Arbeitnehmerwallfahrt 2018

„Arbeit ist Menschenrecht“ dieses Leitmotiv stand wieder im Mittelpunkt der 12. Wallfahrt für Arbeitnehmer und Arbeitslose nach Vierzehnheiligen am vergangenen Samstag. Eingeladen hatte die Katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der Diözesanverband Bamberg und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen. Die Wallfahrt begann am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels. Auf dem gemeinsamen Weg zur Basilika wurden an vier Stationen die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit durch Betroffene in Gebeten und Meditationen thematisiert und eine Vision einer gerechten Welt entwickelt. Bei jedem Halt wurde die Mahnglocke angeschlagen, die auch zu Beginn des Gottesdienstes in der Basilika erklang.

An der ersten Station machten Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz und DGB Kreisvorsitzender Heinz Gärtner deutlich, dass Niedriglohn in die Sackgasse führe. 4900 Vollzeitbeschäftigten im Landkreis Lichtenfels drohe Altersarmut. Mitarbeiter und Ehrenamtliche der Arbeitsloseninitiative unterstrichen an der zweiten Station die Würde des Menschen. Sie werde verletzt, wenn sie nur daran gemessen werde, wieviel Einkommen und Vermögen man habe und wenn man durch Androhung von Sanktionen dazu gezwungen werde, für Hungerlöhne zu arbeiten.

Die Mahnglocke

Die Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) stellten an der dritte Station fest, dass soziale Sicherungssysteme schrumpfen und die gesellschaftliche Polarisierung zunehme. Ihre Forderung: Soziale Sicherung sei wichtig für unsere soziale Gerechtigkeit. Es gehe inzwischen um die Zukunftsfähigkeit der Bundesrepublik, sowie um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Digitalisierung der industriellen Produktion sowie im Dienstleistungssektor habe weitreichende Folgen auch für die bestehenden Strukturen und Institutionen der Sozialpolitik.

Der Betriebsseelsorger beleuchtete mit Betriebsräten an der vierten Station die Arbeitsbedingungen der Zukunft, wenn die Digitalisierung fortschreite. Die Arbeitsbedingungen unterlägen einem ständigen Wandel. Verunsicherung oder sogar Angst seien oft Begleiterscheinungen die solch ein Wandel auslöse. Die Grundfragelaute: „Wo bleibt der Mensch in diesem Prozess?“ Der Schutz der arbeitenden Menschen vor dauerhafter Überbeanspruchung dürfe den Renditeerwartungen der Chefetagen nicht zum Opfer fallen.

Das Gefühl der Solidarität stand im anschließenden Gottesdienst im Mittelpunkt. Ein Zeichen setzte Seelsorgeamtsleiter Domkapitular Dr. Peter Wünsche. Mit scharfen Worten kritisierte er den Missbrauch der Macht und wählte den ungewöhnlich heftigen Siriustext aus dem Alten Testament: „Kärgliches Brot ist das Leben der Armen, wer es ihnen raubt, ist ein Blutsauger, den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt wegnimmt und Blut vergießt, wer einem Lohnarbeiter den Lohn raubt“. Wer dem Arbeiter um seinen Lohn betrüge, wer auf Kosten der Schwächeren lebe, der sei im Unrecht. „Lohn vorenthalten ist Blutvergießen und Mord“, unterstrich der Seelsorger. Für die, die am unteren Rand des Existenzminimums leben, sei Geld kein Spiel, sondern eine Frage von Tod und Leben. Mindestlohn reiche nicht und garantiere keine Menschenürde.

„Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält“, dieser Satz nage auch an unseren Konsumgewohnheiten. Wenn eine Jeans zehn Euro koste, wieviel Cent bekomme dann die Näherin?, fragte er. Nachdenken und besser machen sei erwünscht, so Dr. Wünsche und forderte fairen Handel, faire Preise und faire Vergütung. Wer sich für den gerechten Anteil aller am Brot einsetze, der sei wie einer, der Blut zur Lebensrettung spende. Dem Nächsten schenkt Leben, wer ihm ehrlich gibt, was ihm für seine Arbeit zusteht. „Leben schafft, wer sich für Gerechtigkeit einsetzt, überall auf der Welt“, stellte der Domkapitular fest.

Text & Bilder: Andreas Welz

Domkapitular Dr. Peter Wünsche hielt eine aufrüttelnde Predigt

 

Lesung: Jesus Sirach 35,16–27
Evangelium: Lk 10,1–16

Liebe Schwestern und Brüder!
Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält. Das ist schon heftig. So ‘was steht in der Bibel. Hätten Sie das gewusst? Ich denke, ich ken-ne mich in der Bibel einigermaßen aus. Aber über die Worte aus dem Buch Jesus Sirach, die da vorhin als Lesung vorgetragen wurden, habe ich mich in der Vorbereitung zu diesem Gottesdienst schon gewundert.

In der Bibel stehen viele Stellen, die den Armen, damals vor allem den Tagelöhnern, ihr Recht zusprechen: in Deuteronomium, im fünften Buch Mose, auch beim Propheten Amos im Alten Testament wird sehr deutlich Wert darauf gelegt: Wer den Arbeiter um seinen Lohn betrügt, wer auf Kosten der Schwächeren lebt, der ist im Unrecht. Im Neuen Testament wird das aufgegriffen: Was ihr dem Geringsten verweigert habt, das habt ihr auch dem Weltenrichter verweigert. Der Jakobus-brief blickt in eine ähnliche Richtung und zählt das Vorenthalten von Lohn zu den himmelsschreienden Sünden.

Und dann heute, vorhin die Lesung aus Jesus Sirach: eine wenig be-kannte Schrift. Sie steht, wie manchmal gesagt wird, am Rand des Al-ten Testaments, wurde manchmal dazugezählt und manchmal nicht, für uns Katholiken ist es aber anerkannt als ein Buch der Bibel. Es ist allerdings nur wenigen vertraut. Dass es den Verfassernamen Jesus Sirach trägt, hat nichts direkt mit Jesus von Nazareth zu tun. „Jesus“ ist hier einfach die griechische Form des hebräischen Namens „Jo-schua“ – und der Name ist bis heute im Judentum und auch bei Chris-ten geläufig. Der Verfasser lebet wohl im zweiten Jahrhundert vor Christus.

Im Gottesdienst wird selten aus dem Buch Jesus Sirach gelesen, nur an wenigen Tagen im Jahr kommt es als Lesung in der Messe vor. Und der Abschnitt, den wir vorhin gehört haben, taucht sonst nie im Got-tesdienst auf, nicht in der Messfeier, nicht im Stundengebet. Ich will da gar keine böse Absicht unterstellen – aber es ist schon schade. So deut-liche Worte haben ihr Gutes.

Da heißt es ganz drastisch: Man schlachtet den Sohn vor den Augen des Vaters, wenn man ein Opfer darbringt von den Gaben der Armen. Das ist ein klares Wort gegen den Missbrauch von Religion: Den Armen ihren Lebensunterhalt wegzunehmen, um ihn dann ganz fromm als Opfer darzubringen, das ist genauso schlimm wie ein grausamer Mord, wie ein Mord an einem Kind vor den Augen der Eltern. Ein noch so frommer Zweck kann Ungerechtigkeit nicht gut machen. Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer – so heißt es entsprechend beim Propheten Hosea. Jesus Sirach meint dasselbe, sagt es hier noch deutlicher.

Das geht aber noch weiter: Kärgliches Brot ist der Lebensunterhalt der Ar-men, wer es ihnen vorenthält ist ein Blutsauger. Etwas umschrieben: Die Armen haben eh nur schlichtes Brot – ohne Käse oder Butter drauf. Wer ihnen auch noch das vorenthält, ist wie eine Stechmücke oder Bremse, wie ein Blutegel, ist wie ein Vampir oder was es sonst an blut-saugenden Kreaturen noch so alles gibt. Blut ist Leben. Blut saugen heißt Leben abschöpfen, heißt Chancen abgraben, heißt Tod bringen.

Und schließlich der letzte Satz, der auch zum Motto dieser Wallfahrt wurde: Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt nimmt; Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält. Jetzt wird das Ganze nicht mehr im Bild gesagt, sondern ganz direkt: Lohn vorenthalten ist Blutvergießen und Mord.

„Ich habe keinen umgebracht“ – das ist ein oft gehörter Rechtferti-gungssatz. Jesus Sirach fragt: Stimmt das eigentlich? „Es geht doch bloß um Geld.“ Unter gut Gestellten mag das ja stimmen – „bloß Geld“. Aber für die am unteren Rand des Existenzminimums ist ein Mehr oder Weniger an Geld kein Spiel, sondern eine Frage von Tod und Leben.

Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält. Das ist natürlich zu-erst denen gesagt, die arbeiten lassen, damals und heute Es war schwierig, die Politik davon zu überzeugen, dass es einen Mindestlohn geben muss – aber das kann nur ein erster Schritt sein. Was zum Über-leben reicht, garantiert noch nicht Menschenwürde.

Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält. Das ist auch denen gesagt, die für eine gerechtere Welt kämpfen. Es geht eben nicht nur um Sachwerte, es geht um Leben und Überleben. Es muss nicht sein, dass wir unsere sozialen Standards senken, um konkurrenzfähig zu sein. Ich denke, es ist keine schlechte Idee, unsere Ideen von Gerechtigkeit und unsere Standards von sozialem Handeln zu exportieren – Globali-sierung umgekehrt sozusagen.

Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält. Der Satz nagt auch an unseren Konsumgewohnheiten. Wenn eine Jeans für 10 Euro zu haben ist, dann kann da etwas nicht stimmen: Wie viele Cent bekommt da-von die Näherin? Wenn sich die Preise allgemein in den letzten fünfzig Jahren ungefähr vervierfacht haben, aber einfache Schokolade heute kaum mehr kostet als in den 60er Jahren: Wer kommt dafür auf? Was bleibt für die Landarbeiter? Wenn Frauen aus Ost- und Südosteuropa hier Familienpflege leisten mit praktisch 24-stündiger Bereitschaft für netto 1000 Euro pro Monat: Das mag in Übereinstimmung mit den Ge-setzen sein, aber ist das gerecht? Niemand, der solche Preise nutzt, wird sich als Blutsauger oder Mörder fühlen; aber Nachdenken und Bessermachen ist schon erwünscht: Fairer Handel, faire Preise, faire Vergütung.

Das zeigt schon: Man muss nicht im Negativen stecken bleiben. Jesus von Nazareth sagt das, was Jesus Sirach sagte, mit anderen Worten, aber er sagt es positiver – so haben wir das im Evangelium gehört. Je-sus von Nazareth greift Jesus Sirach auf, aber er sagt es mehr auf Zu-kunft hin: Wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Das gilt hier in en-gerem Sinn für die Verkündigungsarbeit der Jünger. Aber das gilt auch im weiteren Sinn für jede geleistete Arbeit: Wer arbeitet, für den ist die Gegenleistung für seine Zeit und Kraft nicht ein Almosen, son-dern gutes Recht. Denn Zeit und Kraft sind Leben, und dafür braucht es Unterhalt und aus Gerechtigkeit einen Ausgleich für vergebene Le-benszeit und eingesetzte Lebenskraft.

Und so lassen sich die harten Sätze des Jesus Sirach auch ganz wun-derbar ins Positive wenden, ohne ihren Sinn zu verfälschen:
Man opfert den Sohn vor den Augen des Vaters, wenn man ein Opfer dar-bringt vom Gut der Armen. Ja, aber auch: Den Ärmeren zu geben was ihnen zusteht, ihren Besitz zu achten, auch wenn er klein ist, und sie als Menschen voll und ganz und gar zu respektieren, das freut auch Gott, mehr als alle Opfer.

Kärgliches Brot ist das Leben der Armen, wer es ihnen raubt, ist ein Blutsauger. Ja, aber auch: Wer sich für gerechten Anteil aller am Brot einsetzt, der ist wie einer, der Blut zur Lebensrettung spendet.

Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt wegnimmt. Ja, aber auch: Dem Nächsten schenkt Leben, wer ihm ehrlich gibt, was ihm für seine Arbeit zusteht.

Blut vergießt, wer einem Lohnarbeiter den Lohn raubt. Ja, aber dann auch: Leben schafft, wer sich für Gerechtigkeit einsetzt, überall in der Welt.

Gerechte Löhne, gerechte Lebensbedingungen, gut verteilte Chancen auf Gesundheit und Bildung: Wenn wir uns darum sorgen, werden wir zu Lebensspendern und Mitschöpfern – werden wir Gott ähnlich.

Peter Wünsche

Tiersegnung in Vierzehnheiligen

Die Segnung von Tieren und Menschen auf dem Basilikaplatz ist in jedem Jahr ein spannendes Ereignis für Vier- und Zweibeiner. Traditionell findet sie am Todestag des Ordensstifters Franz von Assisi statt (3. Oktober 1226). Pater Stanislaus Wentowski erinnerte daran, dass der Mensch nach franziskanischer Überzeugung Verantwortung für die Mitgeschöpfe und die gesamte Natur trage. Er wies darauf hin, dass Tiere Geschöpfe Gottes sind, die wie wir Menschen unter Gottes Schutz stehen. Ihnen gebühre Ehrfurcht, weil diese Ehrfurcht allem Geschaffenen gilt. Die Ehrfurcht vor ihnen sei nicht zuletzt Ausdruck der Ehrfurcht vor ihrem Schöpfer.

„Franziskus macht uns bewusst mache, dass wir alle in der Natur Verantwortung und Fürsorge haben. Als ein Wesen mit Vernunft steht der Mensch in der Pflicht, liebevoll für die ihm anvertraute Mitgeschöpfe zu sorgen. Denn auch diese sind aus Liebe von Gott geschaffen – nicht nur die Menschen“, so der Franziskaner. Welch eine Verantwortung der Mensch von Anfang an in der Natur hat, stehe in der Schöpfungsgeschichte im Buch Genesis. „In dieser Verantwortung stehen wir nun bis zu dem heutigen Tag. Nehmen wir uns den Heiligen Franziskus zum Vorbild und lernen wir, nicht nur das eigene Tier zu lieben, sondern die ganze Schöpfung“, so der Franziskaner.

„Chilli“ der Mischlingshund aus Weißendorf bei Herzogenaurach schüttelte sich als einige Tropfen Weihwasser an seinem braunen Fell abperlten. Herrchen Attila war zum ersten Mal bei der Tiersegnung in Vierzehnheiligen. „Calimero“ aus Ebensfeld, ein weißer Maremmano, ließ sich geduldig von Franziskusschwester Waltraud streicheln. Der Herdenschutzhund aus den Abruzzen wird mit den Schafen aufgezogen und beschützt dann seine Herde. Der Guardian des Klosters Vierzehnheiligen Pater Heribert Arens hatte seine Freude an dem Zwergkaninchen, das Lea (5) aus dem Konradshof mitgebracht hatte.

Vom ängstlichen Chihuahua, der kleinsten Hunderasse der Welt, den Frettchen und lustigen Meerschweinchen bis hin zu den stolzen Rössern waren sie zur Tiersegnung gekommen. Die Zwerghühner beobachteten das Schauspiel von ihrem Käfig aus während das tiefe Bellen des Landseer in das Glockengeläut einstimmte. Sie schienen wie aus der Arche Noah zu entsteigen, Herrchen und Frauchen freuten sich über die warmen Strahlen der Oktobersonne. Während der Ansprache hatte sich der Platz mit Vier- und Zweibeinern gefüllt. Die Pferde blickten etwas überheblich auf das Hundevolk unter ihnen herab.

Text: Andreas Welz; Bilder: Tobias Hartmann

Fahrzeugsegnung zum Christophorusfest

Auf dem Basilikaplatz in Vierzehnheiligen fand am vergangenen Sonntag die traditionelle Fahrzeugsegnung statt. In einer kurzen Andacht betonte P. Stanislaus: „Es ist ein Segen, der uns auf all unseren Wegen begleiten soll“. Sobald wir unsere vier Wände verlassen, machten wir uns auf den Weg, um ein Ziel zu erreichen. Vor allem, wenn wir mit unseren Fahrzeugen unterwegs sind und dadurch längere Strecken bewältigen können als zu Fuß, ist es gut zu wissen, dass wir einen Begleiter haben, der über uns wacht und uns hilft, unbeschadet unser Ziel zu erreichen.

P. Alexander segnet die Fahrzeuge auf dem Basilikaplatz

„Wenn wir uns an den Nothelfer Christophorus – den Patron der Fahrer – wenden, dann bitten wir ihn um seine Fürsprache bei Gott, um den Segen für uns und alle, die mit ihren Fahrzeugen Unterwegs sind“, so der Geistliche. Er machte deutlich, dass der Segen immer den Menschen gilt. Wenn die Fahrzeuge gesegnet würden, dann nicht, um einen Schutz-Zauber zu erwirken. „Gott, der Ihr Begleiter soll sie auf ihrem Weg behüten. „Der Segen soll bewirken, dass sie sich auf ihrem Weg geborgen fühlen. Und dieser Segen soll uns alle immer wieder erinnern, dass Gott selbst unser Wegbegleiter ist“, sagte der Pater. Anschließend segnete er und P. Alexander die Menschen und ihre Fahrzeuge.

Text & Bilder: Andreas Welz

Stabübergabe in der Basilika Vierzehnheiligen

In einem feierlichen Gottesdienst wurde am vergangenen Sonntag der Kirchenschweizer von Vierzehnheiligen Holger Schwind verabschiedet und sein Nachfolger Daniel Reitz in das Amt eingeführt. Zu Ehren des scheidenden Kirchenschweizers begleiteten 15 Ministranten, einige nicht mehr ständig im Dienst, die beiden Türhüter und Aufseher von der Sakristei zum Hauptaltar. Davor auf einem Tisch lagen die Insignien des Schweizers: Stab, Hut und Schärpe, die nach der Predigt Holger Schwind seinem Nachfolger überreichte. Die zahlreichen Gläubigen und Wegbegleiter des Kirchenschweizers applaudierten und Basilika Organist Georg Hagel zog alle Register der mächtigen Rieger-Orgel.

Kirchenpfleger Richard Lurz am Ambo

Kirchenpfleger Richard Lurz ließ das segensreiche Wirken Holger Schwinds Revue passieren und überreichte Holger Schwind eine kostbare Figur des Heiligen Pantaleon. Nach der Messe versammelten sich Ministranten und Kirchenschweizer vor dem Hauptaltar und dutzende von Kameras hielten das Ereignis fest. Holger Schwind dankte in bewegenden Worten. Er hob die gute Zusammenarbeit mit Mesner Tobias Hartmann hervor und überreichte ihm einen Blumenstrauß.

P. Heribert Arens

Der Rektor der Basilika und Guardian des Klosters, Pater Heribert Arens, münzte seine Predigt auf den Wechsel im Amt des Schweizers. Alles beginne klein und müsse wachsen. So müsse auch Daniel Reitz beginnen und in sein Amt hineinwachsen. „ich wünsche ihm einen guten Start im Team der Basilika“, sagte der Franziskaner. Auch Holger Schwind sei hineingewachsen und kante die Abläufe in- und auswendig. „Für mich war er eine große Stütze, als ich vor acht Jahren das Amt übernahm“, blickte Pater Heribert dankbar zurück. Durch eine heimtückische Krankheit sei Holger Schwind aus der Bahn geworfen worden. „Wir hoffen, dass er uns in viel kleinerem Umfang erhalten bleibt, nicht mehr als Schweizer, einfach als Mensch, und als den haben wir ihn gern“, schloss Pater Herbert seine Predigt. Als Mitzelebrant unterstützte Pfarrer Johannes Saffer aus Hannberg/Weisendorf bei Erlangen die Messfeier.

Holger Schwind (rechts) übergab die Insignien des Kirchenschweizers an seinen Nachfolger Daniel Reitz

Vita
Seit 17 Jahren hat Holger Schwind seinen Dienst in Vierzehnheiligen mit Leidenschaft und Hingabe getan: zusammen mit dem Seelsorger die Wallfahrer abholen und in die Kirche begleiten, gemeinsam mit der Sekretärin Waltraud Kießling die Organisation des Wallfahrtskalenders vorbereiten für das jährliche Planungstreffen der Wallfahrtsführer, Kontakte mit den Wallfahrern pflegen, als einer der Mesner die Kirche für die Gottesdienste richten, bei den großen Gottesdiensten für Ordnung sorgen und vieles mehr.

In diesen Jahren hat Holger Schwind in Zusammenarbeit mit dem zweiten Mesner Joseph Pöhnl und seit acht Jahren dessen Nachfolger Tobias Hartmann, dem Teilzeitmesner Heiner Leicht und dem ehrenamtlichen Georg Zethner ein Basilika Team mit einer Reihe von freiwilligen Helfern aufgebaut, die tatkräftig mit anpacken, wenn es gilt, die Krippe aufzubauen oder für die Festtage die Kirche zu schmücken. Kirchenschmuck, das war ein ganz besonderes Anliegen von Holger Schwind. Er hatte immer neue Ideen zu Ostern und den anderen Hochfesten, zum Erntedank oder zum Patrozinium, Das hat viele Besucher in die Basilika gelockt.

Eine Erkrankung setzt ihm seit einem Jahr mehr und mehr zu und engte ihn in seiner Handlungsfähigkeit ein. Er selbst hat darum zum Jahresende 2017 der Kirchenverwaltung mitgeteilt, dass er seinen Schweizerdienst nicht mehr und den Mesnerdienst nur noch beschränkt tun kann.
Darum musste die Kirchenverwaltung diese Aufgabe ausschreiben. Inzwischen wurde ein Nachfolger gefunden. Holger Schwind wird begrenzt im Rahmen seiner Möglichkeiten weiter in der Basilika mitwirken. Die Kirchenverwaltung, viele Wallfahrer und Basilika Besucher wissen sich ihm dankbar verbunden.

Sein Nachfolger Daniel Reitz (37) ist staatlich geprüfter Sozialbetreuer, zuletzt tätig als Projektleiter für Kundenmanagement bei einer Bamberger Firma. Reitz bringt Mesnererfahrung aus seiner Heimatgemeinde in Eltmann mit.

Text: Andreas Welz

Ministrantenfahrt nach Füssen


Am Sonntag, den 27.Mai.2018 ging es los. Um 14:00Uhr sind wir, Ministranten von der Basilika Vierzehnheiligen, vom Kirchenplatz losgefahren. Mit vollgepackten Koffern fuhren wir in den Süden. Bereits nach einiger Zeit wurde es still im Bus – alle schliefen. Gegen 17.00 Uhr erblickten wir die Alpen und um 18:00Uhr waren wir dann endlich im Franziskaner Kloster angekommen.
Pater Stefan, Guardian des Klosters erwartete uns bereits. Er führte uns durch das Kloster und Zeigte uns unsere Räume. Die Jungs durften im Turm an der Stadtmauer übernachten.
Nachdem jeder einen Schlafplatz gefunden hatte, trafen wir uns zum Essen. Wir haben das Mitgebrachte miteinander geteilt, da Pater Stanislaus und unser Fahrer Herr Schad nichts dabeihatten. „Von dem, was noch übrigblieb, waren es noch 12 Körbe voll“ – wie es schon in der Bibel steht.
Zum Schluss des Tages haben wir noch einen Spaziergang durch Füssen gemacht.

Der Montag war unser Wandertag zum- und rund um das Schloss Neuschwanstein. Früh am Morgen (9 Uhr) ging‘s los. Bei Schloss Neuschwanstein begegneten wir sehr vielen Menschen – die meisten von ihnen waren Asiaten. Alle fotografierten wie verrückt – wir auch. Trotzdem gab es kein Gedränge. Man nahm Rücksicht auf die anderen Urlauber.
Auf der Marienbrücke war noch mehr los. Nachdem man von dieser nicht nur Schloss, sondern auch die ganze Gegend sehen kann, wollen die meisten Touristen auch dort fotografieren. Ebenso haben auch wir ein schönes Foto gemacht. Danach machten wir Brotzeit auf einer kleinen Plattform oberhalb der Marienbrücke.
Gestärkt sind wir zum Alpsee marschiert. Dort sind wir mit 2 Tretbooten auf dem See gefahren. Es hat so richtig Spaß gemacht. Als wir ausgestiegen sind, waren fast alle pitschnass – natürlich selbstverschuldet – wir haben uns gegenseitig nass gespritzt. Es war ja Gott sei Dank warm. Danach ging‘s noch zum Schloss Hohenschwangau.
Am Abend haben wir Spagetti gekocht. Die Sauce Bolognese mussten wir nur noch warm machen – Adelgunde die Köchin des Klosters Vierzehnheiligen hatte diese für uns vorgekocht. Es war so richtig lecker. Alle haben sich die Bäuche vollgeschlagen. Nach einem Spielabend sind wir todmüde ins Bett gefallen. An diesem Tag sind wir nämlich 12 km gelaufen.

Der Dienstag war ganz anders. Nach dem Frühstück sind wir zu einem Baumwipfel Pfad gelaufen. Es war direkt an der Bayrisch – Tiroler Grenze. Auf dem Pfad selbst waren viele kleine Abenteuer. Das schwierigste war eine Stange mit Griffen, an denen man sich über einen Bach hängen musste. Außerdem war dort eine Wippe, auf welcher wir uns Duelle überlegt haben. Der Baumwipfel Pfad war toll.
Hoch über dem Baumwipfel Pfad waren Hängebrücken, die zum Teil weit über den Baumkronen reichten. Und sie haben gewackelt. Die letzte hatte in der Mitte ein Strich mit einer erklärenden Tafel: „STAATSGRENZE D / Ö“. Da haben wir viel Freude gehabt: Erst war man in Deutschland, dann war man in Österreich und man war in Deutschland und in Österreich.
Beim Ausgang von den Hängebrücken entdeckten wir eine große Rutsche. Da sind wir natürlich gleich hingerannt und sind nicht nur eine Runde gerutscht. Gut eine Stunde lang haben wir uns austoben können. Danach gab’s Eis, bevor wir Richtung Kloster zurückgelaufen sind.
Dann aber gab es noch eine Überraschungsfahrt. Wir fuhren zur Wieskirche – sie soll die schönste Kirche Deutschlands sein. Obwohl dort viele Menschen waren, konnten wir reingehen und uns diese angeschaut. Pater Stanislaus erklärte uns, was man auf den Bildern alles sehen kann.
Auf dem Rückweg machten wir eine Pause am Forggensee. Dieser riesige Stausee war allerdings noch ganz leer. So konnten wir auf dem Grund noch laufen.
Als wir wieder zurück waren, haben wir Pizza belegt, sie gebacken und natürlich sie dann auch gegessen. Dazu gab es Kinderdroge: SPEZI!!! Im Anschluss haben wir noch einen Spieleabend gemacht. Mensch ärgere dich nicht, UNO und Bierkopf haben wir gespielt. Es hat so viel Spaß gemacht, dass die Zeit sehr schnell verstrich. Gegen halb 12 sind wir an diesen Tag ins Bett gegangen.

Das Aufstehen am Mittwoch ist uns sehr schwer gefallen. Bereits um 7 Uhr mussten wir raus: packen, frühstücken und aufräumen mit putzen. Vor der Heimfahrt ging’s nach Nesselwang ins ABC Schwimmbad – 3 Stunden lang!!! Da sind wir alle richtig sauber geworden.
Auf dem Nachhauseweg gab’s ein Zwischenstopp beim McDonalds. Auch in einen Stau sind wir gekommen, sodass wir erst um 18:30 Uhr endlich in Vierzehnheiligen angekommen sind. Unsere Eltern haben uns alle wieder gesund, sauber und wohl ernährt zurückbekommen. Nach 4 Tagen Urlaub waren wir wieder daheim.
Es war ein richtig schöner Mini-Urlaub, den alle sehr genossen haben. Nächstes Jahr gehen wir hoffentlich wieder weg.

Text: Isabella Zipfel

Freunde der Basilika Vierzehnheiligen

Bald wird wieder das volle Geläut der Basilika Vierzehnheiligen die Gläubigen zum Gottesdienst rufen. Das gab bei der Mitgliederversammlung des Vereins der Freunde und Förderer der Basilika am vergangenen Donnerstag der Geschäftsführer und Rektor der Basilika Pater Heribert Arens bekannt. In den kommenden 14 Tagen würde über das Ausschreibungsergebnis für das neue Geläut beraten und entschieden.

Ursprünglich hatte die Kirchenverwaltung gehofft, dass schon zu Weihnachten das Geläut von den beiden Türmen klingen könnte, aber es gab Verzögerungen. Jetzt sieht alles so aus, dass im kommenden Jahr zu Pfingsten das Werk vollendet sein kann. In beiden Türmen würden die alten Stahlglockenstühle demontiert und durch Eichenholzstühle nach historischen Vorbildern ersetzt, erläuterte Pater Heribert. Dazu komme die längst fällige Umhängung der zwei großen Glocken auf gerade Joche aus Eichenholz sowie die Anschaffung neuer Läutemaschinen.

Doch nicht genug: Um die historischen Glocken zu entlasten und trotzdem die Häufigkeit des Läutens nicht zu verringern, würden nun zwei zusätzliche mittelgroße Glocken und fünf kleinere, hellklingende Zimbelglocken neu gegossen und in die ebenfalls neuen Glockenstühle konstruktiv eingepasst. „Mit diesem Geläute werden dann künftig die Wallfahrer zum Einzug in die Basilika begrüßt“, stellte Pater Heribert fest. Der Verein „Freunde und Förderer der Basilika Vierzehnheiligen“ habe bereits signalisiert, die Finanzierung einer der neu zu gießenden Glocken, zu übernehmen. Nun hoffe die katholische Kirchenstiftung auf weitere Sponsoren, die helfen, die nicht unbeträchtliche Summe im sechsstelligen Bereich abzufedern.

An weiteren Projekten sei geplant ein Geländer an der Treppe zum Hauptportal, das sei eine große Erleichterung für Besucher, die nicht gut zu Fuß sind, freute sich Pater Heribert. Auch der Fußweg zu den Toiletten werde behindertengerecht gestaltet. Als abgeschlossen benannte Pater Heribert die neuen Huthaken in den Kirchenbänken und die Installation eines großen Bildschirms am nördlichen Seiteneingang, der stets geöffnet habe. Der Besucher erkenne jetzt sofort, ob ein Gottesdienst am Gnadenaltar stattfinde. Dadurch sei es in der Basilika deutlich ruhiger geworden. Außerdem liefere der Bildschirm aktuelle Informationen. Von der neuen Homepage berichtete Pater Stanislaus Wentowski, der sie betreut. Sie sei jetzt übersichtlicher geworden und Überflüssiges wurde entfernt, sagte er.

Kassierer Raimund Köhler stellte eine gesunde Kassenlage fest. Alle vorgesehenen Projekte seien durchgeführt worden. Dazu ergänzte Pater Heribert, dass es dem Verein am Herzen liege, als „Bethlehem von Oberfranken“ auch die Franziskaner in Bethlehem zu unterstützen. Den palästinensischen Christen fehle es an Wohnraum, da sie seitens der Behörden nicht unterstützt werden. Dafür tragen die Franziskaner Sorge. Auch auf die Kirchenmusik zu besonderen Anlässen lege man großen Wert. Wie in den Vorjahren werde auch dafür wieder eine Summe vorgesehen. Revisor Walter Mackert stellte fest, dass die Ausgaben mit dem Wirtschaftsplan konform gingen.

Vorsitzender Landrat Christian Meißner stellte in seinem Abschlusswort fest, dass die Obermain Therme und die Basilika Vierzehnheiligen eine wichtige Anziehung ausübten und das müsse so bleiben. Pater Herbert bemerkte humorvoll dazu: „Bei uns ist das nicht so schwierig, bei uns ist man schon angezogen“.

Zahlen und Fakten:
Der Konvent umfasst sieben Brüder, davon fünf Priester. Es fanden über 900 Gottesdienste und 35 Andachten statt. 170 Fußwallfahrten führten nach Vierzehnheiligen. 300 Kirchenführungen wurden durchgeführt. An 180 Stunden gab es Beichtgelegenheiten und Gesprächsseelsorge. Rund 25 Orgelkonzerte wurden beim Freitagsläuten gegeben. 50 Ehejubiläen wurden in der Basilika gefeiert.

Text: Andreas Welz

Heeresmusikkorps Veitshöchheim spielt für die Glocken

Seit Bestehen des Musiksommers Obermain des Landkreises Lichtenfels erlebten am Sonntag die Zuhörer eins der schönsten Konzerte in der Basilika Vierzehnheiligen. Das Heeresmusikchor Veitshöchheim unter der Leitung von Oberstleutnant Roland Kahle und mit Basilikaorganist, Hauptmann der Reserve Georg Hagel, überraschten mit einem neuen Projekt: Konzertante Blasmusik in Verbindung mit der Orgel. Als Sopransängerin begeisterte auch die Schülerin der Musikhochschule Würzburg Anja Stegmann. Über das ungeschriebene Gesetz, dass man in einer Kirche eigentlich keinen Beifall spendet, auch nicht bei Konzerten, setzte sich das Publikum erst nach dem zweiten Stück hinweg. Das Benefizkonzert „Orgelglanz und Bläserpracht“ fand zugunsten der Glockensanierung statt.

Beim Psalm XIX von Benedetto Macello (1686-1739) verbreitete sich eine faszinierende Stimmung im Kirchenschiff. Die Klänge der verschiedenen Blasinstrumente im Wechsel zur Orgel kamen voll zur Geltung. Das hoch disziplinierte Ensemble folgte ihrem Dirigenten in verschiedenen Tonarten und Tempi. Die Präzision im Zusammenspiel, aufeinander hören, Leidenschaft für ein gemeinsames Ziel, Balance zwischen Individualität und Geschlossenheit – das waren entscheidende Faktoren des erfolgreichen Konzerts.
Aus den von 1892 bis 1898 erfolgten Komposition von Balladen und Liedern von Gustav Mahler (1860-1911) wählte Kahle „Des Knaben Wunderhorn“. Brillanz und Virtuosität des Orchesters vereinte sich mit Voglers leicht dunkel timbrierten Sopran, den sie bis in die höheren Mezzo-Regionen bruchlos gestaltete.
Mit unglaublicher Technik und ungewöhnlichen Registrierungen interpretierte Hagel die vielfarbige Klangwelt Louis Viernes (1870–1937). Aus den „24 Pièces de Fantaisie“ spielte er „Carillon de Westminster“. Über einem Orgelton entfaltete sich eine einfache Melodie, im Bass eine chromatische Bewegung, unglaublich schlicht und wirkungsvoll mit schönen Klangfarben. Gut zu hören war das Auf und Ab der züngelnden Irrlichter, die sich noch steigerten. Eine Hand spielte das Geläute der kleinen Glocken, immer lauter und mächtiger schwollen die Klänge an, das Hauptthema – die tiefen Glockenschläge – war körperlich zu spüren. Den Extraapplaus hatte sich der Basilikaorganist verdient.

Wunderbar interpretierte Anja Stegmann den melancholischen „Gabriellas Song“, der durch das schwedische Musikfilmdrama „Wie im Himmel“ bekannt wurde und musikalisch den Befreiungswunsch einer Frau aus häuslicher Gefangenschaft beschreibt. Ihrem Ruf als „Big Band“ wurde das Heeresmusikchor Veitshöchheim mit Andrew Lloyds Webber (*1948) „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“. Ein Musical, in dem die Geschichte von Joseph und seinen neidischen Brüdern in mitreißenden Rock-Songs und unter die Haut gehenden Choreographien erzählt wird. Die ehrwürdige Basilika bebte unter Trommelwirbeln und Trompetensoli.
Ein Highlight und Schluss des offiziellen Programms war der Popsong „Halleluja“ von Leonard Cohen, bei dem die Sängerin ihre Zuhörer völlig in Ihren Bann zog. Stehend applaudierten die Zuhörer und als Organist Hagel geschwind von der Orgelempore zum Altar eilte, verstärkte sich noch einmal der Beifall. Kein Wunder, dass die Zuhörer eine Zugabe forderten. Beim „Pie Jesu“, ein Requiem von Andrew Lloyd Webber, erleuchtete die Abendsonne das Gesicht der Sängerin und vergoldete ihre Stimme. Majestätische Orgelklänge aus der H-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach (1685-1750) ertönten bei der zweiten Zugabe. Der Organist webte über Emporen, Gnadenaltar und musizierenden Soldaten einen dichten barocken Klangteppich.

Text und Bild: Andreas Welz

Durchkreuzte Lebenspläne

Ein ökumenischer Segnungs- und Salbungsgottesdienst in der Basilika Vierzehnheiligen stand am Freitag vor Pfingsten unter dem Motto „Durchkreuzte Lebenspläne“. Lebensläufe von Menschen erlebten Brüche: Träume zerbrechen, Hoffnungen platzen wie Seifenblasen, Erwartungen werden enttäuscht, Lebenspläne werden durchkreuzt, so Pater Heribert Arens. Solche Erfahrungen greife der ökumenische Segnungs- und Salbungsgottesdienst auf, zu dem die Franziskaner und Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen gemeinsam mit der evangelischen Gemeinde Bad Staffelstein eingeladen hatten. Angesprochen waren Menschen, die an Lebensbrüchen leiden und sich nach Heilung sehnen – für sich selbst oder für Menschen in ihrer Nähe. In der Zusage göttlichen Segens und in einer Salbung sollte die heilende Kraft des Gottesgeistes hautnah erfahren werden.

Zum ersten Mal wurde anstelle des Rosenöls Quellwasser des Königsbrunnens in Uetzing verwendet. Die heilende Kraft des Wassers stand ganz im Mittelpunkt der Andacht. Nicht nur die Salbung erfolgte mit dem kostbaren Nass, sondern auch das Bibelwort aus der Offenbarung (21,6b) hatte das Wasser zum Inhalt: „Gott spricht: Ich will dem durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers, umsonst“. Basilikaorganist Georg Hagel ließ bei seiner Orgelimprovisation Wassertropfen über die Empore perlen. Seine Tondichtung erinnert an Smetanas Moldau, es beschrieb mit Klängen und Tönen einen Fluss von der Quelle über die Stromschnellen bis hin in die weite Ebene.

Pfarrerin Sabine Schmidt-Hagen wählte aus dem Johannesevangelium die Geschichte der Samariterin am Jakobsbrunnen. Jesus bittet sie um einen Schluck Wasser. Eine ungewöhnliche Bitte für einen Juden in Samarien, denn die jahrhundertealte Feindschaft saß tief. Die Frau hatte ein missglücktes Leben hinter sich, war fünfmal geschieden und wurde im Dorf wie eine Aussätzige behandelt. Jesus machte ihr Mut: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt“.

Pfarrerin Sabine Schmidt-Hagen und Schwester Alexia (rechts hinten) salben die Gläubigen mit Wasser aus dem Königsbrunnen

Mit dem bolivianischen Märchen „Land der Brunnen“ in dem das Land ausgetrocknet war, weil die Brunnen zugeschüttet waren, machte die Pfarrerin deutlich, dass auch in unserem Leben viele Brunnen kein Wasser mehr geben. So wie im Märchen sollten wir die Quellen reinigen. Das bedeute, Einstellungen und Gepflogenheiten zu verändern, ja das ganze Leben zu verändern, damit man wieder aus der Quelle des Lebens Kraft schöpfen könne. „Wir brauchen nicht durstig bleiben, Gott hat das Wasser des Lebens für uns bereit“, so die Pfarrerin. Wenn wir Gott als Lebens- und Energiequelle finden, dann könnten wir selber verströmen, was wir an Gutem neu erfahren. So gewinne unser Leben die Tiefe eines Brunnens, dem es nie an Wasser fehlen werde, schloss sie ihre Predigt.

Die Pfarrerin, Pater Heribert und Franziskusschwester Alexia Hoderlein salbten die Gläubigen am Gnadenaltar. Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich die Besucher im Info-Center des Franziskanerklosters bei Wasser und Brot. Auch das Wasser stammte aus dem Königsbrunnen bei Uetzing, dem eine heilende Wirkung nachgesagt wird.

Bilder und Text: Andreas Welz

Fränkisches Mariensingen

Draußen lachte der Himmel und den Gläubigen in der Basilika Vierzehnheiligen gingen die Herzen auf. Das Mariensingen zu Ehren der Gottesmutter am Pfingstsonntag wurde in diesem Jahr von Gruppen aus der Region gestaltet. Kein einziger Platz war in der großen Basilika frei. Der Rektor der Basilika, Pater Heribert Arens, erinnerte an die Jahrtausende alte Tradition der Marienverehrung. Er zitierte Mariengedichte und sprach das Schlussgebet.

Das Neunkirchener Torberg Trio unter der Leitung von Otto Rehm brachten Stücke wie „Suchest du Rat“ oder „Will dich grüßen“ zu Gehör. Der Graatzer Dreigesang mit seinem Leiter Heinrich Geßlein sangen Lieder wie „Sei gegrüßt du Gnadengarten“ oder „Maria du schöne“. Yvonne Scharold mit ihren Sängerinnen brachten „Aveglöcklein“, sowie Holder Jungfrau`n“ zum Vortrag. Von der Musikgruppe Kemmärä Kuckuck unter der Leitung von Hans-Dieter Ruß wurden die allgemein gesungenen Lieder „Maria Maienkönigin“ und „O himmlische Frau Königin“ begleitet, sowie Musikstücke und Lieder wie „Geleite durch die Wellen“ oder „Wie schön glänzt die Sonn“ aus der fränkischen Heimat vorgetragen. Veranstalter waren neben den Franziskanern der Basilika Vierzehnheiligen, die Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik, der Bezirk Oberfranken und der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V.

„Neunkirchner Torberg Trio“

Schlichte Harmonien, einfache Tonfolgen und Texte berührten in ihrer Bescheidenheit die Besucher.
Die Musik brachte eine Saite zum Schwingen, was Worte nicht ausdrücken können. Der Wechsel zwischen Gesang und Instrumentalmusik belebte das Konzert. Die wohlklingenden Männerstimmen des Graatzer Dreigesangs waren getragen von großer Freude und Lebendigkeit. Die vielen überlieferten alten Marienlieder, die teilweise aus den Gesangbüchern verschwunden sind erklangen wieder neu. Sie luden alle Gläubigen ein, diese melodienreichen, sinnerfüllten Lieder zur größeren Ehre Gottes und der Gottesmutter Maria zu hören und zu singen.

Die Sängerinnen „Zwa und Zwa“ (vorn) und die „Kemmärä Kuckuck“

Die Verehrung der Gottesmutter Maria hat eine sehr lange Tradition im Christentum. Bereits im zweiten Jahrhundert lassen sich erste Hinweise dieses Brauches finden, wovon etliche apokryphe Schriften aus dieser Zeit zeugen. Im 7. Jahrhundert entstanden die ersten Marienfeste und -gebete, wie beispielsweise das Ave Maria. In der katholischen Kirche und den Ostkirchen kommt der Marienverehrung auch heute noch ein besonderer Stellenwert zu. Um diesen Brauch lebendig zu erhalten, findet regelmäßig das „Fränkische Mariensingen“ in der Basilika Vierzehnheiligen statt.

Bilder und Text: Andreas Welz

Vierzehnheiligenfest

Das Vierzehnheiligenfest – ein kirchliches Fest der Verehrung der 14 Nothelfer – feierten am Sonntag Hunderte von Gläubigen in der Basilika. Erzbischof Dr. Ludwig Schick aus Bamberg zelebrierte vormittags das Pontifikalamt. Der Kirchenchor und Orchester aus Pegnitz-Trockau unter der Leitung von Ottmar Schmitt gestaltete diese feierliche Messe mit. Der Chor interpretierte die Missa in D-Dur, die Orgelsolomesse für Soli, Chor und Orchester von Bonifaz Stöckl, sowie das Te Deum von Wolfgang Amadeus Mozart. Herausragend waren die Solisten mit Christel Schmitt (Sopran), Maria Schmitt (Alt), Ludwig Schmitt an der Altarorgel und an der Hauptorgel Georg Hagel. Pater Heribert Arens begrüßte zahlreiche Ehrengäste. Er bezeichnete das Fest als einen der Höhepunkte des Kirchenjahres in Vierzehnheiligen.

Der Chor aus Trockau mit seinem Dirigenten Ottmar Schmitt interpretierte Mozart auf höchstem Niveau

Erzbischof Schick lud die Gläubigen ein, über die Heiligkeit nachzudenken. Er zitierte aus dem Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus „Gaudete et exultate“, dass es Aufgabe eines jeden Christen sei, heilig zu werden. „Freut euch und jubelt über die Einladung Jesus, Heilige zu werden“, so Schick. Heilige seien Menschen, die mit Jesus Christus vertraut sind, wie vor 2000 Jahren seine Jünger. Auch heute sei es möglich, mit Jesus vertraut zu sein, ihn zu lieben und so Zeuge für ihn zu werden. Das sei die erste Bedingung, heilig zu werden. Die zweite hätten wir bereits durch die Taufe zum Teil erfüllt. Wir müssten aber mit Jesus leben, ihn wirken lassen, erst dann mache er uns zu Frauen und Männern des Glaubens, der Liebe und Hoffnung.

Einzug vom Franziskanerkloster zur Wallfahrtkirche mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick

Die Heiligkeit werde durch die Firmung vertieft und durch das Sakrament der Buße, auch durch Wallfahrten, ständig erneuert. „Heilige werden wir durch das aktive Mitleben und Mitfeiern der Sakramente“, unterstrich der Erzbischof. Die Krankensalbung heilige den Kranken, und könne gesund machen. „Die Priesterweihe macht uns zu Werkzeugen der Heiligkeit“, sagte er. Die dritte Voraussetzung für die Heiligkeit sei die Liebe. Sie bestehe darin, dass wir den Nächsten lieben und so die Ehre Gottes fördern. „So tragen wir auch zum Frieden bei“, schloss Erzbichof Schick seine Predigt. „Suchet Frieden“ lautete auch das Motto des Katholikentages in Münster, der am Sonntag zu Ende ging. Mitzelebranten des Hochamtes am Vormittag waren die Franziskanerpatres Heribert, Bernhard und Stanislaus und Diakon Bernhard Fischer aus Küps

Am Nachmittag luden die Franziskaner zur Andacht ein. Pater Alexander Weißenberger hielt die Predigt. Soziale Netzwerke seien keine Erfindungen der modernen Zeit, sondern es gebe schon längst ein internationales Netzwerk, das nicht nur Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Kontinenten, sondern auch Menschen über viele Jahrhunderte hinweg verbinde. „Dieses Netzwerk kennen wir alle: es sind die Heiligen unserer Kirche. Dazu gehören auch die vierzehn Nothelfer, die wir heute feiern“, so der Geistliche. An dieses Himmel und Erde umfassende Netzwerk erinnerte das Vierzehnheiligenfest.

„Die Heiligen weiten Herz und Verstand, weil sie Menschen aus vielen Völkern und allen Jahrhunderten verbinden. Sie haben alle eines gemeinsam: am Ende ihres irdischen Lebens, im Angesicht des Todes haben sie Gott gefunden“, unterstrich der Pater. In diesem Sinne seien uns die Heiligen Vorbilder, die zeigten, dass wir das Ziel unseres Lebens erreichen können: einmal für immer bei Gott zu sein, ohne Schuld und Sünde, ohne Krankheit und Gebrechen, ohne Angst und Trauer. Darum gehe es an diesem Festtag der vierzehn Nothelfer. Er wolle uns neu ausrichten auf das eigentliche Ziel unseres Lebens.

Mädchen und Jungen aus Grundfeld, Horsdorf und dem Konradshof trugen die vergoldeten Nothelfer-Figuren bei der Prozession

Bei der anschließenden Prozession in der Basilika wurden die mit Gold überzogenen Figuren der Nothelfer von Jugendlichen aus Grundfeld, Wolfsdorf und aus dem Konradshof in Vierzehnheiligen auf Stangen mitgetragen. Zweimal umrundete die Prozession die Basilika. Pater Johannes Thum trug die Monstranz unter einem Baldachin, Pater Heribert Arens betete die gemeinschaftlichen Bitten und im Wechselgesang vor, die Lieder begleiteten die Ansbachtaler Musikanten aus Roth.

Bilder und Text: Andreas Welz