Gott suchen kann ich auf vielen Wegen,
finden werde ich ihn dort, wo ich liebe.  

Christa Carina Kokol

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Mai 2017
Geistliche Impulse

Geschichte der Basilika

Im 18. Jh. gab der gelehrte Stephan Mösinger, ein junger und dynamischer Abt, den Auftrag, in Vierzehnheiligen eine neue Kirche zu bauen. Die alte Kirche war zu klein und auch baufällig geworden, und der Anstieg der Wallfahrermengen war gewaltig. Der Traum des Abtes war zunächst eine riesige Abteikirche in Langheim, wozu er Balthasar Neumann beauftragte, einen Plan zu entwerfen (1742). Für den Bau einer neuen Wallfahrtskirche in Vierzehnheiligen waren deshalb Sparmaßnahmen vorgesehen. Der Favorit des Abtes, Landbaumeister Gottfried Heinrich Krohne aus Weimar, ein Protestant, projektierte im Winter 1738/39 einen Zentralbau mit Emporen. Dieser gestaltete sich aber eher als protestantische Hofkirche denn als katholische Wallfahrtskirche. Dieser Plan wurde vom Fürstbischof Karl Friedrich v. Schönborn in Bamberg abgelehnt; durch die Holzkonstruktion des Gewölbes befürchteten die Kritiker teure Folgekosten.

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Des Fürstbischofs Baumeister Johann Michael Küchel war nun am Zuge: 1742 lieferte er an den Abt ein neues, höchst dekoratives Zentralbauprojekt mit größeren Abmessungen. In die Mitte stellte er einen frei stehenden Gnadenaltar. Der Abt lehnte diesen Entwurf mit einer massiv gemauerten Kuppel aus Kostengründen ab.

Wohl auf Veranlassung des Abtes trat Balthasar Neumann auf den Plan. Sein Kirchenentwurf war im Prinzip die "abgespeckte"Schwesterkirche der von ihm geplanten Langheimer Abteikirche (dreischiffige Säulenbasilika mit Querhaus und Zweiturmfassade). Das Besondere daran war, dass die Stätte der Erscheinung in der Vierung zu liegen kam; in einem zweiten Plan kamen noch Emporen hinzu. Der Fürstbischof bestimmte die Ausführung. Doch der Abt wollte sparen, weil dieser Plan teure Planierungs -und Substrukionsmaßnahmen (für die Unterbauten) erforderte. Die Kirche wollte er deshalb ca. zehn Meter in Richtung Berg hinaufrücken. Dazu rief er seinen Privatarchitekten Krohne wieder hinzu. Dieser witterte seine Chance, seinen alten Plan doch noch verwirklicht zu sehen und änderte zugleich Neumanns Plan eigenmächtig in Richtung "protestantische Predigerkirche" um.

Am Georgstag (23. April) 1743 legte Abt Stephan Mösinger den Grundstein. Rasch wuchsen unter der Leitung des tüchtigen Staffelsteiner Maurermeisters Thomas Nißler die Umfassungsmauern der jetzigen Trikonchenanlage (3 im Grundriss halbrunde Nischen, Apsiden: siehe: halbkuppelige Kalotte) etwa 3 m hoch. Der gelbe Sandstein wurde an Ort und Stelle gebrochen.

Im Dezember 1743 sahen Neumann und Küchel an dieser Baustelle nach dem Rechten: die Wahrheit kam ans Licht. Neumann und der Fürstbischof waren entsetzt.

Der Abt versprach, dass "alle gemachten lutherischen nebensprüng" beseitigt werden und der Kirchenbau nun "nach dem wahren katholischen erfordernuss ganz zu machen" sei. Der für diese leidige Angelegenheit verantwortliche Abt ließ Krohne wie eine heiße Kartoffel fallen. Inzwischen trat auch der damals hoch geachtete und hoch betagte General Maximilian von Welsch aus Mainz auf den Plan, der dem Abt einen eigenwilligen Plan vorlegte. Diese Kirche hätte riesige Ausmaße besessen und war von vornherein in der Durchführung zum Scheitern verurteilt. Inzwischen leckte Neumann wieder Blut und arbeitete einen auf der Trikonchenidee Krohnes basierenden neuen Plan aus.

Da ja nun die heilige Stätte der Erscheinungen irgendwo im Längsschiff zu liegen kam, musste sie wieder zum Mittelpunkt werden. Außen konnte Neumann ja nichts verändern, lediglich innen konnte er noch Maßstäbe setzen. Er stellte auf beide Seiten der Erscheinungsstelle 4 Säulen so auf, dass sie Teile eines Ovals bildeten. So konnten auch damit verbundene Emporengalerien eingefügt werden: ein Geniestreich! Zwei kleinere Ovale schlossen sich im Osten und Westen an. Die Bauleitung behielt Neumann bis zu seinem Tode im Jahre 1753.

Aus Mainz kam der kurfürstliche Hofmaler Guiseppe Appiani für die Ausmalung der Fresken und Altarbilder. Wessobrunner Stukkateure arbeiteten unter der Leitung von Johann Michael Feichtmayr und Üblher an der Ausstattung der Kirche (Dekoration, Altäre, Kanzel, Gnadenaltar) in der neuen Rokkoko-Manier. Die wohl gelungenste Figur der Kirche stellt den hl. Wendelin, den Patron der Schäfer, dar, der im hinteren linken Seitenaltar auf der rechten Seite steht.

Die feierliche Einweihung der prächtigen Barock-Rokkoko-Kirche erfolgte nach 29 jähriger Bauzeit am 16. September 1772 durch Fürstbischof Adam Friedrich Seinsheim unter dem Abt Malachias Limmer.

Zur gleichen Zeit wurden nach Plänen von Küchel das daneben liegende Priorat der Zisterzienser, sowie ein Bedienstetenbau (heute Gästehaus des Klosters) mit denselben gelben Sandsteinen errichtet. Das ehemalige Priorat dient heute den Franziskanern als Kloster.