Das mich Verschlingende kann mich retten …“

Text und Bild: Gerd Klemenz

Die Franziskaner in Pandemiezeiten

Seit mittlerweile einem Jahr hat uns die Corona Pandemie fest im Griff und der Lockdown geht weiter. Gottesdienste in Bayern sind nur mit strengen Hygiene-Regeln möglich. In Vierzehnheiligen hat man sich dabei bisher bewusst gegen Streaming-Gottesdienste entschieden, da das öffentliche Fernsehen qualitativ hochwertige und abwechslungsreiche Sonntagsgottesdienste anbietet. Außerdem geben es die technischen Möglichkeiten auf dem heiligen Berg nicht her.

Am 13. Januar veröffentlichte die bayerische Landeskirche zuletzt umfassende aktualisierte Empfehlungen, am 20. Januar verordnete die bayerische Landesregierung zudem eine FFP2-Maskenpflicht für Gottesdienste sowie neue Bestimmungen für die Gesamtbesucheranzahl. Wie überall wurden im Herbst auch in Vierzehnheiligen zu den Sonntagsgottesdienste die Anmeldepflicht eingeführt, um so eine Kontaktpersonen-Nachverfolgung für das Gesundheitsamt zu gewährleisten und zum anderen Ärger und Streit an der Kirchentür zu vermeiden, falls bei zu hoher Nachfrage jemand nicht mehr in die Kirche gelassen werden konnte. Insgesamt stehen in der Basilika bis zu 160 Sitzplätze für die Gottesdienstbesucher unter Corona-Bedingungen bereit.

„Inzwischen ist die Zahl der Gottesdienstbesucher so überschaubar geworden, dass wir von einer Anmeldung bis auf Weiteres absehen. Vor der Karwoche und Ostern werden wir neu überlegen müssen, eventuell wieder über ein Anmeldesystem die Besucherzahlen zu regeln, um die zur Verfügung stehenden Plätze der Basilika in allen Gottesdiensten gleichmäßig zu verteilen“, erklärt der neue Guardian Pater Maximilian Wagner. Der Lockdown und dessen Auswirkungen verändern natürlich auch das Leben der Franziskanerpatres im „fränkischen Bethlehem“. „Seelsorge lebt ganz wesentlich von sozialen Kontakten, die wie überall stark eingeschränkt sind. Auf Provinzebene kommunizieren wir mit unseren Mitbrüdern in Konferenzen digital über die sozialen Medien. Unsere Gottesdienste sind bedeutend schwächer besucht als bisher, doch mit Orgel und Vorsänger weiter liebevoll und attraktiv gestaltet“, berichtet Pater Maximilian. „Klostergäste fallen derzeit wegen Infektionsschutz weg. Im Winter ist es hier immer etwas ruhiger und beschaulicher. Kirchenführungen sind aktuell nicht angefragt. Trotzdem geht die Seelsorge hier weiter, wenn auch in kleineren Zahlen. Der Infektionsschutz und die Einhaltung der Corona-Regeln sind uns wichtig, sowohl in unserer Hausgemeinschaft als auch in der Basilika. Wir tragen Verantwortung für die eigene Gesundheit und die der anderen“, so der Guardian.

Die meisten Brüder im Haus gehören schon wegen ihres Alters (vier sind über 80 Jahre alt) oder bestimmter Vorerkrankungen einer Risikogruppe an, Vorsicht und Rücksicht sind also geboten, auch wenn die Patres spirituell gelassen mit der Gefahr umgehen und sich nicht aus Angst ganz zurückziehen und verschanzen. „Wir haben das Glück, dass wir noch Gottesdienste anbieten können, in manchen Bundesländern und Klöstern ist und war das lange nicht möglich aufgrund des Infektionsgeschehens. Das Kloster bietet aber auch einen gewissen Schutzraum. Wir sind an unserer Arbeitsstelle daheim und haben daher schon Erfahrungen mit Homeoffice. Durch den Wegfall von Terminen entstehen Freiräume, die wir als Gemeinschaft nutzen füreinander und für Gartenarbeit, Studium und Gebet. Manche Hobbys und Reisen sind derzeit unangebracht. Wir freuen uns wie alle auf normale Zeiten“, so der Franziskanerpater. „Die ständig neue Corona-Situation mit den wechselnden Regeln und Herausforderungen lässt bisweilen den Eindruck entstehen, dass man für die Hälfte des (unter normalen Bedingungen) Geschafften jetzt oft die doppelte Zeit benötigt.

Corona macht was mit uns und zwingt uns zur Konzentration auf das Wesentliche. Der Mehraufwand liegt in der Verwaltung der Strukturen und in der Umsetzung und Anpassung von Schutzkonzepten sowie der Entwicklung von alternativen Möglichkeiten“, fügt der Guardian an. Das anstehende Wallfahrtsjahr ist geplant, als ob es Corona nicht gäbe. Trotzdem wird es die nahe Zukunft zeigen, was geht und was nicht. Die Wallfahrer fehlen dem Gnadenort sehr, zumindest Einzelpilger und kleinere Wallfahrtsgruppen kamen im Sommer. „Gottesdienste in einer vollen Kirche mit Blaskapelle und freudigem Volksgesang (beides geht derzeit nicht) und das jährliche Treffen der Pilger, die in Scharen seit Jahren treu kommen und von ihren Wegerfahrungen berichten, fehlen uns sehr“, bedauert der Franziskanerpater. „Da sind über die Jahre echte Freundschaften und Vertrautheit gewachsen. Wir hoffen, dass das bald wieder möglich ist. Mit den Wallfahrtsführern besteht weiterhin ein reger Kontakt. Sie überlegen selber aktiv und kreativ mit, wie trotz der Corona-Einschränkungen zunächst „Wallfahrten light“ möglich sind. Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten müssen gegeben sein, wenn sich Pilger wieder in großen Mengen auf den Weg machen“, fügt er an. „Wir planen die Wallfahrt 2021 optimistisch und hoffen, dass durch die Impfungen im Sommer schon eine gewisse Entspannung der Situation eintritt. Corona hat uns gelehrt, dass langfristige Planungen derzeit nicht möglich sind. Aber wir werden das Wallfahrtsjahr wie gewohnt am Sonntag, 25.04. eröffnen und in dem Rahmen, den uns die Corona-Beschränkungen setzen, durchführen“, so der „Rector ecclesiae“ der Wallfahrtsbasilika.

Das Leitwort für das kommende Wallfahrtsjahr lautet „Gott gab uns Atem, damit wir leben“. Corona lehrt uns, einen langen Atem für anstehende Projekte zu haben. „Der Atem ist ja unser göttlicher Begleiter im Leben, was uns oft erst bewusst wird, wenn uns mal die Puste ausgeht oder die Luft wegbleibt. Davon können Wallfahrer, die nach einem langen Pilgerweg den Endspurt auf den heiligen Berg vor oder hinter sich haben, ein Lied singen“, erklärt Pater Maximilian. Das Fehlen der Pilgerscharen spüren finanziell in erster Linie neben der Kulturszene und dem Einzelhandel auch die Beherbergungsbetriebe und die Gastronomie. „Wir Franziskaner haben auf dem Kreuzberg in der Rhön und auf dem Engelberg (Spessart) Wirtschaftsbetriebe, dazu Bildungs- und Meditationshäuser in Dietfurt, Hofheim und Haus Ohrbeck bei Osnabrück im Shutdown vorübergehend schließen müssen. Da fehlen uns Einnahmen, viele Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit.
In Vierzehnheiligen entbehren wir Einnahmen durch nicht stattfindende Kirchenführungen, fehlende Seelsorge-Aushilfen, Klostergäste, Spenden und Gelder in den Opferstöcken, mit denen die Kirchenstiftung ja auch laufende Betriebskosten bezahlt“, so der Geistliche. Die Spendenfreudigkeit der Leute hält sich in unsicheren Zeiten nachvollziehbar in Grenzen. „Wegen der noch offenen Rechnungen des Glockenprojekts im fünfstelligen Euro-Bereich musste die Kirchenstiftung jetzt einen Kredit aufnehmen. In normalen Zeiten hätten die Wallfahrer und die Basilikabesucher das Glockenprojekt engagiert mitfinanziert, so dass es inzwischen wohl nahezu abbezahlt wäre“, so der Guardian. „Unabhängig von der Wallfahrt haben wir ja auch sonst – von dem harten 1. Lockdown um Ostern 2020 abgesehen – unsere seelsorgerlichen Angebote aufrecht erhalten und waren für viele erreichbar und ansprechbar. Ich bin erst seit Januar hier, weiß aber von meinen Mitbrüdern, dass sie treu und zuverlässig ihre Dienste erfüllt haben und die entstandenen Freiräume für geistliche Lektüre, Spaziergänge und Seelsorge am Telefon nutzten. Unser klösterliches Leben beansprucht ja auch Zeit und gibt einen festen Rahmen, der in Krisenzeiten hilft, dem Tag eine feste Struktur zu geben“, so Pater Maximilian zum Schluss. Wegen Corona gab es kein persönliches Treffen vor Ort.